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Ist Daumennuckeln bei Kindern harmlos oder schädlich?

Ein kleines Kind nuckelt am Daumen.

© iStock / emholk

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 24.11.2021

Viele Babys und Kleinkinder saugen am Daumen, um sich selbst zu beruhigen. Saugen ist ein natürlicher Reflex, der sich mit zunehmendem Alter der Kinder zu einer störenden Angewohnheit entwickeln kann. Mit diesen Tipps gewöhnen Sie Ihrem Kind das Daumenlutschen ab.

Inhalte im Überblick

    Warum lutschen Kinder am Daumen?

    Das Saugen und Nuckeln ist ein wichtiger Instinkt von Babys. Sie werden mit einem Saugreflex geboren, damit sie sofort mit der Nahrungsaufnahme starten können. Doch viele Babys haben ein Saugbedürfnis, das auch über die Nahrungsaufnahme hinausgeht. Der Daumen bietet die Möglichkeit, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Er kann Kinder beruhigen, insbesondere, wenn sie für kurze Zeit von der Mutter getrennt sind.

    Dass der Daumen bei Babys und kleinen Kindern so beliebt ist, ist kein Wunder: Er ist klein, weich und beinahe „mundgerecht“. Noch dazu steht er ständig zur Verfügung, findet seinen Weg in den Mund und kann sich dort mit der Zunge im Fühlen austauschen. Das Entdecken mit Finger und Mund ist insbesondere bei Neugeborenen und Säuglingen ein völlig normaler Prozess, zu dem es eben auch gehört, den Finger in den Mund zu stecken. Problematisch kann es jedoch werden, wenn Kinder sich das Daumennuckeln zur Gewohnheit machen.

    Welche positiven oder negativen Folgen hat das Daumennuckeln?

    Einen positiven Effekt des Daumenlutschens scheint es im Hinblick auf Allergien zu geben. Neuseeländische Forscher haben herausgefunden, dass Kinder, die am Daumen lutschen oder an den Fingernägeln kauen, später seltener Hautreaktionen auf Allergene wie Gras, Wolle, Schimmelpilze oder Katzenhaare zeigen.

    Auf der anderen Seite kann das Dauernuckeln am Daumen Probleme mit sich bringen. Wenn Kinder mit Daumen oder Fingern regelmäßig kräftig gegen den Kiefer drücken, kann dieser sich verformen und Zahnfehlstellungen herbeiführen. Die Kiefermuskeln spielen nicht richtig zusammen, und es entstehen falsche Schluckmuster. Das kann sogar zu Problemen mit der Aussprache führen. Kinder, die dauerhaft am Daumen nuckeln, sind außerdem anfälliger für Erkältungen und Mittelohrentzündungen.

    Die Nachteile des Daumennuckelns überwiegen zunehmend, je älter die Kinder werden. Spätestens nach dem zweiten Lebensjahr ist das Lutschen am Daumen nur noch eine schädliche Angewohnheit.

    Lieber Schnuller oder Daumen?

    Viele Eltern stellen sich diese Frage. Experten empfehlen, eher den Schnuller zu geben, als das Kind am Daumen nuckeln zu lassen.

    Der Schnuller ist weicher und von der Form her kieferfreundlicher, sodass durch ihn das Risiko für Zahnfehlstellungen weniger hoch ist als durch das Dauernuckeln am Daumen. Ein Schnuller lässt sich außerdem leichter abgewöhnen als ein Daumen.

    Wann sollte man seinem Kind das Daumennuckeln abgewöhnen?

    Nachdem Ihr Kind den ersten Geburtstag gefeiert hat, tun Sie gut daran, das Daumenlutschen abzugewöhnen. Je älter ein kleiner Daumenlutscher wird, desto schädlicher ist das Nuckeln am Daumen. Gleichzeitig wird es immer schwerer, diese Gewohnheit abzutrainieren.

    Ein guter Zeitpunkt für die Abgewöhnung ist, wenn das Baby beginnt, regelmäßig Brei oder feste Nahrung zu essen. Damit ist der Mund gut beschäftigt. Experten empfehlen, Kindern das Daumennuckeln zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr, spätestens jedoch zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr abzugewöhnen. Die Meinungen gehen dazu teilweise auseinander.

    Das ist keine einfache Aufgabe: Während Eltern bei Schnuller-Kindern den Beruhigungssauger einfach nicht mehr geben können, ist der Daumen immer griffbereit. Das Kind steckt ihn automatisch in den Mund, wenn es nuckeln möchte – tagsüber und auch nachts. Daher gelingt das Abgewöhnen des Daumens häufig auch nicht auf einmal, sondern eher schrittweise über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten.

    Eine Mutter spielt mit Ihrem Kind auf dem Sofa.
    Ein mit Gesicht angemalter Daumen kann für Ihr Kind mehr Spielkamerad als Lutscher sein – für eine spielerische Entwöhnung.

    © iStock / LSOphoto

    Wie kann man dem Kind das Daumennuckeln abgewöhnen?

    Eltern sollten bei der Entwöhnung bedenken, dass das Nuckeln am Daumen im Laufe der Zeit für ihre Kinder zu einem wichtigen Ritual geworden ist, von dem sie sich nur schwer trennen können. Es kann ein langer Weg werden. Mit diesen Tipps gelingt der Abschied vom Daumen leichter:

    • Beziehen Sie das Kind mit in den Prozess ein. Unterstützen und loben Sie es, wenn es in Situationen, in denen es normalerweise den Daumen in den Mund gesteckt hat, etwas anderes getan hat.
    • Besorgen Sie Bücher und Geschichten, die das Thema auf positive Art betrachten und die Kinder anspornen, selbst vom Daumenlutschen wegzukommen.
    • Malen Sie mit einem schadstofffreien Stift oder Lebensmittelfarbe ein Gesicht auf den Daumen Ihres Kindes. So wird der Daumen zum Spielkameraden, und das Kind hat einen Ansporn, diesen neuen Freund nicht „wegzulutschen“.
    • Motivieren Sie Ihr Kind zum Durchhalten durch einen Daumennuckel-Kalender. Hier kann es an jedem Tag ohne Daumennuckeln eine Sonne in ein extra dafür vorgesehenes Kästchen malen – und seine Erfolge täglich kontrollieren.
    • Falls das Kind zum Einschlafen noch den Daumen nimmt, sollten Eltern ihn nach dem Einschlafen aus dem Mund ziehen.
    • Wichtig ist vor allem, dass Eltern mit Geduld und Gelassenheit an dieses Projekt gehen. Denn gegen den Willen des Kindes wird der Abschied vom Daumen nicht funktionieren.

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