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Erythrit: Wie gesund ist der Zuckerersatz?
Veröffentlicht am:18.02.2026
4 Minuten Lesedauer
Zu viel Zucker ist schädlich und begünstigt Übergewicht, Diabetes oder Karies. Deshalb weichen viele Menschen auf Erythrit aus. Doch der Zuckerersatzstoff hat nicht nur Vorteile.

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Was ist Erythrit?
Erythrit zählt zu den Zuckeralkoholen und ist wie Xylit oder Sorbit ein Zuckerersatzstoff. Zuckeralkohole sind zwar süß, enthalten aber weder Zucker noch Alkohol im herkömmlichen Sinn.
Der menschliche Körper produziert sie auf natürliche Weise im Rahmen des Stoffwechsels. Erythrit kommt auch in sehr geringen Mengen in Früchten wie Melonen, Birnen und Trauben sowie in fermentierten Lebensmitteln wie Milchkäse vor. Natürlich vorkommendes Erythrit ist unbedenklich.
Erythrit ist zwar Bestandteil pflanzlicher Stoffe. Dennoch ist es ein industriell hergestelltes Produkt und im engeren Sinne keine „natürliche“ Zuckeralternative. Die Lebensmittelindustrie stellt Erythrit durch die Fermentierung, also Gärung, von Mais her und fügt es Lebensmitteln hinzu. Erythrit ist weniger süß als herkömmlicher Zucker. Deshalb setzen Hersteller es in Konzentrationen ein, die weit über den natürlichen Mengen im Körper oder in Früchten liegen.
Wo und wofür wird Erythrit verwendet?
Lebensmittelhersteller verwenden Erythrit häufig als Ersatz für Haushaltszucker in „kalorienfreien“ und „zuckerarmen“ Produkten – von Kaugummi über Proteinriegel bis zu Fruchtaufstrichen. Auch Menschen, die Zucker sparen möchten, süßen damit ihre Getränke oder Backwaren.
Oft werden Produkte mit Erythrit Menschen mit Adipositas, Diabetes oder metabolischem Syndrom empfohlen, die ihre Zucker- oder Kalorienaufnahme kontrollieren möchten.
Erythrit: Klassifizierung und Zulassung
Süßungsmittel werden in zwei Kategorien eingeteilt: Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe. Beide gelten als Lebensmittelzusatzstoffe und müssen ein Zulassungsverfahren der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) durchlaufen, bevor sie Hersteller in Lebensmitteln einsetzen dürfen.
Erythrit zählt zu den Zuckeraustauschstoffen und ist in Europa zugelassen. Auf Lebensmittelverpackungen ist es mit der E-Nummer E 968 gekennzeichnet.
Welche Vorteile hat Erythrit?
Erythrit ist kalorienfrei und beeinflusst den Blutzuckerspiegel nur geringfügig. Diese Eigenschaften machen es, in Maßen verwendet, für Menschen mit Diabetes oder Gewichtsproblemen attraktiv. Außerdem ist Erythrit nicht kariesfördernd.
Der Zuckerersatzstoff hat eine Süßkraft von etwa 60 bis 70 Prozent im Vergleich zu Haushaltszucker und schmeckt dem sehr ähnlich. Daher lässt er sich ähnlich wie Zucker verwenden und verarbeiten.
Welche Nachteile hat Erythrit?
Auf den ersten Blick scheinen künstliche Süßstoffe eine gute Alternative zu Zucker zu sein. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft Erythrit als sicher ein. Doch aktuelle Studien weisen auf mögliche Risiken hin.
Kann Erythrit abführend wirken?
In größeren Mengen können Zuckeralkohole wie Erythrit Durchfall und Blähungen verursachen. Daher müssen Hersteller Lebensmittel, die mehr als zehn Prozent Zuckeralkohole enthalten, mit dem Warnhinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ kennzeichnen. Allerdings kann die individuelle Toleranzgrenze unterschiedlich sein.
Begünstigt Erythrit Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Eine internationale Studie aus dem Jahr 2023 brachte hohe Erythrit-Blutwerte mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Die Forschenden untersuchten dazu das Blut von Menschen aus den USA und Europa.
Dabei stellten sie fest, dass Menschen mit hohen Erythritwerten anfälliger für schwerwiegende Herzprobleme wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle waren. Zudem zeigte ein Laborversuch, dass Erythrit die Blutgerinnung und somit die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) beschleunigt.
Eine weitere Laborstudie aus dem Jahr 2025 zeigte, dass Erythrit die Funktion der kleinen Blutgefäße im Gehirn negativ beeinflusst. Dies könnte dazu beitragen, das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall zu erhöhen. Dieser wird durch ein verstopftes Blutgefäß verursacht. Die Ergebnisse der Laborstudie stützen somit frühere Hinweise darauf, dass ein hoher Erythrit-Konsum schädlich sein könnte.

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Wie bewertet die EFSA die Sicherheit von Erythrit?
Bei ihrer Neubewertung des Zusatzstoffes Erythrit Ende 2023 kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Schluss, dass die derzeit verfügbaren Daten keinen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Lebensmitteln mit Erythrit und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegen.
Sowohl die EFSA als auch die Forschungsteams betonten die Notwendigkeit weiterer Studien, um mehr über die Wirkung von Erythrit zu erfahren. Dennoch mahnen die Forschenden, den Zuckerersatzstoff nicht unhinterfragt zu konsumieren.
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Was ist beim Verzehr von Erythrit zu beachten?
Laut der EFSA sollten Verbraucherinnen und Verbraucher täglich nicht mehr als 0,5 Gramm Erythrit pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Bei einem Körpergewicht von 60 Kilogramm sind das maximal 30 Gramm Erythrit pro Tag. Diese Menge gilt als unbedenklich für die Gesundheit, selbst bei täglichem Verzehr über Lebensmittel und Getränke.
Wer jedoch viel Erythrit konsumiert – etwa durch das Backen oder den Konsum kalorienreduzierter Getränke – überschreitet unter Umständen die empfohlene Menge. Das kann Verdauungsprobleme verursachen und möglicherweise langfristige Risiken bergen.
Obwohl Erythrit in Europa als sicher gilt, lässt es sich – wie andere süße Zusatzstoffe auch – nicht uneingeschränkt als gesunde Alternative empfehlen. Es ist ratsam, sich gar nicht erst an Süßes zu gewöhnen oder es sich wieder abzugewöhnen und stattdessen auf Lebensmittel ohne Zucker zu setzen. Das macht auch weniger anfällig für Versuchungen.
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