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Babyschlaf: So viel Schlaf braucht ihr Baby

Säugling liegt im Babybett und schläft.

© AOK

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 03.12.2020

Die Nächte mit einem Baby können besonders im ersten Jahr ganz schön turbulent werden. Wie Eltern gemeinsam mit ihrem Kind die richtige Schlafroutine entwickeln, darüber spricht die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Nadine MacGowan in einem exklusiven Interview. Die Kinder-Expertin aus Hamburg verrät, wie Sie den Säugling entspannt in den Schlaf wiegen und gibt noch mehr praktische Tipps für den Alltag.

Frau Dr. MacGowan, schlaflose Nächte gehören mit einem Säugling einfach dazu. Wie viel Schlaf brauchen Babys eigentlich?

Das kann bei Neugeborenen in den ersten paar Lebenswochen individuell sehr verschieden sein. Die einen Babys brauchen viel, die anderen eher weniger Schlaf. Es ist eigentlich genau so wie bei uns Erwachsenen: Auch schon bei Neugeborenen gibt es Kurz- oder Langschläfer. Die meisten Säuglingebrauchen pro Tag zwischen 14 bis 18 Stunden Schlaf. Es gibt aber auch Neugeborene, die bereits mit zwölf Stunden auskommen, andere hingegen brauchen sogar 20 Stunden Schlaf.

Welchen Schlafrhythmus haben Babys?

Ab dem Alter von drei Monaten bis circa zum Ende des ersten Lebensjahrs brauchen die Kinder ungefähr:

Den langen Nachtschlaf, einen kurzen Vormittagsschlaf (je nach Alter – eine halbe bis eine Stunde), einen langen Mittagsschlaf (circa zwei Stunden) undein kleines Schläfchen am späteren Nachmittag (etwa zwischen 16.30 – 17 Uhr).

In welchem Alter stabilisiert sich der Schlaf-Wach-Rhythmus?

Das können Kinder tatsächlich schon bereits nach vier Wochen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt haben sich die Neugeborenen an unseren Schlafrhythmus gewöhnt. Das bedeutet, sie haben den Hauptschlaf zur Nachtzeit. Aber auch das kann individuell wieder sehr unterschiedlich sein. Nicht jedes Kind hat sich in diesem Alter schon an diesen Rhythmus gewöhnt.

Die Besonderheit ist nämlich: Die Säuglinge werden nicht wie wir müde, wenn es dunkel wird – sondern sie brauchen feste Routinen, um sich an die Schlafenszeiten gewöhnen zu können. Nach dem täglichen Abendbad (wenn man das Kind und die Eltern das gerne mögen und Hautprobleme dem nicht entgegenstehen), dem täglichen Nachtfläschchen oder dem Stillen zum Abendlied lernen Kinder: „Jetzt ist Schlafenszeit und es geht ins Bettchen.“ Wichtig für einen guten Schlaf ist also die feste Routine.

„Säuglinge werden nicht wie wir müde, wenn es dunkel wird. Die Kleinen brauchen feste Routinen, um sich an die Schlafenszeiten gewöhnen zu können.“

Dr. Nadine MacGowan
Expertin

Können Säuglinge auch zu viel schlafen? Wann sollten Eltern aufmerksam werden?

Ja. Es kommt sogar relativ häufig vor und Eltern berichten dann: „Unser Kind schläft sehr schlecht“, oder „Unser Kind wacht nachts ständig auf“. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass das Baby tagsüber zu viel schläft.

Wie können Eltern reagieren, wenn ihr Säugling zu viel schläft? Welche Tipps können Eltern umsetzen?

Es kann sinnvoll sein, ein Schlafprotokoll zu führen und sich diese Fragen zu stellen: 

Wie lange ist das Kind im Bett? Wie viel Zeit schläft das Kind, während es im Bett liegt?

Für den ruhigen Schlaf macht man beispielsweise einen geraden Strich und für das Wachliegen oder Weinen eine kleine Schlangenlinie. Hat das Kind sehr viele Schlangenlinien im Protokoll, sollten Eltern überlegen, ob sie ihren Nachwuchs nicht zu oft und zu früh ins Bettchen legen. Dann können sie versuchen, den Nachtschlaf etwas zu verkürzen, denn nicht jedes Kind muss um 19 Uhr ins Bett.

Ist es richtig, auf jedes Aufwachen des Kindes direkt zu reagieren?

