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Zimt und Muskatnuss: gesund oder giftig?

Veröffentlicht am:09.11.2022

4 Minuten Lesedauer

Wer Lebkuchen, Zimtsterne und Glühwein liebt, hat es gewiss schon gehört: Gewürze wie Zimt und Muskat sollen nicht immer gesund, bei übermäßigem Verzehr sogar giftig sein. Welche Mengen sind bedenklich – und wie lässt sich eine Vergiftung vermeiden?

Auf einem Holztisch liegen verschiedene Gewürze wie Nelken, Zimtstangen und Muskatnüsse.

© iStock / ValentynVolkov

Inhalte im Überblick

    Muskatnuss: In hohen Dosen halluzinogen

    Die Muskatnuss ist im engeren Sinn keine Nuss, sondern der Samen des Muskatbaums, der ursprünglich aus Indonesien stammt. Heute werden Muskatbäume überwiegend in Afrika und Südamerika angebaut. Das charakteristische, süßlich-herbe Aroma von gemahlenen Muskatnüssen verfeinert unter anderem traditionell Béchamelsauce, Punsch und Weihnachtsgebäck, passt aber auch gut zu Spinat, Fleisch- und Kartoffelgerichten.

    Daneben experimentieren gelegentlich Neugierige mit den halluzinogenen Wirkungen, welche die Muskatnuss in höheren Dosen entwickeln kann. Grund ist das unter anderem enthaltene Myristicin, das in der Leber zu Amphetamin umgewandelt wird. Diese Wirkung ist jedoch an zahlreiche unangenehme und teils sogar lebensgefährliche Nebenwirkungen gekoppelt, welche ab einer Dosis von fünf bis zehn Gramm auftreten können.

    Symptome einer Muskatvergiftung:

    • Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe)
    • Kopfschmerzen
    • Mundtrockenheit
    • Ruhelosigkeit
    • Zittern
    • Schwindel
    • Herzrasen
    • Blutdruckanstieg
    • Bewusstseinsstörungen
    • Halluzinationen
    • Krampfanfälle
    • Leber- und Nierenschädigung

    Die Symptome treten in der Regel drei bis sechs Stunden nach der Einnahme auf.

    Vorsicht vor Social-Media-Trends

    Nutmeg- und Cinnamon-Challenge birgen Gesundheitsrisiken.

    In den letzten Jahren ist es in den sozialen Netzwerken vermehrt zu sogenannten Challenges gekommen, in denen Menschen dazu aufgefordert werden, bestimmte Dinge zu tun. Darunter auch die Nutmeg- und die Cinnamon-Challenge, bei der die Teilnehmenden einen Tee- oder Esslöffel Muskatnuss- beziehungsweise Zimtpulver hinunterschlucken müssen, ohne dabei etwas zu trinken. Ärzte raten von dieser Challenge ab, da es unter anderem zu allergischen Reaktionen, Vergiftungen und Erstickungsanfällen kommen kann.

    Zimt: Auf den Cumaringehalt kommt es an

    Viele lieben das fein würzige Aroma von Zimt vor allem in Süßspeisen wie Milchreis und Plätzchen, und auch herzhaften Schmorgerichten, Currys und Eintöpfen verleiht Zimt eine festliche oder orientalische Note. Hergestellt wird Zimt aus der getrockneten Rinde verschiedener Zimtbäume; die röhrenförmig zusammengerollten Rindenstücke sind die uns bekannten Zimtstangen, die dann zur weiteren Verarbeitung meist gemahlen werden.

    Bestimmte Zimtsorten erhalten jedoch hohe Dosen an Cumarin, einem natürlichen Aromastoff. Dieser kann bei regelmäßiger Aufnahme bereits in verhältnismäßig geringen Dosen zu Leberschäden führen, insbesondere bei Menschen mit bereits vorgeschädigter Leber und Kindern. Der Cumaringehalt schwankt jedoch je nach Zimtsorte erheblich. Für eine akute Vergiftung müssten enorme Mengen Zimt aufgenommen werden, bei Cumarin in extrahierter Form (etwa als Kapsel) sind jedoch Vergiftungserscheinungen möglich.

    Symptome einer Cumarinvergiftung:

    • Kopfschmerzen
    • Schwindel
    • Übelkeit und Erbrechen
    Auf dem Tisch liegen Zimtsterne.

    © iStock / barol16

    Kinder sollten in der Weihnachtszeit nicht mehr als sechs kleine Zimtsterne am Tag essen, um eine Vergiftung mit Cumarin zu vermeiden.

