Chancen für Arbeitgeber durch Homeoffice
Für mehr als 80 Prozent der Befragten spielt laut einer Umfrage aus dem Jahr 2024 die Option im Homeoffice arbeiten zu können bei der Arbeitgeberwahl eine wichtige Rolle. In Zeiten des Fachkräftemangels verschaffen sich Unternehmen, die flexible Arbeitsmodelle anbieten, damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Das ist in den Unternehmen angekommen: Der Anteil an Stellen mit der Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten hat sich seit 2019 fast verfünffacht von 3,7 auf rund 18 Prozent.
Arbeitgeber profitieren maßgeblich, wenn Beschäftigte flexibel ihren Arbeitsort wählen können, weil die Zufriedenheit deutlich steigt. Eine Studie der Universität Darmstadt bestätigt: Als zufrieden mit ihrer Arbeit bezeichneten sich 81 Prozent der Befragten im Homeoffice gegenüber nur 57 Prozent im Büro. Gleiches gilt für die Produktivität: Die erlebten 76 Prozent im Homeoffice, im Büro nur 61 Prozent.
Herausforderungen: Das sollten Führungskräfte beachten
Bei allen Vorzügen stellt die Arbeit im Homeoffice Führungskräfte und Arbeitgeber auch vor Herausforderungen: Vertrauen wird wichtiger als Kontrolle und eine gute Kommunikation ist ein zentraler Hebel dafür. Wer Teams leitet, sollte umdenken: Klare Absprachen über die Tätigkeit und die Kernarbeitszeiten sowie die Gewährleistung von IT-Sicherheit und Datenschutz schaffen die Grundlagen. Daneben sollten sich Arbeitgeber mit der Ergonomie im Homeoffice befassen. Ist dies alles gewährleistet, geht es um die Zusammenarbeit, die ebenfalls neu gedacht werden sollte.
Warnsignale erkennen
Gerade beim Führen auf Distanz müssen Führungskräfte im besten Sinne wachsam sein, was Warnsignale bei Beschäftigten angeht. Da viele nur teilweise im Homeoffice tätig sind, sollten Führungskräfte auch Präsenztage nutzen, um in persönlichen Gesprächen Frustrationen oder Erschöpfung wahrzunehmen und Hilfsangebote zu platzieren.
Überlastung lässt sich vermeiden durch klare Absprachen, was die Erreichbarkeit und die Arbeitszeiten angeht. Ob in einem Videocall oder im Büro: Bleiben Sie am Ball, was die Ressourcenplanung betrifft, und stimmen Sie sich mit allen im Team regelmäßig ab. Kommunikation ist hier genauso wichtig wie Vertrauen: Artikulieren Sie klar, was Sie erwarten. Es geht nicht darum, wer wo arbeitet, sondern darum, wie gemeinsam gesteckte Ziele erreicht werden.
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Tipps für die digitale Teamkultur
Gesunde Führung im Homeoffice bedeutet vor allem: Nähe herstellen, Erwartungen klären und Unterstützung ermöglichen. Es empfiehlt sich, die digitale Teamkultur ganz bewusst zu gestalten und sich auf gemeinsame Regeln zu verständigen.
- Planen Sie für Online-Meetings ausreichend Zeit ein – für fachliche Inhalte und für den persönlichen Austausch.
- Zeigen Sie Interesse an den unterschiedlichen Arbeits- und Lebenssituationen Ihrer Beschäftigten.
- Setzen Sie klare Aufgaben und Ziele: Manche Menschen haben vielleicht das Gefühl, Arbeit im Homeoffice habe etwas Unverbindliches. Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte regelmäßig Einblick in den Fortschritt der Arbeit erhalten und Benchmarks setzen.
Best Practices für virtuelle Meetings
- Die Verwendung der Kamera stärkt die Verbindlichkeit, erleichtert nonverbale Kommunikation und erhöht die Meetingdisziplin.
- Klare Agenda, feste Zeitfenster für Aufgaben und kurze Entscheidungsrunden fördern Struktur.
Soziale Räume schaffen
Da der spontane Austausch im Büro entfällt, helfen bewusst eingerichtete virtuelle Begegnungen:
- regelmäßige virtuelle Kaffeepausen oder Lunch-Meetings
- Team-Challenges (zum Beispiel Schritte, Bewegung, Quiz)
- informelle Kommunikationskanäle für Empfehlungen, Alltagsaustausch oder Erfolge
Mitarbeitende einbeziehen
Beziehen Sie Beschäftigte aktiv in die Gestaltung des Remote-Arbeitsalltags ein. Unterschiedliche Wohnsituationen, Betreuungspflichten oder Arbeitsweisen brauchen flexible Lösungen. Feedbackschleifen und kurze Umfragen unterstützen eine gesundheitsorientierte Anpassung der Zusammenarbeit.
Wertschätzendes Onboarding auf Distanz
Besonders im Homeoffice ist der Einstieg für neue Beschäftigte entscheidend für Bindung und Wohlbefinden. Umfragen zeigen: Jeder Sechste kündigt noch in der Probezeit – oft aufgrund mangelnder sozialer Einbindung. Ein durchdachtes digitales Onboarding ist nicht nur Ausdruck von Wertschätzung, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur psychischen Gesundheit und langfristigen Mitarbeiterbindung.
So gelingt wertschätzendes Onboarding auf Distanz:
- Preboarding:
Neue Mitarbeitende schon vor dem ersten Tag willkommen heißen, etwa durch virtuelle Vorstellungsgespräche, Einblicke ins Unternehmen und erste organisatorische Unterstützung. - Digitale Informationsmappe:
Bereitstellung zentraler Infos (Unternehmensporträt, Schulungsplan, Ansprechpartner, Zugänge). - Arbeitsmittel bereitstellen:
Technische Ausstattung und Zugänge frühzeitig einrichten. - Virtuelles Willkommen:
Begrüßungsmail an alle Mitarbeitenden und gemeinsames Online-Kennenlernen, idealerweise mit Beteiligung der Geschäftsführung. - Netzwerke aufbauen:
Neue Beschäftigte aktiv in andere Teams und Abteilungen einbinden, um Austausch und Verständnis zu fördern. - Mentoring etablieren:
Eine erfahrene Person als feste Ansprechperson zur Seite stellen für fachliche wie informelle Unterstützung. - Erwartungen und Feedback klären:
Regelmäßige Gespräche (wie wöchentliche Videocalls) schaffen Vertrauen und beugen Missverständnissen vor.
