Gesund im Job

Quiet Quitting: Wenn Beschäftigte nur noch das Nötigste machen

Veröffentlicht am:26.01.2026

10 Minuten Lesedauer

Beim Quiet Quitting ziehen sich Beschäftigte am Arbeitsplatz bewusst zurück und erledigen nur noch ihre Pflichten. Das kann die Work-Life-Balance verbessern, birgt aber auch Risiken. Wie Betroffene einen gesunden Weg für sich finden.

Eine jüngere Frau in blau-weiß gepunkteter Bluse sitzt im Großraumbüro vor ihrem Laptop und schaut nachdenklich.

© iStock / fizkes

Was bedeutet Quiet Quitting?

Quiet Quitting bezeichnet ein Arbeitsverhalten, bei dem sich Beschäftigte bewusst auf ihre Kernaufgaben beschränken und keine Aufgaben übernehmen, die über ihre Pflichten hinausgehen. Sie distanzieren sich von übermäßigen Arbeitsanforderungen, um ihr Wohlbefinden zu schützen und dennoch ihren Arbeitsplatz zu behalten.

Quiet Quitting, auch Silent Quitting genannt, bedeutet wörtlich übersetzt „stille Kündigung“. Der Begriff ist allerdings irreführend, denn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kündigen nicht wirklich. Sie setzen lediglich klare Grenzen, indem sie zum Beispiel Sonderaufgaben und Überstunden ablehnen, bewusst auf einen pünktlichen Feierabend achten und ihre Pausen konsequent einhalten.

Das Phänomen des Quiet Quittings ist nicht neu, hat durch die Corona-Pandemie aber neue Aufmerksamkeit erhalten. Nach den Lockdowns bewerteten viele Beschäftigte – insbesondere aus der jüngeren Generation – ihre Jobs neu und hinterfragten die Arbeitsbedingungen. Eine ähnliche Arbeitsweise war früher unter dem Begriff „Dienst nach Vorschrift“ bekannt. Heute wird Quiet Quitting oft als Gegenmittel zur „Hustle-Kultur“, der Vorstellung, für den Erfolg müsse man unermüdlich und bis zum Burnout arbeiten, oder als ein Akt der Selbstbestimmung gesehen.

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Warum entscheiden sich Menschen für das Quiet Quitting?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft dient Quiet Quitting als Schutz vor anhaltender Belastung, Stress und Überforderung. Ein weiterer Auslöser kann mangelnde Wertschätzung sein. Arbeitnehmende ziehen sich zurück, wenn ihr Engagement keine Anerkennung findet.

Dieses Arbeitsverhalten kann auch aus dem Gefühl von Ungerechtigkeit oder strukturellen Problemen am Arbeitsplatz entstehen. Während der Corona-Pandemie haben viele Beschäftigte die Erfahrung gemacht, dass die Werte, die Unternehmen versprechen, und die Realität am Arbeitsplatz weit auseinanderklaffen. Insbesondere junge Menschen, die in dieser Zeit ihren Job verloren haben, entwickelten ein Misstrauen gegenüber dem Engagement von Unternehmen, zum Beispiel in Bezug auf die psychische Gesundheit der Beschäftigten. Sie empfanden es als unfair, sich für einen Arbeitgeber oder eine Arbeitgeberin einzusetzen, der oder die dieses Engagement aus ihrer Sicht nicht erwiderte. In der Folge begannen sie, strategischer zu arbeiten, um ihr psychisches und physisches Wohlbefinden zu schützen.

Quiet Quitting entsteht laut Forschung nicht durch die fehlende Arbeitsmoral einzelner Personen. Es ist oftmals die Folge von strukturellen Problemen in der Arbeitswelt wie ungerechten Bedingungen oder fehlender Wertschätzung.

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Welche Folgen hat Quiet Quitting?

Die Folgen von Quiet Quitting sind vielschichtig und können sich sowohl positiv als auch negativ auf die eigene psychische Gesundheit und das Arbeitsumfeld auswirken.

Quiet Quitting bietet eine Chance für mentale Erholung

Quiet Quitting kann ein Mittel gegen Stress und Burnout sein und das eigene Wohlbefinden steigern. Es hilft Arbeitnehmenden, klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu setzen und ermöglicht so eine bessere Work-Life-Balance.

