Das Berufsbildungsgesetz und andere gesetzliche Rahmenbedingungen der Berufsausbildung

Die wichtigsten Gesetze für Ausbildungsbetriebe, Ausbilder und Auszubildende sind das Berufsbildungsgesetz, das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Ausbildungsordnung und die Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie geben einen verbindlichen Rahmen vor.

Das Berufsbildungsgesetz

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) regelt die Grundsätze der Berufsausbildung. Jeder Betrieb hat vor Beginn einer Ausbildung zu prüfen, ob die im BBiG genannten Mindestanforderungen an die Ausbildungsstätte und die Ausbilder erfüllt werden.

  • Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nur in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen ausgebildet werden.
  • Der Betrieb ist verpflichtet, nach der dazu erlassenen Ausbildungsordnung auszubilden.
  • Das „Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe“ vermittelt einen Überblick, welche Ausbildungsplätze grundsätzlich angeboten werden dürfen. Es wird jährlich vom Bundesinstitut für Berufsbildung veröffentlicht.

Am 1. Januar 2020 trat die Novelle des BBiG in Kraft. Damit wurden unter anderem Mindestvergütungen für Auszubildende eingeführt und die Möglichkeiten einer Teilzeitberufsausbildung erweitert. Außerdem wurden die Berufsabschlüsse Bachelor Professional und Master Professional eingeführt, um die Gleichwertigkeit von beruflicher Fortbildung und Studium zu verdeutlichen.

Der Jugendarbeitsschutz

Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) sieht besondere Vorgaben für die Beschäftigung von Personen unter 18 Jahren vor. Es gilt demnach auch für viele Auszubildende. Inhaltlich regelt es unter anderem die maximale tägliche Arbeitszeit sowie die Pausenzeiten. Darüber hinaus dürfen Minderjährige nur fünf Tage pro Woche arbeiten.

Die Ausbildungsordnung

Die Ausbildungsordnung legt die bundeseinheitlichen Standards für die betriebliche Ausbildung in der dualen Berufsausbildung fest. Bestandteil ist der Ausbildungsrahmenplan, nach dem der Betrieb einen Ausbildungsplan für den einzelnen Azubi erstellt. Dieser enthält zum Beispiel Angaben zu Lernorten und Ausbildungsinhalten.

BIBB
Ausbildungsordnungen

Die Ausbildungsordnungen für die verschiedenen Ausbildungsberufe können Sie beim Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BiBB) einsehen.

Wer eignet sich als Ausbilder?

Die Ausbilder-Eignungsverordnung regelt, unter welchen Voraussetzungen eine Person Ausbilder sein kann und welche Nachweise sie dafür zu erbringen hat. Die Verordnung basiert auf dem BBiG. Danach kann ein Betrieb nur ausbilden, wenn er bestimmte Kriterien erfüllt. Die zuständigen Stellen (Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern) überwachen die Eignung von Unternehmen zur Berufsausbildung.

Ausbilden darf demnach nur, wer persönlich dafür geeignet ist. Das ist nicht der Fall, wenn etwa ein Beschäftigungsverbot gegenüber Kindern und Jugendlichen besteht. Ausbilden darf auch nicht, wer wiederholt oder schwer gegen das BBiG oder verwandte Vorschriften und Bestimmungen verstoßen hat.

Die Rollen von Ausbilder und Ausbildungsbeauftragten

Neben der persönlichen hat der Ausbilder auch seine fachliche Eignung nachzuweisen. Dazu zählen berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse sowie berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten. Diese weist er in der Regel durch die Ausbildereignungsprüfung (Ausbildung der Ausbilder – AdA) nach. Er ist im Unternehmen zuständig für Planung, Durchführung und Erfolgskontrolle in der Ausbildung.

Eine erfolgreiche Ausbildung ist nicht allein die Aufgabe des Ausbilders, sondern sie ist immer auch von der Qualität der Ausbildung in den einzelnen Abteilungen abhängig. Deshalb braucht ein Ausbildungsbetrieb weitere engagierte Mitarbeiter, die den Nachwuchs auf die berufliche Zukunft vorbereiten. Sie werden „Ausbildungsbeauftragte“ genannt. Die Bezeichnung ist rechtlich nicht gesichert. Der Ausbilder kann Teilaufgaben definieren und an Ausbildungsbeauftragte delegieren. Er bleibt jedoch verantwortlich dafür, den Verlauf zu überwachen.

