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Gesundheitsmagazin

Pflegende Angehörige

Pflege von Angehörigen – sich selbst nicht verlieren

Veröffentlicht am:22.10.2021

aktualisiert am 07.04.2026

7 Minuten Lesedauer

Viele Menschen pflegen alte und chronisch kranke Angehörige zu Hause. Sie fühlen sich oft überfordert oder ausgebrannt. Auf welche Warnsignale sollten pflegende Angehörige achten? Wo finden sie Unterstützung und wie können sie Auszeiten organisieren?

Hilfsbereite Angehörige sitzt neben einem älteren Mann im Rollstuhl und legt ihm die Hand auf die Schulter.

© iStock / Pressmaster / KI-bearbeitet

Wenn der selbstlose Einsatz pflegender Angehöriger zur Dauerbelastung wird

Meist sind es geliebte Menschen – am häufigsten die Partnerin, der Partner, ein Elternteil oder auch das eigene Kind –, die zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt werden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche möchten ihre nahestehenden Menschen bewusst in der vertrauten Umgebung behalten, andere finden keinen Platz in einer Pflegeeinrichtung oder warten noch auf ein passendes Angebot. Die Belastung ist in jedem Fall hoch.

Trotz der körperlichen Anstrengung, des psychischen Drucks und des großen Zeitaufwands, bei dem die Bedürfnisse der pflegenden Familien oft zu kurz kommen, wollen viele ihre Angehörigen selbst pflegen. Es ist für sie eine Herzensangelegenheit. Dieser selbstlose Einsatz stößt aber dann an seine Grenzen, wenn die Pflege von Angehörigen die eigene körperliche oder seelische Gesundheit beeinträchtigt.

Neben den körperlichen Beschwerden und dem hohen Zeiteinsatz kommen oft ständige Sorgen um den Gesundheitszustand der Pflegebedürftigen, finanzielle Ängste und Stress hinzu, weil man sich laufend mit der Pflegeversicherung und den Behörden herumärgern muss. Viele befinden sich in einem Hamsterrad, dem anhaltenden Status des „Funktionieren-Müssens“ für den Angehörigen. Dabei kommen die eigenen Bedürfnisse oft zu kurz. Mit der Zeit fühlen sich viele pflegende Angehörige erschöpft, ausgebrannt oder innerlich leer. Sie fangen an den pflegebedürftigen Angehörigen nicht mehr ertragen zu können und gestehen sich ein: „Ich kann nicht mehr“. Spätestens dann ist es wichtig, gegenzusteuern und auf sich selbst achtzugeben.

5 Tipps für pflegende Angehörige: Im Alltag für sich selbst sorgen

Um der Mehrfachbelastung bei der Pflege Angehöriger etwas entgegenzusetzen und neue Kraft zu schöpfen, können Ihnen diese fünf Achtsamkeitstipps im Alltag helfen:

  1. Hören Sie regelmäßig auf Ihren Körper. Nehmen Sie sich etwa einmal pro Stunde Zeit und spüren Sie in sich hinein: Wie fühle ich mich gerade? Ihr Körper zeigt Ihnen, wenn er etwas braucht – seien es fünf Minuten Ruhe, Musik, Bewegung oder etwas zu essen.
  2. Gönnen Sie sich bewusst Ruhe und Entspannung in Ihrem Alltag. Mit Meditation und Entspannungsübungen können Sie aufgestauten Stress abbauen.
  3. Schaffen Sie sich Freiraum und Zeit nur für sich selbst. Planen Sie diese Auszeiten als festen Bestandteil Ihres Tages ein. Schon 15 bis 30 Minuten am Tag, in denen Sie tun, was Ihnen guttut, können viel bewirken.
  4. Verzichten Sie auf Multitasking. Erledigen Sie Aufgaben nacheinander, statt alles gleichzeitig machen zu wollen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Multitasking effektiver sei – tatsächlich belastet es zusätzlich.
  5. Schaffen Sie kleine Rituale im Alltag. Sei es der Morgenkaffee mit Blick aus dem Fenster, ein kurzer Spaziergang oder das Lesen eines Buches. Überlegen Sie, was Ihnen guttut und Kraft gibt und halten Sie daran fest.

Schon kleine Schritte und Veränderungen können den Alltag spürbar erleichtern.

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Welche Hilfe gibt es für pflegende Angehörige?

Manchen Menschen gelingt es trotz der ständigen Belastung, seelisch stabil zu bleiben und Zeit für Selbstfürsorge zu finden. Andere hingegen drohen daran zu zerbrechen oder geraten in Sinnkrisen. Wenn Sie angesichts des Pflegezustandes und des damit verbundenen Stresses keine Zeit mehr für sich haben und sich selbst und Ihr soziales Umfeld vernachlässigen: Dann ist Hilfe nicht nur ratsam, sondern nötig, damit Sie eigene Bedürfnisse wieder wahrnehmen und Ihre körperlichen und seelischen Ressourcen stärken können.

