Beschäftigung von Werkstudenten

Werkstudenten sind außer bei der Rentenversicherung versicherungs- und beitragsfrei. Für eine Beschäftigung als Werkstudent ist wesentlich, dass das Studium im Vordergrund steht. Eine Bewertung der Verhältnisse richtet sich nach Umfang und Lage der Arbeitszeit.

Werkstudentenprivileg

Ordentlich Studierende sind in Beschäftigungen während ihres Studiums in der Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Diese Versicherungsfreiheit nennt man Werkstudentenprivileg. Versicherungspflicht besteht nur in der Rentenversicherung. Werkstudenten werden im Meldeverfahren mit der Personengruppe 106 gekennzeichnet. Der Versicherungsschutz der Studenten ist über ihre studentische Krankenversicherung oder Familienmitversicherung gewährleistet.

Definition: Ordentlich Studierende

Hierbei handelt es sich um eingeschriebene Studenten an einer Hochschule oder Universität, die sich überwiegend ihrem Studium widmen. Eine Beschäftigung üben sie gegebenenfalls nur nebenbei aus. Als ordentlich Studierende gelten auch:

  • Studenten, die nach Beendigung eines Studiums ein weiteres Studium als Aufbau- oder Zweitstudium aufnehmen, das wiederum mit einer Hochschulprüfung abschließt. Dazu gehören auch Studiengänge, in denen nach einem Bachelorabschluss ein Master erlangt werden kann
  • freiwillige Examenswiederholer
  • Studierende an Fernuniversitäten, die nachweisen, dass sie ihr Studium als Vollzeitstudium ausüben
  • Studierende, die im Rahmen ihrer Tätigkeit in einem Betrieb ihre Diplom-, Bachelor- oder Masterabschlussarbeit erstellen
Dauer des Studiums und Urlaubssemester:
  • Die Dauer des Studiums umfasst den Zeitraum zwischen Einschreibung (Immatrikulation) und Exmatrikulation.
  • Das Studium endet mit Ablauf des Monats, in dem der Studierende offiziell schriftlich vom Ergebnis seiner Abschlussprüfung informiert wird.
  • Wenn unmittelbar nach einem Bachelorabschluss ein Masterabschluss angestrebt wird, endet mit dem Bachelorabschluss nicht die Zugehörigkeit zum Personenkreis der ordentlich Studierenden.
  • Studenten, die ein Urlaubssemester eingereicht haben, werden wie normale Arbeitnehmer behandelt. Für sie kommt der Werkstudentenstatus nicht in Betracht.

Das Werkstudentenprivileg scheidet auch aus, wenn der Studierende mehr als 25 Fachsemester studiert hat und nicht belegen kann, dass das Studium weiterhin im Vordergrund steht.

Duale Studiengänge und andere Bildungseinrichtungen:

Sozialversicherungsrechtlich nicht als „ordentlich Studierende“ gelten:

  • Teilnehmer an dualen Studiengängen
  • Teilnehmer an Studienkollegs zum Erwerb der deutschen Sprache oder als Vorbereitung auf das Studium
  • Gasthörer an Universitäten
  • Doktoranden
  • Studierende, die nach einem abgeschlossenen Studium lediglich ein Weiterbildungsstudium oder eine Spezialisierung machen

Für das Werkstudentenprivileg in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung spielt die Höhe des Arbeitsentgelts keine Rolle.

Die Versicherungsfreiheit für Werkstudenten gilt jedoch nicht in der Rentenversicherung. Sobald die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro für einen geringfügig entlohnten Minijob überschritten wird, tritt für Studenten Versicherungspflicht in der Rentenversicherung ein. Anders als Minijobber können sich Werkstudenten nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

20-Wochenstunden-Grenze bei Werkstudenten

Das Werkstudentenprivileg darf der Arbeitgeber nur anwenden, wenn der bei ihm beschäftigte Student den größeren Teil seiner Zeit und Arbeitskraft für das Studium aufwendet. Das Studium muss der Schwerpunkt der Arbeitsleistung und der Studentenjob darf nur eine Nebensache sein. Das heißt: Während der Vorlesungszeit darf der Student nur maximal 20 Stunden in der Woche arbeiten.

In der vorlesungsfreien Zeit dagegen kann die Arbeitszeit auf mehr als 20 Stunden in der Woche ausgedehnt werden. Maßgeblich sind die offiziellen Semesterferien der Universität oder Hochschule, an der der Student eingeschrieben ist.

