Ernährungsformen

Scheinfasten als sanfte Fastenalternative

Veröffentlicht am:15.01.2026

8 Minuten Lesedauer

Scheinfasten ahmt die positiven Effekte des klassischen Fastens nach und soll den Körper in den Fastenmodus versetzen. Wichtig dabei ist die richtige Auswahl der Lebensmittel. Was man unter Scheinfasten versteht, wie es funktioniert und wie es wirkt.

Ein Mann kauft mit einem Weidenkorb in der Hand auf dem Markt ein.

© iStock / LordHenriVoton

Was ist Scheinfasten?

Bei der Fasting Mimicking Diet (FMD), auch als Scheinfasten bekannt, nimmt man fünf Tage lang nur eine stark begrenzte Kalorienmenge zu sich. Damit soll der Körper in einen Fastenzustand versetzt werden, ohne vollständig auf Nahrung zu verzichten. Das Ziel: die positiven Effekte des intermittierenden Fastens erreichen.

Die Kalorienzufuhr liegt meist bei 30 bis 50 Prozent des normalen Bedarfs. Dabei kommt wenig Eiweiß auf den Teller, während Fett und komplexe Kohlenhydrate jeweils fast die Hälfte der Kalorien ausmachen. Die Fasting Mimicking Diet geht auf den Wissenschaftler und Fastenexperten Valter Longo zurück.

Was passiert beim Scheinfasten?

Die angepasste Zusammensetzung der Nahrung zielt darauf ab, wichtige Stoffwechselprozesse anzuregen. Darunter die Regulierung von Blutzuckerwerten und die Produktion von Ketonkörpern.

Der Organismus bildet ständig geringe Mengen Ketonkörper und nutzt sie als Energiequelle. Während Fastenphasen, sogar nachts im Schlaf, erhöht sich ihre Produktion, sodass mehr Ketone im Blut zirkulieren6 – das soll Entzündungsprozesse hemmen.

Dazu könnte das Scheinfasten führen:

  • Der Körper reagiert, als würde er fasten, ohne kompletten Nahrungsverzicht.
  • Die Zellen beginnen, sich zu reinigen und geschädigte Bestandteile abzubauen.
  • Der Körper greift verstärkt auf Fettreserven zurück.
  • Organe und Zellen erhalten Zeit zur Erholung und Reparatur.

Wie lange dauert Scheinfasten?

Das kalorienreduzierte Ernährungsprogramm wird in Zyklen durchgeführt: Etwa an fünf Tagen pro Monat ohne Pause über insgesamt drei Monate. Dabei halten Sie ein bestimmtes Schema ein: Die Kalorienzufuhr wird Stück für Stück gesenkt und die Nährstoffdichte angepasst.

Das Scheinfasten zählt zu den periodischen Fastenmethoden. Dabei handelt es sich um Fastentechniken, die über längere Zeiträume von Tagen oder Wochen angelegt sind.

Welche Arten des Scheinfastens gibt es?

Der Wissenschaftler und Fastenexperten Valter Longo unterscheidet zwei Formen von Scheinfasten:

  1. Standard-FMD („Prolon“): Dabei fasten Menschen an vier bis fünf Tagen pro Monat, die tägliche Kalorienaufnahme liegt bei maximal 700 bis 1.000 Kilokalorien.
  2. Chemotherapie-FMD („Chemolieve“): Während der Chemotherapie leiden viele Patienten und Patientinnen an Geschmacksstörungen. Die Chemotherapie-FMD passt die Ernährung daran an und erzielt gleichzeitig die gewünschten Fasteneffekte. In einer Studie zeigte sich zudem, dass Menschen mit der Fastenmethode Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Übelkeit und Erbrechen ausgleichen konnten, ohne zusätzlich Medikamente einzunehmen. Das Programm ist auf 96 Stunden ausgelegt und mit vier Tagen meist einen Tag kürzer als das normale Programm.

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Wie sieht ein Tag mit Scheinfasten aus?

Scheinfastende nehmen über fünf Tage hinweg eine begrenzte Menge an Kalorien auf. Dabei sind kleine Mengen ausgewählter Nährstoffe erlaubt – „hungern“ muss man bei der Fasting Mimicking Diet also nicht.

