Eltern
Migräne bei Kindern: Was tun bei starken Kopfschmerzen?
Veröffentlicht am:27.09.2021
aktualisiert am 30.04.2026
5 Minuten Lesedauer
Migräne kann bereits in jungen Jahren auftreten. Kinder mit heftigen Kopfschmerzen benötigen dann vor allem verständnisvolle Eltern und eine durchdachte Behandlung.

© iStock / Mindful Media / KI-bearbeitet
Wie äußert sich Migräne bei Kindern?
Ein Migräneanfall beginnt meist mit plötzlich einsetzenden, heftigen Kopfschmerzen. Diese sind deutlich stärker als gewöhnliche Kopfschmerzen und gehen größtenteils mit weiteren Beschwerden einher. Manchmal kündigt sich eine Attacke auch schon vorher an, etwa durch eine gedrückte Stimmung, Übelkeit, fehlenden Appetit oder Müdigkeit.
„Migräne ist eine angeborene Erkrankung des Gehirns, die durch einen regelmäßig, zum Beispiel zweimal im Monat, auftretenden, sehr starken Kopfschmerz charakterisiert ist“, sagt Professor Dr. Boris Zernikow, Leiter des Deutschen Kinderschmerzzentrums in Datteln. „Ein Schmerz, der bei Bewegung schlimmer wird und den meist Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleiten. Manchmal kommen auch noch Übelkeit und Erbrechen dazu.“ Die Schmerzen beeinflussen den Alltag betroffener Kinder stark.
Etwa 5 bis 10 Prozent der 7- bis 15-Jährigen leiden an Migräne-Symptomen. Auch noch jüngere Kinder können betroffen sein. Migräne tritt familiär gehäuft auf. Viele betroffene Kinder und Jugendliche haben ein enges Familienmitglied, das ebenfalls unter Migräne leidet oder als Kind davon betroffen war.
Was ist eine Bauchmigräne?
Migräne äußert sich bei Kindern überwiegend in Form von Kopfschmerzen. Eine sehr seltene Form ist die Bauchmigräne (abdominelle Migräne). Diese äußert sich durch anfallsartige Bauchschmerzen im Nabelbereich und kann mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Blässe, Appetitlosigkeit oder Lichtscheu einhergehen.
Während einer Attacke müssen sich die Betroffenen meist hinlegen und können ihren Alltag nicht bewältigen. Eine Attacke kann zwischen einer Stunde und drei Tagen dauern, wobei zwischen den Anfällen oft Wochen bis Monate liegen.
Von Bauchmigräne sind vor allem Kinder unter zehn Jahren betroffen. Bei etwa der Hälfte der Kinder verschwindet sie im Teenageralter, bei der anderen Hälfte kann sie mit Kopfschmerzen einhergehen oder später in eine Kopfmigräne übergehen.
Die Auslöser der Bauchmigräne sind wissenschaftlich noch nicht geklärt. Als mögliche Faktoren gelten, wie bei der Kopfmigräne, Stress, Schlafmangel sowie Ernährungsgewohnheiten oder bestimmte Lebensmittel.
Wichtiger Hinweis: Bauchschmerzen sind bei Kindern häufig und haben vielfältige Ursachen. Eine Bauchmigräne ist nur selten der Grund. Bei wiederkehrenden oder starken Bauchschmerzen ist eine ärztliche Abklärung ratsam.
Was löst die Migräne aus?
Stress in der Schule oder mit Freundinnen und Freunden, zu viele Termine oder zu hohe Ansprüche an sich selbst können dazu führen, dass Migräneanfälle auftreten. Bei manchen Mädchen hängt die Migräne auch stark von der Zyklusphase ab.
Einen eindeutigen Auslöser haben die Kopfschmerz-Schübe jedoch selten. „Aber da wir Menschen immer nach Ursachen suchen, findet sich auch meist ein vermeintlich auslösendes Ereignis vor einer Migräneattacke, wie zum Beispiel das Essen von Schokolade am Vortag. Wissenschaftlich belegen lassen sich solche Zusammenhänge jedoch nicht“, sagt Boris Zernikow. Bei der Behandlung von Migräne geht es auch weniger darum, mögliche Auslöser zu vermeiden: „Wichtig ist ein kindgerechtes, gesundes, ausgewogenes, bewegungsreiches und glückliches Leben.“
Passende Artikel zum Thema
Wie lässt sich Kindermigräne lindern und behandeln?
Während der akuten Schmerzphasen ist vor allem ein Rückzugsort wichtig. „Ruhe in einem abgedunkelten Raum ist oft schon das beste Hausmittel gegen Migräne bei Kindern“, erläutert Professor Zernikow. Eine weitere Erkenntnis: „Migräne ist immer echt und niemand hat Schuld daran, dass er oder sie Migräne hat.“
Neben der Akutbehandlung ist eine langfristige Strategie wichtig. Ein geordneter Tagesablauf, ausreichend Nachtschlaf, gesundes Essen, regelmäßiger Sport und Entspannungsübungen können die Beschwerden lindern und Kindern helfen, besser mit der Migräne zu leben.
Wie unterstützt die Kinderärztin oder der Kinderarzt bei Migräne?
Idealerweise steuern die vertrauten Kinder- oder Jugendärzte die Behandlung von Kindern mit Migräne. Sie kennen das betroffene Kind und seine Familie am besten. „Ein Kinderarztbesuch zu viel ist besser als einer zu wenig. Das gilt für eine gute Diagnostik wie auch für eine wirksame Behandlung“, sagt Zernikow.
Ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem das Kind jede Episode protokolliert, unterstützt die Ärztin oder den Arzt dabei, individuelle Stressfaktoren zu erkennen. Das kann zum Beispiel eine Lese-Rechtschreib-Schwäche sein, ein ausufernder Medienkonsum oder eine Konfliktsituation in der Familie. Die Ärztin oder der Arzt bespricht dann mit Kind und Eltern geeignete Maßnahmen, um kindlichen Stress zu verringern und die seelische Widerstandskraft zu stärken.

© iStock / Imgorthand
Bei leichter Migräne steht eine Behandlung ohne Medikamente im Vordergrund. Neben Ruhe und Schlaf bringt vielen Betroffenen bereits regelmäßiger Sport Linderung. „Zudem helfen Entspannungsübungen wie die Muskelrelaxation nach Jacobson und Yoga den Kindern dabei, mit Migräne zu leben“, sagt der Mediziner.
Wenn leichte Therapieformen keine Wirkung zeigen oder die Beschwerden stärker sind, können Medikamente die Migräne-Therapie begleiten. Bleiben akute Schmerzen trotz Therapie bestehen, ist eine Überweisung an eine Expertin oder einen Experten für Kinderkopfschmerzen sinnvoll.
Passende Artikel zum Thema
Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen?
Die Eltern sind für eine erfolgreiche Behandlung jedoch genauso bedeutend. „Sie nehmen ihre Kinder oft sehr ernst, wenn diese über Kopfschmerzen klagen – und das ist richtig so“, sagt Zernikow.
Eltern können ihre Kinder beim Führen des Tagebuchs unterstützen. Wichtig ist auch, Kinder dazu anzuregen, sich um den eigenen Körper zu kümmern und Aktivitäten zu unternehmen, die ihnen guttun. „Sport treiben, Lust auf tolles, gesundes Essen und Spaß haben, das ist kindgerecht, das ist heilsam“, so der Mediziner.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.










