New Work verändert die Unternehmenskultur

Unter New Work gewinnen im Vergleich zur klassischen Unternehmensorganisation andere Werte an Bedeutung: zum Beispiel Individualisierung, Gleichberechtigung oder Kommunikation auf Augenhöhe. Auch die Bedeutung des Sinns der Arbeit nimmt zu. Das hat Folgen für die gesamte Unternehmenskultur.

Struktureller Wandel

New Work ist mehr als die Nutzung digitaler Tools und neue Formen der Arbeitsorganisation. Das Konzept stellt die gesamte Struktur eines Unternehmens auf den Prüfstand und setzt ein ganzheitliches Umdenken voraus. Wer beispielsweise agile Arbeitsmethoden einführt, sollte nicht vor Experimenten zurückschrecken. Wer Homeoffice ermöglicht, dem hilft Vertrauen in seine Mitarbeiter, da Möglichkeiten zur Leistungskontrolle aufgegeben werden.

Sinn und Selbstbestimmung sind wichtig

Hinzu kommt, dass manch traditionelle Vorstellung von der Arbeitswelt heute und in Zukunft nicht mehr in demselben Maße gilt wie noch vor einer Generation. So galt ein auskömmliches Einkommen lange Zeit als Maß der Dinge bei der Berufswahl. Heute legen Arbeitnehmer vor allem Wert auf eine erfüllende und sinnstiftende Tätigkeit.

Der Digitalverband Bitkom hat dazu im Jahr 2019 eine repräsentative Befragung durchgeführt. Demnach war es einer großen Mehrheit der rund 1.000 befragten Teilnehmer zwischen 16 und 65 Jahren wichtig, ihre Arbeitszeit künftig frei einteilen zu können (96 Prozent), einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen (94 Prozent), in flacheren Hierarchien zu arbeiten (93 Prozent) und ihre Leistungs- und Lernziele selbst festlegen zu können (90 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich.

Darüber hinaus beziehen Bewerber zunehmend soziale und ökologische Aspekte in die Wahl ihres Arbeitgebers mit ein. Eine Online-Umfrage der Jobbörse Stepstone und des Handelsblatt Research Instituts unter 12.000 Menschen im Dezember 2019 zeigt: Drei von vier Befragten bevorzugen Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert hat. Das bedeutet nicht, dass Geld keine Rolle mehr spielt. Es ist aber längst nicht mehr der einzige Motivationsfaktor.

Gesundheit der Beschäftigten profitiert

Auch Unternehmen profitieren davon, wenn Beschäftigte Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit erleben. So hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Rahmen des Fehlzeiten-Reports 2018 herausgefunden, dass es sich positiv auf die Gesundheit auswirkt, wenn Beschäftigte ihre Arbeit als erfüllend und sinnhaft empfinden. Sie fehlen seltener am Arbeitsplatz und haben deutlich weniger arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden, wenn sie das Gefühl haben, einer sinnvollen und erfüllenden Tätigkeit nachzugehen.

Veränderte Wertevorstellungen

Die Experten der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) betonen in ihrer Publikation „New Work und Werte: Werteblätter“, dass New Work noch mit einer Reihe weiterer veränderter Wertevorstellungen einhergeht. Basierend auf der Arbeit mit vielen Unternehmen hat Organisationsberater Sven Franke elf Werte identifiziert, die er in diesem Kontext verstärkt wahrnimmt, wie er im iga-Experteninterview erklärt. Teilweise beschreiben sie die Haltung in den Unternehmen, teilweise die Erwartungen, die Beschäftigte an ihren Arbeitgeber richten. Bei der Umsetzung sind vor allem die Führungskräfte gefragt.

Engagement

Je engagierter Beschäftigte sind, desto effizienter arbeiten sie, desto besser ist das Arbeitsklima im Team und desto besser ist die soziale Unterstützung innerhalb der Arbeitsgruppe. Königsweg zur Steigerung des Engagements sind regelmäßige Gespräche zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Dabei gestalten sie den passenden Zuschnitt der Aufgaben für jeden Einzelnen. Die Aufgaben sollten zwar herausfordernd, aber gleichzeitig gut erfüllbar sein. Letzteres kann durch regelmäßige Trainings und Schulungen sichergestellt werden..