So gehen Sie beim Scheinfasten vor:

  • Tag 1: Am ersten Tag der FMD nehmen Sie etwa 1.100 Kalorien zu sich. Davon entfallen rund 11 Prozent auf Eiweiß, 46 Prozent auf Fett und 43 Prozent auf Kohlenhydrate. Diese Kombination liefert Energie und bereitet Ihren Körper sanft auf den Fastenmodus vor.
  • Tag 2 bis 5: In den nächsten vier Tagen senken Sie die Kalorienzufuhr auf etwa 725 Kalorien pro Tag. Die Aufteilung liegt bei ca. 9 Prozent Eiweiß, 44 Prozent Fett und 47 Prozent Kohlenhydraten. So kann Ihr Körper die Vorteile des Fastens nutzen, während er weiterhin wichtige Nährstoffe erhält.
TagGesamtkalorienEiweißEiweiß (Kalorien)FettFett (Kalorien)KohlenhydrateKohlenhydrate (Kalorien)
Tag 11.100 kcal11 %121 kcal46 %506 kcal43 %473 kcal
Tag 2–5725 kcal9 %65 kcal44 %319 kcal47 %341 kcal
Übersicht Scheinfasten: Kalorien aus Makronährstoffen. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Fast-Mimicking Diet: Foods, Benefits, and Risks

Was darf man beim Scheinfasten essen?

Beim Scheinfasten reduzieren Sie Kalorien und setzen auf eine pflanzliche Ernährung. Doch was kann man beispielsweise beim Scheinfasten frühstücken? Gut geeignet sind natürliche Lebensmittel wie nicht stärkehaltiges Gemüse und Früchte. Auch Haferflocken sind beim Scheinfasten erlaubt. Verarbeitete Lebensmittel und welche mit hohem glykämischen Index sind tabu – sie liefern viele Kalorien, dauerhaft aber nur wenig Energie.

Die Online-Plattformen UCLA Health, Thieme und Healthline empfehlen, folgende Lebensmittel beim Scheinfasten zu essen beziehungsweise darauf zu verzichten:

Geeignete Lebensmittel beim ScheinfastenUngeeignete Lebensmittel beim Scheinfasten
Sellerie, Tomaten, Zucchini, Möhren, Paprika Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Linsen, Bohnen, ungeschälter Reis, Hafer, Vollkornprodukte, Quinoa, Hafer, Beeren, Äpfel, Orangen, Avocado, Olivenöl, Walnüsse, Samen, Tee ohne Koffein und Zucker wie Kamillen-, Hibiskus- oder PfefferminzteeGeschälter Reis, Weißbrot, Lebensmittel mit tierischem Eiweiß (etwa Milch, Joghurt, Fleisch), stärkehaltiges Gemüse wie Kartoffeln, Mais oder Erbsen, verarbeitete und zuckerhaltige Lebensmittel wie Limonade oder zuckerreiche Obstsorten, etwa Weintrauben
Übersicht geeigneter und ungeeigneter Lebensmittel beim Scheinfasten. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Fast track to health? Inside the Fasting Mimicking Diet | UCLA Health Fast-Mimicking Diet: Foods, Benefits, and Risks | Scheinfasten – essen und doch fasten – Thieme Natürlich Medizin!

Welche Tipps gibt es für das Scheinfasten?

Scheinfasten macht anfangs ein wenig Mühe. Man benötigt Zeit und Geduld für die richtige Lebensmittelauswahl, die Kalorienkontrolle und die Zusammensetzung der Mahlzeiten. Diese Regeln sollen dabei helfen:

  • Essen Sie während der fünftägigen Kur täglich drei kleine Mahlzeiten, um den Körper in den Fastenmodus zu versetzen.
  • Wählen Sie Mahlzeiten, die ausschließlich aus pflanzlichen und ballaststoffreichen Lebensmitteln bestehen – meiden Sie tierische Produkte.
  • Planen Sie genau: Die Hälfte der Energie stammt aus Gemüse mit komplexen Kohlenhydraten, die andere Hälfte entfällt auf gesunde pflanzliche Fette, etwa auf Nüsse oder Olivenöl.
  • Schnell verdauliche Kohlenhydrate wie Weißmehlprodukte oder helle Nudeln sollten Fastende nicht essen – Fett ist die vorrangige Energiequelle.

Teilnehmende bevorzugen am besten frische, naturbelassene und saisonale Lebensmittel.

Ist beim Scheinfasten Kaffee erlaubt?

Wasser, ungesüßter Tee oder eine Tasse schwarzer Kaffee, also ohne Zucker oder Milch, sind erlaubt. Auch Kaffee und Tee (in Maßen) tragen zur Flüssigkeitszufuhr bei.

Wie oft sollte man scheinfasten?

Wer den Körper gezielt verjüngen möchte, plant zwei bis vier Mal im Jahr eine fünftägige Fastenkur ein – das raten zumindest Forschende. Personen mit chronischen Erkrankungen können jeden Monat fünf Tage fasten. Sie halten am besten vorher Rücksprache mit dem Hausarzt oder der Hausärztin.

