Geringfügig entlohnte Beschäftigung

Bis 30 September 2022 gilt: Bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen darf das regelmäßige Arbeitsentgelt monatlich 450 Euro nicht überschreiten. Ab dem 1. Oktober 2022 wird die Minijob-Grenze dann dynamisch ausgestaltet. Dabei wird sie an den Mindestlohn (12 Euro je Zeitstunde ab dem 1. Oktober 2022) gekoppelt.

Arbeitsentgelt bis zur Geringfügigkeitsgrenze

Um bei einer geringfügig entlohnten Beschäftigung zu prüfen, ob das Entgelt die Geringfügigkeitsgrenze übersteigt, muss der Arbeitgeber das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt berechnen. Es darf im Durchschnitt einer Jahresbetrachtung die maßgebliche Geringfügigkeitsgrenze nicht übersteigen.

  • Bis zum 30. September 2022 beträgt die Geringfügigkeitsgrenze 450 Euro im Monat. Betrachtet auf ein Jahr darf das regelmäßige Arbeitsentgelt maximal 5.400 Euro bei ununterbrochen andauernder Beschäftigung betragen.
  • Ab dem 1. Oktober 2022 gilt eine Geringfügigkeitsgrenze von 520 Euro im Monat. Das regelmäßige Arbeitsentgelt darf bezogen auf ein Jahr ab diesem Zeitpunkt maximal 6.240 Euro bei ununterbrochen andauernder Beschäftigung betragen.

Bei der Berechnung wird mindestens das Arbeitsentgelt herangezogen, auf das der Minijobber einen Rechtsanspruch hat. Dabei ist der gesetzliche Mindestlohn von 9,82 Euro pro Stunde (1. Januar 2022 bis 30. Juni 2022; ab 1. Juli 2022 = 10,45 Euro) zu beachten.

Mit der erneuten Erhöhung des Mindestlohns sinkt die mögliche Arbeitsstundenzahl für Minijobber entsprechend:  

  • Im ersten Halbjahr 2021 waren es noch rund 47,3 Stunden im Monat.
  • Ab 1. Juli 2021 waren es 46,8 Stunden im Monat.
  • Zum 1. Januar 2022 sank die Stundengrenze auf 45,8 Stunden im Monat.
  • Ab dem 1. Juli 2022 liegt die monatliche Arbeitsstundenzahl bei 43 Stunden.

Arbeitet der Minijobber mehr Stunden, überschreitet er die monatliche Grenze von 450 Euro (bis Ende September 2022) und wird sozialversicherungspflichtig.

Neuer Mindestlohn ab Oktober

Der Mindestlohn wird ab dem 1. Oktober 2022 nochmals angehoben, und zwar auf 12 Euro je Zeitstunde. Die Minijob-Grenze wird zu diesem Zeitpunkt an den Mindestlohn gekoppelt und damit dynamisch ausgestaltet. Zehn Wochenstunden auf Basis des aktuellen allgemeinen Mindestlohns sind dann als geringfügig entlohnte Beschäftigung möglich. Bei einem Mindestlohn von 12 Euro brutto je Zeitstunde ergibt sich für den Minijob eine neue Entgeltgrenze von 520 Euro im Monat (Berechnung: 12 Euro x 130 : 3 = 520 Euro).

Einheitliches Beschäftigungsverhältnis

Übt ein Arbeitnehmer bei demselben Arbeitgeber gleichzeitig mehrere Beschäftigungen aus, ist grundsätzlich ohne Rücksicht auf die arbeitsvertragliche Gestaltung sozialversicherungsrechtlich von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis auszugehen. Es ist also nicht möglich, neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung bei demselben Arbeitgeber eine geringfügige Beschäftigung auszuüben oder bei ein und demselben Arbeitgeber zwei verschiedene Minijobs zu haben.

Schwankendes Arbeitsentgelt: Jahresgrenze

Für das Vorliegen einer geringfügig entlohnten Beschäftigung ist es bei schwankenden Monatsbezügen unerheblich, wenn in einzelnen Monaten Arbeitsentgelte oberhalb der Geringfügigkeitsgrenze erzielt werden. Voraussetzung: Die Jahresgrenze wird insgesamt nicht überschritten.

