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Karies bei Kindern: Besser vorbeugen statt bohren

Ein Junge mit Zahnlücke zeigt seine Zähne und eine Zahnbürste.

© iStock / CaseyHillPhoto

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 07.01.2022

Karies bei Kindern muss nicht sein. Mit der richtigen Zahnpflege schon im Säuglingsalter lässt sich beim Nachwuchs die Wahrscheinlichkeit, an Karies zu erkranken, deutlich reduzieren. Fluorid spielt dabei eine wichtige Rolle.

Inhalte im Überblick

    Wie und warum entsteht Karies?

    Karies entsteht, wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen, die zum Verfall der harten Zahnsubstanz führen. Dazu gehören Kohlenhydrate, sehr süße, klebrige Nahrung sowie Säuren und Kariesbakterien. Mit etwas Zeit entsteht aus der Mischung ein Zahnbelag, in welchem die Bakterien bei der Verdauung von Zucker Säuren bilden. Die Säuren wiederum lösen die Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz. Ist der Schmelz porös geworden, können Mikroorganismen in den Zahn eindringen und ihn von innen heraus zerstören.

    Normalerweise kann der Speichel den Zahnschmelz in essfreien Zeiten wieder „reparieren“. Wiederholt sich durch den häufigen Verzehr von zuckerhaltigen Zwischenmahlzeiten oder Getränken der Säureangriff auf die Zähne jedoch zu oft, bleibt für deren natürliche Remineralisation durch den Speichel nicht genügend Zeit: Das Gleichgewicht zwischen Entkalkung und „Reparatur“ verschiebt sich zugunsten der Entkalkung. Karies entsteht.

    Wie entsteht Karies speziell bei Kindern?

    Die kariesauslösenden Bakterien sind nicht von Geburt an in der Mundhöhle vorhanden, sondern werden übertragen – meist von der Mutter. Der wichtigste Vertreter der Kariesbakterien ist der sogenannte Streptococcus mutans. Karies ist also im Grunde eine Infektionskrankheit, die die Zähne angreift.

    Das Ungleichgewicht zwischen Entkalkung und Reparatur des Zahnschmelzes entsteht auch bei Kindern – dafür sind vor allem zuckerhaltige Getränke aus der Saugflasche verantwortlich. Durch das ständige Nuckeln am Fläschchen werden die Zähne der Kleinkinder dauerhaft mit Zucker umspült.

    Was hilft gegen Karies bei Kindern?

    Während über die vergangenen drei Jahrzehnte die Karieswerte bei Jugendlichen in Deutschland um 90 Prozent reduziert werden konnten, ist die frühkindliche Karies in Deutschland noch immer ein Problem. So zeigt eine Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. (DAJ), dass jedes zehnte dreijährige Kind ein behandlungsbedürftiges Gebiss hat.

    Eine effektive Vorbeugung der Karies bei Kindern ruht auf mehreren Säulen:

    Gerade bei Kindern ist die Kariesprävention wichtig: Bleiben die Milchzähne kariesfrei, ist auch das Kariesrisiko bei den bleibenden Zähnen geringer.

    Karies in den Milchzähnen mit Fluoriden, Vitamin D und Zähneputzen vorbeugen

    Seit Frühjahr 2021 gibt es die neuen Empfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Diese beinhalten erstmals einheitliche Empfehlungen aller relevanten Fachgesellschaften und -organisationen zur Anwendung von Fluorid (und Vitamin D), um Karies in dieser Altersgruppe vorzubeugen.

    Was gilt es bei der Gabe von Fluorid und Vitamin D zu beachten?

    Die neuen Empfehlungen sehen vor, dass Eltern ihrem Baby ab der zweiten Lebenswoche täglich eine Tablette mit Vitamin D und Fluorid geben.

    Sobald die ersten Zähne da sind, haben Eltern zwei Möglichkeiten bei der Fluorid-Anwendung. Lassen Sie sich bei der Entscheidung von Ihrem Kinder- oder Zahnarzt beraten.

