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Vorhaut zu eng? Meist ist die Phimose kein Grund zur Sorge

Ein Junge sitzt mit gesenktem Kopf auf einer Bank, stützt die Arme auf den Beinen ab und hält die Hände aneinander.

© iStock / Motortion

Lesezeit: 4 Minuten13.06.2022

Die meisten Jungen kommen mit einer Phimose – also einer Vorhautverengung – zur Welt. In der Regel bildet sich diese bis zum Abschluss der Pubertät von allein zurück. In manchen Fällen ist allerdings eine Behandlung notwendig.

Inhalte im Überblick

    Phimose: Was ist das?

    Phimose ist der medizinische Fachbegriff für eine Vorhautverengung. Bei der Vorhaut handelt es sich um die Hautschicht, die über der Eichel des Penis liegt. Wenn der Penis sich beispielsweise durch die Temperatur oder eine Erektion vergrößert, zieht sie sich in der Regel über die Eichel zurück und dient dabei als eine Art Reservehautfalte. Lässt sich die Vorhaut nicht oder nur unter Schmerzen zurückschieben, sprechen Experten von einer Vorhautverengung.

    Vor allem Eltern von neugeborenen Jungen oder solchen im Kleinkindalter fürchten oft, dass bei einer Phimose eine Operation notwendig ist. Tatsächlich kommen etwa 96 von 100 Jungen mit einer natürlichen Vorhautverengung und -verklebung zur Welt. Das heißt, die Vorhaut ist nicht nur verengt, sondern zusätzlich noch mit der Eichel verklebt. So soll die empfindliche Eichel des Kindes in den ersten Lebensmonaten vor schädlichen Einflüssen geschützt werden, wie zum Beispiel:

    • Reibung
    • dem Eindringen von Krankheitserregern
    • der Austrocknung der Eichel

    In der Regel bildet sich diese natürliche Verklebung zwischen Vorhaut und Eichel bis zu einem Alter von etwa drei bis vier Jahren von selbst zurück. Bei manchen Jungen dauert es auch bis zum Abschluss der Pubertät. Im Alter von 16 Jahren ist nur noch einer von 100 Jungen von einer Vorhautverengung betroffen. In diesem Fall ist dann von einer sogenannten primären Phimose die Rede. 

    Außerdem gibt es die sogenannte sekundäre Phimose, die sich als Folge einer anderen Erkrankung entwickelt, etwa durch vorangegangene Entzündungen, Verletzungen oder bestimmte Hautkrankheiten.

    Phimose: Wann ist eine Behandlung nötig?

    Eine natürliche Phimose bei Kleinkindern ist normal und muss nicht behandelt werden. Auch wenn die Öffnung der Vorhaut sehr klein ist, verursacht das normalerweise keine Beschwerden. Manche Eltern versuchen, die Vorhaut ihres Kindes mit Kraft zurückzuziehen. Das kann zum einen sehr schmerzhaft für das Kind sein, zum anderen wird dabei eventuell die Vorhaut verletzt. Daraus können sich Narben entwickeln, die zur sekundären, krankhaften Phimose führen können. Eltern sollten also keinesfalls versuchen, eine Phimose selbst zu beheben.

    Bildet sich die natürliche Phimose bis zum Abschluss der Pubertät nicht von selbst zurück und treten Beschwerden oder medizinische Probleme auf, sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen und besprechen, ob eine Behandlung nötig ist.

    Zu den Symptomen einer Vorhautverengung, die eine Behandlung erfordern, gehören zum Beispiel:

    • Beschwerden beim Wasserlassen, wie etwa ballonartige Schwellungen unter der Vorhaut. Selten tritt ein Harnstau auf.
    • Entzündungen, da die Eichel durch die zu enge Vorhaut nur schwer gereinigt werden kann. Treten diese häufig auf, bilden sich unter Umständen Narben, die wiederum zu einer sekundären Vorhautverengung führen können.
    • Paraphimose: Hier ist die Vorhaut über die Eichel zurückgezogen und lässt sich nicht mehr nach vorne über die Eichel streifen, da sie zu eng ist. In der Folge kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung und zu einer Unterversorgung der Eichel mit Blut und Nährstoffen. Eine Paraphimose ist ein medizinischer Notfall. Ohne rechtzeitige Behandlung kann die Eichel im schlimmsten Fall absterben.
    • Schmerzen beim Sexualverkehr als Jugendlicher oder Erwachsener.
    Eine Person in Schutzkleidung steht neben dem OP-Tisch und hält eine Schere und einen Faden in Händen.
    Die operative Behandlung einer Phimose muss nicht in jedem Fall bedeuten, dass der Operateur die gesamte Vorhaut entfernt. Möglich ist auch eine Teilentfernung oder eine Weitung der Vorhaut.

    © iStock / romaset

    Phimose: Welche Behandlung hilft?

    In der Regel wird eine Phimose zuerst mit einer kortisonhaltigen Salbe behandelt, weil sie die Vorhaut elastischer macht. Die Salbe trägt man über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen zweimal täglich auf den vorderen Bereich der Vorhaut auf. Ungefähr ab der dritten Woche können die Eltern oder der Patient selbst versuchen, die Vorhaut vorsichtig zurückzuschieben und zu dehnen. Nach dem Ende der Behandlung ist eine erneute Vorhautverengung möglich, dann kann aber eine erneute Salbentherapie erfolgreich sein.

    Bleibt die Phimose trotz konservativer Therapie bestehen oder verursacht Beschwerden, raten Ärztinnen und Ärzte in der Regel zu einer Operation. Sie kann ambulant durchgeführt werden. Kinder erhalten dabei normalerweise eine Vollnarkose, Jugendliche und Erwachsene eine lokale Betäubung. Es kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz.

    Vorhauterhaltende Methoden

    Bei der Teilbeschneidung wird nur der zu enge Anteil der Vorhaut entfernt. Der andere Teil bleibt bestehen und bedeckt die Eichel. Er sollte nach dem Eingriff problemlos über die Eichel bewegt werden können. Bei der sogenannten Erweiterungsplastik wird die zu enge Vorhaut dagegen nur geweitet. Dazu schneidet der Operierende die verengte Vorhaut an mehreren Stellen der Länge nach ein und schließt die Schnitte mit einer speziellen Nahttechnik. Bei beiden Methoden besteht allerdings das Risiko, dass sich die Vorhaut erneut verengt und sie in einer anschließenden Operation vollständig entfernt werden muss.

    Vollständige Beschneidung

    Hier wird die gesamte Vorhaut entfernt, sodass die Eichel nach dem Eingriff frei liegt. Eine erneute Vorhautverengung kann dadurch nicht auftreten. Manchmal verändert die Operation die Empfindlichkeit der Eichel. Aber nur in sehr seltenen Fällen ist dadurch das Sexualempfinden beeinträchtigt. Die vollständige Beschneidung kommt vor allem zum Einsatz, wenn der Patient unter starken Vernarbungen leidet. Denn das Risiko einer erneuten Phimose ist in diesen Fällen erhöht.

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