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Lebensmittel

Xylit: Die Alternative zu Haushaltszucker?

Veröffentlicht am:16.08.2021

6 Minuten Lesedauer

Als Zuckerersatzstoff ist Xylit, auch Birkenzucker genannt, seit Längerem bekannt. Gerade gesundheitsbewusste Menschen greifen vermehrt zu dem Süßungsmittel. Richtig eingesetzt kann Xylit eine Alternative zu normalem Haushaltszucker sein. Eine Entwöhnung von Süße erfolgt durch Zuckerersatzstoffe jedoch nicht.

Birkenzucker (Xylit) befindet sich in einer Schale mit Birkenrinde und Blättern daneben.

© iStock / morisfoto

Inhalte im Überblick

    Warum Zuckerersatz?

    Xylit liegt im Trend, denn zugesetzter Zucker ist in den vergangenen Jahren immer mehr in Verruf geraten: Wer zu viel davon isst, riskiert unter anderem schlechte Zähne, Übergewicht und auch dadurch verursachte Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck.

    Um den Zuckerkonsum zu reduzieren, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) vor allem stark verarbeitete Lebensmittel und gesüßte Getränke zu meiden. Auch der Einsatz von Zuckerersatz wie etwa Xylit kann helfen, Zucker in der Ernährung zu reduzieren. Eine schrittweise Entwöhnung von süßen Lebensmitteln geschieht dadurch aber nicht und diese wäre am besten für die Gesundheit.

    Xylit: Was genau ist Birkenzucker?

    Xylit ist ein Süßungsmittel, das auch unter der Bezeichnung Xylitol oder Pentanpentol bekannt ist. Der Stoff kommt von Natur aus in vielen Früchten, Beeren und Gemüsepflanzen vor.

    Da Xylit ursprünglich aus der Rinde von Birken gewonnen wurde, wird er auch Birkenzucker genannt. Mittlerweile gibt es – neben anderen Harthölzern – weitere Rohstoffquellen wie Maiskolbenreste, Stroh, Getreidekleie oder Rückstände aus der Zuckerherstellung.

    Die industrielle Produktion von Xylit ist relativ aufwendig. Denn um die in den Rohstoffen enthaltene Xylose (Holzzucker) zu extrahieren, braucht es hohe Temperaturen sowie Säure oder Natronlauge. Die anschließende Umwandlung von Xylose zu Xylit erfolgt mithilfe von Druck. Ein natürlicher Zuckerersatz ist der Birkenzucker damit nicht.

    Xylit hat eine ähnliche Konsistenz wie normaler Haushaltszucker und schmeckt genau so süß. Chemisch gesehen gehört er aber nicht zu den Kohlenhydraten, sondern zu den sogenannten Zuckeralkoholen. Zuckeralkohole sind ein gängiges Zwischenprodukt des Kohlenhydratstoffwechsels im Körper. Xylit kommt somit in allen menschlichen Gewebearten vor. Besonders viel davon findet sich in der Leber. Denn sie ist das zentrale Organ für den Zuckerstoffwechsel.

    Als Zuckeraustauschstoff ist Xylit unter dem Namen E967 schon lange in zuckerfreien Kaugummis und Bonbons enthalten. Mittlerweile greifen viele Menschen auch im Haushalt auf das Süßungsmittel zurück. Denn es bietet verschiedene Vorteile für die Gesundheit – aber es gibt auch Nachteile.

    Wirkt Xylit auf den Blutzuckerspiegel?

    Kaum. Ein Nachteil zuckerreicher Ernährung ist, dass ein Diabetes mellitus Typ 2 wahrscheinlicher wird. Xylit jedoch beeinflusst den Blutzuckerspiegel, anders als Haushaltszucker, kaum, da die Verdauung unabhängig von Insulin abläuft. Aus diesem Grund können auch Diabetiker Birkenzucker verwenden.

