Verteilung der Beiträge und Zuschüsse bei Kurzarbeit

Bei Kurzarbeit gibt es besondere Regeln dazu, welche Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber und welche der Beschäftigte zahlt. Wann der Arbeitgeber verpflichtet ist, Zuschüsse zu leisten.

Verteilung der Beiträge aus dem Ist-Entgelt

Die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, die auf das Ist-Entgelt entfallen, sind grundsätzlich vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber je zur Hälfte zu tragen. Allerdings ist ein gegebenenfalls zu zahlender Beitragszuschlag für kinderlose Arbeitnehmer in der Pflegeversicherung (0,25 Prozent) vom Arbeitnehmer allein zu tragen. Das Ist-Entgelt entspricht dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt.

Verteilung der Beiträge aus dem Fiktiventgelt

Bezieht der Arbeitnehmer im Entgeltabrechnungszeitraum Kurzarbeitergeld/Saison-Kurzarbeitergeld, werden die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, die aus dem Fiktiventgelt zu ermitteln sind, vom Arbeitgeber allein aufgebracht. Da der Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung Teil des Gesamtsozialversicherungsbeitrags ist, finanziert der Arbeitgeber auch diesen Beitrag aus dem Fiktiventgelt allein.

Ein vom kinderlosen Arbeitnehmer ansonsten zu zahlender Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung (ab Vollendung des 23. Lebensjahrs) ist vom Arbeitgeber aus dem Fiktiventgelt nicht zu entrichten. Für die Bezieher von Kurzarbeitergeld überweist ihn die Bundesagentur für Arbeit in pauschaler Höhe an den Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung.

Auf Antrag erstattet die Agentur für Arbeit Arbeitgebern des Baugewerbes die von ihnen allein zu tragenden Beiträge aus dem Fiktiventgelt – einschließlich des gezahlten kassenindividuellen Zusatzbeitrags – für die Bezieher von Saison-Kurzarbeitergeld. Alle Arbeitgeber des Baugewerbes zahlen eine Umlage (Winterbeschäftigungs-Umlage). Aus diesem Topf finanziert sich die Erstattung.

Kurzarbeitergeld im Übergangsbereich

Die Regelungen zum Übergangsbereich gelten grundsätzlich nicht für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, deren monatliches Arbeitsentgelt regelmäßig mehr als 1.300 Euro beträgt und deren Ist-Entgelt wegen Kurzarbeit oder Schlechtwetter im Entgeltabrechnungszeitraum so weit gemindert ist, dass es die Entgeltgrenze von 1.300 Euro nicht mehr überschreitet.

Eine andere Beurteilung ergibt sich, wenn für den Beschäftigten die Regelungen zum Übergangsbereich bereits gelten, weil das monatliche Arbeitsentgelt auch ohne Arbeitsausfall durch Kurzarbeit oder infolge schlechten Wetters innerhalb des Übergangsbereichs liegt.

In diesen Fällen sind bei den genannten Arbeitsausfällen und hierdurch bedingter Minderung des Arbeitsentgelts bei der Beitragsberechnung aus dem Ist-Entgelt weiterhin die Regelungen zum Übergangsbereich anzuwenden. Die bei Kurzarbeit oder in der Schlechtwetterzeit vom Arbeitgeber aus dem Fiktiventgelt allein zu tragenden Beiträge werden von den Regelungen zum Übergangsbereich nicht erfasst.

Beiträge bei Arbeitgeberzuschuss zum Kurzarbeitergeld

Arbeitgeber zahlen manchmal auf freiwilliger oder tarif- beziehungsweise einzelvertraglicher Basis einen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld. Dieser ist, soweit er zusammen mit dem Kurzarbeitergeld das Fiktiventgelt nicht übersteigt, beitragsfrei. Diese Regelung dient der vereinfachten Beitragsberechnung. Übersteigt er aber unter Hinzurechnung des Kurzarbeitergelds das Fiktiventgelt, sind vom übersteigenden Teil Beiträge zur Sozialversicherung zu berechnen.

Beispiel: Zuschuss zum Kurzarbeitergeld

Arbeitnehmer Frank Müller ist kranken-, pflege-, renten- und arbeitslosenversicherungspflichtig

MonatSeptember 2019
Kurzarbeit1.7. bis 31.10.2019
Monatliches Gehalt3.100 €
Ist-Entgelt2.100 €
Fiktiventgelt (80 % von 1.000 €)800 €
Kurzarbeitergeld September 2019500 €
Zuschuss zum Kurzarbeitergeld300 €

Da das Kurzarbeitergeld (500 €) und der Zuschuss (300 €) den Betrag des Fiktiventgelts (800 €) nicht überschreiten, ist der Zuschuss nicht dem Arbeitsentgelt in der Sozialversicherung hinzuzurechnen.

