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Verschlucken und Ersticken von Baby und Kind

Eine Frau hält ihr Kleinkind, das sich verschluckt hat.

© AOK Markenportal

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 19.03.2021

Beim Trinken, beim Essen oder an der eigenen Spucke: Wenn Kleinkinder und Babys sich verschlucken und keine Luft mehr bekommen, ist schnelle Hilfe lebenswichtig. Wo lauern die Gefahren und wie muss man sich im Ernstfall verhalten? Notfallmediziner Dr. Bernd Landsleitner von der Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg erklärt die wichtigsten Erste-Hilfe-Tipps, um Ihrem Kind zu helfen.

Inhalte im Überblick

    Baby oder Kleinkind verschluckt sich

    In den ersten Lebensjahren „begreifen“ Babys und Kleinkinder ihre Umwelt mit allen Sinnen. Alles, was in Reichweite ist und lecker und verführerisch aussieht, wird sofort in den Mund gesteckt. Das fördert die Sinne und verläuft glücklicherweise meistens ganz harmlos. „Gefährlich wird es erst dann,“ so Dr. Bernd Landsleitner, Leitender Oberarzt, Anästhesist und Notfallmediziner der Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik von Diakoneo „wenn beim Essen oder Spielen Symptome wie Husten, Würgen, pfeifendes Atemgeräusch und oder Unruhe auftreten. Greifen Kinder sich dann auch noch an den Hals, sollte man immer an Ersticken durch einen Fremdkörper denken!“

    Grundsätzlich, so Dr. Landsleitner, gibt es folgende Unterschiede:

    • Ersticken bedeutet, dass ein Fremdkörper versehentlich eingeatmet wurde, also den falschen Weg genommen hat, und die Atemwege verlegt – das kann lebensbedrohlich sein. 
    • Verschlucken bedeutet, dass etwas, was nicht als Nahrung gedacht ist in die Speiseröhre gelangt – das kann dann gefährlich werden, wenn der Fremdkörper groß, spitz oder chemisch problematisch ist (zum Beispiel eine Knopfzelle).

    „Wenn das Kind normal kräftig hustet, effektiv atmet, spricht oder weint, angestrengt aussieht, einen roten Kopf hat und normal reagiert, dann muss man in der Regel nichts weiter machen, als das Kind zum kräftigen Husten zu ermuntern und dauernden Sprachkontakt zu halten, um eine Verschlechterung sofort zu bemerken“, rät Dr. Landsleitner den Eltern oder Großeltern kleiner Kinder. Noch ein Tipp von ihm: „Hier ist es trotzdem sinnvoll, eine weitere Person hinzuzuziehen, um bei Bedarf einen Notruf absetzen zu können!“

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    Die „Rückenklopf-Methode“

    Wenn sich die oben beschriebene Situation nicht bessert, das Kind also nicht mehr kräftig hustet, nicht mehr richtig sprechen und atmen kann, zunehmend schläfriger wird und eine eher bläuliche Hautfarbe (Zyanose genannt) hat, kommt die „Rückenklopf-Methode“ zum Einsatz. 

    Außerdem sollte sofort der Rettungsdienst (Notruf 112) gerufen werden!

    Wie funktioniert die „Rückenklopfmethode“? 

    „Als erstes kommen in jeder Altersgruppe kräftige Rückenschläge zwischen die Schulterblätter zur Anwendung, bei nach vorne gebeugtem Oberkörper,“ erklärt Dr. Landsleitner. „Es werden maximal 5 Rückenschläge verabreicht und danach das Kind wieder beurteilt. Wird der Fremdkörper früher ausgehustet, hört man natürlich gleich auf. Stabilisiert sich das Kind nicht, dann kommen die anderen Manöver zum Einsatz.“

    Noch ein Hinweis von Dr. Landsleitner: Bei Säuglingen sollte man wegen der Sturzgefahr bei diesem Handgriff besonders vorsichtig sein!

