Psychologie

Panikattacken loswerden: So werden sie behandelt

Veröffentlicht am:26.01.2022

aktualisiert am 07.10.2026

15 Minuten Lesedauer

Wiederkehrende schwere Angstanfälle, die nicht vorhersehbar sind, kennzeichnen eine Panikstörung. Frauen sind davon mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Warum entstehen die Angstanfälle? Wie äußern sie sich? Und was können Betroffene dagegen tun?

Junge Frau hat eine Panikattacke in einer unterirdischen Bahnstation.

© iStock / Motortion

Was ist eine Panikattacke?

Eine Panikattacke ist ein plötzlich auftretender, intensiver Angstanfall. Die Symptome entwickeln sich rasch und erreichen meist innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt. Danach klingt die Symptomatik wieder ab.

Körperlich äußert sich ein Panikattacke meist durch Herzrasen, Atemnot, Schweißausbrüche, zitternde Hände und Schwindel. Wer sie erlebt, hat oft das Gefühl, die Kontrolle vollständig zu verlieren, oder sogar Todesangst.

Wenn solche Panikattacken wiederholt auftreten, spricht man von einer Panikstörung. Charakteristisch für eine Panikstörung ist, dass die Angstanfälle nicht in spezifischen Situationen oder unter bestimmten Umständen auftreten, sodass nicht vorhersehbar ist, wann die nächste Panikattacke auftreten wird.

Betroffene meiden oft Orte, die sie im Falle einer Panikattacke nicht schnell verlassen können, insbesondere öffentliche Plätze und größere Menschenmengen. In diesem Fall spricht man auch von einer Agoraphobie (Platzangst), die häufig zusammen mit einer Panikstörung auftritt.

Was kann Panikattacken auslösen?

Bei der Entstehung von Angsterkrankungen spielen biologische, psychologische und soziale Faktoren eine Rolle. Dazu können genetische Veranlagung, ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn und belastende Erfahrungen in Kindheit und Gegenwart, wie der Verlust enger Bezugspersonen und langanhaltende psychische Überlastung zählen.

Die besonders aufmerksame Wahrnehmung des eigenen Körpers spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Panikstörungen. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass eine eigentlich normale Beschleunigung des Herzschlags bei körperlicher Aktivität als ein Anzeichen für ein ernstes, körperlich bedingtes Herzproblem fehlgedeutet wird.

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Was passiert bei einer Panikattacke im Körper?

Eine Panikattacke äußert sich in plötzlich auftretender und schnell zunehmender starker Angst. Diese Angst wird von weiteren körperlichen und psychischen Symptomen begleitet. Angst zu haben ist eigentlich eine sinnvolle und in kritischen Situationen sogar überlebenswichtige Reaktion unseres Körpers.

Bei drohender Gefahr löst das autonome Nervensystem durch die Ausschüttung von Stresshormonen eine Reihe von Reaktionen aus: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Atmung beschleunigt sich, damit mehr Sauerstoff ins Blut gelangt, die Muskeln spannen sich an, damit der Körper leistungsbereit ist.

Der Körper wird dadurch in die Lage versetzt, sehr schnell auf die Gefahr zu reagieren – entweder durch Flucht oder durch Angriff. Bei Angststörungen, zu denen auch die Panikstörung zählt, treten diese körperlichen Reaktionen jedoch auch auf, wenn keine reale Gefahr besteht.

Nach etwa 10 bis 30 Minuten klingt eine Panikattacke in der Regel wieder ab.

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Was sind typische körperliche Symptome bei einer Panikattacke?

  • Herzrasen, Herzklopfen
  • rasche Atmung bis zur Hyperventilation
  • Atemnot bis zum Gefühl des Erstickens
  • Brustschmerzen, Enge in der Brust
  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Schwindelgefühle

Was sind typische psychische Symptome bei einer Panikattacke?

  • plötzlich auftretende und sich schnell steigernde starke Angstgefühle
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder zu sterben
  • das Gefühl, sich selbst fremd zu sein oder eine eigentlich bekannte Umgebung plötzlich als seltsam fremd wahrzunehmen
Infografik zu häufigen Symptomen einer Panikattacke. Dargestellt sind Symptome in verschiedenen Körperbereichen: Kopf mit starker Angst und Schwindel, Haut mit Schweißausbrüchen, Muskulatur mit Muskelanspannung und Zittern sowie Brust mit Herzrasen, Engegefühl, schneller Atmung oder Atemnot und Angst zu ersticken. Zusätzlich weist die Grafik darauf hin, dass Panikattacken meist nicht lebensbedrohlich sind und in der Regel nach 10 bis 30 Minuten abklingen.
Häufige Symptome einer Panikattacke: Der Körper reagiert wie bei Gefahr – auch ohne echte Bedrohung.

Was hilft bei Panikattacken sofort?

Im Moment der Panikattacke setzt das rationale Denken weitgehend aus. Die Angst ist so intensiv, als gäbe es eine reale Bedrohung. Daher ist es wichtig, Strategien zu trainieren, um sich im Akutfall selbst beruhigen zu können. Diese Tipps zur Panikattacken-Soforthilfe haben sich bewährt:

Was sind geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Panikattacken?