    • So wirkt Haushaltszucker auf den Blutzuckerspiegel

      Kohlenhydrate, die mit der Nahrung aufgenommen werden, spaltet der Darm in leichtverwertbaren Zucker und gibt diesen ins Blut ab. Steigt der Blutzuckerspiegel, schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Das Insulin sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird und der Blutzuckerspiegel wieder sinkt.

      Beim Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel steigt der Blutzucker sehr schnell und sehr stark an. Die Bauchspeicheldrüse schüttet große Mengen Insulin aus. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel fällt schnell wieder ab, was zu Heißhungerattacken, vermehrter Nahrungsaufnahme und damit längerfristig zu Übergewicht führen kann. Das erhöht auch das Risiko, an Herz-Kreislauf-Problemen wie etwa Bluthochdruck zu erkranken.

    Ist Xylit zum Abnehmen geeignet?

    Übergewicht sollte aus gesundheitlichen Gründen vermieden werden. Viele Menschen, die Gewicht verlieren möchten, verwenden Xylit oft als Alternative zu normalem Haushaltszucker. Tatsächlich ist das Süßungsmittel zwar nicht komplett kalorienfrei, aber hat deutlich weniger Kalorien als normaler Haushaltszucker. Dieser liefert gut 400 Kilokalorien pro 100 Gramm. Die gleiche Menge Xylit dagegen enthält fast um die Hälfte weniger, nämlich 240 Kilokalorien.

    Allerdings findet so keine Entwöhnung von süßen Lebensmitteln statt und die Gewohnheit und das Verlangen nach süßen Lebensmitteln wird nicht reduziert. Ob Birkenzucker somit gesünder und ein geeigneter Stoff zum Abnehmen ist, bleibt unklar.

    Fazit

    Entwöhnung von Süße

    Weil die genaue Wirkung von Xylit noch nicht abschließend geklärt ist und keine Entwöhnung von Süße sattfindet, empfehlen Experten Abnehmwilligen, ihre Ernährung auf eine vollwertige Kost umzustellen. Das bedeutet weniger tierische Lebensmittel, dafür mehr Obst und Gemüse. Es empfiehlt sich, den Zuckerkonsum insgesamt zu reduzieren, statt Zucker durch alternative Süßungsmittel zu ersetzten.

    Die Entwöhnung gelingt am besten schrittweise, so können Körper und Geschmackssinn langsam auf „weniger süß“ trainiert werden.

    Schützt Xylit vor Karies?

    Schon seit Längerem untersuchen Forscher, ob Zuckeralternativen das Gebiss vor Karies schützen können. Xylit hat sich dabei besonders bewährt. Das Süßungsmittel hat mehrere Vorteile für die Gesundheit der Zähne: Zum einen sorgt es dafür, dass sich weniger Zahnbelag bildet. Zum anderen reduziert es das Wachstum von Kariesbakterien und verringert die säurebedingte Entkalkung der Zähne. Vor allem das regelmäßige Kauen xylithaltiger Kaugummis ist dazu geeignet, Karies vorzubeugen. Aber auch Zahnpasta oder Mundwasser, die Xylit enthalten, können das Kariesrisiko senken.

    • Darum ist Haushaltszucker schlecht für die Zähne

      Karies ist die häufigste Erkrankung bei Zähnen. Sie ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch enorme Kosten verursachen. Karies bildet sich vor allem dann, wenn der Zahnbelag nicht regelmäßig entfernt wird und die aufgenommene Nahrung sehr viel Zucker enthält. Denn diesen können die im Zahnbelag enthaltenen Bakterien besonders gut verwerten.

      Die Bakterien wandeln Zucker in Säuren um, die den Zahnschmelz angreifen und ihn porös machen. An diesen porösen Stellen können dann Mikroorganismen gut in den Zahn eindringen und ihn zerstören.

    In zwei Holzlöffeln liegt Birkenzucker in Form von Tabletten und in Form von Zucker.

    © iStock / Rocky89

    Xylit ist ein Zuckerersatz mit ähnlicher Konsistenz und Süßkraft wie Haushaltszucker – es gibt den Birkenzucker aber auch in ganz unterschiedlichen Formen zu kaufen.

