Krebs
Schwangerschaft und Brustkrebs – Wichtiges im Überblick
Veröffentlicht am:16.01.2026
8 Minuten Lesedauer
Die Diagnose Brustkrebs ist ein schwerer Einschnitt. Neben Sorgen um die Gesundheit kommen oft Zukunftsängste hinzu. Für jüngere Frauen ist meist das Thema Kinderwunsch sehr wichtig. Welche Optionen es gibt und was bei der Behandlung zu beachten ist.

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Inhalte im Überblick
Ist eine Schwangerschaft bei Brustkrebs möglich?
Die gute Nachricht zuerst: Dank moderner Medizin können sich viele Frauen ihren Kinderwunsch auch nach einer Brustkrebserkrankung erfüllen. Voraussetzung ist jedoch eine sorgfältige Planung. Denn manche Behandlungen – wie eine Chemotherapie – können die Fruchtbarkeit dauerhaft beeinträchtigen. Andere Behandlungsformen, wie die Antihormontherapie, machen eine Schwangerschaft zu dieser Zeit fast unmöglich oder können dem ungeborenen Kind stark schaden. Daher ist eine Schwangerschaft während der Behandlung dringend zu vermeiden. Umso wichtiger ist es, dass sich Frauen mit Brustkrebs und Kinderwunsch so früh wie möglich mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt abstimmen und sich zu allen Möglichkeiten beraten lassen – um den besten Weg zu finden.
Wie Sie die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft steigern
Viele Frauen mit Brustkrebs erhalten eine Chemotherapie. Diese kann jedoch die Fruchtbarkeit dauerhaft beeinträchtigen, da sie nicht nur Tumorzellen angreift, sondern auch gesunde Zellen, unter anderem Eizellen, schädigt. Um die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft zu erhalten, stehen folgende Maßnahmen vor Therapiebeginn zur Verfügung:
- Im Rahmen einer sogenannten Kryokonservierung lassen sich Gewebe aus den Eierstöcken und/oder Eizellen entnehmen und einfrieren – entweder unbefruchtet oder künstlich befruchtet.
- Zudem gibt es spezielle Medikamente, die die Aktivität der Eierstöcke vorübergehend herunterfahren, um sie so vor möglichen Schäden durch eine Chemotherapie zu schützen. Die Medikamente kommen oft ergänzend zur Kryokonservierung zum Einsatz.
Ob eine beziehungsweise welche dieser Maßnahmen infrage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Alter der Patientin, der Art des Brusttumors und dem Therapieplan. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Sie dazu ausführlich beraten.
Gut zu wissen: Die AOK übernimmt die Kosten für eine Kryokonservierung bei Brustkrebspatientinnen unter 40 Jahren.
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Keine Schwangerschaft bei Behandlung von hormonabhängigem Brustkrebs
Beim sogenannten Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs wird das Tumorwachstum durch weibliche Geschlechtshormone gefördert. Nach der Akutbehandlung erhalten daher viele Frauen mit Brustkrebs eine sogenannte Antihormontherapie. Hierfür nehmen sie mindestens fünf und maximal zehn Jahre lang Tabletten ein. Die Medikamente hemmen die Produktion der Sexualhormone im Körper oder blockieren die Rezeptoren am Tumor. Dem Tumor fehlt dadurch die Wachstumsgrundlage, was die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall oder eine Ausbreitung verringert.
Auch wenn sich die Antihormontherapie über viele Jahre zieht und sich bei jüngeren Frauen vielleicht mit dem Wunsch zur Familienplanung überschneidet, ist von einer Schwangerschaft zu dieser Zeit dringend abzuraten. Durch die Therapie ist es unwahrscheinlich, dass es zu einer Schwangerschaft kommt. Tritt doch eine Schwangerschaft ein, können die Medikamente dem ungeborenen Kind erheblich schaden. Eine möglichst zuverlässige, hormonfreie Empfängnisverhütung – zum Beispiel mit einem Kondom – ist daher während der gesamten Behandlungszeit unverzichtbar. Am besten lassen Sie sich von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt dazu beraten, welche hormonfreie Verhütungsmethode für Sie am besten geeignet ist.
