Gehirn & Nerven
Schach: Wie das Brettspiel dem Gedächtnistraining dient
Zunächst wirkt Schach nur wie ein ruhiges Brettspiel. Tatsächlich fordert es das Gehirn aber auf vielen Ebenen: Wer Schach spielt, muss sich konzentrieren, Züge vorausplanen und sich an Strategien erinnern. Wie das Spiel unser Denken fordert.

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Hat Schach etwas mit Leistungsfähigkeit und der Intelligenz zu tun?
Schachspielende schneiden bei Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit im Durchschnitt besser ab als Menschen, die kein Schach spielen. Besonders deutlich ist der Zusammenhang mit der Fähigkeit, neue Probleme zu lösen (fluide Intelligenz), sowie mit der Fähigkeit, Informationen kurzfristig zu behalten und zu verarbeiten.
Auch die Spielstärke spielt eine Rolle: Je besser jemand Schach spielt, desto höher ist im Durchschnitt auch seine kognitive Leistungsfähigkeit.
Steigert Schach also den Intelligenzquotienten (IQ)? Dafür gibt es bislang keine aussagekräftigen Belege. Die Forschung kann nicht zeigen, dass Schachspielen generell intelligenter macht. Möglich ist vielmehr, dass Menschen mit einer höheren kognitiven Leistungsfähigkeit eher zum Schach finden und darin besonders gut werden.
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Welchen IQ braucht man für Schach?
Einen bestimmten Intelligenzquotienten (IQ) braucht man nicht, um Schach zu spielen. Eine Studie untersuchte 19 erwachsene Schachspieler und verglich sie mit 19 Menschen, die nicht regelmäßig Schach spielten. Beide Gruppen waren hinsichtlich Alter, Bildungsniveau und Rechts- beziehungsweise Linkshändigkeit vergleichbar.
Bei der sogenannten kristallisierten Intelligenz gab es keinen bedeutsamen Unterschied zwischen den Gruppen. Damit ist vor allem Wissen gemeint, das wir uns im Laufe des Lebens aneignen. Gemessen wurde es mit einem standardisierten Wissenstest.
Die Ergebnisse liefern damit keinen Hinweis darauf, dass Schachspielende grundsätzlich über mehr gespeichertes Wissen verfügen. Allerdings untersuchte die Studie nur eine kleine Gruppe von 38 Männern zwischen 39 und 69 Jahren. Die Ergebnisse können deshalb nicht auf alle Menschen, die Schach spielen übertragen werden.
Ist Schachspielen gut für das Gehirn?
Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie – einem bildgebenden Verfahren, mit dem man Vorgänge im Gehirn untersuchen kann – verglichen Forschende 18 professionelle Schachspielende mit 20 Anfängern und Anfängerinnen. Dabei zeigten die Profis eine größere Vielfalt und häufigere Wechsel in den Mustern der funktionellen Vernetzung ihrer Gehirnregionen. Die Studienbetreibenden sprechen von einer höheren „dynamischen Fluidität“.
Die Unterschiede könnten nach den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen mit der sogenannten Neuroplastizität zusammenhängen – also damit, dass sich das Gehirn durch Erlernen und Üben komplexer Fähigkeiten verändern kann. Was genau das für die geistige Leistungsfähigkeit bedeutet, bleibt allerdings offen.

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Kann man mit 60 noch Schach lernen?
Auch im höheren Alter können Menschen Schach lernen und ihr Gehirn fordern. In einer Untersuchung nahmen Menschen mit einem Durschnittalter von 83 Jahren 12 Wochen lang zweimal pro Woche an 60-minütigen Schacheinheiten teil. Nach dem Training konnten die Teilnehmenden in der Schachgruppe geistige Aufgaben besser lösen. Auch ihre Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit verbesserten sich.
