Respekt für Basisarbeitende

Ob in Lieferdiensten, der Reinigung, Logistik oder Produktion: Basisarbeitende verrichten wichtige Arbeiten. Arbeitgeber können diese Leistung durch gut gestaltete Arbeitsbedingungen, einen respektvollen Umgang, und passende Gesundheitsangebote sichtbar wertschätzen. Davon profitieren Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen.

Warum Basisarbeit unverzichtbar ist

Rund 30 Prozent der AOK-versicherten Beschäftigten leisten Basisarbeit. Sie sind in Reinigung, Logistik, Lieferung, Service oder Versorgung tätig. Diese Tätigkeiten sind zumeist körperlich belastend. Hinzu kommen Zeitdruck, Schichtarbeit, wechselnde Einsatzorte oder geringe Handlungsspielräume. Viele Beschäftigte erleben auch, dass sie kaum Möglichkeiten haben, ihre Erfahrungen einzubringen. Eine besondere Herausforderung sind Sprachbarrieren und kulturelle Prägungen. Sprachkenntnisse sind aber essenziell für reibungslose Abläufe und ein gutes Miteinander im Betrieb.

ORBiT: Arbeitsbedingungen und Miteinander gestalten

Unternehmen und Gesellschaft sind darauf angewiesen, dass Basisarbeiten zuverlässig erledigt werden. Dafür ist es erforderlich, dass die Menschen, die sie verrichten, leistungsfähig bleiben und sich engagiert einbringen. „Gerade in Zeiten von Arbeitskräftemangel geht es darum, diese Beschäftigten zu halten, ihre Arbeit wertzuschätzen und gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt Dr. Birgit Schauerte, Teamleiterin Forschung & Entwicklung beim BGF-Institut in Köln sowie Leiterin des Projekts ORBiT (Organisationaler Respekt und Basisarbeit in der Transformation).

Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderte Forschungsvorhaben hat untersucht, wie Unternehmen die Arbeitsbedingungen von Basisarbeitenden verbessern und ihre Arbeit sichtbar wertschätzen können. Ziel war die Entwicklung praxisnaher Handlungshilfen für Unternehmen und Beschäftigte, eingebettet in das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM).

Führungskraft als wichtige Bezugsperson

Leichter gesagt als getan. Denn im Rahmen des Projekts zeigte sich, dass viele Basisarbeitende Gesundheitsinformationen, Arbeitsschutzstrukturen oder Angebote im Betrieb nicht gut einordnen konnten. Situationen wie eine Befragung oder ärztliche Untersuchungen erlebten diese Mitarbeitenden oft als bedrohlich. Ihnen war unklar, was dahintersteht.

„Die Beschäftigten mussten verstehen, warum sie von uns befragt werden, dass keine negativen Folgen entstehen und dass sie ihren Namen nicht angeben müssen. Dort, wo Führungskräfte nah dran waren und das verständlich erklärt haben, waren die Rückläufe der Fragebögen deutlich höher“, so Birgit Schauerte.

Ergebnisse ORBiT

Zusammenfassend lassen sich folgende Ergebnisse aus dem Projekt ableiten:

  • Basisarbeitende wünschen sich einen respektvollen Umgang durch Führungskräfte und untereinander.
  • Arbeitgeber können Respekt und Wertschätzung auch indirekt vermitteln. Zum Beispiel durch gut gestaltete Arbeitsbedingungen, eine verständliche Kommunikation, faire Gehälter, verlässliche Verträge und berufliche Weiterentwicklung.
  • Unternehmen sind gefordert, verständliche, oft mehrsprachige Gesundheitsinformationen bereitzustellen, die Basisarbeitenden helfen, sich im deutschen Gesundheits- und Arbeitsschutzsystem zurechtzufinden.

