Gesunde Pause und Handwerk

Regelmäßige Pausen sind ein wichtiger Bestandteil der Betrieblichen Gesundheitsförderung – auch in handwerklichen Berufen. Sie können die Leistungsfähigkeit und Produktivität der Beschäftigten stärken und fördern. Zu einer gesunden Pausenkultur gehören feste Zeitfenster, ein geeigneter Rückzugsort sowie ausgewogenes Essen und Trinken. Die perfekte Pausengestaltung bietet einen Ausgleich zur ausgeübten Tätigkeit, ist also entweder mehr auf Bewegung oder Entspannung ausgerichtet.

Was Pausen bewirken

Arbeitspausen stellen eine wichtige Regenerationsquelle im Alltag dar. Sie dienen der Erholung, erhöhen Wohlbefinden und Motivation, Leistungsfähigkeit und Produktivität der Beschäftigten. Darüber hinaus schützen regelmäßige Pausen vor Erschöpfung und Krankheit und können das Unfallrisiko senken.

Dabei kann es sinnvoll sein, mehrere kürzere Arbeitsunterbrechungen und eine längere über den Tag zu verteilen. Es wird unterschieden zwischen:

  • Mikropausen (kürzer als eine Minute) zum Dehnen und Strecken oder kurzen Augenschließen, ein paar tiefe Atemzüge nehmen
  • Minipausen (eine bis fünf Minuten) für Dehnungs-/Lockerungsübungen am geöffneten Fenster, einen kurzen Plausch oder eine kurze Achtsamkeitsübung
  • Kurzpausen (fünf bis zehn Minuten), um den Arbeitsplatz für etwas Bewegung, eine kurze Frequenz Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Yoga, einen Plausch oder einen Snack zu verlassen
  • Mittagspausen (länger als zehn Minuten)

Laut einer Umfrage der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) unter mehr als 300 Beschäftigten bezeichnen 36 Prozent der Befragten Arbeitspausen als wichtig, 29,3 Prozent als sehr wichtig. Dennoch verzichten 23 Prozent aufgrund von Zeit- oder Termindruck häufig darauf. Eine auch von Führungskräften gelebte Pausenkultur im Unternehmen kann dem entgegenwirken. Dabei ist es wichtig, dass die Pausengestaltung einen Ausgleich zu den individuellen Gesundheitsbelastungen im Alltag darstellt. Für alle Berufe ist es daher empfehlenswert, in der Pause das Arbeitsumfeld zu verlassen.

iga
iga-Report 34

Der iga-Report 34 gibt Tipps, wie Führungskräfte Arbeitspausen erholsam gestalten können.

Herausforderung Handwerk

Handwerkliche Berufe zeichnen sich durch eine große Vielfalt aus. Auch die körperlichen Herausforderungen sind dementsprechend. Heben oder Tragen, statische, einseitige Haltungen, langes Stehen oder die Feinmotorik und die Augen beanspruchende Tätigkeiten sind nur einige Aspekte.

Zusätzliche Herausforderungen im Handwerk: 

  • Unregelmäßige Pausenzeiten durch Schichtarbeit
  • Wechselnde Arbeitsorte und fehlende Rückzugsorte unterwegs
  • Hoher Termindruck und Mehrarbeit, teilweise verursacht durch Fachkräftemangel
BGF-Institut
AOK-Branchenbericht „Handwerk 2022“

Im Handwerk hängen gesundheitliche Belastungen stark von der ausgeübten Tätigkeit ab, da die Gewerke sehr breit gefächert sind. Für die meisten Handwerksberufe stehen körperliche Belastungen im Mittelpunkt: Schweres Heben, langes Stehen bzw. die Arbeit über Kopf oder im Knien gehören für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag. Aber auch Atemwegserkrankungen oder Verletzungen – und seit einigen Jahren immer mehr psychische Erkrankungen – prägen das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen vieler handwerklicher Betriebe.

Der vorliegende Bericht des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) analysiert die AU-Daten von rund 300.000 AOK-Versicherten im Handwerk.

Welche Pausengestaltung ist für wen geeignet?

Zu den wichtigsten Kraftquellen für die Pausengestaltung gehören Essen und ausreichendes Trinken, Bewegungs- oder Entspannungsübungen bis hin zu einem kurzen Nickerchen (Powernap). Dennoch gibt es individuelle Empfehlungen zum Ausgleich für verschiedene Tätigkeiten:

Welche Pause tut wem gut?

