Schwangerschaft
Kinderwunsch: Wenn es nicht gleich mit dem Baby klappt
Veröffentlicht am:23.05.2022
aktualisiert am 29.06.2026
14 Minuten Lesedauer
Für viele junge Paare steht fest: Sie wollen irgendwann einmal Kinder haben. Nur wann, ist unklar. Sie sind dann oft verunsichert, wenn es nach der Entscheidung nicht gleich klappt. Hier finden Sie Tipps zur Erfüllung Ihres Kinderwunschs.

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Inhalte im Überblick
Kinderwunsch: Wann kann eine Frau schwanger werden?
Für eine Schwangerschaft ist es notwendig, dass eine befruchtungsfähige Samenzelle auf eine empfängnisbereite Eizelle trifft. Doch das geht nicht zu jeder Zeit. Wer schwanger werden will, sollte zunächst den weiblichen Zyklus kennen – denn dieser bestimmt, wann genau eine Frau schwanger werden kann.
Während der Reifungsphase wird in den Eierstöcken das Wachstum von 20 bis 25 Follikeln angeregt. Beim Eisprung wird in der Regel eine Eizelle aus dem Eierstock freigesetzt und gelangt in den Eileiter. Manchmal sind es aber auch zwei oder mehr. Danach kann die Eizelle circa 24 Stunden lang befruchtet werden.
Spermien können ungefähr zwei bis fünf Tage im Körper der Frau überleben und dort sozusagen schon auf die Eizelle im Eileiter warten. Somit liegt der optimale Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr ungefähr zwei Tage vor bis ein Tag nach dem Eisprung.
Faustregel für die fruchtbaren Tage
Bei einem 28-Tage-Zyklus findet der Eisprung etwa am 16. Zyklustag statt. Somit liegen die fruchtbaren Tage zwischen dem 9. und 18. Tag. Wenn ein Paar ein Kind bekommen möchte, sollte es also in diesem Zeitraum regelmäßig Sex ohne Verhütungsmittel haben. Etwa ein Drittel der Paare probiert es jedoch länger als ein Jahr, bis die Frau schwanger wird. Wartezeiten sind also durchaus normal und kein Grund zur Sorge.
Wie können sich Frauen mit Kinderwunsch vorbereiten?
Jede Frau hat einen individuellen Zyklus. Darum ist es hilfreich, wenn Sie die Anzeichen des Eisprungs kennen und die Signale Ihres Körpers deuten lernen. Während der fruchtbaren Tage ist der Muttermund weicher und leicht geöffnet. Der Zervixschleim – als Ausfluss aus der Vagina sichtbar – wird flüssiger, klarer und er lässt sich zwischen den Fingern zu langen Fäden ziehen. Frauen können außerdem ihre Basaltemperatur messen und auswerten.
Außerdem weiß man heute: Bestimmte Lebensweisen wirken sich negativ auf die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen aus. Darum ist es für Paare mit Kinderwunsch sinnvoll, auf einige Verhaltensweisen besonders zu achten:
Welche Rolle spielen Ernährung und Alkohol bei einem Kinderwunsch?
Frauen und auch Männer mit Kinderwunsch können ihre Ernährung und ihr Konsumverhalten hinterfragen und gegebenenfalls anpassen. So erhöhen sie möglicherweise ihre Chancen auf eine Schwangerschaft:
- Sorgen Sie für eine ausgewogene Ernährung.
- Es empfiehlt sich, dass Frauen schon während der Kinderplanung mit der Einnahme von Folsäure beginnen. Ihr Frauenarzt oder Ihre -ärztin kann Sie dazu beraten.
- Verzichten Sie beide auf Zigaretten. Nikotin verringert nachweislich die Durchblutung der Fortpflanzungsorgane und sorgt somit für geringe Chancen auf eine Schwangerschaft. Zudem ist Rauchen in der Schwangerschaft schädlich für das sich entwickelnde Kind.
- Der Konsum von Alkohol kann sich nicht nur auf die Fruchtbarkeit sowohl bei Frauen als auch bei Männern negativ auswirken. Während der Schwangerschaft ist Alkohol absolut tabu, denn er führt als Zellgift sehr leicht zu Schäden beim Kind.