Gleichberechtigung

Führungskräfte sollten bei ihrem Handeln Gerechtigkeit, Transparenz, ein Agieren auf Augenhöhe, das Fördern von Autonomie und Resilienz im Blick behalten. Werden diese Prinzipien gelebt, trägt es dazu bei, dass die Absicht, den Arbeitsplatz zu wechseln, deutlich sinkt, ebenso wie Fehlzeiten, die aus mangelnder Motivation entstehen. Die Leistung und das Wohlbefinden der Beschäftigten steigen dagegen signifikant.

Individualisierung

Starke Teams leben davon, dass unterschiedliche Kompetenzen für ein gemeinsames Ziel eingesetzt werden. Individuelle Haltungen sollten daher nicht als Störfaktor angesehen, sondern zugelassen und wertgeschätzt werden. In vielen Bereichen, in denen die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt das Angebot übersteigt, können solche Faktoren den Ausschlag bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber geben. Begehrte Fachkräfte suchen sich im Zweifelsfall ein Unternehmen, in dem sie so sein und bleiben können, wie sie sind.

Mut

Mut ist nicht nur die Basis vieler Innovationen. Fehlt er oder macht sich gar Angst breit, führt das zu verminderter Leistungsfähigkeit. Wer sein Personal daher ermutigt, stärkt damit das gesamte Unternehmen, indem eingefahrene Routinen aufgebrochen und neue Optionen entwickelt werden können. Mut kann durch ein Umfeld gefördert werden, das eine selbstbestimmte Haltung wertschätzt. Auch positive Rückmeldungen, die Anerkennung von Erfolgen und eine Fehlerkultur im Unternehmen stärken ihn.

Nachhaltigkeit

Spätestens mit den eindringlichen Berichten über den Klimawandel und die Initiative Fridays for Future ist Nachhaltigkeit auch zu einem wichtigen Faktor in der Arbeitswelt geworden. Eine nachhaltige Unternehmenskultur steigert nicht nur die Bereitschaft, sich für den eigenen Betrieb einzusetzen, sondern auch die Arbeitszufriedenheit und die Bindung an das Unternehmen.

Offenheit

Wer offen kommuniziert und auch transparent mit eigenen Fehlern umgeht, eröffnet die Möglichkeit für gegenseitiges Lernen. Kurz gesagt: Es reicht, wenn einer einen Fehler macht, er muss nicht von allen gemacht werden. Dabei darf der Mitarbeiter, der den Fehler gemacht hat, sich nicht vorgeführt fühlen. Durch regelmäßige Gespräche, in denen Beschäftigte und Führungskräfte sich darüber austauschen, welche Dinge in den letzten Wochen besonders gut, welche besonders schlecht gelaufen sind, entstehen Transparenz, Offenheit und Verständnis für alternative Sichtweisen.

Selbstentwicklung

Wer andere Sichtweisen und Wertesysteme akzeptieren kann, reduziert die Wahrscheinlichkeit von Konflikten und fördert die Zusammenarbeit. Im Rahmen der Selbstentwicklung können zudem auch Kompetenzen ausgebaut werden, sich im Arbeitsalltag sicher und gesund zu verhalten. Das setzt allerdings die individuelle Bereitschaft voraus, etwas verändern zu wollen. Als Teil der Persönlichkeitsentwicklung können Arbeitgeber diese Bereitschaft unterstützen, indem sie Ziele mit den Mitarbeitern vereinbaren, die messbar, bewertbar und erreichbar sein sollten.

Sicherheitsgefühl

Es fördert die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter, wenn sie sich sicher fühlen, das heißt, wenn sie ihren Aufgaben gewachsen sind und ihren Arbeitsplatz als sicher empfinden. Dazu tragen ein vertrauensvolles Klima und wertschätzende Kommunikation bei. Führungskräfte können das Sicherheitsgefühl stärken, indem sie Teams in möglichst vielen Fragen mitentscheiden lassen und Aufgaben – auch schwere – frühzeitig delegieren. Diese Art der Mitbestimmung gibt Beschäftigten das Gefühl einer subjektiven Kontrolle über die Geschicke des Unternehmens.

