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Baby & Kleinkind

Schlafregression beim Baby: Diese Tipps helfen Eltern

Veröffentlicht am:14.07.2022

7 Minuten Lesedauer

Innerhalb der ersten zwei Lebensjahre sind Schlafprobleme bei Kleinkindern normal – auch wenn sie manchmal überraschend auftreten. In diesen Fällen sprechen Fachleute von Schlafregressionen. Was verbirgt sich hinter dem Begriff – und was hilft?

Ein Baby mit Schlafregression liegt auf dem Rücken und weint.

© iStock / South_agency

Inhalte im Überblick

    Was ist eine Schlafregression?

    Viele Eltern sind überrascht davon, mit welch enormer Geschwindigkeit ihre Babys wachsen und sich entwickeln – besonders in den ersten Lebensmonaten. Dazu gehört, dass sich ihr Schlaf verändert. Während Neugeborene für gewöhnlich nur in kurzen Abschnitten über den Tag verteilt schlafen, sind bereits nach wenigen Monaten längere Schlafphasen gängig, sowohl tagsüber als auch nachts.

    Der Übergang zu einem stabilen Schlafrhythmus kann schubweise erfolgen. Das bedeutet, dass sich die Schlafmuster wieder umkehren können. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Schlafregression: Kinder haben plötzlich wieder Schwierigkeiten beim Einschlafen, wachen nachts häufiger auf oder sind beim Aufwachen aufgeregt, unruhig oder weinen. Eine Schlafregression kann an verschiedenen Stellen in der kindlichen Entwicklung auftreten und bei jedem Kind unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Grund zur Sorge sind diese Schlafprobleme zunächst nicht: Eine Studie des finnischen Instituts für Gesundheit und der Universität von Turku aus dem Jahr 2020 ergab, dass Schlafprobleme bei Kleinkindern weit verbreitet sind und sich normalerweise bessern, sobald das Kind etwa zwei Jahre alt ist.

    Für Eltern können die Phasen mit Schlafregressionen trotzdem belastend sein – und frustrierend. Es gibt jedoch einige Tipps, die helfen, diese Probleme zu bewältigen und das Kind dabei unterstützen, gesunde Schlafgewohnheiten zu entwickeln. Zudem kann es hilfreich sein, die möglichen Ursachen für die Schlafprobleme zu kennen.

    4-Monats-Schlafregression

    In den ersten zwei Lebensmonaten benötigt ein Säugling täglich zwischen 14 und 17 Stunden Schlaf – über den Tag verteilt in Abschnitten, die jeweils zwischen einer und drei Stunden lang sind. Nach ungefähr drei Monaten beginnt der Schlaf des Babys sich zu festigen: Die Nickerchen tagsüber bleiben zwar erhalten, doch die nächtlichen Schlafphasen werden länger. Insgesamt sinkt der tägliche Schlafbedarf auf etwa 14 bis 15 Stunden. Auch hier gilt: Nicht jedes Baby verhält sich gleich. In diesem Alter entwickeln sich Gehirn und Körper schnell, Gehirnareale und Bereiche des Nervensystems verknüpfen sich. All das kann dazu führen, dass der Schlaf leidet. Mit der Zeit gewöhnen sich die Kinder an ihre Umgebung und lernen, auf sie zu reagieren, wie auf die Anpassung an Lichtverhältnisse oder die Nahrungsaufnahme.

    6-Monats-Schlafregression

    Ab etwa sechs Monaten benötigen Babys oftmals nur noch zwischen 12 und 15 Stunden Schlaf täglich. Die meisten Kinder fangen nun an, längere Zeit am Stück durchzuschlafen. Die Schlafenszeiten verschieben sich mehr und mehr in die Nacht, die größtenteils durchgeschlafen wird. In diesem Alter erreichen Säuglinge in der Regel eine Reihe von Meilensteinen in ihrer Entwicklung: Das Bewusstsein für die Umgebung nimmt zu, sie reagieren besser auf Geräusche, lachen und plappern mehr und erwerben neue körperliche Fähigkeiten, wie zum Beispiel selbstständig zu sitzen oder sich ohne Hilfe umzudrehen. Durch all diese Faktoren können sie empfindlicher auf Reizüberflutung, Trennungsangst oder andere Störungen reagieren, die ihren Schlaf möglicherweise beeinträchtigen. Außerdem ändern Eltern zu diesem Zeitpunkt häufig Routinen und Schlafenszeiten, um diese an den neuen Schlafrhythmus anzupassen. Das Baby hingegen kann einige Zeit benötigen, um sich an diese Änderungen zu gewöhnen.