Die Ergebnisse machen das Thema „Schach 50 plus“ interessant. Allerdings war die Studiengruppe sehr klein. Deshalb sehen die Forschenden darin vor allem einen vielversprechenden Ansatz und fordern weitere Studien mit größeren Gruppen. Dass Schach sich automatisch positiv auf die geistige Gesundheit im Alter auswirkt, ist damit also nicht belegt.
Profitiert schon das Gedächtnis kleiner Kinder vom Schachspielen?
Schon im Vorschulalter, also im Alter von fünf bis sechs Jahren, kann Schachspielen bestimmte Denkfähigkeiten fördern. Kinder mit Schachunterricht schnitten bei Aufgaben zum visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnis besser ab. Sie mussten sich dabei unter anderem Positionen und Anordnungen auf dem Spielbrett merken.
Beim Schachspielen kommt es darauf an, die Stellung der Figuren im Kopf zu behalten und mögliche Züge vorauszuplanen. Dadurch werden unter anderem das Arbeitsgedächtnis und die Fähigkeit gefordert, räumliche Informationen zu verarbeiten. Ob daraus auch Vorteile über das Schachbrett hinaus entstehen, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
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Was sind die wichtigsten Schach-Regeln?
Wer mit Schach anfangen möchte, muss zunächst einige Grundregeln kennen:
- Brett und Figuren: Das Schachbrett hat insgesamt 64 schwarze und weiße Felder. Die 16 Figuren beim Schach heißen beziehungsweise sind: Ein König, eine Dame, zwei Türme, zwei Läufer, zwei Springer und acht Bauern. Es gibt hiervon jeweils einen weißen und einen schwarzen Satz, also insgesamt 32 Figuren.
- Wer beginnt? Weiß zieht immer zuerst. Danach sind die Spielenden abwechselnd an der Reihe.
- Das Ziel: Gewonnen hat, wer den gegnerischen König so angreift, dass dieser den Angriff nicht mehr abwehren kann. Das nennt man Schachmatt.
- Schach: Steht der König unmittelbar unter Angriff, steht er „im Schach“. Der nächste Zug muss den Angriff abwehren.
- Besondere Spielzüge: Bei der Rochade werden König und Turm gleichzeitig bewegt. Der sogenannte En-passant-Schlag ist ein besonderer Bauernzug. Er ist nur unmittelbar nach einem bestimmten Doppelzug eines gegnerischen Bauern möglich.
- Remis: Eine Partie endet unter anderem unentschieden, wenn keine Seite mehr schachmatt setzen kann. Auch ein Patt, bei dem die am Zug befindliche Person keinen erlaubten Zug mehr ausführen kann, obwohl ihr König nicht im Schach steht, führt zum Remis.
Wer diese Grundregeln kennt und sich mit der Anfangsstellung und den Zugregeln vertraut macht, kann bereits mit den ersten Partien beginnen. Was der beste erste Zug beim Schach ist, kann übrigens niemand vorhersagen – entscheidend ist, welche Stellung sich entwickelt. Interessierte können sich beim Deutschen Schachbund e.V. genauer über die Schachregeln informieren.
Kann man sich Schach selbst beibringen?
Wenn Sie Schach lernen möchten, können Sie sich die Grundlagen auch selbst aneignen. Spielen Sie regelmäßig eigene Partien und nutzen Sie Lernbücher, Online-Kurse oder Videos, um Eröffnungen, Taktik und Endspiele Schritt für Schritt zu üben.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Sala, G., & Gobet, F. (2017): Does Far Transfer Exist? Negative Evidence From Chess, Music, and Working Memory Training. Current Directions in Psychological Science, 26(6), 515-520.
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N. Cibeira, L. Lorenzo-López, A. Maseda, J. Blanco-Fandiño, R. López-López, J. C. Millán-Calenti: Effectiveness of a chess-training program for improving cognition, mood, and quality of life in older adults: A pilot study. Geriatric Nursing, Volume 42, Issue 4, 2021, Pages 894-900, ISSN 0197-4572.
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