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Gemeinsam stark: So fördern Familien ihre Resilienz
Veröffentlicht am:02.01.2026
4 Minuten Lesedauer
Offene Kommunikation, gemeinsame Werte und eine gute Organisation sind die Basis resilienter Familien. Eltern, die diese Prinzipien vorleben, vermitteln ihren Kindern wichtige Fähigkeiten und stärken die psychische Gesundheit der gesamten Familie.

© iStock / SolStock
Was ist Familienresilienz?
Familienleben ist bunt – und herausfordernd. Von Alltagsstress bis zu großen Krisen wie Krankheit oder Trennung kennt jede Familie belastende Zeiten. Die Fähigkeit, solche Schwierigkeiten gemeinsam zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen, heißt Familienresilienz.
Resiliente Familien überstehen nicht nur schwierige Zeiten, sondern wachsen an ihnen. Studien zeigen, dass Paare und Familien durch Krisen oft gestärkt, liebevoller und einfallsreicher werden, um künftigen Herausforderungen zu begegnen.
Die Resilienz einer Familie ist dabei mehr als die Summe der psychischen Widerstandskraft einzelner Mitglieder. Sie entsteht durch die Interaktion, die gemeinsamen Erfahrungen und die geteilte Geschichte der Familie. In einer resilienten Familie geht es darum, als funktionale Einheit zusammenzuhalten, wenn etwas schwierig wird.
Warum ist Resilienz in der Familie wichtig?
Unsere Gesellschaft verändert sich rasant: Neue Lebensstile, vielfältige Familienmodelle, die Digitalisierung und die zunehmende Verschmelzung von Arbeit und Freizeit erhöhen den Stress im Familienalltag. Resiliente Familien bilden hier einen wichtigen Anker. Die Familienmitglieder unterstützen sich gegenseitig und meistern die Herausforderungen des modernen Lebens gemeinsam.
Familienresilienz stärkt außerdem die psychische Gesundheit aller Mitglieder. Sie hilft ihnen, Schwierigkeiten wie Krankheit, Verlust oder beruflichen Druck zu bewältigen, ohne daran zu zerbrechen. Untersuchungen zeigen, dass resiliente Familien in Krisen wie der Corona-Pandemie weniger unter Angst, Stress und Depression litten.
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Wie können Familien ihre Resilienz stärken?
Resilienz ist keine feste Eigenschaft, sondern entwickelt sich aus der Interaktion mit Bezugspersonen und dem Lebensumfeld. Die Resilienzforschung zeigt: Jede Familie kann lernen, ihre Resilienz zu stärken – unabhängig von ihren bisherigen Erfahrungen. Ein Rezept für alle gibt es jedoch nicht. Jede Familie muss herausfinden, was ihr und den einzelnen Familienmitgliedern guttut.
Die drei Säulen der Resilienz: Kommunikation, Glaubenssystem, Organisation
Die Psychologin und Familientherapeutin Froma Walsh hat ein Resilienzmodell entwickelt, das Forschung und Praxis weltweit nutzen und adaptieren. Es benennt drei Schlüsselbereiche für die Resilienz einer Familie: Kommunikation, familiäres Glaubenssystem und Organisationsmuster.
- Die Kommunikation ist offen, emotional und unterstützend. Die Familienmitglieder lösen Konflikte gemeinsam.
- Das familiäre Glaubenssystem umfasst gemeinsame Werte, Traditionen und Rituale. Sie halten die Familie zusammen.
- Die Organisationsmuster sind klar, aber flexibel. Es gibt Strukturen und Abläufe wie gemeinsame Essenszeiten, die die Familie an die Mitglieder anpassen kann. Diese Flexibilität bringt die unterschiedlichen Bedürfnisse und Ressourcen in Einklang.
Diese drei Bereiche sind in jeder Familie unterschiedlich stark ausgeprägt und beeinflussen sich gegenseitig. Wichtig ist, dass resiliente Eltern flexibel handeln: Sie gewähren ihren Kindern Freiheiten und setzen zugleich Grenzen. Diese Grenzen verhandeln sie immer wieder neu und passen sie beispielsweise an das Alter der Kinder an.
Auch resiliente Familien durchleben bessere und schlechtere Phasen. Sie finden jedoch immer wieder zu einer Balance zurück. Jede gemeinsam bewältigte Krise stärkt das System.
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Resilienz im Alltag leben: konkrete Tipps für Familien
Familie ist der primäre Ort, an dem sich Resilienz entwickelt. Eltern vermitteln aktiv Kompetenzen wie Vertrauen oder Stressbewältigung und sind zugleich Vorbilder. Die Grundlage ist eine gute Selbstfürsorge der Eltern. Nur wer sich selbst wohlfühlt, kann für andere da sein.
Eine emotionale Bindung zu einer Bezugsperson, etwa einem Elternteil, und ein liebevolles Umfeld legen im Kindesalter die Basis für eine starke Persönlichkeit. Eltern und andere Bezugspersonen tragen entscheidend dazu bei, indem sie:
- Sicherheit und Zuverlässigkeit bieten
- Grundbedürfnisse feinfühlig beantworten
- Präsenz zeigen
- eigenständige Handlungen ermöglich
- Herausforderungen unterstützen
- Ermutigung und positive Rückmeldung geben
- Halt und Trost in Krisen bieten
Daraus entsteht ein zentrales Merkmal von Resilienz: die Selbstwirksamkeit. Sie bedeutet, auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und überzeugt zu sein, Ziele trotz Hindernissen zu erreichen. Um die Selbstwirksamkeit eines Kindes zu fördern, müssen Eltern ihm Gelegenheiten geben, seine Umgebung aktiv und selbstständig zu erkunden, es dabei unterstützen und loben. Beim Essen können Eltern die Selbstwirksam beispielsweise fördern, indem die Kinder:
- beim Tischdecken und -abräumen mitwirken
- selbst Getränke einschenken, essen und einen Lappen holen dürfen, wenn etwas daneben geht
- in ihrem eigenen Tempo essen dürfen

© iStock / StockPlanets
Resilienz im Zusammenspiel mit äußeren Einflüssen
Äußerliche Lebensbedingungen wie ein gutes Betreuungsangebot, Schule, Freizeitmöglichkeiten und Bezugspersonen innerhalb und außerhalb der Familie prägen ebenfalls die Resilienz einer Familie. Die Vorstellung, alles allein bewältigen zu müssen, kann Druck erzeugen und Scheitern begünstigen. Externe Angebote wie Entwicklungsgespräche in der Kita, Beratungen und soziale Dienste können Familien dabei helfen, ihre Resilienz zu stärken.
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