Sinn der Arbeit

Dienst nach Vorschrift schadet allen und nützt niemandem. Vorgesetzte sind daher gut beraten, ihren Mitarbeitern immer wieder zu ermöglichen, den tieferen Sinn ihres Handelns zu kommunizieren. Aber was ist sinnstiftend? Der iga.Report 43 identifiziert vor allem zwei Quellen für das Sinnerleben. Zum einen, dass man authentisch und damit sich selbst treu bleiben kann. Zum anderen, dass die Arbeit es ermöglicht, die eigenen Fähigkeiten voll umsetzen zu können.

Sozialleben und Work-Life-Blending

Statt starrer Arbeitszeiten rückt zunehmend die Zielerreichung in den Mittelpunkt. Das eröffnet Mitarbeitern Spielräume, die Arbeitszeit eigenverantwortlicher zu organisieren. Homeoffice oder die Einrichtung flexibler Zeitbudgets sind zwei Möglichkeiten, Mitarbeitern mehr Flexibilität einzuräumen. Es darf aber nicht vergessen werden, dass es trotz New Work nach wie vor auch Beschäftigte gibt, die mit einer strikten Trennung von Beruf und Privatleben besser klarkommen. Diese kann zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass nach Feierabend keine betrieblichen E-Mails mehr versandt werden.

Vertrauen

Größeres Vertrauen zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten geht unter anderem mit mehr Kooperation und besserer Gesundheit einher. Leistungseinbußen und Motivationsdefizite können sich verringern. Vertrauen muss aber wachsen: Daher sind Führungskräfte gefordert, sich Zeit für ihre Mitarbeiter zu nehmen, ihnen zuzuhören sowie ihre Bedürfnisse und ihre Rechte anzuerkennen.

Prüfen Sie, wo Ihr Unternehmen steht

Für Betriebe wird es zunehmend wichtiger, auch weiche Faktoren zu leben und zu bewerben. So binden sie Mitarbeiter langfristig an sich und erhöhen ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Ein erster Schritt kann es sein, die eigene Unternehmenskultur auf den Prüfstand zu stellen. Fragen, die bei einer solchen Ist-Analyse im Fokus stehen, sind zum Beispiel:

  • Wie ausgeprägt werden Hierarchien gelebt?
  • Wie werden Entscheidungen getroffen?
  • Wie und zu welchen Gelegenheiten geben Sie Feedback?
  • Wie oft findet ein Austausch mit dem gesamten Team und mit der Führungskraft statt?
  • Welche Regeln in der Zusammenarbeit sind Ihnen besonders wichtig?

Aus den Antworten ergibt sich ein umfassendes Bild der Werte eines Unternehmens und seiner Kultur. Darüber hinaus können Beschäftigte eingeladen werden, konkrete Vorschläge einzubringen, welche Veränderungen ihnen für ihre Arbeit helfen würden und wie sie aus ihrer Sicht umgesetzt werden sollten. Das Gesamtbild liefert in der Regel zahlreiche Ansätze für Verbesserungen.

iga
Fragen zur Unternehmenskultur

Ein Fragenkatalog der iga hilft bei der Erfassung der Unternehmenskultur und eignet sich gut, die eigene Organisation noch besser kennenzulernen und Handlungsbedarf zu identifizieren.

So unterstützt die AOK

Die AOK unterstützt Arbeitgeber dabei, die neue Arbeitswelt mit ihren Herausforderungen gesund zu gestalten. Das Online-Programm „Gesund im Homeoffice“ wendet sich speziell an Führungskräfte und Beschäftigte, die von zu Hause aus arbeiten. Es zeigt, wie gesunde Arbeit in den eigenen vier Wänden gelingen kann.

Das AOK-Programm „Gesund führen“ hilft Führungskräften dabei, ihre Mitarbeiter gesund zu führen und ihre innere Balance zu finden. Weitere Unterstützung finden Arbeitgeber bei ihrem AOK-Ansprechpartner vor Ort.

AOK
AOK-Programm Gesund führen

Das interaktive Programm besteht aus sechs Lernmodulen, mit denen Führungskräfte ihr Wissen und ihre Handlungskompetenz stärken können.

Stand

Erstellt am: 21.09.2021

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