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Zertifizierte Krebszentren: Welche Vorteile sie bieten

Eine Krebspatienten ist bei einer Ärztin.

© iStock / FatCamera

Lesezeit: 3 Minuten31.01.2022

Die Diagnose Krebs ist eine starke Belastung für Körper und Psyche. In zertifizierten Krebszentren können Erkrankte bestmöglich behandelt werden. Was ein Krebszentrum auszeichnet, lesen Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Porträt von Dr. med. Simone Wesselmann, Deutsche Krebsgesellschaft.

    © Deutsches Krebszentrum Berlin

    Zertifizierte Krebszentren dienen mit ihrem Fachwissen als Netzwerk für Patienten und Behandelnde.

    Frau Dr. Simone Wesselmann von der Deutschen Krebsgesellschaft spricht im Interview über die Vorteile der Behandlung in einem Krebszentrum.

    Zertifizierte Krebszentren: Das ist wichtig

    Was ist ein zertifiziertes Krebszentrum und was macht es aus?

    Zertifizierte Krebszentren gibt es in Deutschland seit 2003. Sie verstehen sich als Netzwerke, bestehend aus ambulant und stationär tätigen Behandlungspartnern. Diese bilden die gesamte Versorgungskette für den Patienten ab: von der Diagnose und Therapie bis hin zur Nachsorge und Palliation, also die lindernde Behandlung Schwerstkranker.

    Zu diesem Netzwerk gehören dementsprechend nicht nur die Fachärzte der verschiedenen Bereiche wie Chirurgie, Onkologie oder Strahlentherapie, sondern auch Psychoonkologen, Pflegende, Selbsthilfegruppen und Sozialarbeiter. In einem Netzwerk, in dem viele Behandlungspartner miteinander zusammenarbeiten, ist auch immer mindestens ein Krankenhaus vertreten. Trotzdem hat jeder Patient eine zentrale Anlaufstelle, bei der zum Beispiel OP-Termin, Bestrahlung oder Chemotherapie besprochen werden. Entscheidend ist die enge Zusammenarbeit der tätigen Partner, denn bei der Versorgung von Krebsbetroffenen müssen viele verschiedene Fachdisziplinen beteiligt sein und sich eng untereinander austauschen.

    Welche Vorteile entstehen für den Patienten?

    Die Behandlungspartner arbeiten entlang der gesamten Versorgungskette Hand in Hand. Das Netzwerk ist ambulant und stationär tätig, was sehr wichtig für Patienten ist, damit es nicht zu Informationsverlusten bei der Behandlung und Betreuung kommt. Dabei ist die Onkologie ein besonderer Fall, da es meistens lange Verläufe mit vielen Behandelnden sind.

    Patienten haben mit dem Zertifikat zudem den Vorteil, dass sie eine Orientierungshilfe haben und darauf vertrauen können, dass in dem Zentrum sehr gute Behandlungsmöglichkeiten genau für ihre Krebserkrankung bestehen. Die Zentren behandeln entsprechend der jeweiligen, aktuellen Leitlinie. Leitlinien sind eine Hilfe zur Behandlung für Ärzte mit den aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen. Die Ärzte eines Netzwerkes führen gemeinsame Tumorkonferenzen oder auch Veranstaltungen für Patienten durch.

    Zertifizierung eines Krebszentrums

    Wie kommen die Zentren zu ihrem Zertifikat und wie lang gilt es?

    Jedes von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Zentrum wird strengen Qualitätskontrollen unterzogen. Die Zentren müssen dafür quantitative und qualitative Vorgaben erfüllen, die in Erhebungs- und Kennzahlenbögen zusammengefasst sind. Diese sind die Grundlage für die Zertifizierung durch die DKG. In der Regel wird ein Zertifikat für drei Jahre vergeben. Können die Vorgaben nicht erfüllt werden, kann das Zertifikat auch wieder entzogen werden, pro Jahr kommt das etwa 20 Mal vor.

    Die entsprechenden Zentren gehen durch ein sehr komplexes Zertifizierungsverfahren, in dem auch ihre Ergebnisse mit den Ergebnissen der anderen Zentren verglichen werden. Sie machen ihre Leistung in den Verfahren also öffentlich und besprechen diese mit den Prüfern – das ist immer im Sinne des Patienten.

    So hilft die AOK

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    Wer entscheidet, ob ein Krebszentrum zertifiziert wird?

    Die Zertifizierungen werden von sogenannten Auditoren durchgeführt. Das sind Fachärzte, die eine Qualifikation für die Durchführung dieser Evaluationen haben und im selben Feld tätig sind, das sie prüfen. Um beispielweise die Qualität einer Behandlung bei Darmkrebs beurteilen zu können, ist es wichtig, selbst Erfahrungen auf dem Gebiet zu haben. Nur so sind Auditoren in der Lage, das Ergebnis beurteilen zu können. Die Prüfer haben die Aufgabe, die Qualität vor Ort festzustellen sowie Bereiche mit Verbesserungspotenzial gemeinsam mit den behandelnden Ärzten auszumachen, um Maßnahmen zur Verbesserung festzulegen.

    So müssen zum Beispiel die medizinischen und sozialen Fachleute bei der Zertifizierung vor Ort nachweisen, dass sie über eine entsprechende Expertise verfügen. Das ist die Voraussetzung, um in diesem Netzwerk des Krebszentrums zu arbeiten.

    Eine Krebspatienten steht vor einer Selbsthilfegruppe.
    Krebszentren bilden ein Netzwerk aus stationären und ambulanten Behandlungseinrichtungen, um Patienten sicher durch ihre Krebserkrankung zu führen. Dazu gehören – neben den Ärzten verschiedener Fachrichtungen – auch Psychoonkologen, Pflegende, Selbsthilfegruppen und Sozialarbeiter.

    © iStock / SDI Productions

    Gibt es dazu auch Studien, die den Vorteil belegen?

    Es gibt viele Publikation, unter anderem mit Daten von Krebsregistern und Krankenkassen, die zeigen, dass die Behandlung in einem zertifizierten Krebszentrum mit einem Überlebensvorteil für den Patienten verbunden sein kann.

    Wo finde ich Hinweise auf zertifizierte Krebszentren?

    Es gab Ende 2021 1715 von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Zentren an 1.798 Standorten, dabei haben große Krankenhäuser wie die Berliner Charité oder das Hamburger UKE natürlich mehr als ein Zentrum. Wer ein Zentrum in seiner Nähe sucht, wird sehr schnell über die „Oncomap“ fündig.

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