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Sieben gängige Sportmythen und was dahinter steckt

Sportmythen: Mann trinkt für den Muskelaufbau einen Proteinshake nach dem Training.

© iStock / Wavebreakmedia

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 04.10.2021

Nach dem Training ausgiebig dehnen, Magnesium gegen Krämpfe und ohne Eiweiß-Shake kein Muskelaufbau: Es gibt zahlreiche Ratschläge rund ums Training. Doch was ist dran, und welche Tipps gehören eher in die Welt der Mythen?

Inhalte im Überblick

    Mythos Nummer 1: Vor oder nach dem Sport ausgiebig dehnen

    Dieser Rat ist tatsächlich ein Sportmythos. Zwar haben Untersuchungen ergeben, dass Leichtathleten durch Dehnen durchaus leistungsfähiger sind, doch auf Hobbysportler lässt sich die Erkenntnis so nicht übertragen. Es ist bei den meisten eher das Gefühl, sich etwas lockerer zu fühlen. Die Muskulatur an sich bleibt trotz Dehnens aber weiter unter Spannung. Rein anatomisch ist es nicht möglich, Muskeln durch Dehnen zu verlängern. Sie lassen sich zwar kurzzeitig auseinanderziehen, an der eigentlichen Länge aber lässt sich nichts ändern.

    Wer sich vor und nach dem Sport dehnt, kann dadurch auch nicht das Verletzungsrisiko oder Muskelschmerzen verringern. Untersuchungen von Profi-Fußballern haben gezeigt, dass sich statisches Dehnen negativ auf Ausdauer-, Geschwindigkeits- und Kraftübungen auswirken kann.

    Deshalb empfiehlt der Deutsche Fußball Bund (DFB) zum Beispiel höchstens kurzzeitiges Dehnen bis maximal 45 Sekunden vor dem Training, um die Leistung nicht unnötig zu beeinträchtigen.

    Mythos Nummer 2: Magnesium hilft gegen Krämpfe

    Zu dem Thema, ob sich Krämpfe durch Magnesium vermeiden lassen, gibt es widersprüchliche Aussagen. Es gibt bislang keine Studien, die die Wirksamkeit von Magnesium zur Linderung von Muskelkrämpfen eindeutig bestätigen. Auch einer prophylaktischen Einnahme von Magnesium ist bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen worden, dass sie etwas bringt.

    Darüber hinaus wäre die Menge an Magnesium, die ein Mensch bei Krämpfen zu sich nehmen müsste, derart hoch, dass statt eines positiven Effekts eher die Nebenwirkung Durchfall eintreten würde.

    Trotzdem wird im Leistungssport vielfach auf Magnesium zurückgegriffen, da man dort vermehrt von der Wirkung überzeugt ist. Einige Sportmediziner raten zur Vorbeugung von Krämpfen jedoch eher dazu, Fruchtschorlen mit etwas Salz oder Elektrolytgetränke zu sich nehmen.

    Mythos Nummer 3: Nach dem Training unbedingt einen Proteinshake trinken

    Für Hobbysportler gehört dieser Ratschlag ebenfalls zu den Sportmythen. Grundsätzlich benötigen Menschen, die regelmäßig trainieren, mehr Proteine (Eiweiße) als Personen, die hauptsächlich sitzen und sich wenig bewegen. Dabei ist eine Proteinaufnahme durch eine ausgewogene und gesunde Ernährung, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, auf jeden Fall zu bevorzugen. Wer allerdings viel trainiert, kann zusätzlich hochwertiges diätisches Protein zu sich nehmen, um seinen Bedarf zu decken. Studien haben gezeigt, dass das Protein bei der Erholung zwischen den Trainingseinheiten unterstützt und der Körper mehr fettfreie Masse aufbauen kann.

    Zu den gängigen Proteinquellen zählen Milch, Molke, Kasein, Ei und Pulver auf Sojabasis sowie Hülsenfrüchte, Nüsse und Tofu. Muskeln bestehen hauptsächlich aus Proteinen und brauchen, wenn sie wachsen sollen, Eiweiß. Entgegen vieler Behauptungen konnte bislang in keiner wissenschaftlichen Studie nachgewiesen werden, dass eine hohe Konzentration von Proteinen schädlich für die Nieren ist oder das Risiko für Osteoporose erhöht. Überschüssige Proteine scheidet der Körper größtenteils einfach wieder aus.

    Mythos Nummer 4: Bei Muskelkater hilft Dehnen

    Ein weiterer Ratschlag, der zu den Sportmythen zählt: Wer einen Muskelkater verspürt, sollte gut dehnen. Ein Muskelkater stellt sich typischerweise nach ungewohnten Bewegungen oder ungewöhnlich harten Trainingseinheiten ein. Das passiert nicht nur Hobby-Sportlern, die es übertrieben haben, sondern auch Profis, wenn sie neue Belastungen in das Training integrieren. Für Hobby-Sportler ist ein Muskelkater eigentlich ein untrügliches Zeichen dafür, Ruhephasen einzuhalten.

    Sportmediziner raten bei einem starken Muskelkater eher, sich auszuruhen und zu schonen. Mit Dehnen wird man den Muskelkater leider nicht los. Denn bei einem Muskelkater entstehen innerhalb des Muskels Risse. Die müssen wieder heilen und deshalb ist eine starke Belastung während dieser Zeit nicht empfehlenswert.

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    © iStock / alvarez

    Mythos Nummer 5: Nur Untrainierte schwitzen viel

    Auch dieses Gerücht ist falsch. Denn es verhält sich genau umgekehrt: Erst durch regelmäßiges Training kommt der Körper ins Schwitzen. Bei diesem Prozess verdunstet der Körper Schweiß und kühlt ihn dadurch. Das ist sinnvoll und gewollt. Denn so überhitzt der Körper bei Anstrengung nicht. Männer sind hierbei im Vorteil: Sie haben einen höheren Wasseranteil im Körper, schwitzen deshalb mehr und bleiben so leistungsfähiger, weil der männliche Körper schneller abkühlt.

    Mythos Nummer 6: Radfahren macht impotent

    Die Aussage „Radfahren macht impotent“ gehört ebenso in die Welt der Sportmythen. Bislang gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür. Allerdings sollten Freizeitsportler, die besonders gern lange Strecken fahren, auf die richtige Sattelhöhe und Haltung achten. Andernfalls kann es tatsächlich zu Taubheitsgefühlen im Bereich der Genitalien kommen, die allerdings in der Regel nur kurz anhalten.

    Bei der Sattelhöhe gilt: Beim Draufsitzen dürfen die Beine nicht durchgestreckt werden und das meiste des Körpergewichts sollte gut auf die Gesäßknochen verteilt sein. Ein Sattel, der breit genug ist, dass die Sitzknochen darauf passen, ist empfehlenswert. Und die Sattelspitze zeigt am besten nach unten, so dass der Damm vorn nicht aufliegen kann.

    Mythos Nummer 7: Sport direkt nach dem Essen ist ungesund

    Dieser Mythos ist wahr! Wer mit vollem Magen zum Beispiel Joggen geht, muss damit rechnen, Seitenstechen zu bekommen. Der Grund: Magen und Darm sind damit beschäftigt, die Mahlzeit zu verdauen. Dafür benötigen sie Blut und das senkt die Leistungsfähigkeit beim Joggen – es steht einfach nicht genügend Blut zur Verfügung. Wer es übertreibt, kann im Extremfall sogar kollabieren.

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