    Ein Vater hält sein Baby mit Schlafregression auf dem Arm.

    © iStock / miodrag ignjatovic

    Bestimmte Routinen vor dem Zubettgehen können dabei helfen, einen gesunden Schlaf des Babys zu fördern.

    8-Monats-Schlafregression

    Während die empfohlene Schlafenszeit weiterhin bei zwischen 12 und 15 Stunden pro Tag liegt, kommen ab etwa acht Monaten weitere wichtige Entwicklungen hinzu, die Auswirkungen auf die Schlafqualität haben können. Körperlich gesehen steht das oft schmerzhafte Zahnen an erster Stelle, das zu Unruhe sowie Aufwachen führen kann, dicht gefolgt von den neu erlernten Fähigkeiten, wie zum Beispiel Krabbeln oder Sitzen, die sich ebenfalls oft in Form von Unruhe im Bett auswirken. Außerdem steigert sich die Fähigkeit, die Umgebung wahrzunehmen, weiterhin: Die emotionale Entwicklung der Babys schreitet voran, was ihr Gehirn ordentlich auf Trab hält, Trennungsängste verstärken und Reizüberflutungen begünstigen kann.

    12-Monats-Schlafregression

    Ab etwa einem Jahr benötigen Babys weniger Schlaf – zwischen 11 und 14 Stunden täglich. Den meisten Schlaf holt sich das Baby inzwischen in der Nacht, vielleicht hat es sogar schon begonnen durchzuschlafen. Einjährige haben darüber hinaus große Fortschritte in ihrer Entwicklung gemacht: Sie zeigen in der Regel eine größere emotionale Teilnahme, kommunizieren mehr, zeigen verbesserte kognitive und physische Fähigkeiten. Sie stehen oder laufen vermehrt, in dem sie sich zum Beispiel schon an Möbeln hochziehen und festhalten können.

    Gerade in diesem Alter kann es aber zu erneuten Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen kommen. Ursächlich hierfür können Reizüberflutung durch die erhöhte physische Aktivität sein, Trennungsängste aufgrund der größeren emotionalen und sozialen Teilnahme und das Zahnen, das häufig Schmerzen und Unwohlsein verursacht. Babys wachen dann häufiger in der Nacht auf und haben Schwierigkeiten, sich zu beruhigen und wieder einzuschlafen – oder sie wehren sich gegen das Zubettgehen.

    18-Monats-Schlafregression

    Mit anderthalb Jahren befindet sich ein Kind bereits weit im Kleinkindstadium der Entwicklung. Das bringt bemerkenswerte Veränderungen in seinen körperlichen, geistigen sowie emotionalen Fähigkeiten mit sich. Schlaf fördert diese Entwicklung, weshalb Kleinkinder nach wie vor zwischen 11 und 14 Stunden Schlaf täglich benötigen. 18 Monate alte Kinder werden immer mobiler – und kommunikativer. Vor allem das Wort „Nein“ gehört jetzt zu ihrem Sprachgebrauch. Die vertieften emotionalen Reaktionen können unter anderem Trennungsängste verstärken, während sich kognitive Fähigkeiten wie Denken und Argumentation erheblich erweitern. Diese Faktoren beeinflussen oft den Schlaf: Der Widerstand gegen die Schlafenszeit kann steigen, ebenso wie die Reizüberflutung. Außerdem haben viele Kinder in dieser Phase vermehrt Albträume.

    So hilft die AOK

    Tipps für Eltern: Was hilft bei einer Schlafregression?

    Es gibt keine einheitliche Lösung, die die Schlafregressionen eines jeden Kindes beendet. Trotzdem können Eltern Routinen und Gewohnheiten einführen, um einen gesunden Schlaf des Babys zu unterstützen. Folgende Tipps helfen dabei:

    • Auch wenn es anstrengend erscheint – versuchen Sie weiterhin, die Richtlinien für einen sicheren Schlaf bei Babys zu beachten. Informieren Sie sich in diesem Zuge über die Risiken eines plötzlichen Kindstodes und wie Sie diesem vorbeugen können.
    • Legen Sie Ihr Kind ins Bettchen, wenn es bereits schläfrig, aber noch nicht gänzlich eingeschlafen ist. So lernt es, sein Bett mit Schlaf zu assoziieren, alleine im Bett einzuschlafen und sich selbst beruhigen zu können, wenn es nachts plötzlich aufwacht.
    • Achten Sie vermehrt auf Anzeichen von Müdigkeit wie Unruhe oder Augenreiben. So haben Sie die Möglichkeit, rechtzeitig mit der Schlafenszeit-Routine zu beginnen.
    • Versuchen Sie, die Spielstunden tagsüber einzurichten und sicherzugehen, dass Ihr Kind genügend Tageslicht bekommt. So unterstützen Sie es dabei, eine innere Uhr zu entwickeln und somit nachts besser zu schlafen.
    • Schaffen Sie eine dunkle, ruhige Schlafumgebung, in der es möglichst keine Stimulationen oder Ablenkungen gibt.
    • Führen Sie bestimmte Routinen vor dem Zubettgehen ein und behalten Sie diese bei. Das vermittelt Ihrem Kind, dass Schlafenszeit ist, und erleichtert ihm das Ein- und Durchschlafen.
    • Füttern Sie Ihr Kind kurz vor dem Schlafengehen. So kann es länger schlafen, bevor es wieder hungrig wird. Anschließend können Sie mit ihm kuscheln oder es schaukeln, damit es sich entspannt, bevor Sie es zum Einschlafen ins Bettchen legen.
    • Wenn Ihr Baby nachts aufwacht und weint, warten Sie etwa eine Minute, bevor Sie nach ihm sehen. Das fällt vielen Eltern schwer. Kinder können so jedoch lernen, sich selbst zu beruhigen und wieder einzuschlafen.
    • Auch wenn Kinder bereits an dem Punkt sind, nachts länger zu schlafen, werden Sie hin und wieder wach, weil sie Hunger haben. Wenn Sie Ihr Baby nachts füttern müssen, tun Sie dies am besten zügig. Vermeiden Sie es, das Licht anzuschalten oder mit ihm zu spielen, und legen Sie es anschließend direkt wieder ins Bett. So kann Ihr Baby schneller weiterschlafen.

    Tipps bei Schlafregressionen aufgrund vom Zahnen

    Wenn Ihr Kind aufgrund von Schmerzen durch das Zahnen wach wird, können einige Ansätze hilfreich sein:

    • Verwenden Sie einen kalten, feuchten Waschlappen, um das Zahnfleisch zu beruhigen.
    • Massieren Sie das Zahnfleisch leicht mit den (sorgfältig gewaschenen) Fingern.
    • Lassen Sie Ihr Kind hin und wieder kurz Kauspielzeuge (Beißringe) verwenden.
    • Bei sehr starken Schmerzen kann Paracetamol helfen. Sprechen Sie jedoch unbedingt vorher mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin.

    Schlafregression: Wann zum Arzt oder zur Ärztin?

    In der Regel hält eine Phase mit Schwierigkeiten beim Durchschlafen nur einige Tage bis Wochen an; bei der 18-Monats-Schlafregression bis zu sechs Wochen. Falls die Schlafprobleme länger auftreten oder eines der folgenden Symptome hinzukommt, sollten Sie eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt aufsuchen:

    • Mangel an Wachstum oder Gewichtszunahme
    • reduzierte Anzahl an Mahlzeiten oder Appetitlosigkeit
    • vermindertes Wasserlassen oder verminderter Stuhlgang
    • erschwerte oder abnormale Atmung

    Bei der 18-Monats-Schlafregression sollten Sie außerdem hellhörig werden, wenn Ihr Kind tagsüber auffallend weniger Energie hat oder vermehrt Nickerchen benötigt.

    Die Forschenden der zu Beginn genannten Studie aus Finnland betonen, wie wichtig es sei, das Wohl des Kindes als Ganzes zu betrachten. Für die einzelnen Altersklassen nennen sie außerdem folgende Richtwerte:

    • Wenn es länger als 40 Minuten dauert, bis ein acht Monate altes Kind einschläft, sollten Sie einen Kinderarzt oder eine Kinderärztin aufsuchen. Gleiches gilt, wenn es nachts besonders lange wach bleibt (über 60 Minuten).
    • Wenn ein sechs Monate altes Kind nachts dreimal oder öfter aufwacht oder bei Nacht lange nicht wieder einschläft, sollten Sie ebenfalls ärztlichen Rat einholen.
    • Ein 18 Monate altes Kind sollte nachts nicht länger als 30 Minuten brauchen, um wieder einzuschlafen.

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