Das bedeutet: Sich über Hilfsangebote von Behörden, Wohlfahrtsverbänden, der Kirche oder Selbsthilfekontaktstellen zu informieren und sie zu nutzen. So findet man zum Beispiel in Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörigen Gleichgesinnte, denen es genauso geht wie einem selber. Und auch die Hilfsangebote der Nachbarschaft oder guter Freundinnen und Freunden anzunehmen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eher von Stärke. Viele Hilfsangebote verschaffen den pflegenden Angehörigen eigene zeitliche Freiräume, die Sie selbstbestimmt gestalten und nutzen dürfen. Das trägt zur Erholung bei und stärkt das Selbstwertgefühl. Davon profitieren wiederum auch die Pflegebedürftigen, denn sie haben nichts davon, wenn sich diejenigen, die sich liebevoll um sie kümmern, aufreiben und ihre eigene Lebensenergie verlieren.

Der erste Schritt: Lassen Sie sich beraten

Welche Hilfsangebote es in Ihrer Region gibt, erfahren Sie als pflegende Angehörige oder Angehöriger bei sogenannten Pflegestützpunkten, die von Kommunen und Pflegekassen deutschlandweit eingerichtet worden sind. Hier können Sie sich umfassend beraten lassen. Die gemeinnützige Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) stellt eine Datenbank bereit, über die Sie den für Sie passenden Stützpunkt finden können.

Die AOK bietet einen Service, mit dem sich Versorgungsangebote im Bereich Pflege leicht finden lassen, den AOK-Pflegenavigator der allen Interessierten frei zur Verfügung steht.

Die Hilfsangebote zur Pflegeselbsthilfe sind genau so vielfältig wie deren Träger: Angehörigenkreise, Selbsthilfegruppen, Vereine oder Wohlfahrtsverbände. Auch kostenlose Pflegeschulungen sind Teil des Angebots. Es geht vor allem darum, Ihre Belastungen durch die Pflege zu verringern und Ihre eigene seelische Gesundheit zu stärken.

Links zur Pflegeselbsthilfe:

Neben wichtigen Erholungszeiten helfen zum Beispiel Entspannungsangebote, Unterstützung bei Alltags- und Behördenfragen oder der Austausch mit anderen Betroffenen.

Zu erleben, dass man mit seinen Sorgen nicht allein ist, kann sehr entlastend sein. Manche Menschen sind allerdings so empathisch, dass sie durch die Probleme anderer zusätzlich belastet werden. Welches Hilfsangebot Ihnen guttut, können Sie selbst entscheiden.

Passende Angebote der AOK

Psychisch belastet durch Pflege? Interaktive Hilfe um sich selbst zu helfen

Freud- und Antriebslosigkeit oder Niedergeschlagenheit können Anzeichen einer Depression sein. Um einer solchen Entwicklung vorzubeugen oder zu lernen, besser mit belastenden Gedanken und Ängsten umzugehen, hat die AOK ein Onlineprogramm zu Hilfe bei leichten und mittelschweren Depressionen mitentwickelt: moodgym, das jede und jeder anonym und kostenfrei nutzen kann.

Ein älterer Herr sitzt im Rollstuhl in einem Wohnzimmer, eine Frau beugt sich über ihn. Die Beiden halten sich am Arm fest, schauen sich in die Augen und lächeln sich an.

© iStock / nd3000

Pflegende Angehörige sind einer ständigen Belastung ausgesetzt. Manchen gelingt es trotzdem, seelisch stabil zu bleiben.

Finanzielle und weitere Unterstützung für pflegende Angehörige

Welche der gesetzlich geregelten Unterstützungsleistungen für die häusliche Pflege für Sie in Betracht kommen, sollten Sie genau prüfen und in Anspruch nehmen. Diese sind vor allem dazu gedacht, Ihnen Zeit für die Pflege einzuräumen. Etwa durch Sonderurlaub und um finanzielle Entlastung zu verschaffen.

Tritt zum Beispiel ein akuter Pflegefall in der Familie ein, können sich Angehörige bis zu zehn Arbeitstage freistellen lassen. In dieser Zeit haben sie Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld, da die Freistellung unbezahlt ist. Das Pflegeunterstützungsgeld steht allen Beschäftigten zu, die kurzfristig die Pflege eines nahen Familienmitglieds organisieren oder sie selbst sicherstellen müssen. Es wird bei der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person beantragt.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige:

  • Leistungen für die Pflege zu Hause: Erfahren Sie, welche Leistungen Ihnen für die individuelle Pflege zu Hause zustehen.
  • Familiencoach Pflege: Hierbei handelt es sich um ein Onlineprogramm, das helfen kann, den Pflegealltag besser zu bewältigen und sich vor Überlastung zu schützen.

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