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Gesunde Ernährung

Ist Apfelessig trinken wirklich gesund?

Veröffentlicht am:28.04.2023

5 Minuten Lesedauer

Aktualisiert am: 18.12.2023

Apfelessig werden zahlreiche positive gesundheitliche Wirkungen nachgesagt, vor allem soll Apfelessig beim Abnehmen helfen. Zu schön, um wahr zu sein? Was Apfelessig kann – und was nicht – ist hier zusammengestellt.

Eine Flasche mit Apfelessig neben einem Korb mit Äpfeln.

© iStock / Dannko

Apfelessig: Heilmittel schon vor Jahrtausenden

Ständig werden bestimmte Algen, Samen oder Früchte als neue Superfoods präsentiert: ein Marketingbegriff für Lebensmittel mit gesundheitsfördernder Wirkung. In der Regel ist der Hype um Chiasamen oder Açai-Beeren übertrieben. Verglichen mit neumodischen Superfoods kann der Apfelessig in Europa auf eine lange Tradition zurückblicken, auch als Heilmittel: Schon der Arzt der Antike Hippokrates hat ihn zum Infektionsschutz bei Wunden eingesetzt.

Das antibakterielle Potenzial von Essigsäure ist heute noch bekannt und für die medizinische Forschung angesichts der zunehmenden Antbiotikaresistenzen von Interesse. Meist stehen bei der Diskussion um Apfelessig aber andere Aspekte im Vordergrund: ob man mit Apfelessig abnehmen kann, ob er gut für Haut, Haare und Nägel ist oder ob sich Apfelessig positiv auf den Darm auswirkt. Die Liste lässt sich fortsetzen mit der Anregung des Stoffwechsels, Senkung des Cholesterinspiegels oder Linderung von Asthma. Wohl kaum einem Hausmittel wird ein so breites Wirkspektrum zugeschrieben. Was ist wirklich dran am Allheilmittel Apfelessig?

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Nur wenige Apfelessig-Wirkungen lassen sich belegen

Apfelessig schmeckt fruchtig und ist gut geeignet für Dressings, Soßen oder Marinaden. Das spricht für seine Verwendung in der feinen Küche, aber darum geht es nicht, wenn Apfelessig als gesundheitsfördernd gepriesen wird – sondern um das regelmäßige Trinken von Apfelessig. Meist werden für eine gesundheitliche Wirkung zwei Teelöffel pro Tag empfohlen, die mit etwas Honig in ein Glas Wasser gerührt werden. Der Honig wirkt geschmacklich der Säure entgegen, aber besonders wichtig ist das Verdünnen: Essig kann wegen des Säuregehalts pur konsumiert den Zahnschmelz schädigen. Dazu, ob man Apfelessig morgens oder abends zu sich nehmen sollte, sind die Empfehlungen uneinheitlich.

Welche Wirkstoffe enthält Apfelessig?

Apfelessig wird aus Apfelwein hergestellt: Zunächst wird Apfelsaft vergoren. Dann werden dem Wein Essigsäurebakterien zugesetzt, die ihn in Verbindung mit Sauerstoff in Essig verwandeln. Nur ein Teil der im Apfel enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe geht dabei in den Essig über – und auch nur in viel geringerer Konzentration, wobei naturtrüber ungefilterter Apfelessig mehr enthält als klarer. Bei zwei Teelöffeln Apfelessig ist der Gesamtgehalt an Nährstoffen verschwindend gering. Sie enthalten zum Beispiel rund 0,001 Milligramm (mg) Beta-Carotin, 10 mg Kalium – und kein Vitamin C. Zum Vergleich: Ein Apfel enthält durchschnittlich 12 mg Vitamin C, 187 mg Kalium und 34-mal so viel Beta-Carotin. Als relevanter Vitamin- und Mineralstofflieferant scheidet Apfelessig aus.

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Welche Wirkungen sind belegbar?