Körperlich Arbeitende (zum Beispiel auf der Baustelle oder in der Kfz-Werkstatt):

  • Ausgleichs- oder Dehnungsübungen
  • Ruhepause für den Körper, Füße hochlegen
  • Entspannungsübungen
  • Energiereiche Mahlzeit

Stehberufe (zum Beispiel im Verkauf oder Friseursalon):

  • Sitzen, Schuhe ausziehen, Füße hochlegen
  • Spazierengehen
  • Entspannungsübungen oder Musikhören mit Kopfhörern
  • Leichte Mahlzeit

Sitzberufe (zum Beispiel im Optiker-Fachgeschäft oder in der Uhrmacherwerkstatt):

  • Spazierengehen
  • Entspannungsübungen für die Augen
  • Einfache Sport- oder Ausgleichsübungen
  • Leichte Mahlzeit

Bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt es nützliche Hintergrundinfos und Tipps zum gesunden Essen in der Pause.

Was können Führungskräfte tun?

Im Rahmen der Verhältnisprävention lassen sich schon mit einfachen Mitteln Voraussetzungen schaffen, die dabei helfen, Beschäftigte für ein gesundes Pausenverhalten zu sensibilisieren.

Tipps für Führungskräfte im Handwerk

  • Selbst Vorbild sein und regelmäßig Pausen machen
  • Zeigen, dass Pausen wichtig sind und keine Zeitvergeudung
  • Beschäftigte (auch im Außendienst oder auf Montage) an Pausen erinnern 
  • Die Themen Regeneration und Pausengestaltung in Teamsitzungen und Mitarbeitendengespräche aufnehmen
  • Arbeitsorganisation und realistische Terminplanung prüfen, um Zeit für Pausen zu ermöglichen
  • Pausen in den Betriebsvereinbarungen als relevant für die Leistungs- und Erholungsfähigkeit anerkennen, Aufklärung betreiben
  • Ansprechende Pausen- oder Rückzugsräume, Fitnesspoints oder Entspannungsinseln mit kleinen Übungsgeräten, gemütlichen Sitzgelegenheiten und Essplätzen einrichten (im Außendienst eventuell Container anmieten)
  • Mitarbeitenden (speziell im Außendienst) Kühlboxen für mitgebrachtes Essen und kostenloses Mineralwasser zur Verfügung stellen
  • Gutscheine oder Zuschüsse für gesunde Lebensmittelangebote verteilen
AOK-Programm
Gesund führen

Das AOK-Programm „Gesund führen“ unterstützt Führungskräfte mit wissenswerten Tipps, ihr Führungsverhalten zu reflektieren und zu verbessern.

Gesunde Pause mit und ohne Smartphone & Co.

Viele Mitarbeitende, gerade die jüngeren, holen in der Pause gern ihr Smartphone hervor, um beispielsweise Kontakte in sozialen Medien zu pflegen. Mental kann das digitale Abtauchen durchaus erholsam sein. Auch darüber hinaus kann das Smartphone als positive Unterstützung für Entspannung dienen: Geeignete Angebote wie die Podcasts, Videos und Coachings der Initiative „gib8“ der AOK Rheinland/Hamburg können zu Achtsamkeit, Atemübungen oder Meditationen anleiten und so einen niederschwelligen und überall verfügbaren Einstieg bieten. Für Körperhaltung, Nacken und Augen allerdings ist das Starren aufs Handy als Pausenausgleich weniger geeignet. Es kommt also auf die Dosis und auf die gesundheitsförderlichen Inhalte an.

Führungskräfte sowie Kolleginnen und Kollegen können durch gelegentliches „Nudging“, also „Anstupsen“, darauf achten, dass die Pause nicht nur digital verläuft, sondern auch Raum für Bewegung bleibt. Denn das hält nicht nur fit, sondern nützt auch dem Unternehmenserfolg. Und davon profitieren am Ende schließlich alle.

So unterstützen die AOK Rheinland/Hamburg und ihr BGF-Institut

Die Experten des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung unterstützen Arbeitgeber mit zahlreichen Angeboten zur gesunden Pausengestaltung: von einem „Workshop Pausengestaltung“ über Multiplikatorenschulungen zur Ausbildung von „Bewegungs-Scouts“ und „Entspannungs-Scouts“ unter den Mitarbeitenden bis zum Seminar „Digitale Balance“ (mehr Infos bei Leon Gemming) reicht die Bandbreite. Fragen dazu beantwortet Ihnen gern Nils Strack.

Die AOK hat die wichtigsten Informationen für Arbeitgeber rund um gesunde Pausen und Erholungsfähigkeit auf ihrem Fachportal für Arbeitgeber zusammengestellt. Mehr erfahren.

Körperliche Aktivität in der Pause und darüber hinaus bietet einen guten Ausgleich zur Arbeit. Schon 21 Minuten moderate Bewegung am Tag helfen, Krankheiten vorzubeugen und gesünder zu leben. Mithilfe zahlreicher Tipps und AOK-Angebote kommen Ihre Mitarbeitenden in Bewegung. Mehr erfahren.

Stand

Erstellt am: 15.02.2024

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