    War die „Rückenklopfmethode“ nicht erfolgreich, kann man versuchen den „Heimlich-Handgriff“ anzuwenden.

    Der „Heimlich-Handgriff“

    Benannt wurde der sogenannte „Heimlich-Handgriff“ nach dem amerikanischen Arzt Henry J. Heimlich. Und so kommt er zur Anwendung: „Unter „Heimlich-Handgriff“ versteht man die Anwendung von bis zu fünf rhythmischen, kräftigen Oberbauchkompressionen. Begeben Sie sich hinter das Kind, drücken Sie dabei eine Faust in den Winkel zwischen beiden Rippenbögen und dem Brustbein in den weichen Oberbauch und umfassen Sie  dabei das Handgelenk mit der anderen Hand,“ erklärt Dr. Landsleitner. 

    Er gibt allerdings zu bedenken: „Das kann im ungünstigsten Fall auch mal zu Organverletzungen führen, deshalb wird der Heimlich-Handgriff nur angewendet, wenn Rückenschläge erfolglos bleiben und NICHT bei Kindern unter einem Jahr! Bei Säuglingen werden stattdessen fünf Kompressionen in der Mitte des Brustkorbs durchgeführt – wie bei der Herzdruckmassage, nur etwas langsamer.“

    Auch hier gilt: Rufen Sie den Rettungsdienst (Notruf 112)!

    Führen beide Maßnahmen nicht zum Erfolg und ist das Kind bewusstlos, so wird eine normale Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Beatmung und Herzmassage durchgeführt. Dieser Fall tritt laut Experten jedoch nur sehr selten auf.

    Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass beim Anzeigen des Videos Daten an YouTube oder Vimeo übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
    Sehen Sie im Video anschaulich nachgestellt, welche Maßnahmen im Ernstfall notwendig sind: Die Rückenklopfmethode, der Heimlich-Handgriff und die Herzdruckmassage.

    Was mache ich, wenn mein Kind einen spitzen Gegenstand verschluckt hat?

    Da es sich in diesem Fall um das Verschlucken eines Gegenstandes handelt, rät Dr. Landsleitner dazu, nichts zu machen und Ruhe zu bewahren: „Beruhigen Sie Ihr Kind und fahren Sie zum Arzt oder in die Kinderklinik. Bei Atem- oder Schluckproblemen sollten Sie immer den Rettungsdienst rufen.“

    Wie kann ich verhindern, dass mein Kind Dinge verschluckt?

    Grundsätzlich sollten „problematische Dinge“ wie Erdnüsse, Knopfzellen und kleine Legosteine nicht in der Reichweite von Säuglingen und Kleinkindern herumliegen. Denn am häufigsten verschlucken Kleinkinder Dinge aus dem Haushalt. Dazu gehören auch Knöpfe, Münzen oder Perlen. Aber auch harte Lebensmittel wie Äpfel, Gurken, Möhren können dazu führen, dass sich kleine Kinder verschlucken. "Allerdings ist eine absolut kindersichere Wohnung steril und langweilig.", so Dr. Landsleitner, „Deshalb sollten Sie immer zwischen Gefahrenvermeidung und Erfahrung sammeln abwägen. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass alle betreuenden Personen ein Bewusstsein entwickeln und potenziell gefährliche Situationen rechtzeitig erkennen.“

    Warum verschlucken sich (kleine) Kinder so oft?

    Für dieses Phänomen hat Dr. Landsleitner eine ganz einfache Erklärung: „Säuglinge ‚begreifen‘ nicht nur mit den Händen, sondern auch mit dem Mund. Dementsprechend nehmen sie auch alles in den Mund. Solange nichts schief geht, ist das auch gut so. Säuglinge können außerdem Milch trinken und gleichzeitig atmen. Diese Fähigkeit geht aber mit zunehmendem Alter verloren und erstreckt sich außerdem nicht auf andere Speisen.“ Allerdings, so Landsleitner, vergessen Säuglinge das zwischendurch auch schon mal, was dann zu teils heftigem Verschlucken führen kann.

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