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Immunsystem

Hantavirus: So schützen Sie sich vor einer Infektion

Veröffentlicht am:21.11.2022

4 Minuten Lesedauer

Hantaviren werden über Nagetiere auf den Menschen übertragen, in Deutschland am häufigsten über die Rötelmaus. Sie können grippeähnliche Symptome auslösen. Hier erfahren Sie, wie Sie sich vor einer Infektion mit dem Hantavirus schützen können.

Eine Rötelmaus, der Hauptüberträger des Hantavirus, sitzt auf einem Ast eines Apfelbaums, der reife Früchte trägt.

© iStock / Adrian Coleman

Inhalte im Überblick

    Was sind Hantaviren?

    Es gibt unterschiedliche Hantavirustypen, die Erkrankungen verursachen. Hantaviren gibt es weltweit, aber in einzelnen Regionen kommen bestimmte Hantaviren jeweils besonders oft vor. Das Hantavirus, das in Deutschland am häufigsten nachgewiesen wird, heißt Puumalavirus. Vor allem im Süden und Westen Deutschlands ist es für die meisten Erkrankungen verantwortlich. Im Norden und Osten stecken sich Menschen eher mit dem Dobrava-Belgrad-Virus (Kurkino-Variante) an. Weitere Virustypen, die in Deutschland allerdings selten nachgewiesen wurden, sind das Tulavirus und das Seoulvirus.

    Die Überträger von Hantaviren sind vor allem Nagetiere wie Mäuse oder Ratten, die selbst nicht erkranken. Jeder Hantavirustyp hat ein Wirtstier, von dem er abhängig ist. Das bedeutet, dass es nur dort, wo diese Tiere leben, auch diesen Virustyp gibt. Das Wirtstier des Puumalavirus ist die Rötelmaus. Beim Dobrava-Belgrad-Virus der Kurkino-Variante ist es die Brandmaus.

    Wie man sich mit Hantaviren ansteckt und wie man sich schützen kann

    Die Hantavirustypen, die in Deutschland vorkommen, werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen, sondern ausschließlich vom Tier zum Menschen. Diesen Übertragungsweg nennt man Zoonose. Die Viren werden von infizierten Nagern über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden. Außerhalb des Wirtskörpers können Hantaviren einige Tage ansteckend bleiben.

    Eine Übertragung auf Menschen erfolgt durch das Einatmen virushaltiger Luftpartikel, durch Bisse oder dadurch, dass verletzte Haut mit virushaltigem Staub oder Erde in Kontakt kommt. Außerdem ist eine Übertragung über Lebensmittel möglich, an denen Ausscheidungen infizierter Nager haften. Weil man sich also weder bei Erkrankten ansteckt, noch im eigenen Krankheitsfall das Virus weiterverbreitet, ist eine Isolation nicht notwendig.

    Ein Impfstoff gegen Hantaviren und auch eine spezifische antivirale Therapie stehen nicht zur Verfügung. Eine überstandene Infektion führt wahrscheinlich zu einer lebenslangen Immunität gegenüber dem jeweiligen Virustyp, andere Typen bleiben aber auch für Genesene ansteckend. Deshalb sind die wichtigsten Regeln der Ansteckungsprävention: den Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagetieren vermeiden und das Eindringen von Nagern in Wohnbereiche verhindern.

    Konkrete Schutzmaßnahmen

    • Hände waschen nach Aufenthalt in Kellern, Schuppen oder auf Dachböden
    • Nager im Umfeld menschlicher Wohnbereiche bekämpfen
    • Lebensmittel und Tierfutter verschlossen aufbewahren
    • verschließbare Müllbehältnisse benutzen
    • keine Essensreste und tierische Abfälle auf den Gartenkompost werfen
    • Schlupflöcher verschließen
    • Nistmöglichkeiten (Sperrmüll, Abfallhaufen) beseitigen

    Bei der Reinigung von Räumen, in denen sich Kot oder tote Nager befinden, ist zu beachten:

    • vor Beginn gründlich lüften (mindestens 30 Minuten)
    • Gummihandschuhe und eng anliegende Atemschutzmaske tragen, empfohlen wird eine FFP3-Maske
    • möglichst wenig Staub aufwirbeln
    • keinen Staubsauger benutzen – das Gebläse verteilt mögliche Viren in der Luft
    • tote Mäuse und Kot mit Reinigungsmittel besprühen (Schutz gegen Staub)
    • Mäuse und Kot in verschlossener Plastiktüte über den Hausmüll entsorgen
    • direkt nach der Reinigung duschen; Arbeitskleidung waschen

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    Bei welchen Tätigkeiten besteht erhöhte Ansteckungsgefahr?