Doc Felix erklärt Intervall- und Heilfasten, deren Vorteile für Stoffwechsel und Darm sowie wichtige Hinweise zu Dauer, Zeiten und möglichen Einschränkungen.

Was sagt die Wissenschaft zum Scheinfasten?

Neueste Untersuchungen zeigen, dass Scheinfasten die Gewichtskontrolle unterstützt, den Stoffwechsel stabilisiert und das Risiko für chronische Erkrankungen senken kann. Teilnehmende profitierten unter anderem von reduziertem Bauch- und Leberfett, niedrigeren Cholesterin- und Blutzuckerwerten sowie gesenktem Blutdruck.

Scheinfasten aktiviert womöglich die körpereigenen Reinigungsprozesse, bei denen beschädigte oder funktionsgestörte Zellen abgebaut werden. Dieser Mechanismus, bekannt als Autophagie, trägt dazu bei, geschädigte Zellen zu verringern, Entzündungen zu mindern und altersbedingten Erkrankungen vorzubeugen.

Kann Scheinfasten das Altern verlangsamen?

Eine Studie hat sich konkret damit beschäftigt, wie Scheinfasten das biologische Alter und das Krankheitsrisiko beeinflusst. Computergestützte Modelle weisen auf Folgendes hin:

  • Regelmäßige FMD-Zyklen bremsen womöglich den Alterungsprozess und stärken die Gesundheit langfristig.
  • Drei Kurzyklen pro Jahr unterstützen Fastende möglicherweise dabei, dass ihr Körper biologisch langsamer altert als das Kalenderalter. Das kann über zwei Jahrzehnte fast 11 Jahre Unterschied machen und das Risiko altersbedingter Krankheiten senken.

Die Daten stammen allerdings aus einer kleinen Studie mit besonders gesunden Teilnehmenden. Daher lassen sich die simulierten Effekte nicht automatisch auf alle Menschen übertragen.

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Für wen ist Scheinfasten geeignet und für wen nicht?

Die Fasting Mimicking Diet ist für Menschen besonders interessant, die ohne Hungern fasten möchten. Wer ein bedeutendes Risiko für eine Unterernährung oder Mangelernährung mitbringt, sollte die Fastendiät nicht durchführen.

Folgende Personengruppen sollten das Vorhaben vorab mit dem Hausarzt oder der Hausärztin abklären:

  • Schwangere oder stillende Frauen
  • Menschen mit Essstörungen – aktuell oder in der Vergangenheit
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Nierenerkrankungen

Scheinfasten-Rezept: frischer Spinatsalat mit Avocado und Fenchel

Anfangs stellen sich Fastende viele Fragen: Welches Frühstück ist beim Scheinfasten möglich und wie kann ein Abendessen aussehen? Folgendes Rezept eignet sich für morgens, mittags oder abends.

Ein Salatteller mit Orangen, Avocado und Zwiebeln.

© iStock / viennetta

Beim Scheinfasten wird nicht auf Nahrung verzichtet, die Nährstoffe werden aber anders gewichtet.

Zutaten

1 Portion
  • 100gjunger Blattspinat
  • 80gFenchel, grob gehobelt
  • 80gAvocado, in Würfeln
  • 1kleine rote Zwiebel, sehr fein geschnitten
  • 1TeelöffelOlivenöl
  • 1TeelöffelZitronensaft
  • Salz, Pfeffer
  • optional: eine Prise Kreuzkümmel oder frische Kräuter

Zubereitung

  1. Den Spinat gründlich waschen, trockenschleudern und in eine mittelgroße Schüssel geben.

  2. Den Fenchel waschen, das äußere Blatt entfernen und den Strunk leicht abschneiden. Dann den Fenchel in dünne Streifen hobeln und zum Spinat geben.

  3. Die Avocado halbieren, den Kern entfernen, das Fruchtfleisch herauslösen und in kleine Würfel schneiden. Ebenfalls in die Schüssel geben.

  4. Die rote Zwiebel schälen und in sehr feine Ringe schneiden. Diese vorsichtig unter den Salat heben, damit die Textur erhalten bleibt.

  5. Für das Dressing Olivenöl und Zitronensaft in einem kleinen Gefäß verrühren. Mit Salz, Pfeffer und optional Kreuzkümmel oder gehackten frischen Kräutern abschmecken.

  6. Das Dressing gleichmäßig über den Salat geben und alles vorsichtig vermengen, damit die Avocadowürfel nicht zerdrückt werden.

  7. Den fertigen Salat auf einem Teller anrichten und sofort servieren.

Fachlich geprüft
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