Zum Hauptinhalt springen
AOK – Die Gesundheitskasse

Rechtzeitig den passenden Kinder- und Jugendarzt finden

Junge Mutter besucht mit ihrem Baby einen Kinderarzt.

© iStock / GeorgeRudy

Lesezeit: 5 Minuten16.05.2022

In den ersten Lebensmonaten und Lebensjahren verfolgen Kinder- und Jugendärzte die Entwicklung des Nachwuchses sehr genau. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, sich einen Pädiater zu suchen, und wie wichtig ist die Chemie zwischen Eltern und Arzt?

Inhalte im Überblick

    Porträt von Dr. med. Roland Fressle, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. Baden-Württemberg.

    © BVKJ e.V.

    Dr. med. Roland Fressle ist Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. Baden-Württemberg. Er verrät, warum sich Eltern am besten bereits in der Schwangerschaft um einen Pädiater bemühen.

    Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kinder- und Jugendarzt-Suche?

    Auf die Schnelle einen Kinder- und Jugendarzt (Pädiater) zu finden, das ist in vielen Städten gar nicht so einfach. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. beklagt einen Mangel an Pädiatern, vor allem in ländlichen Räumen gibt es Engpässe bei der Versorgung. Für werdende Eltern bedeutet das, dass sie sich am besten bereits in der Schwangerschaft auf die Suche nach einem geeigneten Kinder- und Jugendarzt begeben. Ein guter Zeitpunkt ist das letzte Schwangerschaftsdrittel, also zwischen der 28. und der 40. Schwangerschaftswoche. „Tragen Schwangere Mehrlinge oder ein Baby mit einer diagnostizierten Krankheit aus, ist die Suche nach einem Kinder- und Jugendarzt in der Schwangerschaft auf jeden Fall ratsam“, sagt Dr. Roland Fressle, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. Baden-Württemberg. „Ein Pädiater vermittelt auf Wunsch der Schwangeren auch Unterstützungsangebote“, so Dr. Fressle. Ein solches Unterstützungsangebot ist beispielsweise eine Haushaltshilfe. Sie nimmt Frauen nach einer komplikationsreichen Geburt Aufgaben im Haushalt ab.

    Was sind die ersten Untersuchungen eines Babys und wer nimmt sie vor?

    Babys entwickeln sich im rasanten Tempo. Um zu überprüfen, ob die Entwicklung zeitgerecht verläuft, untersuchen Pädiater oder Hebammen das Baby in der ersten Zeit nach der Geburt sehr engmaschig. Die ersten zwei Untersuchungen finden in der Regel automatisch in der Entbindungsklinik statt. Damit ist die U3 oftmals die erste Untersuchung in einer Arztpraxis. Entscheiden sich Frauen dazu, ambulant oder in einem Geburtshaus zu entbinden, finden sie sich bereits für die zweite Früherkennungsuntersuchung in der Praxis ein.

    • U1: Direkt nach der Geburt untersucht eine Hebamme beziehungsweise ein Geburtshelfer das Kind und achtet auf lebenswichtige Funktionen wie die Atmung.
    • U2: Diese Früherkennungsuntersuchung führen Kinder- und Jugendärzte zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag durch. Sie untersuchen das Baby von Kopf bis Fuß, um angeborene Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen oder vorhandene Herzfehler zu entdecken. Außerdem messen und wiegen sie den neuen Erdenbürger fortan bei jeder Früherkennungsuntersuchung.
    • U3: Neugeborene durchlaufen einen Entwicklungsschritt nach dem nächstem – zwischen der vierten und fünften Lebenswoche steht deshalb die dritte Früherkennungsuntersuchung an. Pädiater überprüfen hier unter anderem, ob die Hüfte normal entwickelt ist. Außerdem erkundigt sich der Pädiater nach dem kindlichen Schlaf- und Essverhalten.

    Wo findet man Kinder- und Jugendärzte?

    Das Internet unterstützt Eltern tatkräftig bei der Suche nach einem passenden Kinder- und Jugendarzt – Suchmaschinen listen schnell alle Pädiater in der Wohnumgebung auf. Die Nähe ist übrigens ein ganz wichtiges Kriterium bei der Arztsuche, denn acht bis zwölf Infektionen pro Jahr sind bei Säuglingen und Kleinkindern nichts Ungewöhnliches. Erreichen Eltern mit ihrem fiebernden Kind in wenigen Geh- oder Fahrminuten die Arztpraxis, ist das eine echte Erleichterung. Alternativ zur üblichen Suchmaschine können Eltern die Suchmaske des Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte e.V. nutzen. Hier können sich Eltern über Kinderärzte in Ihrer Nähe und Rehakliniken informieren. Vielleicht hat auch der Arbeitskollege oder die Freundin einen Tipp für einen Kinder- und Jugendarzt – Erfahrungen sind häufig Gold wert, auch wenn sie den persönlichen Eindruck nicht ersetzen.

    So hilft die AOK

    Zur Arztsuche im AOK Gesundheitsnavigator

    Darf ein Kinder- und Jugendarzt ein Neugeborenes ablehnen?

