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Baby & Kleinkind

Die 4 häufigsten Stillprobleme – und wie sie gelöst werden können

Veröffentlicht am:11.04.2023

6 Minuten Lesedauer

Wunde Brustwarzen, Milchstau oder Milchmangel: Viele Frauen haben anfangs Schwierigkeiten mit dem Stillen. Manche leiden so sehr, dass sie frühzeitig abstillen. Dabei lassen sich Stillprobleme meist gut in den Griff bekommen.

Schön entspannt: Bei Stillproblemen hilft oft auch, den Druck rauszunehmen.

© iStock / Anastasiia Stiahailo

Suchen Sie sich bei Stillproblemen Hilfe

Stillen – eine der natürlichsten Sachen der Welt. Doch so natürlich und gesund Stillen für Mutter und Kind ist, leider klappt es nicht immer auf Anhieb. Sollte das auch bei Ihnen so sein, machen Sie sich bloß keine Vorwürfe. Rund der Hälfte aller Frauen geht es in der anfänglichen Stillphase so. Wichtig ist: Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung bei Problemen und denken Sie daran – auch Flaschennahrung bietet Säuglingen eine ausgewogene Ernährung.

Um Stillprobleme im Vorfeld zu vermeiden, können Sie sich schon in der Schwangerschaft von Ihrer Hebamme erklären und zeigen lassen, in welcher Haltung Sie stillen können und wie Sie das Baby richtig anlegen. Informieren Sie sich bei der Wahl der Geburtsklinik darüber, ob es eine Stillberatung vor Ort gibt.

Hebammen sind außerdem dazu ausgebildet, Mütter in ihrer gesamten Stillzeit zu beraten und zu unterstützen. Einige haben eine zusätzliche Aus- oder Weiterbildung als Stillberater oder Stillberaterin absolviert – sie können besonders in schwierigen Stillsituationen eine zusätzliche Ansprechpartnerin sein.

Natürlich können Sie sich auch jederzeit an Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin wenden, wenn es um Fragen rund um das Stillen geht. Auch die AOK hilft ihren Versicherten bei Stillproblemen gerne weiter. Versicherte können das AOK-Baby-Telefon für junge Eltern und Schwangere sowie eine Videosprechstunde mit dem Fachärzteteam von AOK-Clarimedis in Anspruch nehmen. Oft braucht es nur die richtigen Tipps und Informationen, um Schwierigkeiten beim Stillen erfolgreich zu meistern.

Folgende Stillprobleme treten bei frischgebackenen Müttern besonders häufig auf.

1. Zu wenig Milch

Viele Mütter verzweifeln daran, dass sie vermeintlich zu wenig Muttermilch produzieren. Doch meist liegt gar kein tatsächlicher Milchmangel vor. Es wird zum Beispiel nur zu selten oder zu kurz gestillt, oder nicht die richtige Stilltechnik verwendet. Anfangs ist auch Geduld wichtig: Denn die Milchbildung wird durch das regelmäßige Stillen erst angeregt. Was frischgebackene Mütter wissen sollten: In 24 Stunden sollte mindestens 8- bis 12-mal die Brust gegeben werden. Das bedeutet auch: Ab dem 4. Tag nach der Geburt gibt es am besten innerhalb von 24 Stunden mindestens sechs nasse Windeln. In den ersten vier Wochen nach der Geburt sollte das Baby außerdem drei- bis vier-mal pro 24 Stunden Stuhlgang haben.

Babys entwickeln sich rasend schnell weiter. Deswegen sind Veränderungen beim Stillen kein Grund, sich Sorgen zu machen. Es treten immer wieder Wachstumsschübe auf, die das Stillverhalten Ihres Babys verändern und damit auch Ihre Milchproduktion beeinflussen. Das ist etwa im Alter von zwei bis drei Wochen, von sechs Wochen und von drei Monaten der Fall. Wenn bei Ihnen zu wenig Milch vorhanden ist, hinterfragen Sie zusammen mit Ihrem Frauenarzt oder Frauenärztin, Hebamme, Stillberater oder Stillberaterin, ob es daran liegen könnte, dass Ihr Kind zu wenig oder zu selten trinkt und Ihr Körper deswegen weniger Milch produziert.