Variante:

Der Arbeitgeber zahlt einen Zuschuss in Höhe von 400 €, Kurzarbeitergeld und der Zuschuss betragen damit insgesamt 900 € und überschreiten somit den Betrag des Fiktiventgelts (800 €). In diesem Fall ist der Zuschuss in Höhe von (900 € bis 800 €) 100 € beitragspflichtiges Arbeitsentgelt.

Beitragszuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung

Ist der Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert, erhält er von seinem Arbeitgeber einen monatlichen Beitragszuschuss in Höhe des Betrags, den der Arbeitgeber bei Krankenversicherungspflicht des Beschäftigten zu tragen hätte.

Für Bezieher von Kurzarbeitergeld oder Saison-Kurzarbeitergeld zahlt der Arbeitgeber einen Beitragszuschuss vom

  • Ist-Entgelt in Höhe des halben Beitragssatzes zur gesetzlichen Krankenversicherung (7,3 Prozent) zuzüglich des halben kassenindividuellen Zusatzbeitragssatzes.
  • Fiktiventgelt in Höhe von 14,6 Prozent zuzüglich des gesamten kassenindividuellen Zusatzbeitrags.
Beispiel: Beitragszuschuss für gesetzlich freiwillig versicherte Arbeitnehmer

Der höherverdienende Arbeitnehmer Frank Müller in Kurzarbeit ist freiwillig krankenversichert sowie renten- und arbeitslosenversicherungspflichtig.

Zusatzbeitrag Krankenkasse1,1 %
MonatSeptember 2019
Soll-Entgelt5.400 €
Ist-Entgelt2.700 €
Fiktiventgelt (bis Beitragsbemessungsgrenze)1.837,50 €

Beitragszuschuss Ist-Entgelt
(2.700 € x 7,3 %)

197,10 €

Zusatzbeitrag Ist-Entgelt
(2.700 € x 0,55 %)

14,85 €

Beitragszuschuss Fiktiventgelt
(1.837,50 € x 14,6 %)

268,28 €

Zusatzbeitrag Fiktiventgelt
(1.837,50 € x 1,1 %)

20,21 €
Beitragszuschuss September 2019500,44 €

Beitragszuschuss für privat krankenversicherte Bezieher von Kurzarbeitergeld

Privat krankenversicherte Arbeitnehmer erhalten bei Kurzarbeit von ihrem Arbeitgeber ebenfalls einen Beitragszuschuss. Der Beitragszuschuss ist in diesen Fällen vom Arbeitgeber in Höhe der Hälfte des Beitrags zu zahlen, der bei Anwendung des allgemeinen Beitragssatzes der gesetzlichen Krankenversicherung (14,6 Prozent : 2 = 7,3 Prozent) zu zahlen wäre. Im Ergebnis entspricht der Zuschuss für das Ist-Entgelt damit auch dem Arbeitgeberanteil für einen krankenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer.

Aus dem Fiktiventgelt hat der Arbeitgeber auch bei privat krankenversicherten Arbeitnehmern den vollen Beitrag (= 14,6 Prozent) als Beitragszuschuss zu zahlen. Hinzu kommt noch der auf das Fiktiventgelt entfallende durchschnittliche Zusatzbeitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Kalenderjahr 2019 beträgt dieser 0,9 Prozent.

Allerdings erhält der privat krankenversicherte Arbeitnehmer als Beitragszuschuss höchstens den Betrag, der an das private Krankenversicherungsunternehmen insgesamt zu zahlen ist.

Beispiel: Beitragszuschuss bei privater Krankenversicherung

Der höherverdienende Arbeitnehmer Frank Müller in Kurzarbeit ist freiwillig krankenversichert sowie renten- und arbeitslosenversicherungspflichtig.

Zusatzbeitrag Krankenkasse0,9 %
MonatSeptember 2019
Soll-Entgelt5.400 €
Ist-Entgelt2.700 €
Fiktiventgelt (bis Beitragsbemessungsgrenze)1.837,50 €
monatliche Prämie PKV450 €

Beitragszuschuss Ist-Entgelt
(2.700 € x 7,3 %)

197,10 €

Zusatzbeitrag Ist-Entgelt
(2.700 € x 0,45 %)

12,15 €

Beitragszuschuss Fiktiventgelt
(1.837,50 € x 14,6 %)

268,28 €

Zusatzbeitrag Fiktiventgelt
(1.837,50 € x 0,9 %)

16,54 €
 494,07 €

Der Beitragszuschuss für September 2019 in Höhe von 494,07 € wird auf den Betrag begrenzt, den Frank Müller für seine private Krankenversicherung insgesamt aufwendet. Er beträgt somit 450 €.

Die Ausführungen zur Berechnung des Beitragszuschusses gelten für den Beitragszuschuss zur Pflegeversicherung entsprechend. Allerdings gibt es in der Pflegeversicherung keinen kassenindividuellen oder durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz und der Beitragszuschlag bei Kinderlosigkeit ist generell nicht zuschussfähig.

Stand

Erstellt am: 01.07.2019

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