Zudem kann diese Arbeitsweise Raum für Aktivitäten schaffen, die neue Energie geben, wie zum Beispiel soziale Kontakte. Denn qualitativ hochwertige Zeit mit Freundinnen und Freunden sowie Familie ist ein wichtiger Faktor für das psychische Wohlbefinden. Auch die Produktivität kann sich verbessern: Pausen helfen dem Gehirn, Informationen zu verarbeiten und Probleme aus neuen Perspektiven zu betrachten.

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Rückzug kann auch belastend sein

Quiet Quitting birgt allerdings auch Risiken für die psychische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Eine langfristige Distanzierung kann zu Unzufriedenheit, einem geringen Selbstwertgefühl oder Unerfülltheit führen. Studien zeigen, dass eine geringere Motivation und ein geringeres Engagement das Risiko für Depressionen erhöhen können.

Engagiertes Verhalten bei der Arbeit schafft dagegen positive Effekte wie soziale Verbundenheit, berufliches Wachstum und Wohlbefinden. Diese Effekte entfallen, wenn sich Beschäftigte zurückziehen. Zudem bemerken Vorgesetzte oder Kolleginnen und Kollegen möglicherweise das fehlende Engagement. Das kann sich negativ auf Karrierechancen und Beziehungen im Team auswirken.

Ob Quiet Quitting hilft, hängt stark von der Person ab. Wer beruflich vorankommen möchte oder mehr leisten möchte, profitiert von diesem Arbeitsverhalten eher weniger.

In einem Arbeitsumfeld sitzen vier Frauen mit Laptops an einem Tisch und blicken sich freundlich an.

© iStock / miniseries

Eine gute Unternehmenskultur beugt Quiet Quitting vor. Sie zeichnet sich durch gemeinsamen Austausch und eine offene Kommunikation aus.

Quiet Quitter beeinflussen das Arbeitsklima

Quiet Quitting wirkt sich auf das Arbeitsumfeld und das Unternehmen aus. Es kann die Unternehmenskultur beeinträchtigen und die Belegschaft demotivieren. Die verbleibenden, engagierten Beschäftigten fühlen sich möglicherweise überlastet. Das kann wiederum dazu führen, dass auch sie sich distanzieren oder sogar das Unternehmen verlassen. Freiwilliges Engagement gilt als Motor für Produktivität und Innovation und verschafft Unternehmen Wettbewerbsvorteile. Leisten Arbeitnehmende nur das Minimum, gehen diese Vorteile verloren.

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Wie kann man Quiet Quitting vermeiden?

Die Forschung versteht Quiet Quitting als logische Reaktion auf strukturelle Mängel in der Arbeitswelt. In erster Linie müssen deshalb Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen handeln, um diese Mängel zu beheben und Quiet Quitting vorzubeugen. Entscheidend ist, dass sie Rahmenbedingungen schaffen, in denen die Beschäftigten eine sinnvolle, gute und erfüllende Arbeit leisten können und möchten.

Dafür ist eine Unternehmenskultur erforderlich, die auf Fürsorge, Fairness, Respekt, Kommunikation und menschenzentrierten Werten basiert. Firmen mit einer solchen Unternehmenskultur untermauern diese durch konkrete Regeln und Maßnahmen wie faire Bezahlung oder eine funktionierende Work-Life-Balance, anstatt sie nur zu versprechen.

Zudem braucht es Führungskräfte, die diese Werte vorleben. Auch Beschäftigte können den Dialog mit ihren Führungskräften aktiv suchen und konstruktives Feedback geben, um eine solche Kultur mitzugestalten und Veränderungen anzustoßen. Eine positive Unternehmenskultur ermöglicht es schließlich allen Arbeitnehmenden, eigene Ideen einzubringen und ihr persönliches Potenzial zu entfalten.

Beschäftigte können jedoch auch selbst Strategien anwenden, um unter schwierigen Bedingungen Sinn in ihrer Arbeit zu finden. Sie können beispielsweise

  • ihre Aufgaben aktiv an ihre persönlichen Stärken und Werte anpassen,
  • ihre Aufmerksamkeit auf positive Aspekte lenken und
  • ihre Arbeit narrativ umdeuten. Dabei geht es darum, der eigenen Tätigkeit eine neue, positivere Bedeutung zuzuschreiben.

Zentral ist auch die Selbstfürsorge: Wer frühzeitig auf Anzeichen von Stress oder Erschöpfung achtet, kann gegensteuern. Das beugt langfristigen gesundheitlichen Folgen wie Burnout, Angstzuständen oder Depressionen vor.

Fachlich geprüft
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