Ja. Es ist zunächst einmal wichtig, das Aufwachen wahrzunehmen, damit das Kind merkt „Ich bin nicht allein – Mama oder Papa ist da“. Es ist dann aber nicht unbedingt notwendig, das Kind immer sofort hochzunehmen oder anzulegen.

Wichtig zu wissen ist: Die Methode ,Schreien lassen' ist aus meiner Sicht vollkommen falsch. Die Kinder hören irgendwann auf – aber sie hören auf, weil sie aufgeben.

Eltern sollten dem Kind aber auch die Möglichkeit geben, zu lernen, nach dem Aufwachen wieder selbstständig einzuschlafen. Das ist ein Teil der normalen Entwicklung. Das ,Sich selbst wieder in den Schlaf bringen' müssen Kinder erst noch üben. Ob und wie schnell der Nachwuchs das eigenständige Einschlafen lernt, haben die Eltern in der Hand. Es gibt da natürlich kleine Hilfen, die es Kindern erleichtern können, das Einschlafen selbst zu regulieren. Zum Beispiel kann man dem Kind zum Einschlafen und auch beim nächtlichen Aufwachen immer ein kleines Kuscheltier in den Arm legen. Der Säugling hat durch das Püppchen dann eine sogenannte Schlafassoziation – also eine beruhigende Routine, die beim (Wieder-)Einschlafen helfen kann. Aufpassen muss man hier nur, dass das Püppchen auf keinen Fall das Gesichtchen bedecken kann, dass kann die Atmung schwer behindern und das kann gefährlich sein.

„Die Methode ,Schreien lassen' ist vollkommen falsch. Die Kinder hören irgendwann auf – aber sie hören auf, weil sie aufgeben.“

Dr. MacGowan
Expertin

Für einen gesunden Nachtschlaf spielt auch die Schlafumgebung eine wichtige Rolle. Welche Tipps können Eltern beachten, um ihrem Kind eine entspannte Schlafatmosphäre zu schaffen?

Das eine ist die Schlafumgebung, das andere ist die Schlafroutine. Wichtig für die Schlafumgebung sind vor allem die Empfehlungen zur Vorbeugung des SIDS, des plötzlichen Kindstodes:

  1. Nur im Schlafsack schlafen
  2. Nur in Rückenlage
  3. Im eigenen Bett (im ersten Jahr mit im Schlafzimmer der Eltern)
  4. Optional: Ein kleines Püppchen/Kuscheltier, mit dem das Kind sich nicht bedecken kann (damit es nicht ersticken kann).

Zusätzlich sollten Eltern darauf achten, dass das Zimmer auch tagsüber abgedunkelt ist.

Das Wichtigste ist aber eine Routine am Tag und zum Einschlafen am Abend. Es hört sich total spießig an und kann Eltern manchmal nerven: Aber das Kind sollte auch am Tag feste Schlafenszeiten haben, zu denen es ins Bettchen gelegt wird.

Wenn Kinder eine gute Haut haben, alsokeine Neurodermitis,und das Kind es gern mag, kann man überlegen, das Baby abends zu baden. Viele Kinder können dabei gut entspannen und lernen diese Routine als Vorbereitung zum Schlafen kennen. Es kann aber ebenso gut die tägliche Abendgeschichte sein.

Nächtliches Aufwachen ist bei Säuglingen total normal, doch wenn sich das Kind beim Einschlafen und auch in der Nacht kaum beruhigen lässt, kommen Eltern schnell an ihre Grenzen. Wann spricht man von Schlafproblemen oder sogar Schlafstörung des Babys?

Das ist schwer voneinander abzugrenzen und hat viel damit zu tun, wie die Eltern es empfinden. Grundsätzlich kann man sagen, wenn die Eltern am Limit sind oder das Kind tagsüber überhaupt nicht mehr an seiner Umgebung interessiert und immer müde ist, sollte man reagieren. Aber es gibt keine ganz „feste Grenze“, bei der man sagt: Das ist jetzt eine Schlafstörung.

Zum Ende des ersten Lebensjahrs kann es sein, dass die Kinder durch vergrößerte Polypen oder die Mandeln im Rachenraum, beginnen zu schnarchen und schlecht Luft bekommen.

Diese sogenannte Schlafapnoe ist eine echte Schlafstörung. Denn dann haben die Kinder beim Schlafen Atemaussetzer und schnappen nach Luft. Das ist der Zeitpunkt, bei dem man einen Kinderarzt aufsuchen sollte. Im Säuglingsalter sind es vor allem die sogenannten Regulationsstörungen, die einen ruhigen Schlaf verhindern können. Von Regulationsstörungen spricht man, wenn das Kind beispielsweise Schwierigkeiten hat sich an den Schlaf- und Wachrhytmus zu gewöhnen und/ oder besonders sensibel auf Reize reagiert. Dann schreien sie vermehrt, schlucken dadurch mehr Luft und bekommen Bauchweh.