  • Ergreifen Sie Maßnahmen, um eine weitere Eskalation der Stresssituation zu verhindern, beispielsweise indem Sie Ihre Atmung bewusst kontrollieren und versuchen, langsamer und ruhiger zu atmen.
  • Nutzen Sie gegebenenfalls auch Entspannungstechniken, die Sie zuvor erlernt haben, um sich zu beruhigen.
  • Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Angstattacke keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen wird und nach einigen Minuten wieder verschwindet. Versuchen Sie daher, die Angst, so unangenehm sie auch sein mag, auszuhalten, bis sie nachlässt und schließlich ganz verschwindet.

Gibt es einen „Notfallkoffer“ für Panikattacken?

Expertinnen und Experten raten oft auch zu einem Trick, der eigentlich in der Therapie von Borderline-Persönlichkeitsstörungen eingesetzt wird, sich aber auch bei Panikattacken bewährt kann: dem „Skills-Notfallkoffer“. Er lässt sich individuell packen und enthält bewährte „Skills“, also hilfreiche Fertigkeiten und Strategien gegen die Attacke.

Das kann ein Gegenstand sein, mit dem Sie etwas Schönes verbinden, ein Foto, ein Duft oder ein Lied. Alternativ können Sie zur Ablenkung einen leichten Schmerzreiz wählen, der Ihnen keine Verletzung zufügt, beispielsweise ein Gummiband, das Sie am Handgelenk gegen die Haut schnippen lassen, oder eine Zitrone, in die Sie hineinbeißen.

Panikattacken können plötzlich und heftig auftreten – oft ohne erkennbare Gefahr. Sie zeigen sich durch Symptome wie Herzrasen, Zittern, Engegefühl in der Brust oder Schwindel.

Wie werden Panikattacken behandelt?

Bei wiederholt auftretenden Panikattacken sollte ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin oder eine Psychotherapiepraxis aufgesucht werden, um abzuklären, was sich hinter den Beschwerden verbirgt und ob eine Panikstörung vorliegt.

Durch eine körperliche Untersuchung kann dabei auch ausgeschlossen werden, dass den Beschwerden organische Ursachen zugrunde liegen. Panikstörungen können sehr gut mit einer Psychotherapie behandelt werden. Ergänzend oder alternativ kommen auch bestimmte Medikamente in Frage.

Hilft Psychotherapie bei Panikstörungen?

Ja, besonders die Wirksamkeit der Kognitiven Verhaltenstherapie ist bei Panikstörungen (mit und ohne begleitende Agoraphobie) gut belegt. Dabei wird analysiert und hinterfragt, wie die Angstanfälle ablaufen, welche Rolle die Bewertungen der Betroffenen dabei spielen und welche alternativen Bewertungs- und Reaktionsmöglichkeiten bestehen.

Zudem werden die Betroffenen dabei unterstützt, sich ihrer Angst aktiv zu stellen und ihr eventuell bestehendes Vermeidungsverhalten abzubauen.

Gibt es Medikamente gegen Panikattacken?

Zur medikamentösen Behandlung von Panikstörungen können Antidepressiva, beispielsweise selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), eingesetzt werden. Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine sind dagegen zu einer längerfristigen Behandlung von Angststörungen nicht geeignet.

Sie reduzieren akute Ängste zwar sehr schnell, können aber abhängig machen. Sie sollten daher am besten gar nicht oder nur in Ausnahmefällen, wie bei schweren Erkrankungen ohne Behandlungsalternativen und nur für kurze Zeit verordnet werden.

Für pflanzliche Beruhigungsmittel wie Johanniskraut oder Baldrian fehlen ausreichende wissenschaftliche Nachweise, dass sie bei Panikstörungen wirksam sind.

Behalten Sie Ihr Stresslevel im Auge

Mit einem gesundheitsbewussten Lebensstil Panikattacken vorbeugen.

Um Stress und Anspannung im Alltag zu reduzieren, können Bewegung, Entspannungsmethoden, wie zum Beispiel progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditation und Achtsamkeitsübungen, hilfreich sein.

Pflegen Sie im Alltag einen gesunden Lebensstil: Essen Sie ausgewogen, schlafen Sie ausreichend und konsumieren Sie möglichst wenig Alkohol und Koffein. Eine gute Selbstorganisation und ein bewusster Umgang mit den eigenen Grenzen und Konflikten können ihr Übriges dazu beitragen, die eigene Belastungsgrenze zu wahren und Stress zu verringern.

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TA Developer Pty Ltd.: Andere Angststörungen.

Deutsche Ärzteblatt: Angststörung/Panikattacken: Angst aus heiterem Himmel.

Stiftung Gesundheitswissen: Angststörung.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): S3-Leitlinie: Behandlung von Angststörungen.

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): Panik und Agoraphobie.

Berufsverbände und Fachgesellschaften für Neurologie. Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland und der Schweiz: Bei Panikattacke bewusst Bauchatmung durchführen.

Bundesministerium für Gesundheit: Mit Angst umgehen.

DocCheck Flexikon: Skills.

Projekt unIsichtbar: Leitfaden zur Einrichtung eines Skill-Koffers.

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