Haut & Allergie
Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen
Veröffentlicht am:11.12.2023
aktualisiert am 22.07.2026
9 Minuten Lesedauer
Eine Verbrennung passiert oft schneller, als man denkt: am Ofen, an der Herdplatte oder beim Eingießen von heißem Wasser. Wie Sie Erste Hilfe leisten, wann Sie eine Arztpraxis aufsuchen sollten und wie Sie Kinder am besten schützen.

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Was ist der Unterschied zwischen Verbrennungen und Verbrühungen?
Verbrennungen oder Verbrühungen sind schmerzhaft und bedürfen Sofortmaßnahmen. Eine Verbrühung wird durch heiße Flüssigkeiten oder Dämpfe, die auf die Haut treffen, ausgelöst. Eine Verbrennung hingegen entsteht durch trockene Hitzeeinwirkung ohne Flüssigkeiten, zum Beispiel durch Feuer oder heiße Gegenstände. Auch intensive UV-Sonneneinstrahlung kann die Haut schädigen (Sonnenbrand).
Bei einer Verbrennung oder Verbrühung empfehlen Ärzte und Ärztinnen die gleichen Erste-Hilfe-Maßnahmen und Behandlungen, das heißt, alle Empfehlungen für Verbrennungen gelten also auch für Verbrühungen.
Wie sieht Erste Hilfe bei leichten bis mittleren Verbrennungen aus?
Kommt es zu einer leichten bis mittleren Verbrennung, sollten Sie schnell Erste Hilfe leisten. Was zu tun ist, hängt davon ab, wie stark die Verbrennung oder Verbrühung ist.
Wann spricht man von kleinen Verbrennungen?
Von kleinflächigen Verbrennungen spricht man, wenn nur eine begrenzte Hautregion betroffen ist. Zur Orientierung kann die Handfläche (inklusive Finger) des Betroffenen oder der Betroffenen herangezogen werden, die etwa einem Prozent der Körperoberfläche entspricht. Das gleiche gilt für Verbrühungen, zum Beispiel, wenn man sich heißes Wasser über die Hand gießt.
Was ist eine Verbrennung oder Verbrühung ersten Grades?
Sie ist das Resultat einer typischen Verletzung im Haushalt und tritt häufig an der Hand auf. Auch ein leichter Sonnenbrand gehört in diese Kategorie. Verbrennungen ersten Grades betreffen nur die äußere Hautschicht. Die betroffene Stelle ist rot, schmerzhaft, trocken und weist keine Blasen auf.
Das gleiche gilt für Verbrühungen. Nach wenigen Tagen heilt die Brandwunde normalerweise ohne Komplikationen von selbst ab.
Was sollte man bei einer Verbrennung ersten Grades machen?
Kleine Verbrennungen und Verbrühungen ersten Grades können Sie am besten sofort mit fließendem Wasser kühlen, bis die Schmerzen nachlassen. Es reicht, wenn das Wasser kühl oder lauwarm ist. Eine Schmerzlinderung ist nur dann zu erwarten, wenn rasch gekühlt wird.
Eiskaltes Wasser oder Eiswürfel sind hingegen ungeeignet, weil die starke Kälte das angegriffene Gewebe weiter schädigen kann. Bei Verbrennungen im Gesicht helfen feuchte Tücher als Auflage. In der Regel müssen Sie bei Verbrennungen oder Verbrühungen ersten Grades keinen Arzt oder Ärztin aufsuchen.
Was ist eine Verbrennung und Verbrühung zweiten Grades?
Die Haut ist so stark geschädigt, dass sich Blasen bilden, sie werden auch als Brandblasen bezeichnet. Bei oberflächlichen Schäden heilt die Wunde spontan ab (Typ 2a). Sind tieferliegende Gewebeschichten betroffen, kann eine Operation mit Entfernung der abgestorbenen Hautschicht notwendig sein (Typ 2b). Die Unterscheidung zwischen einer Verbrennung oder Verbrühung zweiten Grades Typ 2a oder 2b kann in der Praxis schwierig sein. Deshalb sollten Sie Ihre Verbrennung oder Verbrühung medizinisch abklären lassen. Ist die Verletzung großflächig, sollten Sie den Notruf wählen. Denn, wenn bereits zehn Prozent der Hautfläche betroffen sind, drohen gefährliche Kreislaufprobleme und Unterkühlung durch den Verlust der Hautbarriere. Bei Kindern oder älteren Menschen können dafür auch kleinere Flächen ausreichen.
Wie leistet man Erste Hilfe bei leichten bis mittelschweren Verbrennungen?
Sind keine tieferen Hautschichten beschädigt, reicht es aus, die verbrannte Stelle für einige Minuten zu kühlen. Wenn Brandblasen entstehen: nicht öffnen, damit keine Keime in die Wunde gelangen. Sie sind sich unsicher, wie tief die Haut verletzt wurde? Ziehen Sie einen Arzt oder eine Ärztin zu Rate.
Je nach Größe der betroffenen Fläche kann eine erneute ärztliche Beurteilung in den darauffolgenden Tagen notwendig sein.
Was ist eine Verbrennung und Verbrühung dritten Grades?