    Ist Birkenzucker besser als normaler Zucker?

    Die Frage, ob Birkenzucker generell besser ist als normaler Zucker, lässt sich pauschal nicht beantworten. Grundsätzlich sind laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) durch den Verzehr von Xylit keine gesundheitlichen Bedenken zu erwarten. Anders als für andere Süßungsmittel, wie etwa Stevia, gibt es hier auch keine maximale Tagesdosis, die nicht überschritten werden darf.

    Nachteile von Xylit sind:

    • Xylit hat eine blähende Wirkung

      Da der Körper Zuckeralkohole aber nur zum Teil über den Darm in den Blutkreislauf aufnimmt, gelangt Xylit in tiefere Darmabschnitte. Die dort angesiedelten Bakterien verstoffwechseln das Süßungsmittel und produzieren dabei Gase und Wasser. In großen Mengen kann Xylit daher zu Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall führen. Lebensmittel, deren Anteil an Xylit über zehn Prozent liegt, müssen aus diesem Grund folgenden Warnhinweis tragen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“

      Im Zweifel ist es ratsam, die individuelle Verträglichkeit von Xylit vorab mit kleinen Mengen zu testen. Es ist in der Regel aber auch möglich, den Körper nach und nach an größere Mengen des Süßungsmittels zu gewöhnen.

    • Xylit trägt nicht zur Entwöhnung von Süße bei

      Um langfristig Zucker aus dem Ernährungsplan zu streichen, ist es sinnvoller und gesünder, Zucker nicht zu ersetzen sondern sich nach und nach von Süße zu entwöhnen. Dabei unterstützen Zuckersatzstoffe nicht.

    • Xylit ist teurer und nicht natürlich

      Es kommt zwar natürlicherweise in verschiedenen pflanzlichen Rohstoffen vor. Dennoch ist das Süßungsmittel, wie auch normaler Haushaltszucker, ein industriell hergestelltes Produkt und damit im engeren Sinne keine „natürliche“ Zuckeralternative. Trotz der industriellen Fertigung ist der Preis deutlich höher als bei Haushaltszucker. Ein Kilo Birkenzucker kostet zwischen zehn und 20 Euro. Die gleiche Menge normaler Zucker ist dagegen schon für weniger als einen Euro zu haben.

    Nutri-Score und Zuckerersatzstoffe

    Mit Blick auf den neu eingeführten Nutri-Score haben Süßungsmittel, und so auch Xylit, einen Vorteil: Produkte mit Zuckerersatzstoffen zeigen häufig einen positiveren Nutri-Score als Produkte mit Haushaltszucker oder natürlicher Fruchtsüße, da Süßstoffe im Score nicht berücksichtigt werden. Darum sind sie jedoch nicht automatisch gesund und unbedenklich für den Körper. Ein aufmerksames Einkaufen mit Blick auf die Inhaltsstoffe der Produkte ist auch mit Einführung des Nutri-Scores weiterhin wichtig.

    Wie kann man Xylit verwenden?

    Xylit hat eine ähnliche Konsistenz und Süßkraft wie normaler Haushaltszucker. Daher lässt sich das Süßungsmittel ähnlich vielfältig in der Küche verwenden, wenn man ab und an auf Süße neben einer vollwertigen Ernährung nicht verzichten möchte. Mit dem Stoff lassen sich Getränke und Speisen süßen und er eignet sich zum Backen oder Kochen von Marmelade. Die Rezepte müssen dafür in der Regel nicht angeglichen werden.

    Einzige Einschränkung: Für Hefeteig ist Xylit weniger gut geeignet, denn er geht damit nicht so gut auf. Bei kalten Getränken oder Nachspeisen kann es zudem sein, dass Birkenzucker Klumpen bildet. In diesem Fall ist es hilfreich, Xylit vorab in heißem Wasser aufzulösen und es erst danach unterzumischen.

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