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So funktioniert Co-Parenting

Veröffentlicht am:28.11.2022

4 Minuten Lesedauer

Elternwerden setzt keine Liebesbeziehung voraus. Beim Co-Parenting tun sich Erwachsene, die nicht in einer partnerschaftlichen Beziehung leben, zusammen, um Kinder großzuziehen. Eine Co-Elternschaft sollte allerdings gut überlegt sein.

Zwei Frauen erziehen gemeinsam zwei Kinder nach dem Co-Parenting-Modell.

© iStock / JLco - Julia Amaral

Inhalte im Überblick

    Was ist Co-Elternschaft?

    Ein Mann und eine Frau, die sich verlieben, heiraten und dann gemeinsame leibliche Kinder bekommen – das gilt noch immer als klassisches Familienmodell. Tatsächlich gibt es viele weitere Modelle: Patchwork-Familien, Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern, Familien mit nur einem Elternteil und auch Familien, in denen Menschen Kinder großziehen, die niemals in einer Liebesbeziehung zueinander standen. Dann sprechen Expertinnen und Experten vom sogenannten Co-Parenting oder von einer Co-Elternschaft.

    Co-Parenting beschreibt per Definition eine Situation, in der sich Erwachsene zusammentun, um ein oder mehrere Kinder zu bekommen und großzuziehen, ohne dass sie in einer sexuellen oder romantischen Beziehung zueinander stehen. Co-Eltern legen vor allem Wert darauf, dass sie die gleiche Weltanschauung und die gleichen Vorstellungen von Erziehung haben. So können Kinder mit mehr Achtsamkeit erzogen werden.

    Häufig besteht ein Co-Parenting-Team aus zwei Elternteilen. Es gibt jedoch auch Konstellationen, bei denen mehrere Erwachsene sich die Elternschaft teilen, zum Beispiel wenn ein lesbisches Paar und ein Mann eine Co-Parenting-Verbindung eingehen. Expertinnen und Experten sehen derart vielfältige Familienformen als Trend, der sich in Zukunft noch verstärken wird.

    Wie funktioniert Co-Parenting?

    Beim Co-Parenting finden Gleichgesinnte zu einem Zweck zusammen: ein oder mehrere Kinder zu bekommen und gemeinsam großzuziehen. In manchen Fällen werden aus Freund- oder Bekanntschaften irgendwann Co-Elternschaften. Auch über spezielle Internetportale und Online-Communitys finden sich Co-Parenting-Teams.

    Wie wird das Kind gezeugt?

    In der Regel werden Kinder in einer Co-Elternschaft nicht durch Sexualverkehr gezeugt, sondern durch Insemination. Dabei wird von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen das Sperma des männlichen Co-Elternteils in die Vagina des weiblichen Co-Elternteils geführt, um die Eizelle zu befruchten. Ist kein Mann am Co-Parenting beteiligt, kann die Befruchtung über eine Samenspende aus einer Samenbank erfolgen.

    Wie wird Co-Elternschaft rechtlich geregelt?

    Da Co-Eltern nicht miteinander verheiratet sind, werden sie wie andere unverheiratete Elternpaare behandelt. Dabei erhält zunächst die leibliche Mutter das alleinige Sorgerecht. Viele Co-Väter oder -Mütter entscheiden sich deshalb, eine Sorgeerklärung zu unterschreiben. Dabei handelt es sich um eine offizielle Willenserklärung von unverheirateten Eltern, die elterliche Sorge gemeinsam ausüben zu wollen. Nur so ist garantiert, dass beide Elternteile ein Sorge- und Umgangsrecht für das Kind bekommen.

    Was gibt es finanziell zu beachten?

    Wer das Sorgerecht hat, ist auch unterhaltspflichtig. Das heißt, dass beide Co-Parenting-Elternteile verpflichtet sind, dem Kind Unterhalt zu zahlen. Die leibliche Mutter des Kindes hat darüber hinaus mindestens bis drei Jahre nach der Geburt ebenfalls ein Anrecht auf finanzielle Unterstützung vom Vater in Form von Unterhaltszahlungen.