Ausbilder lernen auch

Ausbilder sind wiederum selbst auch Lernende. Es gibt viele Möglichkeiten für sie, sich fortzubilden. Dazu zählen beispielsweise Lehrgänge sowie Ausbilderforen und -akademien bei den Industrie- und Handelskammern. Das Konzept Train the Trainer setzt an ähnlicher Stelle an: Hier wird gemeinsam mit dem Ausbilder sein Verhalten hinterfragt und es werden Möglichkeiten zur Optimierung der Methoden vermittelt. Es steht weniger das Fachwissen im Mittelpunkt. Vielmehr werden Aspekte wie gruppendynamische Prozesse oder Möglichkeiten der Lernmotivation gelehrt.

Ausbildernetz
Hilfen für Ausbilder

Weitere Informationen gibt es im Ausbildernetz, einer Internetseite des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb).

Arbeitsrecht für Azubis: besondere Regelungen

Für Arbeitszeit, Ausbildungsvergütung, Recht auf Urlaub oder bezahlte Freistellungen und Überstunden gibt es für Auszubildende zahlreiche Vorschriften, die von den Regeln für normale Beschäftigungsverhältnisse abweichen. Zu beachten sind unter anderem das BBiG und eine große Anzahl von Arbeitsschutzgesetzen. Für jugendliche Auszubildende ist vor allem das JArbSchG zu beachten.

  • Arbeitszeit: Der Betrieb hat den Azubi für den Berufsschulunterricht und für die damit zusammenhängenden Veranstaltungen, wie etwa eine Betriebsbesichtigung, freizustellen.
     
  • Vergütung: Die Ausbildungsvergütung ist häufig im Tarifvertrag festgelegt. Mit der Novelle des BBiG wurde zum 1. Januar 2020 eine Mindestvergütung für Auszubildende eingeführt. Ist der Arbeitgeber nicht tarifgebunden, erhalten Auszubildende mindestens eine gesetzliche Mindestvergütung. Sie beträgt 515 Euro bei einem Ausbildungsbeginn im Jahr 2020 und steigert sich in den folgenden Jahren auf 550, 585 und 620 Euro für das erste Ausbildungsjahr im Jahr 2023. Für das zweite, dritte und gegebenenfalls vierte Ausbildungsjahr sind jeweils prozentuale Aufschläge vorgesehen. Die Neuregelung gilt für alle, die 2020 eine Ausbildung beginnen. Ausnahmen von der Mindestvergütung sind möglich, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen eigene Vereinbarungen treffen.
     
  • Sachbezüge: Gewährt der Betrieb dem Auszubildenden beispielsweise eine Gemeinschaftsunterkunft im Wohnheim oder eine Aufnahme im Arbeitgeberhaushalt, spricht man von Sachbezügen. Diese können in Höhe der festgesetzten Sachbezugswerte angerechnet werden. Die Höchstgrenze für Sachbezüge ist für Ausbildungsverträge auf 75 Prozent der Bruttoausbildungsvergütung beschränkt. Diese Sachbezüge stellen in der Sozialversicherung beitragspflichtiges Arbeitsentgelt dar.
     
  • Urlaub: Die Urlaubsdauer ist unter anderem abhängig vom Alter. Azubis unter 18 Jahren haben einen Urlaubsanspruch auf mindestens 25 Werktage. Bei unter 17-Jährigen sind es mindestens 27, bei unter 16-Jährigen mindestens 30 Werktage. Volljährige Azubis haben einen Urlaubsanspruch von mindestens 24 Werktagen.

Was der Ausbildungsvertrag regelt

Der Arbeitgeber schließt mit dem Auszubildenden einen Berufsausbildungsvertrag ab. Dieser beginnt mit einer Probezeit von mindestens einem Monat und höchstens vier Monaten.

Inhalte des Ausbildungsvertrags nach dem BBiG sind

  • das Ausbildungsziel beziehungsweise
  • die angestrebte Berufstätigkeit für die Ausbildung
  • die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung
  • der Beginn und die Dauer der Ausbildung
  • der Ausbildungsort und gegebenenfalls Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte
  • die Dauer der regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit
  • die Dauer der Probezeit
  • die Zahlung und Höhe der Vergütung
  • der Urlaubsanspruch
  • die Kündigungsvoraussetzungen des Ausbildungsvertrags
  • Hinweise auf die anwendbaren Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen
Agentur für Arbeit
Pflichten als Ausbilder

Eine Zusammenfassung der Rechte und Pflichten als Ausbildungsbetrieb bietet die Internetseite der Agentur für Arbeit.

Stand

Zuletzt aktualisiert: 01.01.2020

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