Positive Psychologie

Führungskräfte haben einen großen Einfluss auf die Mitarbeitermotivation: Gesund führen heißt unter anderem, das eigene Team zu stärken, sich die Erkenntnisse der positiven Psychologie dabei zunutze zu machen und so das Wohlbefinden des gesamten Teams nachhaltig zu steigern.
Gruppe beglückwünscht einen Kollegen© Willie B. Thomas / Getty Images

Auf positive Ressourcen fokussieren

Der Begriff Positive Psychologie wurde 1954 von dem US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow eingeführt und in den 1990er Jahren von dem US-amerikanischen Psychologen Martin Seligman wieder aufgegriffen. Im Gegensatz zur traditionellen defizitorientierten Psychologie befasst sich die Positive Psychologie mit den positiven Aspekten des Menschseins.

Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie zeigen: Führungskräfte, denen es gelingt, den Blick stärker auf Ressourcen wie engagierte Mitarbeitende oder Erfolge zu richten und diese wertzuschätzen, empfinden bei der Mitarbeiterführung mehr Freude, erhöhen ihre Produktivität und psychische Widerstandsfähigkeit. Das ist besonders in Krisenzeiten wie der Coronapandemie wichtig.

Es hängt viel vom Blickwinkel und der inneren Einstellung ab – und an der kann man arbeiten. Die Positive Psychologie fragt dabei, was bleibende Zufriedenheit im Leben schafft und wie man positive Emotionen bewusst wahrnehmen und stärken kann.

Positive Psychologie im Betrieb etablieren

Was zunächst nach abstrakter Theorie klingt, lässt sich in der Praxis einfach umsetzen – etwa indem man einen positiven Wochenrückblick einführt. Dieser könnte zum Beispiel so aussehen:

  • Für den Perspektivwechsel Teammeetings mit der Frage eröffnen: Was ist uns in der letzten Woche gut gelungen? Was haben wir als Team dazu beigetragen?
  • Um als Führungskraft selbst die Einstellung zu verändern, sich am Ende eines jeden Tages fünf Minuten Zeit nehmen, um drei positive Erlebnisse und den eigenen Anteil daran aufzuschreiben. Wenn man diese Übung täglich umsetzt, ändert sich schnell der Fokus hin zu dem, was Führungskraft und Beschäftigte stärker und letztlich auch resilienter macht.

Mitarbeitende als Führungskraft unterstützen

Der US-amerikanische Psychologe Martin Seligman beschreibt in seiner Theorie des Wohlbefindens fünf Faktoren – die „Glücksformel“ PERMA – für ein gutes Leben.

  • Positive Emotions: das regelmäßige Erleben und Herstellen von Glücksmomenten. 
  • Engagement: das Nutzen der eigenen Stärken im beruflichen wie privaten Alltag und das Erleben von „Flow“, wenn einem die Arbeit gut von der Hand geht. 
  • Relationship: das Pflegen guter, vertrauensvoller und belastbarer Beziehungen.
  • Meaning: den eigenen Lebenssinn zu kennen und zu realisieren.
  • Accomplishment: die eigenen gesteckten Ziele erreichen zu können und das Erleben von persönlichem Erfolg.

Für Personalverantwortliche ist es hilfreich, sich die Frage zu stellen: Wie unterstütze ich meine Mitarbeitenden dabei, ihre individuellen PERMA-Faktoren im Arbeitsleben zu steigern? Zum Beispiel beim Punkt E, wie Engagement: Hier gilt es, Mitarbeitenden die Möglichkeit zu bieten, dass sie ihre Charakterstärken wie etwa Kreativität oder Genauigkeit bei der Arbeit entfalten können.

Positiv führen als wirksames Kriseninstrument

Gerade in herausfordernden Zeiten ist gute Führung wichtig, um den Zusammenhalt im Unternehmen zu stärken und den Blick immer wieder auf das Positive zu lenken.

Mit diesen fünf Impulsen aus der Positiven Psychologie können Sie als Führungskraft Raum für positive Gedanken und Gefühle schaffen:

Neue Rituale nutzen

Schaffen Sie neue Anlässe oder Rituale der Begegnung. Wie wäre es zum Beispiel mit einem regelmäßigen gemeinsamen Mittagessen. Die Kolleginnen und Kollegen, treffen sich im Besprechungsraum. Bei hybriden Teams werden diejenigen im Homeoffice per Konferenz zugeschaltet. Das kann das Gemeinschaftsgefühl ähnlich stärken wie ein gemeinsamer Restaurantbesuch.

Regen Sie auch dazu an, dass sich das Team über persönliche Rituale austauschen, die sie fit halten, die ihnen guttun: zum Beispiel die Walkingrunde in der Mittagspause, die Kurzmeditation vor Arbeitsbeginn oder andere Ideen, die regelmäßig Bewegung oder Ruhe, Spaß und Geselligkeit in den größtenteils selbst organisierten Arbeitsalltag bringen.