Wenn die Höhe des Arbeitsentgelts eines Minijobbers schwanken sollte, müssen Arbeitgeber das zukünftig zu erwartende Entgelt schätzen und einen monatlichen Durchschnittswert ermitteln. Dabei werden alle voraussichtlichen Bezüge des kommenden Jahres zusammengerechnet und das Ergebnis durch zwölf geteilt.

Sollte sich später herausstellen, dass die Schätzung unzutreffend war, bleibt die versicherungsrechtliche Beurteilung für die Vergangenheit bestehen. Eine Korrektur erfolgt nur für die Zukunft.

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Einmalzahlungen prüfen

Bei der Berechnung des regelmäßigen Arbeitsentgelts sind Einmalzahlungen dann zu berücksichtigen, wenn der Minijobber sie mit hinreichender Sicherheit mindestens einmal jährlich erwarten kann (zum Beispiel vertraglich zugesichertes jährliches Urlaubs- oder Weihnachtsgeld).

Beispiel (bis 30.September 2022 gültig): Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze durch Einmalzahlungen
Monatliches Entgelt 430 €
Weihnachtsgeld380 €
Berechnung 
430 € x 125.160 €
Weihnachtsgeld+ 380 €
Jahresentgelt5.540 €

Ergebnis: Die Geringfügigkeitsgrenze wird überschritten. Die Beschäftigung ist versicherungspflichtig in allen Zweigen der Sozialversicherung. Und zwar nicht nur für den Monat, in dem die Einmalzahlung erfolgt, sondern für das gesamte Beschäftigungsverhältnis.

Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze

Erhöht sich das monatlich gezahlte regelmäßige Arbeitsentgelt beispielsweise durch eine Gehaltserhöhung, tritt vom Tag des Überschreitens der Geringfügigkeitsgrenze Versicherungspflicht ein. Für die Vergangenheit bleibt es aber bei der Versicherungsfreiheit.

Wird die Geringfügigkeitsgrenze unvorhersehbar nur gelegentlich überschritten (Zeitraum bis zu drei Monate im Zeitjahr), bleibt die geringfügig entlohnte Beschäftigung versicherungsfrei. Voraussetzung dafür ist allerdings auch, dass der Zeitraum von vornherein befristet sein muss.

Beispiel (bis 30. September 2022 gültig): Gelegentliche Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenze bei einem Minijob
Beschäftigung ab 1.5.450 €
Übernahme unvorhergesehener Krankheitsvertretung vom 1.8. bis 31.8.750 €

Die Überschreitung war unvorhersehbar und überschreitet die Zeitgrenze nicht. Die Beschäftigung ist weiterhin geringfügig entlohnt.

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Befreiung von der Rentenversicherungspflicht

Geringfügig entlohnte Beschäftigte können sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, wenn sie bei ihrem Arbeitgeber einen schriftlichen Antrag einreichen. Die Befreiung gilt dann einheitlich für alle geringfügigen Beschäftigungen des Arbeitnehmers bei anderen Arbeitgebern. Die Entscheidungen gegen die Rentenversicherungspflicht ist für die Dauer der Beschäftigung bindend.

Der Arbeitgeber meldet den Antrag mit der nächsten Entgeltabrechnung der Minijob-Zentrale. Wenn diese innerhalb eines Monats nicht widerspricht, ist die Befreiung gültig.

Minijobs: Beiträge zur Rentenversicherung

Lässt sich der geringfügig entlohnte Beschäftigte nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien, zahlt der Minijobber die Differenz zum einheitlichen Beitragssatz in der Rentenversicherung (2022: 18,6 Prozent), also 3,6 Prozent. Den Pauschalbeitrag von 15 Prozent zahlt der Arbeitgeber.

Bei der Berechnung des Beitrags zur Rentenversicherung ist eine Mindestbeitragsbemessungsgrundlage zu beachten. Diese beträgt für einen vollen Kalendermonat 175 Euro. Sofern das Beschäftigungsverhältnis im Laufe eines Kalendermonats beginnt oder endet, ist der Betrag anteilig anzusetzen. Gleiches gilt bei Teilmonaten durch Arbeitsunfähigkeitszeiten (bei Ablauf der Entgeltfortzahlung).

Die Umrechnung erfolgt nach folgender Formel:

175 Euro x Kalendertage der Beschäftigung ÷ 30
= anteilige Mindestbeitragsbemessungsgrundlage

Stand

Zuletzt aktualisiert: 13.06.2022

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