Lebensmittel
Was bedeutet der Nutri-Score und wie liest man ihn richtig?
Veröffentlicht am:21.09.2021
aktualisiert am 13.05.2026
10 Minuten Lesedauer
Der Nutri-Score ist ein Kennzeichnungssystem für Nährwerte in Lebensmitteln und soll bei einer gesunden Ernährung helfen. Doch welche Bedeutung steckt hinter den Buchstaben A bis E? Und nach welchen Kriterien werden die Produkte bewertet?

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Inhalte im Überblick
- Was genau ist der Nutri-Score und warum wurde er eingeführt?
- Was steckt hinter den Buchstaben A bis E beim Nutri-Score?
- Wie wird der Nutri-Score berechnet?
- Was ist die Kritik am Nutri-Score?
- Zeigt der Nutri-Score, wie gesund ein Lebensmittel ist?
- Wie bewerten Medizinerinnen und Mediziner den Nutri-Score?
Was genau ist der Nutri-Score und warum wurde er eingeführt?
Der Nutri-Score soll beim Einkaufen eine schnellere Übersicht über das Nährwertprofil der Produkte ermöglichen. Das Ampelsystem mit den Buchstaben von A bis E zeigt in deutschen Supermärkten seit 2020, welche Lebensmittel einen günstigen Nährwert haben und welche nicht.
Dabei bildet der Nutri-Score nicht nur den Nährstoff- und Energiegehalt ab, sondern auch die Nährstoffzusammensetzung des gesamten Produktes. Der große Vorteil: Das Ampelsystem ist leicht verständlich. Ein Blick auf die Verpackung genügt, um zu erkennen, welches Lebensmittel am ehesten zu einer ausgewogenen Ernährung beiträgt.
Der Nutri-Score wurde als ein Baustein der Ernährungspolitik eingeführt: 47 Prozent der Frauen, 60 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind in Deutschland laut Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) übergewichtig. Das liegt nicht nur an zu wenig Bewegung im Alltag, sondern vor allem auch an einer zu einseitigen und kalorienreichen Ernährung.
Was steckt hinter den Buchstaben A bis E beim Nutri-Score?
Die fünfstufige Farbskala von A bis E befindet sich auf der Vorderseite des Produkts und zeigt den Nährwert des Lebensmittels an. Dafür werden der Energiegehalt sowie für den Körper günstige oder ungünstige Nährstoffe miteinander verrechnet.
Der Nutri-Score unterscheidet dabei zwischen Getränken und festen Lebensmitteln, zu denen allerdings auch Milch und Milchgetränke sowie die pflanzlichen Alternativen gehören. Der Nutri-Score dient dazu, Lebensmittel innerhalb derselben Produktkategorie zu bewerten und zu vergleichen. Er berücksichtigt die spezifischen Nährstoffprofile von Produkten, die in ähnlichen Kategorien (beispielsweise Frühstückszerealien, Joghurts oder Fertiggerichte) angeboten werden, um eine fundierte Auswahl zu ermöglichen. Der Score ist daher nicht geeignet, Lebensmittel unterschiedlicher Kategorien direkt miteinander zu vergleichen.
Das Ergebnis wird in beiden Kategorien in Ampelfarben präsentiert: Das dunkelgrüne A steht für eine sehr günstige und das dunkelrote E für eine sehr ungünstige Nährstoffzusammensetzung des jeweiligen Produkts. Damit ist laut BMLEH der Nutri-Score eine sinnvolle Ergänzung zu den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben wie Zutatenliste und Nährwerttabelle.

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Wie wird der Nutri-Score berechnet?
Zur Einordnung von Lebensmitteln werden günstige und ungünstige Nährstoffe bewertet. Die verschiedenen Nährstoffgruppen erhalten bestimmte Punkte, die dann miteinander verrechnet werden. Es gilt: je weniger Punkte, desto besser. Der Nutri-Score bezieht sich dabei jeweils auf 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Lebensmittels.
Hohe Punktzahlen gibt es bei problematischen Bestandteilen wie:
- gesättigten Fettsäuren
- Salz
- Zucker
- Energiegehalt
Enthält das Produkt vorteilhafte Inhaltsstoffe, werden Punkte abgezogen. Dazu gehören:
- Ballaststoffe
- Eiweiß / Proteine
- Gemüse, Obst, Nüsse, Raps-, Walnuss- und Olivenöl
Welche Sonderfälle gibt es bei der Nutri-Score-Berechnung?
Der Nutri-Score für Käse, Fette und Getränke wird anders ermittelt. Käse zum Beispiel ist eine wichtige Quelle für Kalzium, das zum Erhalt von Knochen und Zähnen beiträgt. Durch seinen hohen Fettgehalt würde Käse aber in den roten Bereich E fallen. Also wird bei der Berechnung der Eiweißgehalt, der eng mit dem Kalziumgehalt zusammenhängt, bevorzugt berücksichtigt.
