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Scheidenkrebs: Wie macht sich ein Vaginalkarzinom bemerkbar?

Veröffentlicht am:20.01.2026

5 Minuten Lesedauer

Vaginalkrebs wird durch HPV-Infektionen begünstigt und ist selten. Blutungen, Schmerzen oder veränderter Ausfluss sind oft erste Hinweise. Nach der Diagnose können Frauen gezielt behandelt werden, etwa mit einer Operation und Strahlentherapie.

Eine nicht erkennbare Frau zeigt mit einem Stift auf ein Modell der weiblichen Geschlechtsorgane.

© iStock / megaflopp / KI-bearbeitet

Was ist Scheidenkrebs?

Die Vagina ist ein etwa sieben bis zehn Zentimeter langer Muskelschlauch, der die Gebärmutter mit dem äußeren Genital verbindet. Sie reicht vom Gebärmutterhals bis zur Vulva, also dem äußeren Genital und ist von einer Schleimhaut bedeckt. Die Vagina liegt hinter der Blase sowie Harnröhre und vor dem Enddarm. Primärer Scheidenkrebs gehört zu den seltenen Tumorarten – er nimmt nur etwa ein bis zwei Prozent aller Krebsfälle der weiblichen Geschlechtsorgane ein. Dabei handelt es sich um Tumore, die tatsächlich in der Vagina ihren Ursprung haben. Häufiger ist aber ein Einwachsen von Tumoren, die primär einen anderen Ursprung haben, wie zum Beispiel ein Tumor des Gebärmutterhalses, der Blase oder des Darms.

In Abhängigkeit von der Entstehung des Krebses unterscheidet man feingeweblich folgende Arten:

  • Die meisten Vaginalkarzinome, etwa 95 Prozent, sind sogenannte Plattenepithelkarzinome. Das heißt, sie entstehen aus Plattenepithe,, der obersten Schleimhautschicht. Die Tumore wachsen im Normalfall langsam.
  • Deutlich seltener entsteht das Vaginalkarzinom aus Drüsenzellen. Dann spricht man von einem Adenokarzinom. Das geschieht in etwa fünf Prozent der Krebsfälle.

Sehr selten geht der Tumor von Muskelzellen aus oder ist feingeweblich ein schwarzer Hautkrebs.

Vaginalkrebs ist nicht das gleiche wie Vulvakrebs

Sowohl Vaginalkrebs als auch Vulvakrebs bezieht sich auf die weiblichen Geschlechtsorgane. Mit dem Begriff Vaginalkrebs bezeichnen Mediziner und Medizinerinnen eine Erkrankung, die den inneren Muskelschlauch zwischen Gebärmutter und äußerem Genital, also die Vagina selbst, betrifft. Vulvakrebs dagegen tritt an den äußeren Geschlechtsorganen auf.

Welche Symptome verursacht Scheidenkrebs?

Vaginalkarzinome fallen häufig erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Frühe Symptome von Scheidenkrebs können ungewöhnliche Blutungen, zum Beispiel nach Geschlechtsverkehr, oder Ausfluss aus der Scheide sein, der teilweise streng riecht. Vor allem Frauen nach der Menopause sollten dann aufmerksam werden. Auch Schmerzen können auf ein Vaginalkarzinom hinweisen. In wenigen Fällen ist Scheidenkrebs tastbar, Frauen bemerken dann kleine Knoten in der Vagina. Im fortgeschrittenen Stadium berichten Betroffene über Unterleibschmerzen sowie Funktionsstörungen von Blase und Darm, wie häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Stuhlgang.

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Wie entsteht ein Vaginalkarzinom und wer ist besonders betroffen?

Meist spielen verschiedene Risikofaktoren zusammen und erhöhen die Erkrankungswahrscheinlichkeit. Viele dieser Risikofaktoren ähneln denen für Gebärmutterhalskrebs:

  • Infektion mit Humanem Papillomavirus (HPV), besonders mit Hochrisikotyp 16 oder 18
  • Lichen sclerosus, eine chronische Hautveränderung im Genitalbereich
  • vaginale intraepitheliale Neoplasien
  • häufig wechselnde Sexualpartner oder -partnerinnen
  • erster Geschlechtsverkehr in jungem Alter
  • Tabakkonsum

Doch in welchem Alter tritt Scheidenkrebs auf? Die Erkrankung betrifft deutlich häufiger Frauen im höheren Alter, mehr als die Hälfte der Krankheitsfälle wird bei Patientinnen über dem 70. Lebensjahr festgestellt. Nur etwa fünfzehn Prozent der Tumore entfallen auf deutlich jüngere Frauen zwischen dem 20. und 49. Lebensjahr.

Eine ältere Frau sieht auf den Bildschirm am Laptop und hält ein Telefon in der Hand.