Beispiel: Beschäftigung über 20 Stunden hinaus in den Semesterferien

Ein Student arbeitet während des Semesters 20 Stunden in einem Copyshop. In der offiziell vorlesungsfreien Zeit seiner Hochschule vom 20.7. bis 22.9.2019 arbeitet er dort noch weitere zehn Stunden pro Woche.

Für die Beschäftigung des Studenten gilt das Werkstudentenprivileg. Es sind keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Nur zur Rentenversicherung fallen Beiträge an.

Mehrere Beschäftigungen nebeneinander

Bei Studenten, die mehrere Beschäftigungen nebeneinander ausüben, prüft der Arbeitgeber zunächst, ob insgesamt mehr als 20 Stunden in der Woche gearbeitet wird.

  • Beträgt die wöchentliche Arbeitszeit weniger als 20 Stunden, besteht Versicherungsfreiheit.
  • Arbeitet der Student insgesamt mehr als 20 Stunden in der Woche, klärt der Arbeitgeber in einem weiteren Schritt, ob bei einzelnen Beschäftigungen Geringfügigkeit und damit Versicherungsfreiheit in der Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung vorliegt (Rentenversicherungsfreiheit bei einem 450-Euro-Job nur auf Antrag).

Mehrere Beschäftigungen über der 20-Stunden-Grenze nacheinander

Übt ein Student im Laufe eines Zeitjahres mehrere Beschäftigungen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Wochenstunden aus, prüft der Arbeitgeber, ob die Eigenschaft als Werkstudent noch zutrifft. Die Werkstudenteneigenschaft liegt nicht mehr vor, wenn ein Student im Lauf eines Zeitjahrs (nicht Kalenderjahrs) mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage, „26-Wochen-Regel“) in einem Umfang von mehr als 20 Wochenstunden beschäftigt ist.

Der Arbeitgeber rechnet dabei vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Zeitjahr zurück. So ist gewährleistet, dass auch die zu beurteilende Beschäftigung selbst einbezogen wird.

Beispiel: Zusammenrechnung mehrerer Beschäftigungen

Ein Arbeitgeber beabsichtigt, einen Studenten befristet vom 1.3. bis 31.3. (31 Tage) einzustellen. Der Stundenumfang soll 25 Stunden in der Woche bei einer 5-Tage-Woche betragen. Davon wird sieben Stunden am Wochenende gearbeitet. Das monatliche Entgelt übersteigt die 450-Euro-Grenze. 

Innerhalb der letzten zwölf Monate bestanden folgende Vorbeschäftigungen:

Rahmenfrist des Zeitjahrs: 31.3. aktuelles Jahr bis 1.4. Vorjahr

Beschäftigung A:
1.12. bis 31.12. (31 Tage), 25 Stunden wöchentlich, 5-Tage-Woche, Arbeitsentgelt über 450 Euro

Beschäftigung B:
1.7. bis 15.9. (77 Tage), 25 Stunden wöchentlich, 5-Tage-Woche, Arbeitsentgelt über 450 Euro

Gesamt 108 Tage, also unter 182 Kalendertagen im Zeitjahr.

Es gilt das Werkstudentenprivileg.

Die Beschäftigung ist also versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Es besteht nur Rentenversicherungspflicht (Personengruppe 106 und Beitragsgruppe 0100).

Arbeit am Wochenende und in den Abend- und Nachtstunden

Arbeitet der Student am Wochenende und in den Abend- und Nachtstunden, kann auch bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden Versicherungsfreiheit bestehen. Dafür muss die Beschäftigung allerdings zeitlich befristet sein und nicht über einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) ausgeübt werden.

Beispiel: Studentenjob mit Arbeitszeiten am Wochenende

Ein Student nimmt zu Beginn des Wintersemesters am 1.10. eine unbefristete Beschäftigung als Barkeeper auf. Er arbeitet 25 Stunden in der Woche. Davon werden zehn Arbeitsstunden am Wochenende und in den Nachtstunden geleistet.

Das Werkstudentenprivileg gilt nicht, denn trotz der zehn Stunden Wochenendarbeit ist schon bei Aufnahme einer unbefristeten Beschäftigung absehbar, dass sie über einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen und mehr als 20 Stunden in der Woche ausgeübt wird.

Stand

Erstellt am: 01.07.2019

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