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Gesundheitsmagazin

Baby & Kleinkind

Sprechen lernen: Sprachentwicklung beim Baby

Veröffentlicht am:21.08.2020

3 Minuten Lesedauer

Anders als viele Eltern vermuten, beginnt die Sprachentwicklung von Kindern im Mutterleib. Im letzten Drittel der Schwangerschaft kann der Fötus bereits die Stimme seiner Mutter hören. Zu den Hintergründen und wie Eltern ihren Kindern am besten helfen können, ihre Sprache zu erlernen. 

Mutter liest ihrem Kind etwas vor.

© AOK

Inhalte im Überblick

    Sprachentwicklung im Mutterleib

    Gedämpft durch das Fruchtwasser in der Gebärmutter können Föten ab der 28. Schwangerschaftswoche bereits die Stimme ihrer Mutter wahrnehmen. Auch andere Geräusche der Mutter wie ihren Herzschlag können sie hören. Und sogar was sich in der Außenwelt abspielt, nehmen Föten akustisch auf, beispielsweise Gespräche, die die Mutter führt, oder das Klirren von Geschirr, das der Mutter vor ihren Füßen herunterfällt. Auch wenn solche Töne noch sehr leise und gedämpft erscheinen: Das Gehör ist zu diesem Zeitpunkt vollständig funktionsfähig.

    Und diese Entwicklung hat einen lebenswichtigen Sinn: Während der letzten Phase in der Schwangerschaft kann sich das Kind so bereits an die Stimme seiner Mutter gewöhnen. Ihre Stimme wird Neugeborenen dadurch am vertrautesten sein. Sucht das Baby später den Schutz und die Geborgenheit seiner Mutter, hilft ihm diese Gewöhnung bei der Orientierung.

    Beobachten, Nachahmen, Sprechen

    Mit etwa sechs Monaten murmeln die meisten Babys verschiedene Laute. Sie reihen Silben scheinbar wahllos aneinander. Verständliche Worte sprechen sie noch nicht, doch sie hören von nun an schon sehr genau zu. Auch wenn sie noch nicht genau verstehen, was gesagt wird.

    In dieser Phase der Sprachentwicklung lernen Babys durch Beobachtung. Sie betrachten etwa die Mundwinkel einer sprechenden Person. Und sie versuchen langsam, die Sprache der Erwachsenen nachzuahmen. Vor allem wenn die Eltern mit ihrem Baby spielen oder ihm aus einem Kinderbuch vorlesen, gewöhnt es sich ab dem sechsten Lebensmonat an die dabei wiederkehrenden Worte.

    Noch vor dem ersten Geburtstag können viele Kinder die ihnen vertrauten Namen mit der richtigen Person in Verbindung setzen. Sie verstehen auch schon einfache Aufforderungen wie „Sitzen bleiben“ oder „Mund abputzen“. Je nach Gewohnheit können sie auch bestimmte Worte wie Ball oder Puppe, Milch oder Schnuller mit den richtigen Gegenständen assoziieren.

    Ab wann sprechen Kinder verständliche Worte?

    Ungefähr ab dem ersten Lebensjahr beginnen Kinder, einzelne verständliche Worte zu sprechen. Die Sprachentwicklung kann jedoch unterschiedlich schnell verlaufen. Einige wenige Kinder können die ersten Worte schon mit zehn Monaten von sich geben. Andere benötigen dazu vielleicht doppelt bis dreifach so lange.

    Im zweiten Lebensjahr kennt ein Kind in der Regel die Bedeutung von rund 250 bis 300 Wörtern. Auch wenn es diese noch nicht alle richtig aussprechen kann. In diesem Alter nennt es auf Befragen seinen Vornamen, versteht Ge- und Verbote und stellt erste Fragen. Auch kann ein Kind sich nun schon die Antworten auf seine Fragen merken und verwendet bald eigenständig neue Wörter.

    Im Alter von etwa drei Jahren hat ein Kind schon einen passiven Wortschatz von mehr als 800 Wörtern.

    Wie schnell die Sprachentwicklung eines Kindes erfolgt, hängt von seiner ureigenen Individualität ab. Natürlich spielt auch die bewusste Sprachförderung durch Eltern und Familie eine Rolle.

    Was ist bei der Sprachentwicklung eines Kindes zu beachten?

    Grundsätzlich brauchen Kinder sich nicht mitzuteilen, wenn ihnen eine Situation eindeutig erscheint. Sie lernen im Alltag und beim Spielen schon früh, sich auch ohne Worte auszudrücken. Beispielsweise nehmen sie sich einfach ein Spielzeug, anstatt danach zu fragen.