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Bei Beschwerden, wie ungewöhnlichen Blutungen oder Schmerzen, sollten Frauen zeitnah einen Termin in der gynäkologischen Praxis vereinbaren.

So wird Scheidenkrebs diagnostiziert

Oft wird Scheidenkrebs zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt – etwa während der Vorsorgeuntersuchung mittels Spekulum. Um sicherzustellen, dass wirklich ein Vaginalkarzinom vorliegt und nicht Krebs aus dem Gebärmutterhals oder der Vulva, beurteilen Ärzte und Ärztinnen sorgfältig den Ursprung. Zur Diagnose von frühem Scheidenkrebs gehört ein Zellabstrich aus dem betroffenen Vaginalbereich. Dieser wird unter dem Mikroskop untersucht. Bei auffälligen Befunden ordnen Mediziner und Medizinerinnen oft eine Kolposkopie an, also eine vergrößerte Betrachtung der Schleimhaut, und entnehmen bei Bedarf eine Gewebeprobe (Biopsie), die feingeweblich untersucht wird. Hat sich die Diagnose eines Vaginalkarzinoms bestätigt, wird mit bildgebenden Verfahren das Ausmaß der Erkrankung bestimmt. Dazu gehören Ultraschall, Spiegelungen der Blase oder des Enddarms sowie bei fortgeschrittenen Tumoren Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder in seltenen Fällen die Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Das ist vor Beginn einer Therapie notwendig, um die Größe, Ausdehnung und mögliche Beteiligung benachbarter Organe zu klären.

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Wie gut ist Scheidenkrebs heilbar?

Die Behandlung von Scheidenkrebs richtet sich nach Größe, Lage und Ausbreitung des Tumors. Bei kleinen, auf die Schleimhaut begrenzten Tumoren reicht manchmal eine lokale Entfernung aus. Hat sich der Krebs ausgebreitet, ziehen Mediziner und Medizinerinnen angrenzende Organe wie Gebärmutter, Blase, Darm oder Lymphknoten in die Behandlung mit ein. Durch operative Eingriffe wird nicht nur der Tumor direkt entfernt, sondern sie sind auch sinnvoll, um Rückfälle zu verhindern oder Begleitprobleme wie Fisteln zu behandeln. Fortgeschrittene Tumore sprechen häufig auf eine Strahlentherapie an. Die Bestrahlung nehmen Ärzte und Ärztinnen von innen über die Scheide oder von außen über die Haut vor. Chemotherapien werden meist nur in fortgeschrittenen Stadien in Kombination mit einer Strahlentherapie eingesetzt. In Studien wird derzeit der Einsatz von Immuntherapien beim Vaginalkarzinom geprüft.

Die wichtigsten Therapieverfahren auf einen Blick:

  • Operation: Entfernung des Tumors. Bei größeren Operationen werden nötigenfalls auch Teile der Scheide, die Gebärmutter, Harnblase oder Lymphknoten entfernt.
  • Strahlentherapie: Gezielte Bestrahlung, individuell angepasst an Tumorgröße und -lage.
  • Kombinationstherapie (Radiochemotherapie): Strahlung zusammen mit Chemotherapie für größere oder fortgeschrittene Tumore – sie stellt hier die Standardtherapie dar.

Ärzte und Ärztinnen besprechen gemeinsam mit den Patientinnen die verschiedenen Behandlungsoptionen. Dabei berücksichtigen sie auch Begleiterkrankungen, Lebensalter und individuelle Wünsche der Patientinnen, zum Beispiel bezüglich Fruchtbarkeit oder einer späteren Rekonstruktion der Vagina.

So können Sie Vaginalkrebs in gewissem Umfang vorbeugen

Wenn Sie Ihre persönlichen Risikofaktoren für Scheidenkrebs gering halten, können Sie einem Vaginalkarzinom in begrenztem Rahmen vorbeugen. Rauchen Sie nicht und nutzen Sie bei wechselnden Geschlechtspartnern oder Geschlechtspartnerinnen ein Kondom, um die Wahrscheinlichkeit für eine HPV-Infektion zu reduzieren. Doch Achtung: Auch mit Kondom können HP-Viren übertragen werden. Mit einer HPV-Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr sind Mädchen wirksam vor vielen HP-Viren geschützt. Die AOK übernimmt die Kosten für die Impfung bei 9- bis 14-jährigen Mädchen und Jungen sowie für die Nachholimpfung bis zur Vollendung des 17. Lebensjahres. Nehmen Sie außerdem die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen in der gynäkologischen Praxis wahr – so können Auffälligkeiten frühzeitig entdeckt werden. Auf jeden Fall aber gilt: Bei ungewöhnlichen Blutungen, Schmerzen oder Ausfluss stellen Sie sich bei Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen vor.

Fachlich geprüft
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