    Hantavirus-Infektionen sind ganzjährig möglich, aber von Mai bis September am häufigsten. Vorsicht ist geboten bei:

    • Arbeiten in Forstwirtschaft oder Bauwesen
    • Fegen von Garage, Schuppen, Dachboden, Keller und Ähnlichem
    • Aufenthalt in Gebäuden, in denen Nager vorkommen oder vorkamen
    • Gartenarbeit, Holzschlagen oder -stapeln
    • Zelten, Joggen oder Ähnliches in Gegenden, in denen Nager häufig sind
    Waldarbeiter zersägt Holz.

    © iStock / abadonian

    Überall dort, wo Nagetiere sich aufhalten oder aufgehalten haben, besteht ein Infektionsrisiko mit dem Hantavirus.

    Welche Krankheiten löst das Hantavirus aus?

    Die Symptome einer Hantavirus-Infektion hängen vom Virustyp ab. Viele Infizierte zeigen gar keine Symptome. Zeigen sich doch Symptome, so sind diese meist grippeähnlich und erscheinen nach einer Inkubationszeit von zwei bis vier Wochen:

    • plötzlich einsetzendes Fieber über drei bis vier Tage
    • Kopf-, Muskel-, Gliederschmerzen
    • Rachenrötung, Husten

    Weitere mögliche Hantavirus-Symptome sind:

    • Rückenschmerzen
    • Sehstörungen oder lichtempfindliche Augen
    • Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen
    • Blutdruckabfall
    • eingeschränkte Nierenfunktion: Die symptomatischen Erkrankungen im Zusammenhang mit den Nieren werden unter dem Begriff „Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom“ zusammengefasst. Es handelt sich oftmals um milde Verläufe, doch es sind Nierenfunktionsstörungen bis hin zu einem akuten Nierenversagen möglich, das eine Diaylyse erforderlich macht. Selten kommt es zur Beteiligung der Lungen oder zu äußeren Blutungen.

    Die für Hantaviren typische Erkrankung – grippeähnlich mit Nierenbeteiligung – wird Nephropathia epidemica genannt. Die Beschwerden treten meist zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung auf. Wie es bei Viruserkrankungen typisch ist, lassen sich nur die Symptome behandeln: etwa mit Mitteln gegen Schmerzen, Fieber oder Nierenprobleme.

    Glücklicherweise verlaufen Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland selten schwer und enden noch seltener tödlich. Beim Puumalavirus stirbt weniger als ein Promille der Infizierten und beim Dobrava-Belgrad-Virus der Kurkino-Variante weniger als ein Prozent. Auch sind beim Hantavirus Langzeitfolgen selten und betreffen dann vor allem die Nierenfunktion.

    Das Hantavirus in Deutschland: zeitliche und regionale Spitzen

    Hantavirus-Infektionen stehen in einem direkten Zusammenhang mit ihren tierischen Überträgern: je mehr Wirtstiere, desto mehr Krankheitsfälle. Die Häufigkeit von Hantavirus-Erkrankungen hängt damit indirekt vom Nahrungsangebot für Nagetiere wie den Rötelmäusen ab. Ist es in einem bestimmten Jahr oder in einer bestimmten Gegend groß, vermehren sich die Wirtstiere, die Menge an belastetem Kot in der Umwelt nimmt entsprechend zu und Infektionen mit Hantaviren werden häufiger.

    Jährliche Schwankungen

    Die Zahl der Wirtstiere und damit der Erkrankungsrate unterliegt regelmäßigen Schwankungen. Weil Hantavirus-Infektionen meldepflichtig sind, lassen sich diese Schwankungen gut nachvollziehen. Rund alle zwei bis drei Jahre kommt es zu einem Ausbruchsjahr mit hohen Fallzahlen. 2017 wurden 1.807 Fälle bundesweit gemeldet und 2018 nur noch 250. Im Jahr 2020 waren es wieder unter 300 und 2021 knapp 2.000 Fälle. Allerdings ist bei solchen Zahlen zu beachten, dass ein großer Teil der Hantavirus-Infektionen ohne Symptome oder ohne eindeutige Symptome abläuft. Solche Fälle bleiben oft unerkannt, so dass von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist.

    Risikogebiete

    Neben den Ausbruchsjahren gibt es auch Ausbruchsregionen, in denen sich Krankheitsfälle häufen. Generell sind ländliche Räume viel stärker betroffen als städtische und in Süd- und Westdeutschland kommen Hantaviren häufiger vor als in Nord- und Ostdeutschland.

    Puumalavirus-Infektionen konzentrieren sich auf diese nordwest-, west- und süddeutschen Regionen:

    • Schwäbische Alb
    • Fränkische Alb
    • Unterfranken
    • Odenwald
    • Oberschwaben
    • Bayerischer Wald
    • Spessart
    • Osthessen
    • Westhüringen
    • Teutoburger Wald
    • Münsterland/Raum Osnabrück

    Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad-Virus kommen nur in nordöstlichen Regionen Deutschlands vor, erreichen aber keine solchen Fallzahlen wie das Puumalavirus.

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