    • Möglichkeit 1 – Fluorid in Tablettenform: Geben Sie Ihrem Kind täglich eine Tablette, die Vitamin D und Fluorid enthält. Beginnen Sie mit dem ersten Zähneputzen jedoch zunächst ohne Zahnpasta oder nur mit einer fluoridfreien Zahnpasta.
    • Möglichkeit 2 – Fluoridhaltige Zahnpasta: Geben Sie Ihrem Baby bis zum zweiten erlebten Frühsommer täglich eine Tablette nur mit Vitamin D und nutzen Sie beim Zähneputzen eine Zahnpasta mit 1000 ppm (parts per million) Fluorid. Die Menge sollte nicht größer als ein Reiskorn sein.

    Wie schützen Fluorid und Vitamin D vor Karies?

    Fluorid wirkt über verschiedene Wege kariesvorbeugend:

    • Es wird in den Zahnschmelz eingebaut, sodass der Zahn widerstandsfähiger ist.
    • Fluorid hilft, Mineralstoffe aus dem Speichel in den Zahnschmelz einzubauen und ihn so zu härten.
    • Fluorid wird auf der Zahnoberfläche gespeichert und freigesetzt, wenn die Säuren der Kariesbakterien den Zahnschmelz angreifen.
    • Fluorid ist in der Lage, auch die Kariesbakterien selbst zu hemmen.

    In der Zeit der Zahnentwicklung wirken Fluoride sozusagen von „innen“. Sie gelangen über die Blutbahn zu den Zahnkeimen und werden in den unreifen Zahnschmelz eingelagert.

    Vitamin D ist am Kalzium- und Phosphatstoffwechsel des Körpers beteiligt. Da diese beiden Mineralstoffe für den Aufbau von gesunden und starken Zähnen wichtig sind, ist auch ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel zur Vorbeugung von Karies von Bedeutung.

    Tipps zum ersten Zähneputzen mit Kindern

    Mit dem Durchbrechen des ersten Milchzahns wird das Kind dann allmählich an das regelmäßige Zähneputzen bis zu zweimal täglich herangeführt. Es ist wichtig, das Kind behutsam und spielerisch an die Zahnbürste und das Zähneputzen zu gewöhnen. Säuglinge erkunden Gegenstände mit Mund, Zunge und Lippen. Dieses Verhalten, das in der Mitte des ersten Lebensjahres besonders stark ausgeprägt ist, kann Eltern dabei unterstützen. Zusätzlich können ein Lied, ein lustiger Reim oder eine Geschichte das Kind zum Mitmachen animieren.

    Spätestens ab einem Alter von zwölf Monaten steht das zweimal tägliche Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta für alle Kinder an – zunächst mit einer reiskorngroßen Menge, ab einem Alter von 24 Monaten darf sie erbsengroß sein. Ergänzend kann ein drittes Zähneputzen in Kindergarten oder Kita erfolgen. Zum Putzen eignet sich eine Babyzahnbürste mit einem kleinen runden Bürstenkopf und weichen abgerundeten Borsten.

    Wichtig

    Bis Kinder gut schreiben können, ist es Aufgabe der Eltern, die Hauptputzarbeit zu leisten beziehungsweise nachzuputzen.

    Erst wenn die Schrift des Kindes rund und schön ist, ist die Motorik der Hand in der Regel ausgeprägt genug, um die Zähne wirklich sauber putzen zu können. Das ist im Alter von etwa acht Jahren der Fall.

    Ein Vater putzt die Zähne seines Babys.
    Spätestens ab einem Alter von zwölf Monaten ist das zweimal tägliche Zähneputzen auch für Kinder wichtig – als Eltern ist es Ihre Aufgabe, die Hauptarbeit zu leisten oder gründlich nachzuputzen.

    © iStock / Halfpoint

    Wie lässt sich eine Überdosierung von Fluorid vermeiden?

    So nimmt Ihr Kind nicht zu viel Fluorid zu sich:

    1. Geben Sie Ihrem Kind keine Fluorid-Tabletten, wenn Sie eine fluoridhaltige Zahnpasta zum Zähneputzen benutzen.
    2. Beim Zähneputzen ist es wichtig, auf eine korrekte Dosierung zu achten.