    Das kommt ganz auf die Situation an, weiß Dr. Fressle. „Ein akut krankes Kind dürfen Pädiater nicht ablehnen. Verfügt die Arztpraxis nicht über die nötigen Behandlungskapazitäten, kann sie Eltern von gesunden Kindern aber eine Absage erteilen.“ Die meisten Arztpraxen bemühen sich, Neuankömmlinge aufzunehmen. Klappt das nicht sofort, können Eltern in der gewünschten Praxis nachfragen, ob es eine Warteliste gibt. Auch wenn das eigene Kind einen Platz auf der Warteliste ergattert hat, ist es wichtig, dass ein Pädiater die kindliche Entwicklung engmaschig in den vorgesehenen Zeiträumen kontrolliert. Für die Übergangszeit kommt dann eine weiter entfernte Praxis infrage.

    Mann und schwangere Frau suchen auf dem Tablet rechtzeitig nach einem Kinderarzt.
    Beginnen Sie rechtzeitig mit der Suche nach einem Kinderarzt, gerade wenn Sie Mehrlinge bekommen oder ein Baby mit einer diagnostizierten Krankheit erwarten.

    © iStock / Eva-Katalin

    Wie kann man einschätzen, ob der Kinder- und Jugendarzt zu einem passt?

    Während Kinder heranwachsen, treffen Eltern viele Entscheidungen, zum Beispiel zu Schutzimpfungen oder notwendigen Behandlungen. Da der Pädiater eine Familie bis zum 18. Lebensjahr des Kindes begleiten kann, bleibt er über lange Zeit ein wichtiger Ansprechpartner, auch bei Problemen wie anhaltenden Schreiattacken im Säuglingsalter. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen dem Arzt und dem Kind, aber auch zwischen Arzt und Eltern ist daher sehr wichtig. Doch wie erkennen Eltern, ob der Kinder- und Jugendarzt der Richtige für sie ist? „Ganz einfach, indem Eltern sich mit dem Pädiater unterhalten“, sagt Dr. Fressle. Eine gute Gelegenheit für ein Gespräch bietet die Früherkennungsuntersuchung. Eltern bekommen während der Untersuchung sehr schnell ein Gefühl dafür, ob die Chemie passt.

    Kann man den Kinder- und Jugendarzt wechseln, wenn er einem nicht zusagt?

    Wenn Eltern das Gefühl haben, dass sie mit dem Pädiater nicht auf einer Wellenlänge sind, können sie den Arzt wechseln. Im besten Fall informieren sich Eltern vor einem Wechsel, welcher Kinder- und Jugendarzt infrage kommt und ob dieser Kapazitäten frei hat. Fairerweise können Eltern in der Kinderarztpraxis Bescheid geben, dass sie wechseln. So kann die Praxis die frei gewordenen Kapazitäten an eine andere Familie weitergeben. Einen Grund für den Wechsel müssen Mütter und Väter aber nicht angeben. Schließlich können sich Versicherte in Deutschland ihren Arzt frei aussuchen.

    „Wenn Eltern das Gefühl haben, dass sie mit dem Pädiater nicht auf einer Wellenlänge sind, können sie den Arzt wechseln. Schließlich können sich Versicherte in Deutschland ihren Arzt frei aussuchen.“

    Dr. med. Roland Fressle
    Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. Baden-Württemberg

    Welche Fragen stellt man dem Kinder- und Jugendarzt zu Beginn?

    Gerade beim ersten Kind ist vieles neu – es gibt allerhand zu organisieren. Kinder- und Jugendärzte sind dabei eine wertvolle Hilfe. Eltern können sich bei ihnen nach anstehenden Terminen, zum Beispiel für die Früherkennungsuntersuchungen, informieren. Gerne gibt ein Pädiater auch Auskunft über die vorgesehenen Schutzimpfungen, die in regelmäßigen Abständen erfolgen.

    Viele Eltern beschäftigen auch allgemeine Fragen:

    • Was kann ich tun, wenn mein Kind Fieber hat?
    • Wie versorge ich den Nabel, bis er abfällt?
    • Woran erkenne ich, was mein Kind braucht, wenn es schreit?
    • Wo finde ich Hilfe, wenn mein Kind ungewöhnlich viel weint?

    Sollte ein Kinder- und Jugendarzt bestimmte Zusatzqualifikationen haben?

    „Jeder Kinder- und Jugendarzt, der seine Ausbildung in Deutschland absolviert hat, kann Neugeborene behandeln“, so Dr. Fressle. Auf eine spezielle Zusatzqualifikation brauchen Eltern bei der Arztsuche also zunächst nicht zu achten. Manchmal kommt es bei Kindern bereits ab der Geburt oder während der Entwicklung zu Auffälligkeiten. Nur ein Beispiel ist der kindliche Diabetes (Zuckerkrankheit), den ein pädiatrischer Endokrinologe/Diabetologe behandelt. Der Kinder- und Jugendarzt ist für Eltern aber stets der erste Ansprechpartner. Er holt bei Bedarf andere Ärzte zur Diagnose oder Behandlung einer Erkrankung mit ins Boot

    War dieser Artikel hilfreich?