Diversität im Unternehmen

Die zunehmend vernetzte Welt bringt Generationen und Geschlechter, Kulturen und Weltanschauungen immer enger zusammen. Unternehmen können von dieser Vielfalt profitieren und mit Diversitätsmanagement aktiv steuern.

Zahlreiche Chancen durch kulturelle Vielfalt

Die sich zunehmend global vernetzende und von Zuwanderung, demografischem Wandel, unterschiedlichen Lebensformen sowie einer Vielfalt an kulturellen und religiösen Anschauungen gekennzeichnete Gesellschaft stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen.

Der Begriff Diversität wird meist mit „Vielfalt“ gleichgesetzt. Genauer gesagt ist aber der bewusste Umgang mit Vielfalt in der Gesellschaft gemeint. So unterschiedlich die Menschen sind, die in einem Unternehmen arbeiten, so facettenreich sind auch die individuellen Bedürfnisse und Kompetenzen.

Diversität ist demnach Risiko und Chance zugleich. Vielfalt kann Unsicherheiten bei den Beschäftigten auslösen, da sie auch bedeutet, das eigene Werte- und Denksystem zu hinterfragen und möglicherweise Teile eines anderen zu adaptieren. Gleichzeitig zeigen unterschiedliche Sichtweisen aber auch neue Handlungsmöglichkeiten auf, von denen Unternehmen profitieren können.

Diversität umfasst folgende Dimensionen:

  • Generationen
  • Menschen mit Behinderung
  • Kultur und Herkunft
  • Geschlechter
  • Religion und Weltanschauung
  • Sexuelle Orientierung

Inklusion und Teilhabe durch Diversitätsmanagement

Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen beziehungsweise Behinderungen gelten noch oft als weniger leistungsfähig. Diversitätsmanagement kann dazu beitragen, ihre Fähigkeiten neu zu betrachten und zu entdecken.

Für die Beschäftigung von Schwerbehinderten gibt es in Deutschland eine gesetzliche Regelung. Nach der muss ein Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten mindestens 5 Prozent Schwerbehinderte zur Belegschaft zählen. Wird die Quote nicht erreicht, muss das Unternehmen eine Ausgleichsabgabe zahlen. Diversitätsmanagement kann dazu beitragen, das Vertrauen so zu stärken, dass betroffene Beschäftigte im Unternehmen, die bisher keine gesundheitlichen Probleme zugegeben hatten, ihre Behinderung auch angeben.

In zahlreichen Unternehmen sind sogenannte Behindertenbeauftragte (Disability-Manager) damit beschäftigt, Arbeitsprozesse zu durchleuchten. Sie sollen so optimiert werden, dass Menschen mit Behinderung ihr Potenzial voll einbringen können. Das können als Anfang zum Beispiel bereits ein barrierefreier Zugang zum Arbeitsplatz und die adäquate Einrichtung des Arbeitsplatzes sein.

Inklusion in der Ausbildung

Mehr als 50.000 Jugendliche mit Behinderung verlassen in Deutschland jedes Jahr die Schule. Als Auszubildende werden sie für Unternehmen immer interessanter: Bereits 23,3 Prozent aller ausbildungsaktiven Betriebe haben in den vergangenen fünf Jahren Menschen mit Behinderung ausgebildet, so ein Bericht des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Viele Auszubildende mit Behinderung stehen besonders loyal zum Betrieb und bleiben vergleichsweise lange im Unternehmen. Für die praktische Umsetzung gibt es gute Hilfsangebote, Hotlines und Informationsportale.

  • Hilfe bei Maßnahmen zur Umsetzung eines barrierefreien Arbeitsplatzes oder bei der Bereitstellung von Zuschüssen zu den Prüfungsgebühren finden Unternehmen kostenfrei bei den regionalen Integrationsämtern. Für die praktische Unterstützung bei der Einrichtung eines Ausbildungsplatzes für junge Menschen mit Behinderung in einem Betrieb sind die Integrationsfachdienste zuständig. Sie werden von den Integrationsämtern bezahlt und geführt. Die Fachdienste klären mit den Unternehmen, was sie benötigen und welche Leistungen sie in Anspruch nehmen können – am besten vor einer Stellenausschreibung Kontakt aufnehmen.
  • Einen guten Einstieg ins Thema bietet die Spezialseite des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), die vom IW betrieben wird. Das Ziel der Initiative: kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Fachkräftesicherung und der Gestaltung ihrer Personalarbeit zu unterstützen. Ein großer Themenkomplex ist „Menschen mit Lernbehinderung ausbilden“.
  • Im Zuge der Inklusion an Schulen besuchen immer mehr Förderschüler eine Regelschule. Betriebe, die gern einen Jugendlichen mit Behinderung einstellen möchten, können also auch an Regelschulen fündig werden. Der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit mit seinen speziellen Reha-Teams unterstützt Betriebe dabei, die passenden Auszubildenden zu finden. Die kostenlose Hotline 0800 4 55 55 00 hilft weiter.
  • Unternehmen können sich auch in ganz Deutschland bei den Berufsbildungswerken informieren. Das sind außerbetriebliche Ausbildungsstätten für Menschen mit Behinderungen, die dort vollzeitschulisch, aber mit Praxisphasen ausgebildet werden.