Die Haut ist vollständig zerstört, kann weiß oder schwarz verkohlt aussehen und eine spontane Regeneration der Haut ist nicht mehr möglich. Solche Verbrennungen und Verbrühungen werden im Krankenhaus behandelt, weil in der Regel Operationen wie Hauttransplantationen nötig sind. Bei so starken Verbrennungen und Verbrühungen werden auch die Nerven geschädigt. Sobald diese nicht mehr funktionieren, spüren Betroffene kaum oder keine Schmerzen an der verbrannten Stelle. Betroffene sollten sofort den Notruf 112 wählen. Ab 8 Prozent verbrannter Haut bei Kleinkindern und 15 Prozent bei Erwachsenen besteht Lebensgefahr!
Was sind Verbrennungen vierten Grades?
Bei diesen sehr schweren Verletzungen werden nicht nur alle Hautschichten zerstört, sondern auch tiefere Gewebe wie Muskeln oder Knochen geschädigt. Solche Verletzungen können zum Beispiel durch starken elektrischen Strom entstehen. Sie sind lebensbedrohlich und müssen sofort intensivmedizinisch behandelt werden.
Die Sterblichkeit nach Verbrennungen ist in den letzten 50 Jahren deutlich zurückgegangen. Dazu haben Fortschritte in der Intensivmedizin, Chirurgie und Infektionskontrolle, unter anderem durch systemische Antibiotika beigetragen.

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Was tun bei schweren Verbrennungen und Verbrühungen?
Bei großflächigen oder sehr tiefen Verbrennungen und Verbrühungen brauchen Betroffene schnell eine ärztliche Versorgung. Ob die Verletzung großflächig ist, lässt sich anhand der sogenannten Neuner-Regel feststellen. Hierbei wird der Körper in Bereiche eingeteilt, die jeweils mindestens etwa 9 Prozent der gesamten Körperoberfläche ausmachen. Dazu zählen: Arm: 9 Prozent (je Arm), Kopf: 9 Prozent, Brust und Bauch: 18 Prozent, Rücken: 18 Prozent, Bein: 18 Prozent (Vorder- und Rückseite je 9 Prozent), Genitalbereich: 1 Prozent. Neben den großflächigen Verletzungen ist medizinische Hilfe insbesondere bei Kindern oder Verbrennungen an Gesicht und Händen umgehend notwendig.
In der Zwischenzeit können Sie bereits einige Erste-Hilfe-Maßnahmen anwenden:
- Bei Kleiderbränden: Flammen durch Wasser löschen, mit einer Decke ersticken oder betroffene Personen auf dem Boden wälzen.
- Bei Verbrühungen: Die heiße Kleidung sofort vorsichtig ausziehen.
- Bei Verbrennungen: Textilien nur entfernen, wenn sie nicht durch Verkrustungen von Wundsekret mit der Haut verbunden sind.
- Großflächige Brandwunden nicht kühlen, vor allem nicht am Rumpf, stattdessen verletzte Personen warmhalten, etwa mit einer Foliendecke aus dem Verbandskasten.
- Offene Wunden mit sterilen Verbänden aus dem Verbandskasten locker abdecken.
- Die Beine leicht hochlagern, um den Kreislauf zu stabilisieren.
- Bei Bewusstlosigkeit: Betroffene in die stabile Seitenlage bringen.
- Bei sehr schweren Verbrennungen kann es zu einem Schock und in der Folge zu einem Atemstillstand kommen. Dann sollten Ersthelferinnen und Ersthelfer Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.
- Notruf 112 wählen!
Kühlen?
Wunden bei tiefen oder großflächigen Verbrennungen oder Verbrühungen dürfen nicht gekühlt werden. Die Gefahr einer Unterkühlung ist zu groß. Das würde den Kreislauf zusätzlich belasten. Auch kann starke Kälte die Wunde zusätzlich schädigen.
Wie verbindet man Brandwunden und Verbrühungen richtig?
Eine offene Brandwunde oder eine Verbrühung sollte bedeckt werden, damit keine Keime eindringen können. Am besten eignet sich ein keimfreies Tuch aus dem Erste-Hilfe-Koffer oder ein sauberes Leinentuch. Wenn Sie kein steriles Tuch zur Hand haben, lassen Sie die Wunde lieber unbedeckt.
Helfen Hausmittel bei Verbrennungen oder Verbrühungen?
Hausmittel wie Puder, Mehl, Zahnpasta oder Quark gehören nicht in die Wunde, vor allem nicht, wenn die Hautoberfläche verletzt ist.
Besser: Bei leichten Verbrennungen oder Verbrühungen sollten Sie die betroffene Stelle zunächst für einige Minuten unter fließendem, lauwarmem bis kühlem Wasser kühlen. Anschließend sollten Sie die Wunde möglichst steril trocken abdecken und verheilen lassen.
Wie lassen sich Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern vermeiden?
Einfache Maßnahmen können dazu beitragen, dass sich Kinder im Alltag nicht so leicht verbrennen oder verbrühen:
- Darauf achten, dass Kinder Heißes nicht herunterreißen können. Gefahrenquellen sind zum Beispiel die Kabel von Wasserkochern oder Kaffeekannen auf der Tischdecke.
- Den Herd mit Gittern sichern, möglichst nur die hinteren Herdplatten benutzen und den Stiel einer Pfanne nach hinten drehen.
- Feuerzeuge und Streichhölzer gut wegschließen.
- Kinder nie mit offenem Feuer (Kerzen), einem Holzofen, einem Grill oder einem angeschalteten Herd allein lassen.
- Mischbatterien mit Verbrühungsschutz installieren.
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