    Was tun im Notfall?

    Wenn Sie Symptome einer Vergiftung bei sich oder anderen bemerken, rufen Sie sofort bei einer Giftnotrufzentrale an, um die Gefährdung einzuschätzen.

    • Versuchen Sie nicht, Erbrechen auszulösen.
    • Trinken Sie maximal ein Glas Wasser, Tee oder Saft.
    • Rufen Sie einen Notarzt, wenn starke Symptome wie häufiges Erbrechen, Kreislaufprobleme oder Bewusstseinsverlust vorliegen.
    Liste der Giftnotrufzentralen

    Wie kann man eine Vergiftung mit Zimt und Muskatnuss vermeiden?

    Im Fall von Gewürzen wie Zimt und Muskatnuss gilt die alte Regel: Die Dosis macht das Gift. In haushaltsüblichen Mengen als Gewürz geht für erwachsene Menschen weder von Zimt noch von Muskat eine Gesundheitsgefahr aus.

    • Besondere Vorsicht gilt jedoch bei Kindern und Haustieren: Kinder reagieren entsprechend ihres Körpergewichts auf geringere Dosierungen der Gewürze sensibel.
    • Für Katzen und Kleintiere kann aufgrund ihres anderen Stoffwechsels das in Zimt enthaltene Cumarin bereits in geringen Dosen tödlich sein; es ist etwa ein häufiger Bestandteil von Rattengift.

    Muskat-Vergiftung vermeiden: Nicht mehr als eine Nuss verwenden

    Muskat hat einen recht intensiven Eigengeschmack, sodass in der Regel schon ein einfaches Abschmecken der Gerichte ausreicht, um eine Vergiftung mit Muskatnuss zu vermeiden. Als Faustregel gilt: Ab einer ganzen Nuss (etwa sechs bis sieben Gramm oder ein Esslöffel Muskatpulver) können bei einer erwachsenen Person unerwünschte Wirkungen einsetzen, gefährlich kann es ab einer Menge von zwei oder mehr Nüssen werden. Bei Kindern fallen die bedenklichen Dosierungen entsprechend ihrem Körpergewicht geringer aus.

    Achtung: Ganze verschluckte Nüsse können bei Kleinkindern auch die Atemwege oder die Magen-Darm-Passage blockieren.

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    Zimt-Vergiftung vermeiden: Ceylon- statt Cassiazimt verwenden

    Zimt ist nicht gleich Zimt. In Europa kommen primär zwei Sorten zum Einsatz: Ceylon-Zimt vom „echten“ Ceylon-Zimtbaum (Cinnamomum verum) und Cassia-Zimt von der chinesischen Zimtkassie (Cinnamomum aromaticum). Die enthaltenden Dosen des relevanten Aromastoffs Cumarin unterscheiden sich stark: Im Handel angeboten wird meist der etwas günstigere Cassia-Zimt, bei dem der Cumaringehalt mit durchschnittlich 3000 Milligramm pro Kilogramm deutlich höher liegt als beim „echten“ Ceylon-Zimt (circa acht Milligramm pro Kilogramm).

    Die tolerierbare Dosis (TDI-Wert), die problemlos täglich aufgenommen werden kann, liegt bei 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Kleinkind entspricht dies circa sechs kleinen Zimtsternen oder 100 Gramm Lebkuchen. Gerade wer selbst würzt oder Cassia-Zimt verwendet, bei dem der Cumarin-Gehalt extrem schwanken kann, erreicht diese Grenzwerte schnell.

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Zimtliebhabern daher, bei häufigem Verzehr lieber auf den cumarinarmen Ceylon-Zimt auszuweichen.

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    Sind die Gewürze trotzdem gesund?

    In maßvoller Dosierung ist der Verzehr von Zimt und Muskatnuss nicht gefährlich. Im Gegenteil, beide Gewürze können auch gesundheitsfördernde Wirkungen haben:

    • Zimt wirkt regulierend auf den Blutzuckerspiegel und wird daher häufig für Diabetiker empfohlen. Auch die Verdauungstätigkeit und den Cholesterinspiegel kann Zimt positiv beeinflussen.
    • Die ätherischen Öle in der Muskatnuss können womöglich bei Erkältungen und Verdauungsproblemen die Beschwerden lindern.

    Ob Zimt und Muskatnuss gesund oder giftig sind, kommt also ganz auf die Dosierung an.

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