Wie können Frauen mit Kinderwunsch auf ihre Gesundheit achten?
Paare können auch hinsichtlich ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit ein paar Stellschrauben drehen, damit sich die Chancen erhöhen:
- Sowohl starkes Über- als auch Untergewicht bei Frauen kann zu Zyklusstörungen führen und somit eine Schwangerschaft verhindern. Bei Männern kann starkes Übergewicht zu einer verminderten Samenqualität führen. Versuchen Sie, auf ein gesundes Körpergewicht zu achten.
- Stress kann sich negativ auf die sexuelle Lust und Fruchtbarkeit auswirken. Achten Sie darum auf Ihr Stresslevel und sorgen Sie regelmäßig für Entspannung.
- Vermeiden Sie als Frau schwere körperliche Arbeit und extremen Sport, da diese Belastungen den Hormonhaushalt beeinflussen können. Regelmäßiger, moderater Sport ist dagegen für beide förderlich.
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Wann sollte man bei Kinderwunsch zum Arzt oder zur Ärztin gehen?
Pro Monatszyklus wird bei Frauen zwischen 20 und 30 Jahren die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft auf circa 30 Prozent geschätzt. Doch bei manchen Paaren klappt es auch nach mehreren Monaten nicht mit einer Schwangerschaft, trotz Sex zum optimalen Zeitpunkt und einer gesunden Lebensweise. Für viele Paare stellt sich irgendwann die Frage: Wann ist es nicht mehr normal?
In welchem Alter sollten sich Frauen mit Kinderwunsch ärztlichen Rat holen?
Die Empfehlungen zu einer ärztlichen Beratung richten sich nach dem Alter der Frau. Mit steigendem Alter gehen die Eizellreserven zurück und eventuelle Fruchtbarkeitsbehandlungen haben bessere Chancen, je früher sie begonnen werden.
- Frauen, die jünger als 28 sind, können durchaus 1,5 Jahre warten, bis sie sich ärztliche Hilfe suchen.
- Frauen zwischen 28 und 32 Jahren wird nach etwa einem Jahr empfohlen, eine ärztliche Sprechstunde aufzusuchen.
- Über 32-jährigen Frauen wird geraten, bereits nach einem halben Jahr eine Ärztin oder einen Arzt zu konsultieren.
Wenn Ihnen medizinische Probleme bekannt sind oder Sie mehrere Fehlgeburten hatten, ist es ratsam, auch schon früher mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt zu sprechen.
Sollen sich auch Männer mit Kinderwunsch untersuchen lassen?
Der erste Ansprechpartner für Frauen ist die Frauenärztin oder der Frauenarzt. Männer können sich für die ersten Untersuchungen an einen Facharzt oder eine Fachärztin für Urologie oder Andrologie wenden. Grundsätzlich ist es wichtig, dass sich sowohl die Frau als auch der Mann untersuchen lassen – denn die Ursachen für das Ausbleiben einer Schwangerschaft können bei beiden Partnern liegen.

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Was sind die Ursachen für das Ausbleiben einer Schwangerschaft?
Wenn Paare sich auch nach entsprechender Wartezeit nicht über einen positiven Schwangerschaftstest freuen können, kann es biologische Ursachen geben: Drei bis vier von zehn Paare mit unerfülltem Kinderwunsch haben durch eine biologische Störung eines Partners Schwierigkeiten, ein Kind zu bekommen. Bei jedem fünften Paar haben sogar beide Partner eine verminderte Fruchtbarkeit. Die Gründe können vielfältig sein:
- Chlamydien-Infektion: der häufigste Grund für eine Fruchtbarkeitsstörung bei Männern und Frauen. Die Bakterien werden durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen und können die Fortpflanzungsorgane schädigen.
- Hormonelle Störungen: zum Beispiel aufgrund von Schilddrüsenerkrankungen, können ursächlich für einen unerfüllten Kinderwunsch sein.
- Erkrankungen, die die Fortpflanzungsorgane betreffen, können ebenfalls zu Fruchtbarkeitsstörungen führen, beispielsweise Endometriose bei der Frau oder ein Hodenhochstand beim Mann.
Bei 10 bis 15 Prozent der ungewünscht kinderlosen Paare kann jedoch keine konkrete biologische Ursache festgestellt werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei unerfülltem Kinderwunsch?