Kulturelle Vielfalt in der Belegschaft

Ein professioneller und wertschätzender Umgang mit dem kulturellen Hintergrund von Menschen ist in einer vernetzten Welt ein Erfolgsfaktor – ob im Unternehmen oder mit Kunden und Geschäftspartnern. Darüber hinaus zeugt er von Respekt der arbeitenden Person als Mensch gegenüber.

Denn Sprachen und Gepflogenheiten anderer Nationen zu kennen, kann neue Märkte und Kundengruppen erschließen. Auch die internationale Suche nach Fachkräften kann davon profitieren.

Innerhalb eines von Vielfalt geprägten Unternehmens ist es ratsam, interkulturelle Netzwerke zu schaffen. In diesen können Ideen entwickelt werden,

  • wie sich das interne Miteinander weiterentwickeln lässt,
  • neue Kundenzielgruppen gefunden und angesprochen
  • sowie Fachkräfte gefunden werden und
  • Führungskräfte im interkulturellen Führen geschult werden.

Geschlechteridentität anerkennen

„Typisch männliche“ und „typisch weibliche“ Attribute sind noch stark in den Köpfen verankert. Doch Geschlechteridentität ist vielfältig. Die alten Vorurteile verändern sich oder verschwinden mehr und mehr.

Das Thema Geschlecht (Gender) spielt auch bei Diversität in Unternehmen eine große Rolle. Darum gilt es, im Rahmen des Diversitätsmanagements:

  • Aufgaben und Verantwortung unabhängig vom Geschlecht zu verteilen;
  • Entwicklungsmöglichkeiten für alle Geschlechter gleichermaßen zu schaffen;
  • Teilzeitmodelle für alle Geschlechter anzubieten;
  • ungleiche Bezahlung der Geschlechter zu beenden.

Wichtig ist, dass sich alle Menschen angesprochen und einbezogen fühlen. Das fördert Wohlbefinden und Gesundheit der Beschäftigten – und damit auch die Produktivität.

Religion und Weltanschauung achten

Vielfalt umfasst auch den respektvollen Umgang eines Unternehmens mit der Religion und Weltanschauung seiner Beschäftigten. Wichtige Aspekte sind hier zum Beispiel:

  • das Wissen um Feiertage und religiöse Gepflogenheiten
  • eventuelle Einrichtung von Räumlichkeiten („Raum der Stille“)
  • entsprechende Speisen- und Getränke-Angebote in der Kantine

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes informiert über den Umgang mit religiöser Vielfalt am Arbeitsplatz und nennt Praxisbeispiele aus Unternehmen und Verwaltungen.

Sexuelle Orientierung tolerieren

Eine offene Unternehmenskultur und ein Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetzten und Beschäftigten sind Grundlage dafür, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unabhängig ihrer sexuellen Orientierung und Identität respektiert und wertgeschätzt werden. Nur so können Beschäftigte authentisch sein und ihr Potenzial voll entfalten. Dabei liegt es in der Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen, sich zu seiner sexuellen Orientierung und Identität zu äußern – oder eben auch nicht.

Zudem öffnet eine offene Auseinandersetzung mit sexueller Orientierung und Identität Türen zu neuen Talenten und Kundengruppen, beispielsweise bei der Berücksichtigung von sexueller Vielfalt in Marketingentscheidungen.

Diversity Management realisieren

Um Diversität bewusst zu steuern, müssen alle Prozesse innerhalb eines Unternehmens und sämtliche Dimensionen mitgedacht werden. Umfangreiche Unterstützung bietet die Charta der Vielfalt. Zahlreiche Firmen haben diese Initiative bereits unterzeichnet.

Stand

Zuletzt aktualisiert: 15.05.2020

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