In der Medizin gilt: Ohne ausreichende Wirkstoffe keine Wirkung. Deshalb sind die meisten Gesundheitseffekte von Apfelessing nicht belegbar, etwa auf die Haut, auf Asthma oder den Stoffwechsel. Apfelessig enthält allerdings rund fünf Prozent Säure. Auch der Essigsäure werden positive Eigenschaften zugeschrieben, die sich zum Teil wissenschaftlich bestätigen lassen, wobei es unwichtig ist, ob es sich um Apfelessig oder einen anderen handelt:

  • Einige Studien deuten darauf hin, dass Essigsäure Blutzuckerspitzen bei Menschen mit Prädiabetes und Diabetes mellitus Typ 2 verhindern kann.
  • Essigsäure kann die Blutfettwerte senken.
  • Essigsäure regt die Produktion von Speichel, Magensäure und Verdauungssäften an – hilfreich für Menschen, die unter einem Mangel an Magensäure leiden.
  • Wegen der antibakteriellen Wirkung kann Gurgeln mit verdünntem Essig bei einer Entzündung im Hals helfen.
Ein Glas mit heißem Apfelessig steht auf einem Tisch, daneben Äpfel.

© iStock / MonaMakela

Nehmen Sie Apfelessig nur verdünnt zu sich.

Haben Produkte mit Apfelessigpulver eine positive Wirkung?

Weil viele Menschen, die von einer Wirkung des Apfelessigs überzeugt sind, es auch in verdünnter Form unangenehm finden, Essig zu trinken, gibt es Nahrungsergänzungsmittel mit Apfelessigpulver, meist in Kapseln oder auch in Sachets. Oft werden diesen Produkten Vitamin C, B-Vitamine (B1, B2 oder B6) oder Folsäure zugesetzt. Ihr Vitamingehalt beruht also nicht auf dem Apfelessigpulver selbst. Über Nahrungsergänzungsmittel mit Apfelessigpulver lässt sich zusammenfassend sagen: Keiner der gesundheitlichen Vorteile, mit denen sie beworben werden, lässt sich wissenschaftlich nachweisen.

Hat Apfelessig Nebenwirkungen?

Bei natürlichen Heilmitteln scheint das Risiko für Nebenwirkungen gering zu sein, so dass es oft heißt: „Wenn es auch nicht unbedingt nützt, so schadet es doch zumindest nicht.“ Bei hohem Essigkonsum ist jedoch Vorsicht angebracht: Die Säure greift nicht nur die Zähne an, sondern größere Mengen reizen auf Dauer auch den Magen. Sie sollten sich eine Apfelessig-Therapie nicht selbst verordnen. Apfelessig kann zwar Sodbrennen oder Magen-Darm-Beschwerden entgegenwirken, ob die Einnahmen von Apfelessig in Ihrem Fall aber sinnvoll ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen. Außerdem beeinflusst Essigsäure den Insulinspiegel. Menschen mit Diabetes sollten daher – trotz der möglichen Verhinderung von Blutzuckerspitzen – nicht ohne ärztliche Rücksprache viel Essig zu sich nehmen.

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Abnehmen mit Apfelessig?

Es bleibt noch die Frage zu klären, die beim Thema Apfelessig besonders oft diskutiert wird: Ist Apfelessig zum Abnehmen geeignet? Auch wenn es Studien gibt, die der regelmäßigen Einnahme von Apfelessig eine günstige Wirkung auf die Nüchtern-Blutzucker-Konzentration und die Blutfettwerte zusprechen: Das führt zwar nicht zur Gewichtsabnahme, verringert aber das Risiko für Folgeerkrankungen von Übergewicht. Aber auch eine direkte Verringerung des Bauchfetts wurde dem Apfelessig schon zugesprochen. Der Haken bei diesen und ähnlichen Studien: Es handelt sich um Studien an relativ kleinen Probandengruppen (oder manchmal auch an Ratten) über kurze Zeiträume. Ihre Aussagekraft ist begrenzt und alles in allem ist die wissenschaftliche Beweislage dafür, dass der Verzehr von Apfelessig ein wirksames Mittel zum Abnehmen ist, nicht überzeugend.

Es gilt auch bei einer Apfelessig-Diät: Man nimmt in der Regel nur dann ab, wenn die Nährstoffzufuhr durch die Ernährung den Nährstoffbedarf des Körpers nicht übersteigt und man sich ausreichend bewegt. Wegen der möglichen positiven Effekte im Zusammenhang mit dem Blutzucker oder Blutfett darf man in kleinen Mengen gerne ergänzend Apfelessig zu sich nehmen – aber keinesfalls pur, um Reizungen zu vermeiden und den Zahnschmelz zu schützen: ein Glas lauwarmes Wasser und zwei Teelöffel Apfelessig und eventuell mit etwas Apfelsaft oder Honig abschmecken. Allerdings sollte man sich keine gewichtsreduzierende Wirkung davon versprechen.

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