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    Welche Vorteile bringt das Co-Parenting?

    Liebespaare suchen sich einander nicht vordergründig unter dem Aspekt aus, welche Vorstellungen von Erziehung der oder die andere hat – was in der späteren Elternrolle möglicherweise zu Konflikten führt. An Co-Parenting Interessierte suchen sich für die gemeinsame Elternschaft deshalb Menschen, mit denen sie sich gut verstehen und gemeinsame Werte teilen. Daher ist es oft ein Vorteil für Kinder von Co-Eltern, wenn zwischen den Eltern Einigkeit in Sachen Erziehung besteht und der Familienalltag achtsam gemeistert wird.

    Eine Verbindung zur Co-Elternschaft wird in den meisten Fällen auf einer freundschaftlichen Basis geschlossen. Wie eng oder locker das Verhältnis der Co-Eltern zueinander ist, ist individuell verschieden. In der Regel sind jedoch Liebe und Sexualität außen vor. Das vereinfacht die Situation, da die Elternschaft stabil fortgeführt wird. In klassischen Familien bedeutet das Aus der Liebesbeziehung meist auch das Ende des klassischen Familienmodells.

    Co-Parenting hat zudem das Potenzial, dass die Elternteile gleichberechtigter in dieser Familienform leben, als es häufig in klassischen Familienmodellen der Fall ist. Sie beteiligen sich unabhängig vom Geschlecht an den verschiedenen in der Familie anfallenden Aufgaben. Kinder von Co-Parenting-Teams, die aus mehr als zwei Erwachsenen bestehen, haben neben den Eltern eine zusätzliche Bezugsperson. Gleichzeitig verteilt sich die Verantwortung sowie die finanzielle und organisatorische Arbeit auf mehrere Schultern.

    Zwei Frauen und ein Mann sitzen gemeinsam auf einem Sofa am Fenster und sprechen über Co-Parenting.

    © iStock / piola666

    Beim Co-Parenting gibt es keine festen Konventionen. Das bringt Vorteile, aber auch Herausforderungen mit sich.

    Welche Herausforderungen bringt das Co-Parenting?

    Das Modell der Co-Elternschaft bringt Vorteile für Eltern und Kind, aber auch besondere Herausforderungen. Schwierig ist es zum Beispiel für Co-Eltern-Teams, die aus mehr als zwei Erwachsenen bestehen, da in der Gesetzgebung derzeit nur zwei Elternteile berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass zum Beispiel einer von drei Elternteilen keine offiziellen Elternrechte hat. Das wird möglicherweise problematisch, wenn beispielsweise ein Todesfall oder Krankenhausaufenthalt eintritt. Auch bei Alltagskonflikten kann das zu Problemen führen. Denn auch ohne romantische Beziehung ist nicht ausgeschlossen, dass sich freundschaftlich verbundene Eltern zerstreiten.

    Hinzu kommt: Wer die Liebe aus der Elternschaft ausklammert, sucht und findet sie womöglich woanders. Eine neue Partnerschaft oder sogar Elternschaft erschwert es, sich weiter im Co-Parenting-Team einzubringen. Dennoch bleibt die Verpflichtung bestehen, die ein Elternteil gegenüber dem Kind und dem anderen Co-Elternteil eingegangen ist.

    Damit Co-Parenting gelingt, ist es daher wichtig, sich die Verpflichtungen, die die Eltern eingehen, bewusst zu machen. Co-Eltern legen sich für viele Jahre auf dieses Modell fest. Sie, aber insbesondere auch die Kinder, brauchen Stabilität. Um mögliche Streitigkeiten zu vermeiden, empfehlen Expertinnen und Experten, im Vorfeld die Aufgabenteilung genau zu besprechen und die Ausgestaltung der Co-Elternschaft vertraglich festzuhalten.

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