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Warum ein Haustier Ihren Kindern und Ihrer Familie guttut

Ein Haustier kann auch für die emotionale Entwicklung von Kindern wertvoll sein.
Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 30.09.2020

Bitte, bitte, bitte!“ Irgendwann hat wohl fast jedes Kind den Wunsch nach einem Haustier. Doch Eltern zögern oft, dem Flehen ihres Nachwuchses nachzugeben. Zeit, Platz, Kosten, Aufwand – das alles muss schließlich gut bedacht werden. Sind aber diese Voraussetzungen erfüllt, kann ein Haustier nicht nur einem Kind, sondern der ganzen Familie viel geben. Denn neben der Charakterbildung tragen Tiere vor allem auch zur körperlichen und seelischen Gesundheit bei.

Inhalte im Überblick

    Der Umgang mit einem Haustier schult das Verhalten der Kinder

    „Prinzipiell ist es eine gute Idee, Kindern zu ermöglichen, mit Tieren aufzuwachsen. Denn ein Tier kann eine enorme Bereicherung sein“, sagt der Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Andreas Sobottka. Das Kind habe einen Spielkameraden, sei weniger allein und lerne, Verantwortung zu übernehmen. Auch für die emotionale Entwicklung sei das wertvoll. „Zu einem Tier kann das Kind eine Beziehung aufbauen, wie es sie zu Erwachsenen und auch zu anderen Kindern oft nicht haben kann.“ Ein Tier ist unvoreingenommen. Es freut sich, gekrault zu werden, egal, ob der Streichler klein oder dick ist, Tore schießen oder gut lesen kann. Es ist da und hört zu, ohne zu urteilen oder Geheimnisse zu verraten.

    Allerdings schränkt der Facharzt ein: „Ob ein Tier so positiv wirken kann, hängt maßgeblich vondem familiären Umfeld ab.“ Selbst wenn das Kind verspricht, sich um Hund oder Hamster zu kümmern, brauche es natürlich Hilfe und Anleitung. „Ein kleines Kind kann sich nicht allein um einen Welpen kümmern. Aber wenn es erlebt, wie die Eltern ihn mit einem klaren ,Nein!‘ davon abhalten, am Tisch hochzuspringen, kann es viel für das Leben lernen.“ Etwa, wie man sich durchsetzt, selbstbewusst ist und dass man auch mal Nein sagen darf.

    Ohnehin ist Lernen ein weiterer Bereich, bei dem Tiere oft hilfreich sind. „Es gibt Untersuchungen, die zeigen, wie förderlich die Gegenwart eines Tieres zum Beispiel für Kinder mit Lernschwäche ist“, berichtet der Facharzt. Mit Tieren zu leben, kann sich aber auch bei Erwachsenen positiv auswirken. Generell gebe es zwar nicht viele fundierte Studien darüber, warum Tiere den Menschen guttun. „Aber schon die wenigen zeigen, dass der Umgang mit Tieren allgemein tatsächlich einen deutlichen gesundheitsfördernden Effekt hat“, sagt Dr. Andreas Sobottka. Das gelte sogar für schwere seelische Erkrankungen wie Depressionen oder Traumata – ein Feld, auf dem der Psychoanalytiker selbst viel forscht.

    Wichtige Hinweise lieferte 2017 eine große Studie aus Schweden, in der Wissenschaftler der Universität Uppsala die Gesundheit von 3,4 Millionen Erwachsenen (40 bis 80 Jahre) analysierten. Ergebnis: Hundehalter hatten während der zwölfjährigen Untersuchungsdauer eine um 13 Prozent niedrigere Todesrate gegenüber Nicht-Hundehaltern. Bei alleinstehenden Hundebesitzern war die Sterblichkeit sogar um 33 Prozent geringer, das Risiko für Herzinfarkte sank um elf Prozent gegenüber Singles ohne Hund. Die Forscher erklärten dies mit dem Bewegungsplus beim Gassigehen. Aber auch mit mehr Wohlbefinden durch den Hund, der psychosoziale Stressfaktoren wie Isolation, Depression und Einsamkeit verringert. Zudem stellten sie fest, dass Hundehalter an sich stressresistenter waren.

    Viele Kinder finden in Haustieren eine Art Vertraute, die sie akzeptieren und Geheimnisse bewahren.

    Auch Besuche im Wildpark tun gut

    Ein wesentlicher Punkt scheint also in der Beziehung zu liegen, die ein Mensch zu einem Tier aufbaut – egal, ob Kind, Mittdreißiger oder Senior. Denn dabei passiert etwas im Körper: Er produziert Oxytocin. „Es ist das Hormon, das wir ausschütten, wenn wir Bindungen eingehen, etwa wenn ein Kind geboren wird oder eine Partnerschaft beginnt. Das funktioniert aber auch im Kontakt mit Tieren“, erklärt der Psychiater.

    Für die Ausschüttung des Hormons sei es noch nicht mal zwingend nötig, dass man das Tier streicheln kann. „Wir wissen zwar, dass es die Produktion von Oxytocin verstärkt und damit das Gefühl, in einer Bindung zu sein, wenn man das kuschelige Fell eines Tieres krault.“ Aber Streicheln sei keine Bedingung dafür, dass eine Beziehung zu dem Tier entstehen kann. Und damit sei es für den gesundheitsfördernden Aspekt wohl auch nicht wichtig, ob das Haustier ein Hund, ein Wellensittich oder ein Goldfisch ist. Ausschlaggebend sei vor allem der psychosoziale Faktor: „Die Fantasien, die ein Mensch darüber anstellt, welche Beziehung sein Tier zu ihm hat, sind wahrscheinlich ganz wichtig. Vielleicht sogar wichtiger als die reale Beziehung“, sagt Dr. Andreas Sobottka. „Selbst, wenn sich ein Kaninchen auf jedermanns Arm wohlfühlt – wenn ich nur fest genug daran glaube, dass es auf mich bezogen ist, dann ist das für mich eine ganz wichtige Verbindung.“ Daher sei es auch gar nicht notwendig, dass das Tier mit dem Menschen unter einem Dach wohnt. „Ein Pferd lebt ja auch nicht bei mir zu Hause. Aber selbst, wenn ich es nur einmal in der Woche besuchen fahre, habe ich trotzdem eine Beziehung und freue mich.“

    Eine wichtige Erkenntnis für Eltern, die ihrem Kind aus Zeit-, Platz- oder Geldgründen kein Haustier erlauben: Es gibt Alternativen, die Begegnungen mit Tieren erlauben – ob das Kind die Erdmännchen im Zoo liebt oder Ziegen im Wildpark krault. Auch Tierheime suchen Streichler im Katzenhaus oder Gassigeher für die Hunde. Eines haben all diese Wesen gemeinsam: Sie sind tierisch gute Kontakte.

    „Prinzipiell ist es eine gute Idee, Kindern zu ermöglichen, mit Tieren aufzuwachsen. Denn ein Tier kann eine enorme Bereicherung sein. “

    Dr. Andreas Sobottka
    Psychiater und Psychoanalytiker

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