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Wie viel Zucker am Tag darf mein Kind essen?

Kleiner Junge mit Würfelzucker im Mund - wieviel Zucker am Tag ist ok?

© iStock / AnthonyRosenberg

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 30.12.2020

Kinder lieben alles, was Zucker enthält. Aber wie viel Zucker am Tag sollten die Kleinen wirklich bekommen? Hier eine Schokoladenkugel, da ein Plätzchen: Gerade zur Weihnachtszeit kann man da schnell den Überblick verlieren. Zumal es neben den offensichtlichen Zuckerfallen zahlreiche versteckte gibt. Hier finden Sie einen Überblick und Tipps für den Einkauf.

Inhalte im Überblick

    Komplett ohne geht auch nicht: So viel Zucker ist okay

    Eis, Limonade, Nudeln mit Ketchup, Schoko-Müsli – das essen und trinken die meisten Kinder gerne. Doch diese Lebensmittel haben eines gemeinsam: In ihnen steckt viel ungesunder Zucker. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten Kinder weniger als zehn Prozent ihrer täglichen Energiezufuhr durch Zucker abdecken. Besser wäre eine Energiemenge von unter fünf Prozent. 

    Diesen Empfehlungen hat sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) angeschlossen. Dazu zählt Zucker, der Lebensmitteln zugesetzt wird sowie der Zuckergehalt in Honig und Säften. Fructose, also die Zuckerart, die in unverarbeitetem Obst steckt, rechnen die Mediziner dabei nicht dazu.

    Maximal zehn Prozent klingt zunächst abstrakt. Eine einfache Empfehlung des Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte ist daher: Mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag sollten es demnach für Kinder nicht sein. Das sind knapp sechs kleine Teelöffel.

    Außerdem raten die Experten dazu, Zuckerzusatz in Speisen oder Getränken bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren komplett zu vermeiden.

    Was kann passieren, wenn Kinder täglich zu viel Zucker essen?

    Kleines Mädchen mit Lolli im Mund - wieviel Zucker am Tag ist ok?

    © iStock / Anastasiia Boriagina

    Sechs Teelöffel Zucker am Tag – das hört sich erstmal wenig an. Daher verwundert es nicht, dass der Zuckerkonsum in Deutschland deutlich zu hoch ist. Laut DGE macht Zucker bei Kindern im Durchschnitt 17,5 Prozent der täglichen Energiezufuhr aus. 

    Zudem verweisen Ärzte darauf, dass viele Kinder, die sehr zuckerhaltige Lebensmittel essen, gleichzeitig zu wenig Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und fettarme Milchprodukte zu sich nehmen. Das kann leider auch gesundheitliche Folgen haben: Für Kinder, die zu viel Zucker am Tag essen, steigt unter anderem das Risiko für Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2 und Karies.

    Langfristig ist so die Wahrscheinlichkeit erhöht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt zu bekommen. Auch rheumatische Erkrankungen, wie Gicht, können häufiger auftreten.

    Wieviel Zucker am Tag: Das sind die Fallen

    Nach Angaben der DGE wird der größte Teil über Süßwaren verzehrt (36 Prozent). Es folgen zuckerhaltige Getränke wie Fruchtsäfte und Nektar (26 Prozent) sowie Limonaden (12 Prozent). Getränke gelten als besonders kritisch, weil sie nicht sättigen und deswegen das Risiko für Übergewicht noch mehr erhöhen.

    Auch vielen salzig-herzhaften Lebensmitteln fügen die Hersteller bei der industriellen Verarbeitung Zucker hinzu. Wer rechnet schon damit, dass beispielsweise bei Ketchup der Zuckeranteil bei bis zu 20 Prozent liegt? Oder dass sich in einer herkömmlichen Thunfisch-Pizza etwa 15 Gramm Zucker verbergen? 

    Ein Blick auf die Inhaltstoffe lohnt sich immer

    Da für Kinder angepriesene Lebensmittel – egal ob Kekse, Müsli, Kinderquark oder Kindertee – oft mehr Zucker enthalten als vergleichbare Produkte, lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe. Sogar Produkte, die als besonders gesund beworben werden, sind oftmals völlig überzuckert: 73 Prozent der gekauften Menge an Müslis, Cornflakes und Co. überschreiten beim Zuckergehalt die Empfehlung der WHO von 15 Gramm Zucker auf 100 Gramm.

    Bei den speziell an Kinder gerichteten Cerealien liegen sogar 99 Prozent der gekauften Produkte über diesem Richtwert. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die der AOK-Bundesverband in Auftrag gegeben hat. Die Forscher nahmen hierfür das Kaufverhalten von 30.000 Haushalten in Deutschland unter die Lupe und werteten den Zuckergehalt von über 1.400 Produkten aus.

    Beim Thema Zucker gibt es aber auch eine gute Nachricht: Das Geschmacksempfinden verändert sich. Wer nur selten Süßes isst, kommt daher schon nach kurzer Zeit mit weniger Zucker aus.

    Versteckter Zucker: Worauf können Eltern beim Einkaufen achten?

    Wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihr Kind nicht zu viel Zucker zu sich nimmt, ist es sinnvoll, beim Einkaufen die Inhaltsstoffe gründlich zu studieren – und zu wissen, was sich genau hinter den Bezeichnungen verbirgt.

    Ein Lebensmittel kann durchaus viel Zucker enthalten, auch wenn es vom Hersteller als „zuckerfrei“ angepriesen wird: Nur wenn Haushaltszucker (Saccharose) im Lebensmittel steckt, muss auf der Zutatenliste auch „Zucker“ stehen. Es gibt aber eine Vielzahl von weiteren Zuckerarten oder anderen süß schmeckenden Substanzen.

    Andere Zuckerarten sind beispielsweise:

    Zuckerarten
    Dextrose
    Fruktose (Fruchtzucker)
    Glukose (Traubenzucker)
    Laktose (Milchzucker)
    Maltodextrin
    Maltose (Malzzucker)

    Diese verschiedenen Zuckerarten kommen auch in Süßmachern wie Sirup (Glukosesirup, Invertzuckersirup, Ahornsirup), Malzextrakt, Süßmolkenpulver, Vollmilchpulver, Magermilchpulver und Dicksäften wie Agavendicksaft vor.

    Die Tricks der Lebensmittelindustrie

    Auf der Zutatenliste von Lebensmitteln müssen die Inhaltsstoffe in der Reihenfolge ihres Gewichtsanteils gelistet sein. Durch die Verwendung von verschiedenen Zuckerarten und Süßmachern können Hersteller verschleiern , wie hoch der tatsächliche Zuckergehalt ist. So ist vielen Verbrauchern nicht bewusst, dass das gekaufte Produkt viel Zucker enthält, wenn weiter hinten in der Zutatenliste „Zucker“ steht, auf den vorderen Plätzen jedoch Glukosesirup, Süßmolkenpulver und Malzextrakt.

    • Die Aufschrift weniger süß ist nicht gleichbedeutend mit weniger Zucker:
      Steht „weniger süß“ auf der Verpackung, glaubt man, ein Produkt mit weniger Zucker zu kaufen. Tatsächlich kann jedoch der Haushaltszucker durch eine weniger süß schmeckende Zuckerart wie Maltodextrin ersetzt sein. So schmeckt das Lebensmittel zwar weniger süß, der Zuckergehalt ist jedoch unverändert.
    • Reduzierter Zuckergehalt ist nicht gleich wenig Zucker: Eine Schokolade mit der Kennzeichnung „reduzierter Zuckergehalt“ muss kein Produkt mit besonders wenig Zucker sein. Es bedeutet, dass 30 Prozent weniger Zucker als in einem Lebensmittel der gleichen Art enthalten sind. Wird als Vergleichsobjekt ein besonders zuckerhaltiges Produkt gewählt, ist das Produkt mit dem angepriesenen reduzierten Zuckergehalt nicht zuckerarm.
    • Zucker bleibt Zucker – egal, ob er natürlich enthalten ist oder zugesetzt wurde:
      In der Werbung wird der Begriff „Natur“ gerne verwendet, da Konsumenten damit etwas Gutes verbinden. Aussagen wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „100 Prozent Frucht“ erwecken den Eindruck, dass das Produkt keinen Zucker enthält. Dies ist ein Irrtum, denn statt Haushaltszucker wird hier zum Süßen Fruchtkonzentrat oder Dicksaft zugesetzt, sodass insgesamt viel „natürlicher Zucker“ im Lebensmittel ist.
    • Der Zucker von Zutaten, die natürlicherweise Zucker enthalten, muss nicht in der Zutatenliste genannt sein. Deshalb darf ein Cappuccinopulver als „ungesüßt“ bezeichnet werden, auch wenn es Süßmolkenpulver mit Milchzucker enthält.

    So können Eltern verhindern, dass Kinder zu viel naschen

    Im Alltag ist es nicht immer leicht, im Blick zu behalten, wie viel Zucker Kinder am Tag zu sich nehmen. Die wichtigste Grundregel lautet: Süßigkeiten sollten etwas Besonderes sein. 

    Dabei helfen diese Tipps:

    • Säuglinge und Kleinkinder sollten nur äußerst selten süße Säfte trinken.
    • Beziehen Sie alle Bezugspersonen, wie Großeltern, Bekannte und Paten, in das Thema ein, damit sie die ausgewogene Ernährung unterstützen.
    • Benutzen Sie Süßigkeiten nicht als Belohnung oder ein Verbot als Strafe. Sie erhalten sonst einen emotionalen Wert.
    • Vereinbaren Sie für das Essen von Süßigkeiten klare Regeln, beispielsweise einmal am Tag zu den Mahlzeiten.
    • Bonbons & Co. sollten nicht offen herumstehen.
    • Als gute Vorbilder sollten auch die Erwachsenen nicht zwischendurch naschen.
    • Kaufen Sie nur kleine Mengen Süßwaren ein, damit nie große Vorräte im Haus sind.
    • Kinder sollten süße Alternativen kennenlernen, die gesünder sind als Eis und Schokolade, beispielsweise süßes Obst.

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