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Antibiotikaresistenzen: So erhalten wir den Lebensretter Antibiotikum

Ein Mann hält zwei Tabletten in der Hand, die er mit einem Glas Wasser zu sich nehmen möchte.

© iStock / PeopleImages

Lesezeit: 4 Minuten04.08.2022

Falscher und zu häufiger Einsatz von Antibiotika fördert Resistenzen. Resistente Bakterien vermehren sich und werden zur Gefahr für den Menschen. Können wir diese Entwicklung aufhalten, damit Antibiotika auch morgen noch wirken und uns schützen?

Inhalte im Überblick

    Antibiotika werden unwirksam

    Ursachen für Antibiotikaresistenzen

    Antibiotika sind aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. Sie gehören zu den bedeutendsten Meilensteinen der Medizin. Seit der ersten praktischen Anwendung 1941 konnten damit zahlreiche bakteriell ausgelöste Infektionen geheilt und Menschenleben gerettet werden. Der Begriff Antibiotikum kommt aus dem Griechischen, wobei „anti“ mit „gegen“ und „bios“ mit „Leben“ übersetzt werden kann.

    Bei vielen Patientinnen und Patienten, aber auch einigen Ärztinnen und Ärzten gelten Antibiotika als Allheilmittel für jede Art von Infekt: Schnell wieder fit werden, bloß nicht zu lange im Job krank sein, das Kind rasch wieder in die Kinderbetreuung schicken – ein Antibiotikum soll es richten. Antibiotika werden von den Ärztinnen und Ärzten zu häufig verschrieben, von den Patientinnen und Patienten oft falsch und sorglos eingenommen, was Antibiotikaresistenzen fördert. Neben dem unkritischen Einsatz bei Menschen sehen Expertinnen und Experten als weitere Hauptursache für Resistenzen den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und den Einsatz in der Massentierhaltung.

    Gülle und Klärschlamm: So kommen die resistenten Bakterien in unsere Umwelt

    Nicht nur in der Humanmedizin, auch in der Tiermedizin gehören Antibiotika mit zu den wirksamsten Medikamenten. In der Massentierhaltung kommen vielerorts noch immer bestimmte Antibiotika-Gruppen zum Einsatz, um das Wachstum des Viehs zu beschleunigen, und letztlich den Ertrag zu steigern. Selbst wenn Antibiotika nur aus rein medizinischen Gründen gegeben werden, ist die Anwendung sehr großzügig: Ist ein Tier an einem Infekt erkrankt, bekommen in engen Ställen wegen der hohen Ansteckungsgefahr oft alle Tiere dasselbe Medikament. Bei der Ausscheidung gelangen die Antibiotikareste in die Gülle. Gülle und Klärschlamm sind das Transportmittel für die resistenten Keime.

    Die Antibiotikareste werden jedoch nicht nur von den Tieren, sondern auch vom Menschen ausgeschieden und gelangen mit dem Abwasser über die Kanalisation in die Kläranlage. In Kläranlagen wird das Abwasser in verschiedenen Behandlungsstufen von Schmutz- und Nährstoffen befreit. In diesem Prozess werden auch Bakterien eingesetzt. Übrig bleibt dann der sogenannte Klärschlamm. Wird der Klärschlamm wieder der Umwelt zugeführt, zum Beispiel als Dünger, enthält dieser auch Bakterien, die möglicherweise inzwischen resistent geworden sind oder es bereits waren. Gülle aus der Landwirtschaft wirkt ähnlich in dieser Kette der Resistenzbildung: Wird sie in der Natur ausgebracht, können resistente Keime und Antibiotikareste in das Grundwasser sickern.

    Antibiotika wirken nicht gegen Viren

    Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, bei Viren haben sie keine Wirkung. Ob es sich um eine Erkrankung, hervorgerufen durch Bakterien oder Viren handelt, ist bei vielen Erkrankungen auch für Ärzte nicht ganz so einfach zu erkennen. Um den Erreger, Resistenzen und eine wirksame antibiotische Therapie genau abzuklären, müsste ein Abstrich im Labor aufbereitet werden. Bis hier ein Ergebnis vorliegt, dauert es wegen der Inkubationszeit ein paar Tage. Mit Schnelltests lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion eher abschätzen. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.

