Umgang mit Risikogruppen und besorgten Mitarbeitern

Hygienepläne und Schutzkonzepte sind verabschiedet. Die Mitarbeiter kommen nach und nach wieder zurück an die Arbeitsplätze vor Ort im Unternehmen. Doch der ein oder andere Beschäftigte hat Bedenken. Wie Führungskräfte mit den Sorgen rund um das Thema Infektionsgefahr umgehen können.

Mitarbeiter haben Bedenken vor der Rückkehr

Experten sind sich einig: Die Schließung der Standorte und die Verlagerung eines Großteils oder der gesamten Belegschaft ins Homeoffice hat wesentlich dazu beigetragen, die Infektionszahlen in Deutschland auf einem im internationalen Vergleich niedrigen Niveau zu halten. Nun sind Hygienepläne und Schutzkonzepte in den Betrieben ausgearbeitet. Die Mitarbeiter können – mit Abstand – wieder zurück an ihre Arbeitsplätze.

Doch viele Beschäftigte haben Bedenken: 24 Prozent der Deutschen haben große oder sehr große Angst sich mit dem Coronavirus anzustecken, so eine Umfrage des ARD-DeutschlandTrend. Nach einer Studie des ifo-Instituts kehren nur 36 Prozent, der Beschäftigten, die pandemiebedingt in den vergangenen Monaten zuhause arbeiteten, bereitwillig in den Betrieb zurück. Die Gründe:

  • 39 Prozent gaben an, dass andere Menschen die Sicherheitsmaßgaben nicht ernst nehmen
  • 29 Prozent fürchten sich vor Ansteckung in Meetings und bei betrieblichen Versammlungen
  • 25 Prozent haben Bedenken wegen des Arbeitswegs
  • 18 Prozent sorgen sich, weil sie in unmittelbarer Nähe zu anderen Menschen arbeiten
  • 11 Prozent halten die Hygiene am Arbeitsplatz für mangelhaft

Vertrauen wiederherstellen

Die Umfrage zeigt: nur wenige haben Bedenken, dass der Arbeitgeber nicht in der Lage ist, geeignete Sicherheits- und Hygienemaßnahmen zu treffen. Sie fürchten vielmehr, dass andere – Kollegen, Kunden oder Menschen im öffentlichen Nahverkehr – die Sicherheitsmaßnahmen nicht einhalten. Arbeitgeber können dem nur entgegenwirken, indem sie

  • selbst als Vorbild agieren und Regeln konsequent umsetzen,
  • die Einhaltung der Schutzmaßnahmen als oberste Priorität behandeln,
  • ganz klar kommunizieren, welche Regeln gelten und warum sie notwendig sind,
  • Konsequenzen bei Zuwiderhandeln ankündigen.

Es ist notwendig, Vertrauen in die im Unternehmen getroffenen Schutzmaßnahmen aufzubauen. Wenn die Beschäftigten erkennen, dass der Führungsebene das Thema selbst wichtig ist und sie die neuen Regeln vorlebt, übernehmen auch diejenigen die Vorschriften, die sie sonst vielleicht nicht eingehalten hätten.

Genauso wichtig, wie das Verhalten der Führungskräfte, ist das Verhalten im Team.

Damit die aktuellen Regeln zum Infektionsschutz nicht vergessen werden, braucht es neue Rituale im Unternehmen und in den einzelnen Teams – bei der Begrüßung, in Meetings, in den Pausen. Daher sollten Führungskräfte wiederholt an die neuen Regeln erinnern. Zum Beispiel am Schwarzen Brett oder in der Teeküche.

Umgang mit Risikogruppen

Mitarbeiter, die einer Risikogruppe angehören, sind besonders vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Daher müssen für sie besondere Maßnahmen getroffen werden. Risikogruppen sind nach dem Robert Koch-Institut insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen wie etwa

  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • chronische Erkrankungen der Lunge wie Asthma oder COPD
  • chronischen Lebererkrankungen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • akut behandelte Krebserkrankungen
  • ein geschwächtes Immunsystem aufgrund einer Erkrankung
  • Mitarbeiter über 60 Jahre

Am besten kann ein Betriebsarzt im Zusammenspiel mit dem behandelnden Arzt einschätzen, ob ein Mitarbeiter zur Risikogruppe gehört und welche Schutzmaßnahmen für ihn getroffen werden sollten. In Frage kommen Arbeiten mit verringertem Infektionsrisiko, zum Beispiel im Homeoffice, Arbeit in einem Einzelbüro, Zuweisung anderer Tätigkeiten oder wenn das nicht möglich ist, Freistellung unter Entgeltfortzahlung. 

Das Verfahren ist mit dem Personal- oder Betriebsrat abzustimmen. Daran ist auch die Schwerbehindertenvertretung zu beteiligen, die auch bei der Umsetzung im Einzelfall unterrichtet und angehört wird.

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Mitarbeiter, die Angehörige in Risikogruppen haben

Kann ein Mitarbeiter einen Beleg über die Vorerkrankung seines Angehörigen vorweisen, sollten die Bedenken ernst genommen werden. In diesem Fall lassen sich ebenfalls individuelle Lösungen finden, zum Beispiel Homeoffice oder Arbeitsbefreiung nach dem Pflegezeitgesetz.

Kein Recht auf Homeoffice

Was aber tun, wenn Mitarbeiter trotz aller Schutzmaßnahmen immer noch zögern, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, obwohl sie keiner Risikogruppe angehören? Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist die Sorge vor Ansteckung kein Grund auf Dauer zu Hause arbeiten zu dürfen. Solange allerdings der neue Arbeitsschutzstandard SARS-CoV-2 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gilt, sind Arbeitgeber dazu angehalten, das Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen – wo immer das machbar ist.

Arbeitgeber sollten die Rückkehr nicht per Zwang anordnen, sondern stattdessen das Gespräch mit den Beschäftigten suchen. Besonders in Phasen der Unsicherheit fördert eine wertschätzende und unterstützende Führung die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt im Team. Führungskräfte können auch sehr vorsichtige Mitarbeiter wieder ins Boot holen, indem sie Sorgen und Ängste ernst nehmen und gleichzeitig Angebote formulieren, wie ein Arbeiten in diesen außergewöhnlichen Zeiten sicher möglich ist. Die Anwesenheit vor Ort kann so langsam und Mitarbeiterverträglich wieder hochgefahren werden.

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Erstellt am: 07.08.2020

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