Praxisnahe Instrumente und Handlungshilfen

Auf Basis der Projektergebnisse sind praxisnahe Instrumente und Handlungshilfen entstanden. Sie stehen Unternehmen, Führungskräften und Basisarbeitenden auf der Plattform „Wegweiser Gesundheit" kostenfrei zur Verfügung. Unter anderem sind dort zu finden:

  • KI-basierter Wegweiser Gesundheit
    Ein KI-basierter Wegweiser macht wichtige Informationen zum deutschen Gesundheitssystem und zum Arbeitsschutz verständlich und mehrsprachig zugänglich. Darüber hinaus bietet er Basisarbeitenden eine Chatfunktion für sichere und qualitätsgeprüfte Antworten auf grundsätzliche Fragen.
  • Kurzbefragung (Screening)
    Mehrsprachiges Instrument mit 19 Fragen, mit denen Basisarbeitende die Arbeitsbedingungen und das Miteinander bewerten können.
  • Workshops
    Beteiligungsorientierte Formate mit Basisarbeitenden und Führungskräfte unterstützen dabei, nach der Befragung passgenaue Lösungen zu entwickeln.
  • Handlungshilfen
    Vertiefende Materialien, um organisationalen Respekt zu stärken.
ORBiT

Plattform „Wegweiser Gesundheit“

Die Plattform des ORBiT-Projekts bündelt alle Tools und Informationen an einem Ort. Sie unterstützt dabei, organisationalen Respekt am Arbeitsplatz zu analysieren, Maßnahmen zu planen und nachhaltig umzusetzen.

Was Unternehmen für Basisarbeitende tun können

Wie sichtbar sind Basisarbeitende in Ihrem Unternehmen? Die folgende Checkliste kann Ihnen helfen, ihre Arbeitswirklichkeit besser zu verstehen und Ansatzpunkte für mehr Wertschätzung, Gesundheit und Beteiligung zu identifizieren.

Checkliste für Arbeitgeber

  1. Wissen Sie, wie Basisarbeitende ihre Arbeitsbedingungen und das Miteinander erleben?
  2. Geben Sie Beschäftigten die Möglichkeit, Belastungen und Verbesserungsideen einzubringen?
  3. Unterstützen Sie Führungskräfte darin, Wertschätzung und Respekt im Alltag umzusetzen?
  4. Erreichen Sie Basisarbeitende mit Ihren bestehenden BGF-Angeboten?
  5. Passen Zeiten, Orte, Sprache und Formate der Angebote zu ihrer Arbeitsrealität?
  6. Stellen Sie niedrigschwellige, verständliche Informationen zu Gesundheit und Versorgung bereit?

Hier können Betriebe konkret ansetzen

Unternehmen können an mehreren Stellen ansetzen, um Basisarbeitende besser zu erreichen, Wertschätzung zu zeigen und ihre Gesundheit zu stärken:

Impulse aus ORBiT

  • Arbeitswirklichkeit verstehen: Prüfen, wo Belastungen bestehen, welche Ressourcen fehlen und welche Angebote tatsächlich genutzt werden.
  • Führungskräfte stärken: Führungskräfte sind für Basisarbeitende oft wichtige Vertrauenspersonen und soziale Unterstützung.
  • Beteiligung ermöglichen: Basisarbeitende in die Planung von Maßnahmen einbeziehen, die ihre Arbeit betreffen.
  • BGF-Angebote anpassen: Angebote zeitlich, sprachlich, organisatorisch und inhaltlich auf die Zielgruppe ausrichten.
  • Einfach kommunizieren: Gesundheitsinformationen niedrigschwellig, mehrsprachig und praxisnah bereitstellen.
  • Strukturen prüfen: Pausen, Arbeitsorganisation, Teamklima, Feedbackmöglichkeiten und Zugang zu Angeboten regelmäßig betrachten.

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Das kostenfreie AOK-Programm „Gesund führen“ unterstützt Führungskräfte dabei, Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlich zu gestalten und Wertschätzung im Arbeitsalltag erlebbar zu machen, etwa durch gute Kommunikation, passende Rahmenbedingungen und eine stärkende Führungskultur für alle Beschäftigtengruppen.

Stand

Erstellt am: 16.07.2026

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