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Was tun bei einer Prostataentzündung?

Ein Mann sitzt in gebeugter Haltung auf einem Sofa und verschränkt die Arme haltend auf seinem Bauch.

© iStock / elenaleonova

Lesezeit: 4 Minuten15.09.2022

Eine Prostataentzündung kann von Bakterien verursacht werden und sehr schmerzhaft sein. Die Behandlung sollte konsequent durchgeführt werden.

Inhalte im Überblick

    Was sind die Symptome bei einer Prostatitis?

    Eine Prostatitis ist eine Entzündung der Prostata, die mehrere Krankheitsbilder umfasst. Sie kann akut auftreten oder chronisch verlaufen.

    Es gibt vier Arten der Prostatitis:

    • akute, bakterielle Prostatitis
    • chronische, bakterielle Prostatitis
    • chronisches Beckenschmerzsyndrom
    • asymptomatische entzündliche Prostatitis

    Die Ursache einer akuten Prostataentzündung ist eine bakterielle Infektion, meist verursacht durch Darmbakterien. Auch Bakterien, die eine Gonorrhö (Tripper) oder Chlamydien auslösen können, also sexuell übertragbare Krankheitserreger, sind als Ursache einer Prostatitis möglich. Bei einer Krankheitsdauer von über drei Monaten spricht man von einer chronischen bakteriellen Prostatitis.

    Typische Symptome einer Prostatitis sind:

    • Schmerzen im Bereich der Prostata
    • Hodenschmerzen
    • Penisschmerzen
    • Unterbauchschmerzen oder Kreuzschmerzen
    • häufiges Wasserlassen (Pollakisurie)
    • Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie)
    • abgeschwächter Strahl beim Wasserlassen
    • Schmerzhafte Ejakulation

    Bei einer akuten, bakteriellen Prostatitis kommen außerdem Schüttelfrost und Fieber hinzu. Eine chronische bakterielle Prostatitis und ein Schmerzsyndrom des Beckens verursachen meist mildere Beschwerden ohne Fieber und Schüttelfrost. Es können zusätzlich Libidoverlust und Potenzstörungen auftreten.

    Wenn die Symptome über eine längere Zeit bestehen und keine Bakterien nachgewiesen werden können, spricht man von einem Schmerzsyndrom des Beckens beziehungsweise einem chronischen pelvinen Schmerzsyndrom (CPPS, englisch: chronic pelvic pain syndrome). Die Beschwerden können hierbei auch in Schüben wiederkehren. Wie der Schmerzreiz ausgelöst wird, ist noch nicht genau geklärt. Die eigentliche Ursache des Schmerzsyndroms des Beckens ist noch nicht bekannt.

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    Therapie bei akuter, bakterieller Prostatitis

    Eine bakterielle Prostataentzündung wird in den meisten Fällen von Darmbakterien ausgelöst. Es sind einige Faktoren bekannt, die das Risiko für eine Entzündung der Prostata erhöhen:

    • ungeschützten Vaginal- oder Analverkehr
    • Infektion der Harnwege
    • Einführen eines Blasenkatheters und andere Eingriffe im Bereich der Blase
    • Prostatabiopsie oder andere Eingriffe an der Prostata
    • geschwächte Immunabwehr, zum Beispiel durch Diabetes mellitus oder übermäßigen Alkoholkonsum
    • vergrößerte Prostata
    • Phimose

    Um herauszufinden, ob Bakterien für die Entzündung verantwortlich sind, wird in einer fachärztlichen Praxis für Urologie eine Urinprobe veranlasst und in einem Labor untersucht. Das hilft dem Arzt oder der Ärztin auch bei der Auswahl des richtigen Antibiotikums – sofern die Infektion auf Bakterien zurückgeht. Es kann außerdem das Blut untersucht werden. Erhöhte Entzündungswerte sowie erhöhte PSA-Werte weisen auf eine Prostatitis hin. Eine rektale Untersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob eine Vergrößerung der Prostata vorliegt oder ob sich Abszesse gebildet haben. Manchmal müssen weitere Untersuchungen vorgenommen werden.