    In ein solches Verhalten einzugreifen, wäre nur dann sinnvoll, wenn es sich nicht um das eigene Spielzeug des Kindes handelt oder eine besondere Situation eine Nachfrage erfordert, zum Beispiel bei Gefahr der Verletzung des Kindes.

    In der Regel eignen Kinder sich die Sprache aber selbstständig an. Sie lernen in ihrem eigenen Tempo. Der sogenannte „ungesteuerte Spracherwerb“ erfolgt aus ihrem persönlichen Alltag heraus. Aus dem also, was sie in ihrer Umgebung hören, sehen, fühlen und berühren. Kinder lernen Sprache vor allem auf natürliche Weise, ohne Druck oder Kontrolle, solange sie noch nicht in der Schule sind.

    Baby schreit bei Mutter auf dem Arm

    © AOK

    Wie Eltern die Sprachentwicklung ihrer Kinder fördern können

    Anfangs mag es einem noch leichtfallen, die Sprachentwicklung des Kindes zu fördern: Gemütlich auf der Couch sitzen und vorlesen oder durch bunte Bilderbücher blättern. Doch mit der Zeit lernt das Kind immer mehr dazu. Es bildet Assoziationen und stellt Fragen, die mitunter zugegebenermaßen auch einmal nerven können.

    Hier sind ein paar Empfehlungen, wie Sie Ihrem Kind bei der Sprachentwicklung helfen können und dabei selbst die Nerven bewahren:

    • Sprechen Sie mit Ihrem Kind

      Sprechen Sie von Anfang an und möglichst viel mit Ihrem Kind. Beschreiben Sie ihm zum Beispiel, was Sie machen, wenn Sie seine Windeln wechseln oder mit ihm spazieren gehen. Verwenden Sie möglichst einfache Worte.

    • Schwierige Begriffe erklären

      Falls Sie aus Gewohnheit dazu neigen, umständliche oder schwierige Begriffe zu verwenden: Erklären Sie Ihrem Kind anschließend noch einmal mit einfachen Worten, was Sie eigentlich meinen.

    • Neue Begriffe erlernen

      Bieten Sie Ihrem Kind viele neue Wörter an, indem Sie Gegenstände, Sachverhalte und Phänomene mit mehreren Eigenschaftswörtern beschreiben, z. B. „Kaffee ist heiß, schwarz und flüssig“, „Im Winter ist es draußen kalt, zum Frieren kalt, es fröstelt mich.“

    • Mit Bilderbüchern sprechen lernen

      Blättern Sie mit Ihrem Kind in Bilderbüchern und erklären Sie ihm, wie die einzelnen Personen, Tiere oder Gegenstände heißen.

    • Kinder ausreden lassen

      Lassen Sie Ihr Kind stets ausreden. Hören Sie ihm geduldig zu und versuchen Sie genau zu verstehen, was das Kind Ihnen mitteilen möchte.

    • Frage-Antwort-Spiele

      Führen Sie gelegentlich einfache Frage-Antwort-Spiele mit Ihrem Kind durch, z. B. „Wie macht die Kuh?“. Und liefern Sie ihm die Antwort, solange es noch ein neugieriges Interesse daran hat.

    • Fragen beantworten

      Wenn Ihr Kind beginnt, Fragen zu stellen: Beantworten Sie seine Fragen nach bestem Wissen und Gewissen. Auch wenn es Ihnen schon banal oder absurd erscheint.

    • Fragepausen sind erlaubt

      Wenn Sie sich von den vielen Fragen Ihres Kindes genervt fühlen: Sagen Sie Ihrem Kind, wie Sie empfinden und begründen Sie es. Und bieten Sie ihm an, seine Fragen zu einem späteren Zeitpunkt zu beantworten. Zum Beispiel: „Tut mir leid, ich bin erschöpft. Ich beantworte dir das, wenn wir zu Hause sind.“ Wichtig: Wenn Sie zu Hause sind, sollten Sie Ihre Antwort auch wirklich nachliefern!

    • Ehrliche Antworten

      Wenn Sie einmal keine Antwort auf die Frage Ihres Kindes haben: Sagen Sie ehrlich, wenn Sie etwas nicht wissen und geben Sie ihrem Kind das Gefühl, dass seine Frage nicht umsonst war. Zum Beispiel: „Das weiß ich leider auch nicht, doch wir könnten später einmal im Internet nachschauen oder jemanden fragen, der uns das erklären könnte.“

    • Lob verteilen

      Loben Sie Ihr Kind für seine Erfolge und seien Sie dabei auch einmal großzügig.

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