Bei Fetten und Ölen wird der Anteil an gesättigten Fettsäuren im Vergleich zum Gesamtfett berechnet. So erhalten pflanzliche Öle mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren wie Rapsöl einen besseren Nutri-Score als Butter.
Die Abstufungen für den Energie- und Zuckergehalt sowie den Anteil von Obst oder Gemüse sind indes bei Getränken niedriger als bei anderen Lebensmitteln. Wobei nur Wasser hier ein dunkelgrünes A erhält.
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Was wird nicht mit dem Nutri-Score gekennzeichnet?
Der Nutri-Score ist für den Bedarf der Gesamtbevölkerung gedacht und schließt somit Spezialnahrung aus. Darunter fallen Säuglingsnahrung, Lebensmittel für Kinder von 0 bis 3 Jahren, Lebensmittel für medizinische Zwecke oder auch Sportlernahrung.
Dann gibt es noch die Lebensmittel, die bisher keine Nährwertkennzeichnung benötigen – und damit auch keinen Nutri-Score. Dazu gehören zum Beispiel Kaffeebohnen oder Tees, Hefe, Kaugummi, Salz und Gelatine – sowie auch alkoholische Getränke wie Bier oder Wein mit mehr als 1,2 Volumenprozent. Einzige Sonderstellung hat bisher mit seinem Reinheitsgebot das Bier – es hat eine Zutatenliste, aber keine Nährwerttabelle.
Wie kommt der Nutri-Score auf die Verpackung?
Der Nutri-Score ist für Lebensmittelhersteller zwar eine freiwillige Kennzeichnung – doch die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Score ist kostenfrei, schafft Vertrauen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern und ist somit imagefördernd.
Zudem ist das Prozedere einfach: Interessierte Unternehmen müssen sich nur auf der Internetseite der französischen Markeninhaberin, der „Santé publique France“, einer Behörde des französischen Gesundheitsministeriums, registrieren und verpflichten, das Nutri-Score-Logo auf 80 Prozent ihrer Marken-Produkte zu verwenden. Das BMLEH bietet dazu auch Hilfestellung und Beratung an.
Was ist die Kritik am Nutri-Score?
Der Nutri-Score steht in der Kritik, weil die Ampelkennzeichnung von Produkten freiwillig ist. Jedes Unternehmen kann entscheiden, ob es sie auf seine Verpackungen druckt. Zudem gibt es noch keine offizielle Stelle, die die Einhaltung der Nutzungsbedingungen sicherstellt. Unternehmen könnten versucht sein, Produkte durch leichte Rezepturveränderungen „schön“ zu rechnen, so die Sorge der Verbraucherzentralen.
Außerdem ist es für Verbraucherinnen und Verbraucher schwierig nachzuvollziehen, wie der jeweilige Wert im Detail ermittelt wird. Manch gute Inhaltsstoffe wie Omega-3-Fettsäuren und Vitamine fließen zum Beispiel bisher nicht in die Bewertung ein.
Der Nutri-Score eignet sich außerdem nicht für Produkte, die unverarbeitet sind oder nur aus einer Zutat bestehen, wie zum Beispiel Olivenöl oder Honig.
Zeigt der Nutri-Score, wie gesund ein Lebensmittel ist?
Der Nutri-Score macht keine Aussagen zum Gesundheitswert eines Lebensmittels. Wer also nur zur Kategorie A greift, isst nicht zwingend ausgewogen.
Denn der Nutri-Score bewertet die Nährwerte des Produkts, so wie es im Regal liegt und nicht, wie es später auf den Tisch kommt. Daher tragen beispielsweise tiefgekühlte Pommes, die nur aus ungesalzenen Kartoffeln und ein wenig Öl bestehen, teils die grüne Bewertung „A“. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie gesünder sind als gedacht. Denn der Einfluss verschiedener Zubereitungsarten, zum Beispiel mit viel Salz und Öl, wird nicht berücksichtigt. Nur wenige Anbieter weisen darauf hin, dass sich die Bewertung durch Frittieren um ein bis zwei Stufen verschlechtern könnte.
Es gilt: Eiscreme oder Pommes können zwar eine gute Bewertung erhalten, sollten aber nur einen geringen Anteil der Ernährung ausmachen. Wohingegen fetter Seefisch wie Räucherlachs keine gute Nutri-Score-Bewertung bekommt („D“). Allerdings sollte er wegen der enthaltenen Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und Jod sowie der hohen Proteinqualität einen festen Platz in unserem Speiseplan haben.
Wie bewerten Medizinerinnen und Mediziner den Nutri-Score?
Grundsätzlich ist laut Ernährungsmedizinerinnen und Ernährungsmedizinern der Nutri-Score eine Erleichterung für Verbraucherinnen und Verbraucher. Durch ihn kann sich für die bessere Alternative einer Produktgruppe entschieden werden.
Die Nutri-Score-Berechnung wird zudem aktuellen Ernährungsempfehlungen angepasst. So kündigte die EU jüngst eine neue Bewertung einzelner Zutaten an.
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