    Bei einem schweren Verlauf überweist der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin den Patienten an eine Klinik. Eine Sepsis (Blutvergiftung) oder ein Abszess können dort besser behandelt werden.

    Chronische Entzündung der Prostata

    Die chronische bakterielle Prostatitis kann sich aus einer akuten bakteriellen Prostataentzündung entwickeln. Um dem vorzubeugen, ist es im akuten Stadium besonders wichtig, die Erkrankung rechtzeitig diagnostizieren zu lassen und das verschriebene Antibiotikum korrekt einzunehmen.

    Warum sich bei manchen Männern eine chronische Prostatitis entwickelt, ist nicht abschließend geklärt.

    Ist es wirklich eine Entzündung der Prostata?

    Beschwerden beim Wasser lassen können auch auf andere Krankheiten hindeuten. Eine ärztliche Untersuchung gibt Aufschluss darüber.

    Manche Symptome einer Prostataentzündung, wie Schmerzen beim Wasserlassen, können zum Beispiel auch bei einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) vorliegen – einer gutartigen Vergrößerung der Prostata. Prostatakrebs verursacht zwar meistens keine Symptome, in seltenen Fällen können bei dieser Krebserkrankung aber auch Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen) auftreten.

    Behandlung bei einer chronischen, bakteriellen Prostatitis

    Eine chronische bakterielle Prostatitis wird von einem Facharzt oder einer Fachärztin in der Regel mit einer Langzeitantibiose über 4 bis 6 Wochen behandelt. Bei fehlender Besserung oder einem Rezidiv, also einem Rückfall der Beschwerden (typischerweise nach einer vorherigen erfolgreichen Behandlung), kann eventuell eine niedrig dosierte Langzeitantibiose zum Einsatz kommen. Dabei ist es notwendig, das Medikament über einen noch längeren Zeitraum einzunehmen. Möglicherweise verschreibt der Arzt oder die Ärztin auch verschiedene Antibiotika in Kombination oder wechselt das Antibiotikum ab.

    Patient mit Prostatitis befindet sich im Gespräch mit seinem Arzt.
    Eine akute Prostataentzündung sollte so schnell wie möglich ärztlich behandelt werden, um die Symptome nachhaltig zu lindern.

    © iStock / monkeybusinessimages

    Therapie eines Schmerzsyndroms des Beckens

    Das chronische pelvine Schmerzsyndrom erfordert eine individualisierte Behandlung. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte multifaktorielle Erkrankung und die Ursache ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die nicht bei allen Männern gleich gut funktionieren. Zum Einsatz kommen unter anderem Medikamente mit schmerz- und entzündungshemmender Wirkung und Alphablocker. Das sind Arzneimittel, die die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin aufheben, indem sie am Alpha-1- und Alpha-2-Rezeptor antagonistisch, also gegensätzlich wirken. Dadurch wird der Blutdruck gesenkt und die Herzfrequenz verringert. Die Gabe von Alphablockern kann sinnvoll sein, weil bei Schmerzempfindungen eine körpereigene Abwehrreaktion in Gang gesetzt wird, bei der unter anderem die Ausschüttung von Noradrenalin angeregt wird. Dauern die Schmerzen länger an, können Alphablocker beruhigend auf den Herz-Kreislauf wirken.

    Linderung bewirken können zusätzlich nichtmedikamentöse Therapien:

    • Sitzbäder
    • lokale Wärmetherapie
    • Physiotherapie, zum Beispiel Beckenbodenübungen
    • Psychotherapie bei starker psychischer Belastung durch die chronischen Schmerzen oder bei psychischen Erkrankungen, die die Schmerzwahrnehmung negativ beeinflussen

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