Sich gegenseitig unterstützen

Animieren Sie die Beschäftigten, den Teamspirit zu leben und anderen etwas Gutes zu tun. Schon kleine Gesten können positive Emotionen erzeugen: Einfach mal einen Kaffee dem Kollegen oder der Kollegin mitbringen zum Beispiel. Vielleicht gibt es technisch versierte Mitarbeitende, die im persönlichen Gespräch gut erklären können, wie die ein neues Programm effektiv genutzt wird.

Stärken herausstellen

Stärken stärken – so lautet eine Kernaussage der Positiven Psychologie. Ziel ist es, das einzigartige Potenzial eines jeden Menschen zu erkennen, zu fördern und optimal einzusetzen. 

Führungskräfte können den Mitarbeitenden dabei helfen, sich ihrer Fähigkeiten bewusst zu werden. Das hat nicht nur in Krisenzeiten einige Vorteile. Mitarbeitende sind auch in Ausnahmesituationen zufriedener, wenn sie ihren Talenten entsprechend eingesetzt werden. Die Arbeiten gehen leicht von der Hand, geben Kraft und fördern die Resilienz des Beschäftigten.

Erarbeiten Sie mit allen Mitarbeitenden in persönlichen Gesprächen folgende Fragen:

  1. Auf was bin ich in meiner bisherigen Arbeit besonders stolz?
  2. Aus welchen Tätigkeiten schöpfe ich Kraft?
  3. Auf was freue ich mich bei der Arbeit am meisten?

Wenn jemand zum Beispiel Stärken in Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeiten zeigt, könnte dieser Mensch genau in diesen Aufgaben eingesetzt werden, die diese Stärken benötigen, zum Beispiel im Halten und Wiederaufnehmen von Kundenkontakten. 
 

Perspektive wechseln

Optimismus ist eine ganz wichtige Triebfeder, um zur eigenen Stärke bei der Arbeit zu finden. Die Positive Psychologie nutzt dazu unter anderem die Methode „PIIP – Put it in perspektive“ – was frei übersetzt so viel heißt wie „Ordne es richtig ein“. Wenn es im Unternehmen Sorgen gibt, wegen Kurzarbeit, drohender Insolvenz, Entlassungen oder anderer Nöte, hilft es, sich das Geschehen aus drei verschiedenen Perspektiven anzusehen. Spielen Sie es einfach mal mit Ihren Mitarbeitenden durch: 

  1. Was ist das „Worst Case“-Szenario? Was wäre das Schlimmste, das geschehen könnte?
  2. Was wäre der wahrscheinlichste Fall?
  3. Was ist der beste, wünschenswerteste Fall, der eintreten könnte?

Mit dem klaren Benennen aller Chancen und Risiken werden auch positive Szenarien deutlich, die Ansatzpunkte für Verbesserungen sein können. Denn aus dem Wunschszenario kann die Frage resultieren: Was können wir in der aktuellen Lage tun, um ein bisschen näher an eine gute Lösung zu kommen?
 

Mikroziele setzen

Statt zu fragen, wo stehen wir in einem Jahr, planen Sie, was der erste Schritt auf dem Weg zum großen Ziel sein könnte? Setzen Sie sich gemeinsam „Mikroziele“, mit denen es gelingen kann, Schritt für Schritt aus der Krise gestärkt hervorzutreten.

Nutzen Sie regelmäßige wöchentliche Besprechungen, um den Stand der Mikroziele abzufragen und zu ermutigen, immer noch einen nächsten Schritt weiterzugehen. Fragen Sie zum Beispiel jedes Mal zum Start in die Runde:

  • Was haben wir in dieser Woche erreicht?
  • Was zeigt uns, dass wir die Zukunft meistern können?
  • Welche Erlebnisse im Arbeitsalltag geben uns Hoffnung?

Langfristige Perspektiven aufzeigen

Um Mitarbeitenden mit den Erkenntnissen und Instrumenten der Positiven Psychologie zu stärken, hat sich zunehmend eine lebensphasenorientierte Vorgehensweise durchgesetzt. Dadurch begleiten Unternehmen ihre Mitarbeitenden entsprechend ihrer jeweiligen individuellen Lebenssituation so, dass sie sich selbst verwirklichen können. Perspektivisch gesehen ist es darüber hinaus sinnvoll zu fragen: Wo willst du in den nächsten zehn Jahren hin? Wie können wir daran mitwirken? Und wie lässt sich das mit unseren unternehmerischen Zielen vereinbaren?

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Broschüre Starke Unternehmen

Wie Ideen aus der Positiven Psychologie und anderen Konzepten der Gesunderhaltung von Beschäftigten in der Betrieblichen Gesundheitsförderung genutzt werden können, erläutert diese AOK-Broschüre. Sie stellt verschiedene Modelle der Ressourcenstärkung vor. 

Stand

Zuletzt aktualisiert: 04.11.2022

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