Was kann man gegen diese regulationsbedingten Schlafstörungen tun?

Bei den Koliken, die durch das vermehrte Schlucken von Luft entstehen, können Kinderärzte verdauungsregulierende Tropfen verschreiben. Diese Tropfen können die Luftansammlungen im Bauch verringern und die Bauchschmerzen des Säuglings lindern. Hier ist eine Rücksprache mit einem Kinderarzt sinnvoll, um gemeinsam die Ursachen des Schlafproblems oder der Bauchschmerzen zu klären und nicht nur das Symptom mit den Tropfen zu bekämpfen. Manchmal braucht es auch noch weitere professionelle Hilfe, als nur die des Kinderarztes. Aber auch hier wird der Kinderarzt helfen, den richtigen Ansprechpartner zu finden.

Was kann ich tun, wenn mein Kind partout nicht einschlafen möchte?

Wichtig ist dabei die Frage: Ist mein Kind nur heute Abend wach und möchte nicht einschlafen, oder ist es etwas Grundsätzliches?

Kann das Kind regelmäßig nicht Einschlafen, kommen wir wieder zu dem Credo: Routine-Routine-Routine. Der Tipp ist , die Wachphasen so lang auszuweiten, bis das Kind einen gewissen Schlafdruck aufgebaut hat und am Abend müde ist. 

Kann das Kind akut nicht schlafen, kann es helfen, mit dem Baby noch etwas Ruhiges zu spielen oder zu lesen (circa eine halbe Stunde)und dann kann man es nochmal versuchen. 

Wichtig ist hier: Eltern sollten sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Auf die Kleinen wirken am Tag viele neue Eindrücke ein, das ist wie bei uns Erwachsenen. Auch Babys können von den Erlebnissen am Tag überdreht sein und brauchen eine etwas längere Zeit, um sich auf den Schlaf vorzubereiten. Das kann dann schon mal doppelt so lang dauern wie an anderen Tagen.

Wann sollten Eltern sich professionelle Unterstützung holen und einen Arzt aufsuchen?

Immer, wenn man selbst am Limit ist. Auch wenn das Kind tagsüber so kaputt ist, dass es nicht mehr spielen mag und auch nicht mehr fröhlich ist, sollte man auf jeden Fall Hilfe suchen. Kinderärzte können Eltern bei Bedarf an spezialisierte Schlafambulanzen und Beratungsstellen überweisen. Es gibt inzwischen viele gute Hilfen, die Eltern bei Schlafproblemen des Säuglings unterstützen.

In der Drogerie werden spezielle Schlaftees und Schlafbreis angeboten, die das Ein- und Durchschlafen der Kinder verbessern sollen. Für wie sinnvoll halten Sie solche Produkte?

Das ist nicht sinnvoll. Das Durchschlafen von Kindern hängt nur in seltenen Fällen mit der Kalorienaufnahme am Tag zusammen. Meistens ist es dann die Gesamtaufnahme der Kalorien, die über den Tag hinweg zu niedrig ist.

Ein großes Fläschchen am Abend oder ein dicker Brei helfen da wenig. In der Muttermilch hingegen sind ganz natürliche schlafanstoßende Substanzen enthalten. Stillen fördert den Schlaf.

Man kann aber davon ausgehen, dass Kinder ungefähr ab dem sechsten Monat – wenn sie mittags auch schon zusätzlich einen proteinhaltigen Brei bekommen – bis zu acht Stunden ohne Mahlzeit auskommen können. Aber jedes Kind ist da anders und es ist kein Hinweis auf eine Störung, wenn gerade Ihr Kind das noch nicht schafft. Gestillte Kinder schlafen in der Regel erst etwas später durch als Kinder, die von Anfang an mit der Flasche gefüttert werden. Aber auch da gibt es ein paar Hilfen: Ab einem halben Jahr können Mütter versuchen, das Kind nur alle vier bis fünf Stunden zu stillen. Dann trinken die Kinder (häufig) mehr Milch pro Stilleinheit und sind länger gesättigt. Meistens klappt es so auch, dass die Säuglinge mit der letzten Mahlzeit ausreichend Milch trinken, um in der Nacht länger durchzuschlafen.

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