Bei Einschränkungen der Fruchtbarkeit gibt es vielfältige Behandlungsmöglichkeiten, die sich danach richten, welche individuellen Ursachen bei einem Paar vorliegen.
Sollte sich herausstellen, dass Sie nicht auf natürlichem Weg schwanger werden können, gibt es beispielsweise die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung. Dabei gibt es verschiedene Methoden. Welche Behandlung für Sie am sinnvollsten ist, bespricht Ihr Arzt oder Ihre Ärztin individuell mit Ihnen.
Welche Wege der künstlichen Befruchtung bei Kinderwunsch gibt es?
Eine Therapieoption in Deutschland ist die sogenannte Insemination. Dabei werden Samenzellen des Mannes über eine Spritze oder einen Katheter direkt in die Gebärmutter, den Gebärmutterhals oder in den Eileiter der Frau gegeben. Dies kann sowohl mit als auch ohne hormonelle Stimulation erfolgen.
Anders ist es bei der In-vitro-Fertilisation (IVF). Hier findet die Befruchtung zunächst außerhalb des Körpers der Frau statt, die befruchtete Eizelle wird dann in die Gebärmutter eingesetzt. Um genügend befruchtungsfähige Eizellen entnehmen zu können, wird vor der Entnahme eine hormonelle Stimulation vorgenommen. Die IVF ist mit dem Risiko teilweise schwerer Nebenwirkungen verbunden. Auch die Fehlbildungsrate beim Kind ist bei diesem Verfahren erhöht. Darum ist vorab eine Nutzen-Risiko-Abwägung gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin sehr wichtig.
Die AOK unterstützt Sie bei Kinderwunsch
Sie denken über eine künstliche Befruchtung nach? Die AOK hilft Ihnen bei Fragen weiter und unterstützt Sie auf dem Weg zur Erfüllung Ihres Kinderwunschs.
Was unterscheidet die ICSI von der IVF bei der Kinderwunschbehandlung?
Ärztinnen und Ärzte bringen bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) mehrere Eizellen der Frau mit einer gewissen Anzahl an Spermien im Labor zusammen. Die tatsächliche Befruchtung muss ohne zusätzliche Unterstützung ablaufen, um dann das befruchtete Ei in die Gebärmutter einpflanzen zu können.
Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion, kurz ICSI, wird ein einzelnes Spermium in eine Eizelle eingeführt. Das Ei wird im Idealfall also direkt befruchtet und kann kurz darauf in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden. Aus diesem Grund ist die ICSI auch die meistgenutzte Methode der künstlichen Befruchtung.
Können Eizellen bei Kinderwunsch eingefroren werden?
Keimzellen, also Ei- und Samenzellen sowie Keimzellgewebe aus dem Eierstock oder den Hoden lassen sich einfrieren. Die Eizellen können bereits befruchtet oder noch unbefruchtet sein. Paare können so eine künstliche Befruchtung zu einem späteren Zeitpunkt vornehmen lassen. Fachleute sprechen von einer Kryokonservierung.
Diese ist beispielsweise eine Möglichkeit für Frauen, die wegen einer Brustkrebserkrankung eine Chemotherapie oder eine Antihormontherapie machen müssen und sich ihren Kinderwunsch zum aktuellen Zeitpunkt nicht erfüllen können.
Wo finden ungewollt kinderlose Paare Hilfe?
Trotz aller Mühen und Behandlungsversuche kann es sein, dass eine Schwangerschaft ausbleibt. Dies kann eine große Belastung für das Paar darstellen. Bei psychosozialen Beratungsstellen können Sie Unterstützung finden und über weitere Möglichkeiten sprechen. Der Wunsch nach einem Kind kann zum Beispiel auch durch eine Adoption oder Aufnahme eines Pflegekindes erfüllt werden.
Paare erleben die Kinderlosigkeit teilweise sehr unterschiedlich. Selbsthilfegruppen können dabei helfen, die eigenen Erlebnisse und Gefühle zu verarbeiten.
Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über die Gefühle reden, die die Kinderlosigkeit bei Ihnen beiden auslöst. So können Sie sich gegenseitig stärken und einen gemeinsamen Weg für sich finden.
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