Dafür kann Folgendes verantwortlich sein:

  • Festgelegte Stillzeiten: Stillen Sie Ihr Baby immer dann, wenn es danach verlangt, und richten Sie sich nicht nach reglementierten Zeitabständen.
  • Kein nächtliches Stillen: Wird Ihr Baby die ganze Nacht nicht gestillt, kann es sein, dass Ihr Körper aufgrund der langen Stillpause weniger Milch produziert.
  • Zu lange Stillpausen: In 24 Stunden sollten Sie Ihr Baby acht- bis zwölfmal stillen.
  • Gabe von Flüssigkeiten: Babys benötigen, wenn sie gestillt werden oder wenn sie mit Pre-Nahrung ernährt werden, keine zusätzliche Flüssigkeit bis zur Einführung des dritten Breis.
  • Falsche Stillposition: Wenn die Mutter beim Stillen zum Beispiel unbequem liegt oder sitzt, kann das den Milchfluss reduzieren.
  • Saugprobleme des Kindes, zum Beispiel aufgrund anatomischer Fehlstellungen im Kieferbereich oder aufgrund eines zu kurzen Zungen- oder Lippenbändchens.

Ebenso können folgende Ursachen verantwortlich sein:

  • komplikationsreicher Geburtsverlauf
  • Ernährungsdefizit der Mutter
  • Medikamenteneinnahme des Kindes
  • Krankheit des Kindes
  • zu wenig Ruhe während des Stillens (Lärmbelastung durch Geschwister, Fernseher oder anderes)
  • psychischer Druck durch hohe Ansprüche an die Stillerfahrung

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2. Wunde Brustwarzen

Eine leichte Reizung der Brustwarzen ist in der anfänglichen Stillphase normal, schließlich müssen sie sich erst an die neue mechanische Belastung gewöhnen. Schmerzen treten während des Stillens vor allem beim Ansaugen auf. Sie sollten jedoch nur vorübergehend vorkommen und nicht zu stark sein. In den meisten Fällen liegt es an einer falschen Stillposition, Anlegetechnik und am Saugverhalten des Kindes, wenn die Brustwarzen dauerhaft wehtun.

Eine falsche Stillposition liegt zum Beispiel vor, wenn das Baby:

  • nur an der Brustwarze nuckelt und nicht den Brustwarzenvorhof mit erfasst hat.
  • seinen Mund beim Anlegen nicht weit genug geöffnet hat.
  • den Kopf verdrehen muss, um die Brust zu erreichen.
  • nicht mit dem gesamten Körper Kontakt mit der Mutter hat.

Auch die Haltung der Mutter ist entscheidend. Ihre Position sollte nicht angespannt oder unbequem sein. Das kann den Milchfluss verringern und so begünstigen, dass das Baby hungrig an der Brustwarze zerrt.

Haben Sie vom Stillen bereits Schmerzen an den Brustwarzen, kann Folgendes helfen:

  • Milchreste und Speichel des Babys an der Brust antrocknen lassen.
  • Luft an die Brustwarzen lassen, um eine schnelle Heilung zu beschleunigen.
  • Kleine Risse an den Brustwarzen mit Salbe behandeln. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Hebamme oder Fachärztin beraten.
  • Trockene, saubere Stilleinlagen verwenden.
  • Die Brustwarzen nach dem Stillen mit kühlem Wasser befeuchten. 

Prinzipiell sollten Sie sich bei Schmerzen aber immer professionelle Hilfe suchen. Aus Verletzungen der Haut kann sich eine Infektion entwickeln, die eine medikamentöse Therapie notwendig macht.

Eine Frau gibt ihrem Baby ein Fläschchen.