    Die bleibenden Zähne eines Kindes entwickeln sich in den ersten acht Lebensjahren. Wenn in dieser Zeit Fluorid regelmäßig in zu hohen Mengen aufgenommen wird, entsteht eine Zahnfluorose. Diese zeigt sich in Form von Flecken und Verfärbungen der bleibenden Zähne. Da Babys und Kleinkinder noch nicht in der Lage sind, die Zahnpasta auszuspucken, würden sie bei einer zu großen Menge an Zahnpasta zu viel Fluorid aufnehmen.

    Kariesprävention bei Kindern: Was ist bei der Ernährung zu beachten?

    Zu einem effektiven Schutz vor Karies bei Kindern gehören auch eine zahngesunde Ernährung und die konsequente Vermeidung von zuckerhaltigen Getränken in Säuglingsflaschen und von Dauernuckeln.

    Eher die Ausnahme bleiben sollten auch:

    • süße Zwischenmahlzeiten und salzige Snacks (Kekse, Chips)
    • weiche und klebrige Kinderprodukte (Fruchtriegel)
    • Fruchtpürees aus Tütchen zum Aussaugen (Quetschies)
    • Fertigprodukte mit Zucker (Babybrei, Soßen, Ketchup, Fruchtjoghurts)
    • zucker- und säurehaltige Getränke (Limonaden, Schorlen)

    Um Karies bei Kleinkindern zu verhindern, ist es besser, das Naschen auf einmal täglich zu beschränken, möglichst als Nachtisch. Anschließend sollten sie ein Glas Wasser trinken und die Zähne putzen. Da saure und süße Lebensmittel Kalzium und Phosphor aus dem Zahnschmelz lösen, der daraufhin weich wird, sollte mit dem Zähneputzen nach dem Verzehr allerdings eine halbe Stunde gewartet werden.

    Wichtig: Nicht nur Haushaltszucker schadet Kinderzähnen, sondern auch andere Süßungsmittel wie Honig, Sirup, Dicksaft oder Rohrzucker.

    Wann zum Zahnarzt, um Karies bei Kindern zu vermeiden?

    Je früher der erste Zahnarzttermin stattfindet, desto leichter gewöhnen sich Kinder daran. Dieser steht an, sobald sich der erste Zahn zeigt – am besten bei einem Arzt, der sich auf die Behandlung von Kindern spezialisiert hat.

    Vom sechsten bis zum neunten Lebensmonat steht die erste zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung an, vom zehnten bis 20. Lebensmonat die zweite und vom 21. bis 33. Lebensmonat die dritte.

    Wie wird Karies bei Kindern behandelt?

    Der Zahnschmelz der Milchzähne ist nur halb so dick wie bei den bleibenden Zähnen, besitzt einen geringeren Mineraliengehalt und ist somit anfälliger für Karies. Diese kann bei den Milchzähnen schneller bis zum Nerv wandern und dort zu eitrigen Infektionen führen. Deshalb ist es wichtig, kariöse Milchzähne zu behandeln:

    • Die Vorstufe von Karies sind Kreideflecken auf dem betroffenen Zahn. In diesem Stadium lässt sich durch das Auftragen von Fluoridlack die Karies oftmals noch stoppen.
    • Ist schon ein „Loch im Zahn“, müssen die befallenen Stellen allerdings mit dem Bohrer entfernt und anschließend gefüllt werden.
    • Ist bei kleinen Kindern bereits der Zahnnerv angegriffen und eine Wurzelbehandlung nötig, erfolgt diese besonders schonend. Der Zahnarzt entfernt nur den erkrankten Teil des Nervs. Danach wird der Zahn mit einer Milchzahnkrone versorgt, einer Art Überzug, der über den behandelten Zahn gestülpt wird. Kronen kommen auch zum Einsatz, wenn Milchbacken- oder -schneidezähne so stark zerstört sind, dass eine Füllung nicht mehr halten würde.

    Der Zahnarzt wird stets versuchen, die Milchzähne zu erhalten, da diese als Platzhalter für die folgenden Zähne eine wichtige Funktion einnehmen. Deswegen ist es so wichtig, Karies bei Kindern zu vermeiden.

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