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Was bedeutet Parasomnie?

Frau liegt erschrocken im Bett.

© iStock / PhotoVic

Lesezeit: 5 Minuten15.09.2022

Albträume, Einschlafzuckungen, Schlafwandeln: All diese Phänomene gehören zu den sogenannten Parasomnien. Fast jede oder jeder ist früher oder später im Leben von einer Parasomnie betroffen– doch ab wann sollte man ärztlichen Rat einholen?

Inhalte im Überblick

    Was ist eine Parasomnie?

    Der Begriff „Parasomnie“ bezeichnet verschiedene unerwünschte Verhaltensweisen, die während des Schlafes oder des Schlaf-Wach-Übergangs auftreten. Bei einem Großteil der Fälle beeinträchtigen Parasomnien als solche weder die Qualität des Schlafes noch die Erholsamkeit. Manchmal führt eine Parasomnie zum Verlassen des Bettes oder zum Erwachen, wodurch auch der Gesamtschlaf gestört werden kann. Treten Parasomnien einmal oder sogar mehrmals wöchentlich auf und verursachen beeinträchtigende Belastungen, spricht man von einer Albtraumstörung. Vor allem im Kindesalter sind Parasomnien weitverbreitet; nach der Pubertät treten sie normalerweise nur noch selten auf.

    Es kann vorkommen, dass Erkrankungen, Medikamente oder Substanzen (wie etwa Drogen oder Alkohol) Parasomnien auslösen.

    Abhängig von dem Schlafstadium, in dem die Parasomnien auftreten, werden sie in drei Kategorien geteilt:

    • REM-Schlaf-Parasomnien
    • Non-REM-Schlaf-Parasomnien
    • andere Parasomnien

    Was ist REM-Schlaf?

    REM steht für „rapid eye movement“ (auf Deutsch: rasche Augenbewegungen).

    Die REM-Schlafphase ist die letzte Phase eines Schlafzyklus und tritt bei Erwachsenen etwa 90 Minuten nach dem Einschlafen zum ersten Mal ein. Die Augen bewegen sich hinter geschlossenen Lidern schnell hin und her und es kommt zu hoher Aktivität des Gehirns. Die Atmung wird schneller, Herzfrequenz und Blutdruck steigen. Träume können in beiden Schlafphasen vorkommen, aber in der REM-Phase sind sie in der Regel intensivsten.

    REM-Schlaf-Parasomnien

    REM-Schlaf-Verhaltensstörung

    Die am besten untersuchte REM-Schlaf-Parasomnie ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD). Normalerweise setzt während der REM-Schlafphase eine Art Lähmung in der Muskulatur ein, damit die geträumten Bewegungen nicht tatsächlich ausgeführt werden. Bei Personen mit RBD funktioniert dieser Mechanismus nicht richtig, weshalb sie ihre Träume im wahrsten Sinne des Wortes verwirklichen und sich mit den Traumbildern bewegen. Das kann in manchen Fällen zu Fremd- oder Eigenverletzungen führen. Betroffene können sich meist an ihre Träume erinnern und berichten vermehrt über einen starken gewalttätigen Inhalt.

    Folgende Verhaltensweisen können bei Personen mit RBD auftreten:

    • Glieder- und Körperzuckungen
    • Schläge und Tritte
    • Reden, Schreien, Fluchen
    • Springen aus dem Bett
    • Rennen gegen Wände oder Möbel
    • Schlagen und Würgen des Bettpartners oder der Bettpartnerin

    Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung tritt hauptsächlich bei Männern ab dem 50. Lebensjahr, insgesamt jedoch sehr selten auf. Liegen Anzeichen für die Störung vor, sollten sich Betroffene einer Untersuchung in einem schlafmedizinischen Zentrum unterziehen. Dem aktuellen Stand der Forschung zufolge kann die Störung Hinweis darauf sein, dass eine schwere neurodegenerative Erkrankung wie zum Beispiel Parkinson entsteht.

    Mann sitzt nachts aufrecht im Bett und hält seine linke Hand auf der Brust.
    Beeinträchtigen nachts auftretende Parasomnien den Alltag, kann es hilfreich sein einen Facharzt oder eine Fachärztin aufzusuchen.

    © iStock / Motortion

    Albtraumstörung und Schlafparalyse

    Auch die sogenannte Albtraumstörung gehört zu den REM-Schlaf-Parasomnien. Albträume sind sehr weit verbreitet und nahezu jeder hat sie schon erlebt; oft sind sie von Gefühlen wie Angst oder Ekel geprägt. Manchmal sind Albträume so intensiv, dass Betroffene durch sie aus dem Schlaf gerissen werden. Schlechte Träume sind nicht zwangsläufig besorgniserregend. Treten sie aber einmal oder sogar mehrmals wöchentlich auf und verursachen beeinträchtigende Belastungen, spricht man von einer Albtraumstörung. Betroffene haben dann beispielsweise Angst einzuschlafen, eine schlechte Schlafqualität oder leiden auch noch tagsüber unter dem Geträumten.

    Bei der Schlafparalyse dauert die Lähmung, die während des REM-Schlafs einsetzt, bis in den Wachzustand an. Betroffene sind dann beim Einschlafen oder Aufwachen bei vollem Bewusstsein für wenige Sekunden bis einige Minuten lang unfähig, sich willkürlich zu bewegen.