© iStock / Daisy-Daisy

Falls Stillprobleme eine zu große Belastung darstellen, ist Flaschennahrung für Babys eine gute und gesunde Alternative.

3. Milchstau

Ihre Brust ist druckempfindlich, fühlt sich warm oder heiß an, ist an bestimmten Stellen gerötet oder geschwollen? Ihr Baby kann nicht mehr richtig trinken? Ein Milchstau kann verantwortlich sein. Er entsteht, wenn die Brust beim Stillen nicht ausreichend geleert wird.

Stress ist oft die Hauptursache für einen Milchstau. Deswegen gilt für Sie in diesem Fall: Versuchen Sie sich zu entspannen, sagen Sie Termine ab, lassen Sie den Haushalt ruhen oder jemand anderen erledigen und nehmen Sie sich viel Zeit für sich und Ihr Baby. Legen Sie Ihr Baby alle 1,5 bis 2 Stunden an, um die Brust möglichst vollständig zu leeren. Der Milchfluss kann außerdem angeregt werden, wenn Sie Ihre Brust vor dem Stillen wärmen, etwa mit feuchten Wärmewickeln (fünf Minuten auflegen) oder einer warmen Dusche. Um Ihre Beschwerden nach dem Stillen zu lindern, hilft kühlen. Etwa mit kühlen Umschlägen oder kaltem Quark (20 Minuten lang). Es kann auch hilfreich sein, die Brust mit der Hand zu entleeren oder die Milch mit einer guten Pumpe abzupumpen.

Andere mögliche Ursachen für einen Milchstau sind:

  • Die Entleerung der Milchgänge ist behindert. Schuld kann etwa ein zu enges Tragetuch oder ein einengender Still-BH sein.
  • Es wird zu selten oder zu kurz gestillt.
  • Eine falsche Stilltechnik führt dazu, dass sich Milch staut.
  • Es wird zu viel Milch produziert. Das ist jedoch äußerst selten.

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4. Brustdrüsenentzündung (Mastitis)

Eine Brustdrüsenentzündung tritt meist in der ersten und zweiten Woche nach der Geburt auf. Bakterien aus dem Nasen-Rachenraum anderer Personen oder durch mangelnde Händehygiene geraten dabei durch kleinste Verletzungen im Bereich der Brustwarze in das Brustdrüsengewebe. Überwiegend handelt es sich dabei um das Bakterium Staphylokokkus aureus. Die Mutter selbst ist dabei nur selten die Überträgerin der Keime.

Eine Mastitis ist an folgenden Symptomen erkennbar:

  • die Brust zeigt gerötete, geschwollene, schmerzhafte und überwärmte Bereiche
  • Fieber, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen
  • eventuell tritt eitriges Sekret aus der Brustwarze aus

Eine Abszessbildung stellt zudem eine Komplikation der Mastitis dar. Sollten Sie Symptome einer Brustdrüsenentzündung bei sich bemerken, suchen Sie möglichst schnell Ihren Gynäkologen oder Ihre Gynäkologin auf. Die Entzündung ist kein Grund abzustillen. Die Therapie besteht aus der Gabe von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten und der Gabe eines Antibiotikums. Eine Stillunterbrechung kann in seltenen Fällen, wie einer schweren beidseitigen Entzündung, in Betracht gezogen werden. Dann wird die Milch abgepumpt und entsorgt.

Einer Brustdrüsenentzündung können Sie vorbeugen, indem Sie beim Stillen Folgendes beachten:

  • Reinigen Sie vor jedem Stillen Brustwarzen und Umgebung mit Wasser.
  • Lassen Sie Ihr Kind in den ersten drei Tagen im Wochenbett nur jeweils fünf Minuten an einer Brust saugen. Später kann der Zeitraum pro Brust auf 10 bis 15 Minuten ausgedehnt werden.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht mit der Brustwarze im Mund einschläft. Das kann zu kleinen Verletzungen in der Haut führen, die eine Brustentzündung begünstigen.

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