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Wie kommt es zum Tinnitus?

Mann hält sich das Ohr, weil er einen Tinnitus hat.

© iStock / Nes

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 29.04.2021

Wenn es im Ohr zischt, pfeift oder klingelt, könnte ein Tinnitus die Ursache dafür sein. Aber was löst die Beschwerden aus? Und was können Betroffene dagegen tun? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Inhalte im Überblick

    Was ist ein Tinnitus?

    Ursprünglich kommt das Wort Tinnitus aus dem Lateinischen und bedeutet „Klingeln“. Patienten, die unter einem Tinnitus leiden, beschreiben die Ohrgeräusche häufig als Ohrensausen, Brüllen, Klicken, Zischen oder Summen. Die wahrgenommenen Töne können dabei laut oder leise, hoch oder tief sein.

    Manche hören sie nur auf einem Ohr, manche auf beiden. Es gibt den objektiven Tinnitus, bei diesem lässt sich das zugrundeliegende Geräusch feststellen, gibt es kein erkennbares äußeres Geräusch, so spricht man von einem subjektiven Tinnitus.

    Tinnitus ist häufig mit Hörstörungen verbunden, kommt aber auch ohne vor. Tinnitus ist relativ häufig und betrifft zumindest vorübergehend 5-15 Prozent der Erwachsenen. Den Ohrgeräuschen liegt fast nie eine ernsthafte Erkrankung zugrunde. Meist verschwinden sie wieder von allein. Bleibt der Tinnitus über mehr als drei Monate bestehen, spricht man von chronischem Tinnitus. Meist wird dieser als wenig störend empfunden. Manche Menschen leiden aber auch sehr unter dem Tinnitus.

    Mann hält sich das Ohr, weil er an einem Tinnitus leidet.

    © iStock / Motortion

    Wie kommt es zum Tinnitus?

    Tinnitus ist ein Zeichen dafür, dass im Hörsystem (auditorischen System) etwas nicht stimmt. Zu diesem komplexen auditorischen System gehört neben dem Außen-, Mittel- und Innenohr, der Hörnerv, die Hörbahn sowie das Hörzentrum. 

    Alle Teile des Hörsystems können ursächlich für einen Tinnitus sein. So kann Tinnitus durch ein Stück Ohrenschmalz ausgelöst werden, das den Gehörgang blockiert, durch eine Verletzung des Hörnervs und sich sogar in den für das Hören zuständigen Hirnregionen festsetzen. Tinnitus kann ferner durch bestimmte Krankheiten des Ohres und der Hörbahn wie z. B. Morbus Menière, eine Otosklerose oder ein geplatztes Trommelfell ausgelöst werden.

    Häufig tritt Tinnitus in Verbindung mit Schwerhörigkeit auf oder auch vorübergehend nach einer Lärmbelastung. Menschen, die in einer lauten Umgebung arbeiten, zum Beispiel Fabrikarbeiter, Bauarbeiter oder Musiker, können im Laufe der Zeit einen Tinnitus entwickeln, wenn die ständige Lärmbelastung winzige sensorische Haarzellen im Innenohr beschädigt.

    Ein Tinnitus kann auch durch andere Krankheiten ausgelöst werden wie Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen. Er kann ebenso eine Nebenwirkung von Medikamenten sein, u. a. von Chemotherapien, Antibiotika, Aspirin und bestimmten Schmerzmitteln. 

    Die meisten Betroffenen können sehr gut mit dem Tinnitus leben. Löst ein Tinnitus jedoch ernsthafte Beschwerden aus, kann sich die Krankheit zu einem schwerwiegenden Problem entwickeln. Dazu gehören:

    • Schlafstörungen
    • Depressionen
    • Angstzustände
    • Gedächtnisprobleme
    • Konzentrationsschwäche

    Was kann ich tun, wenn ich unter Ohrgeräuschen leide?

    Tinnitus tritt bei vielen Menschen auf, meist verschwindet er wieder von allein. Sie sollten allerdings nicht zögern, Ihren Hausarzt aufzusuchen, wenn:

    • der Tinnitus regelmäßig aufritt,
    • er schlimmer wird,
    • er Ihren Schlaf und Ihre Konzentration beeinträchtigt,
    • Sie sich durch den Tinnitus ängstlich oder depressiv fühlen,
    • wenn der Tinnitus synchron mit dem Puls schlägt,
    • der Tinnitus gemeinsam mit einem plötzlichen Hörverlust (Hörsturz) auftritt.