    Bei welchen Krankheiten braucht man Antibiotika?

    Bei einigen Krankheiten werden Antibiotika oftmals unsachgemäß eingesetzt.

    Deutlichstes Beispiel für den oftmals falschen Einsatz von Antibiotika sind Erkältungskrankheiten. Nur jede zehnte wird durch Bakterien ausgelöst. Fast immer sind Viren die Auslöser, gegen die Antibiotika aber wirkungslos sind. Bakterielle Lungenentzündung, fieberhafte Harnwegsinfektionen und Zecken-Borreliose dagegen sind mit Antibiotika gut zu kurieren.

    So werden Sie selbst aktiv gegen Antibiotikaresistenzen

    „Sagen Sie dem Arzt deutlich, dass Sie nicht unbedingt ein Antibiotikum wünschen“, ermuntert Dr. Wienecke alle Patientinnen und Patienten. Ein erklärendes Gespräch im Arztzimmer zum Krankheitsverlauf und je nach Beschwerden schmerzstillende, fiebersenkende Mittel oder ein abschwellendes Nasenspray tragen oft schon viel zur Genesung bei, weiß Dr. Wienecke. „Denn unser körpereigenes Immunsystem bewältigt leichte Infekte ganz alleine, Bettruhe unterstützt dabei.“ Immer seltener verschreiben Ärztinnen und Ärzte in Deutschland – und da vor allem Kinderärzte – Antibiotika. Ein Trend, der seit zehn Jahren anhält. „Wir müssen alle lernen, vorsichtiger und vor allem bewusster mit Antibiotika umzugehen!“, mahnt Dr. Wienecke.

    Wichtig ist: Vertrauen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Sie oder er kann einschätzen, wann Antibiotika unbedingt nötig sind. „Denn manchmal muss es ein Antibiotikum sein“, erklärt Dr. Wienecke. Das gilt besonders für Risikogruppen wie herzkranke Menschen, Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen oder Menschen mit Erkrankungen, wie zum Beispiel fieberhaften Harnwegsinfekten, die unbehandelt Folgekrankheiten nach sich ziehen könnten.

    Vater und Sohn waschen sich die Hände, der Junge hält die eingeseiften Hände in die Kamera.
    Wer es schafft, Infektionen zu vermeiden, braucht kein Antibiotikum. Körperhygiene wie regelmäßiges Händewaschen kann dabei helfen, einer Übertragung von Keimen über die Hände aus dem Weg zu gehen.

    © iStock / alvarez

    Tipps zur Vorbeugung von Infektionen im Alltag

    Wer Infektionen vorbeugt, wird seltener krank und braucht kein Antibiotikum. Das verringert die Gefahr von Resistenzen, der jeder entgegenwirken kann. Diese vorbeugenden Maßnahmen können helfen:

    • Hygiene ist einer der wichtigsten Bausteine, um Infektionen zu vermeiden.
    • Die Mehrzahl aller Keime wird über die Hände übertragen: Man wischt sich über die Augen, die Nase oder den Mund. So dringen die Bakterien über die Schleimhäute in den Körper ein. Achten Sie daher insbesondere vor der Nahrungsaufnahme darauf, sich die Hände zu waschen. Versuchen Sie, Augen, Nase und Mund nicht unnötig oft zu berühren.
    • Kinder lernen Händewaschen als Ritual kennen: „Nach dem Klo, vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen.“
    • Empfohlene Schutzimpfungen wahrnehmen, denn Impfungen trainieren das Immunsystem und vermeiden so eine spätere Infektion.
    • Ernährung: Fleisch aus Massentierhaltung meiden – hier werden Antibiotika noch in großer Menge eingesetzt. Resistente Keime gelangen so über den natürlichen Kreislauf in den Körper.

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