Antihormontherapie für eine Schwangerschaft unterbrechen?
Egal wie groß der Kinderwunsch ist – Sie sollten die Antihormontherapie nie eigenständig abbrechen. Sprechen Sie stattdessen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie sich Nachwuchs wünschen. Unter Umständen ist es möglich, die Antihormontherapie für einen geplanten Zeitraum zu unterbrechen. Empfohlen wird, dass Frauen in diesem Fall die Antihormontherapie mindestens 18 Monate lang einnehmen. Danach können sie eine Pause von maximal 24 Monaten machen, um in dieser Zeit schwanger zu werden. Aber: Die Unterbrechung der Therapie stellt ein Risiko dar. Durch die Pause kann es wahrscheinlicher werden, dass der Brustkrebs wiederkommt. Es ist daher wichtig, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt das individuelle Risiko sorgfältig abzuwägen. Erst dann sollte die Entscheidung für oder gegen eine Unterbrechung getroffen werden.
Wichtig: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie während der Antihormontherapie schwanger werden, ist gering – aber dennoch nicht unmöglich. Sie sollten daher während der gesamten Behandlungszeit unbedingt zusätzlich mit einer hormonfreien Variante verhüten, um eine ungeplante Schwangerschaft mit hohem Risiko für Fehlbildungen des Kindes zu verhindern. Werden Sie dennoch schwanger, sprechen Sie umgehend mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
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Das Online-Selbsthilfe-Programm richtet sich an Angehörige von krebskranken Menschen und bietet Hilfe bei der Bewältigung der Erkrankung und den Belastungen des Alltags.Disease Management Programme (DMP)
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Schwangerschaft nach Brustkrebs: Gibt es ein erhöhtes Risiko?
Nach erfolgreicher Brustkrebsbehandlung steht einem Kinderwunsch aus medizinischer Sicht nichts im Wege – auch bei hormonabhängigem Brustkrebs. Studien zeigen, dass eine Schwangerschaft das Rückfallrisiko nicht erhöht. Bei den meisten Behandlungsverfahren gibt es zudem keine „Wartezeiten“, die Frauen mit Kinderwunsch im Nachgang einhalten müssen. Im Falle einer Antihormontherapie kann es allerdings je nach Medikament abweichende Empfehlungen geben. Sie sollten daher die Angaben des Herstellers in der Packungsbeilage beachten und sich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abstimmen. Wurden vor der Behandlung Eierstockgewebe und Eizellen konserviert, kann nach der Therapie darauf zurückgegriffen werden. Am besten lassen Sie sich auch dazu individuell von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin beraten.
Tipp: Für Frauen, die sich nach dem Brustkrebs ein Kind wünschen, gilt wie für alle anderen: Wenn Sie sich gesund ernähren, regelmäßig bewegen, Stress vermeiden sowie auf Alkohol und auf Zigaretten verzichten, kann sich das günstig auf die Fruchtbarkeit auswirken. Auch Ihre allgemeine Gesundheit profitiert davon und das Krebsrückfallrisiko sinkt.
Hier erfahren Sie mehr
- Die Deutsche Krebshilfe bietet Informationen und Kontakt zu Krebsberatungsstellen und Selbsthilfegruppen.
- Die AOK unterstützt beim Kinderwunsch und bietet Informationen zur Kryokonservierung.
- In AOK-Curaplan Brustkrebs erhalten Sie Informationen, fachliche Unterstützung und Entscheidungshilfen zur Therapie und Kinderwunsch bei Brustkrebserkrankung.
- Im Ferti-Protekt-Netzwerk haben sich spezialisierte Zentren im deutschsprachigen Raum zusammengefunden, um Menschen zu beraten, wie sie nach überstandener Krebserkrankung ihren Kinderwunsch verwirklichen können.
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