    Die Ärztin oder der Arzt überprüft, ob es eine behandelbare Ursache für den Tinnitus gibt: Blockiert zum Beispiel Ohrenschmalz den Gehörgang oder liegen Erkrankungen vor, die den Tinnitus verursachen könnten.

    Ggf. erfolgt eine Überweisung an einen Hals-Nasen-Ohrenarzt, der Hals, Nase und Ohren untersucht, das Gehör überprüft und weitere Untersuchungen durchführen kann. Ebenso kann er einschätzen, wie schwer die Belastung ist, die der Tinnitus bei Ihnen verursacht. 

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    Welche Behandlungen gegen Tinnitus gibt es?

    Für einen subjektiven chronischen Tinnitus gibt es viele Therapieansätze, leider kann keine der Therapien nachprüfbar den Tinnitus heilen oder verbessern. Allerdings gibt es wirksame Behandlungsansätze, die helfen, mit dem Tinnitus gut leben zu können.

    Wenn es sich um einen chronischen subjektiven Tinnitus handelt, für den es keine äußere behandlungsfähige Ursache gibt, wird Ihnen Ihr Arzt abhängig von der Belastung Empfehlungen geben und ggf. Behandlungen anbieten.

    • Wichtig ist es, dem Tinnitus wenig Bedeutung im eigenen Leben zu geben. Entspannung kann helfen, wie z. B. Yoga oder andere Entspannungsübungen.
    • Sich auf den Tinnitus zu konzentrieren, kann diesen verschlimmern. Bleiben Sie aktiv und lenken Sie sich so vom Tinnitus ab.
    • Man sollte alle Dinge vermeiden, die den Tinnitus schlimmer machen, wie zum Beispiel Stress oder laute Hintergrundgeräusche
    • Entspannend wirken Geräusche wie Wellen, Wasserfälle, Regen oder die Geräusche einer Sommernacht. Dafür gibt es spezielle Geräte im Fachhandel.
    • Ein Maskieren des Tinnitus zum Beispiel durch einen Zimmerspringbrunnen oder angenehme Geräusche wie Meeresrauschen oder Sommernachtgeräusche können helfen, den Tinnitus auszublenden und am Abend Schlaf zu finden.
    • Völlige Stille sollte man meiden, in dieser wird der Tinnitus stärker wahrnehmbar.
    • Apps, bei denen der Tinnitus dadurch gebessert werden soll, indem die Tinnitusfrequenzen aus der Musik gefiltert werden, haben sich in einer Studie leider als unwirksam erwiesen. Gleichzeitig führt das damit verbundene Hören der Lieblingsmusik über Kopfhörer möglicherweise zu weiteren Schädigungen des Ohres.
    • Bei einer schwerwiegenden Belastung durch den Tinnitus, insbesondere, wenn diese zu Depressionen oder Angststörungen führt, helfen Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie. Diese psychotherapeutischen Verfahren helfen Ihnen, den Tinnitus weniger an sich heranzulassen und besser mit ihm leben zu können.
    • Bei einer zugrundeliegenden Schwerhörigkeit können Hörgeräte helfen. Für Menschen, die stark unter dem Tinnitus leiden, können zudem Geräte hilfreich sein, die durch Geräusche den Tinnitus maskieren (Masker) oder von ihm ablenken (Noiser). Diese werden wie Hörgeräte hinter dem Ohr getragen.
    • Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen. Hier kann man zudem von dem Wissen und den Erfahrungen der anderen profitieren. Selbsthilfegruppen und viele Informationen findet man bei der Deutschen Tinnitus-Liga.

    Wie kann ich mich vor einem Tinnitus schützen?

    Lärmbedingter Hörverlust, der auf eine Schädigung der Haarzellen des Innenohrs zurückzuführen ist, ist eine der häufigsten Ursachen für Tinnitus. Alles, was Sie dagegen tun können, ist, sich vor lauten Geräuschen zu schützen.

    Zum Beispiel indem Sie sich von Lärmquellen entfernen, die Lautstärke verringern oder Ohrenstöpsel beziehungsweise Ohrenschützer tragen – sinnvoll zum Beispiel auf einer Baustelle, beim Arbeiten mit lauten Geräten oder beim Besuch eines lauten Konzerts. 

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