    Non-REM-Schlaf-Parasomnien

    Non-REM-Schlaf-Parasomnien werden auch als Aufwachstörungen bezeichnet. Im Gegensatz zu REM-Schlaf-Parasomnien ist bei den Aufwachstörungen das Gehirn noch nicht vollständig aktiv. Betroffene führen demnach Bewegungen und Handlungen aus, ohne ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen. Sie haben die Augen geöffnet, sehen, wo sie hinlaufen, und auch Personen, erkennen diese aber nicht und erinnern sich in der Regel auch nicht an ihre nächtlichen Aktivitäten.

    Nachtschreck (Pavor nocturnus)

    Bei dem sogenannten Nachtschreck (auch „sleep terror“ genannt) schrecken Betroffene plötzlich mit lautem Schreien aus dem Tiefschlaf auf. Sie wirken dabei äußerst verängstigt und haben die Augen weit aufgerissen. Üblicherweise wird die Atmung schneller, die Pupillen weiten sich, Schweiß bricht aus. Obwohl Menschen in diesem Augenblick wach aussehen, reagieren sie typischerweise nicht auf Umweltreize. Stattdessen sind sie meist desorientiert oder verwirrt und schlafen nach etwa 30 Sekunden bis 3 Minuten wieder ein. In manchen Fällen verlassen sie ruckartig das Bett, laufen im Zimmer umher oder hinaus auf die Straße. Werden die Betroffene dann beruhigt und wieder ins Bett gebracht, schlafen sie in der Regel weiter. Nachtschreck tritt meist bei Kindern auf, bei Erwachsenen ist die Störung eher selten.

    Schlafwandeln und Schlaftrunkenheit

    Menschen, die schlafwandeln, verlassen mitten in der Nacht das Bett und führen verschiedene Aktivitäten aus, ohne dabei tatsächlich aus dem Schlaf zu erwachen. Meistens laufen sie in der Wohnung umher und tun ganz Alltägliches, wie etwa Sachen hin- und herräumen. Da Betroffene in diesen Momenten Situationen nicht rational einschätzen können, kann Schlafwandeln zu Verletzungen führen – etwa wenn in der Dunkelheit Gefahren übersehen werden oder Schlafwandelnde hinaus auf die Straße gehen. Es ist für Betroffene ratsam, in der Schlafumgebung für entsprechende Sicherheit zu sorgen, indem zum Beispiel Türen und Fenster abgeschlossen und Stolperfallen beseitigt werden.

    Über die Schlaftrunkenheit ist bis dato sehr wenig bekannt. Ähnlich wie auch beim Schlafwandeln sind betroffene Personen nur unvollständig erwacht, meist verwirrt und desorientiert, allerdings verlassen sie hierbei nicht das Bett. Stattdessen überhören sie zum Beispiel den Wecker oder schalten ihn aus, ohne dabei wirklich aufzuwachen.

    Andere Parasomnien

    Neben den drei REM-Schlaf- und den drei Non-REM-Schlaf-Parasomnien gibt es weitere Schlafstörungen, die jedoch keinem der Schlafstadien eindeutig zugeordnet werden können. Dazu zählen:

    • Bettnässen
    • schlafbezogene Essstörungen
    • nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus)
    • rhythmische Bewegungsstörungen
    • Einschlafzuckungen
    • Sprechen im Schlaf

    Behandlung: Was hilft gegen Parasomnien?

    Parasomnien sind weit verbreitet und oft ist nicht unbedingt eine Behandlung erforderlich. Ausschlaggebend ist immer, inwieweit für Betroffene Belastungen entstehen und wie beeinträchtigend diese sind. Leiden Menschen beispielsweise häufiger als einmal pro Woche unter Albträumen oder Schlafparalyse und haben dadurch Angst vor dem Einschlafen, sind Maßnahmen ratsam. Gleiches gilt für Personen, die durch Nachtschrecke oder Schlafwandeln sich selbst oder andere in Gefahr bringen.

    Im Hinblick auf eine Behandlung gilt es zunächst, einige negative Faktoren auszuräumen. Zum einen ist es wichtig, auf gesunde Schlafgewohnheiten zu achten sowie Stress zu vermeiden. Außerdem sollten Medikamente, die den Schlaf beeinträchtigen oder Parasomnien auslösen könnten, nach Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin reduziert oder wenn möglich sogar abgesetzt werden. Oft sind diese Maßnahmen bereits sehr hilfreich. Bleiben sie erfolglos, ist eine weitere Abklärung empfehlenswert. Diagnostik und Behandlung laufen dann in der Regel folgendermaßen ab:

    1. In einem ärztlichen Gespräch, in das auch der Bettpartner oder die Bettpartnerin miteinbezogen werden, analysiert der Arzt oder die Ärztin die auftretenden Verhaltensmuster. Es wird zum Beispiel geklärt, zu welcher Zeit die Symptome auftreten, ob sich der oder die Betroffene an Träume erinnert und ob es in der Kindheits- beziehungsweise Familiengeschichte Fälle von Parasomnien gibt. Eine (neurologische) Untersuchung kann zudem andere Ursachen und primäre Schlafstörungen wie beispielsweise Narkolepsie ausschließen.
    2. In der Folge kann der Arzt oder die Ärztin Betroffene an einen Schlafspezialisten oder in ein schlafmedizinisches Zentrum überweisen. Eine umfassende Beobachtung des Schlafes in Kombination mit einer Schlafuntersuchung mit Videoaufzeichnung kann abklären, in welcher Schlafphase das Verhalten auftritt. So kann eine eindeutige Diagnose gestellt werden.
    3. Abhängig von der Diagnose gibt es verschiedene Möglichkeiten, Parasomnien zu behandeln. Diese reichen von Psychotherapien bis hin zu Arzneimitteln.

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