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AOK – Die Gesundheitskasse

Job und Pflege von Angehörigen: Wie funktioniert das?

Eine pflegende Angehörige hilft ihrer alten Mutter beim Abendessen.

© iStock / Toa55

Lesezeit: 5 Minuten10.05.2022

Einen Vollzeitjob und die Pflege eines Angehörigen unter einen Hut zu bringen ist ein Balanceakt, der große Herausforderungen mit sich bringt. Passende Angebote zur Unterstützung – auch von der AOK – können die Pflegenden entlasten.

Inhalte im Überblick

    Pflegende Angehörige: Was erwartet mich?

    Ein Mensch kann zu jedem Zeitpunkt pflegebedürftig werden: aufgrund einer Behinderung, einer chronischen Krankheit, eines Unfalls oder fortschreitender Alterserscheinungen. Bei vielen Betroffenen entscheiden sich Angehörige, die häusliche Pflege selbst zu übernehmen. Diese Entscheidung sollte nicht überstürzt gefällt werden. Für pflegebedürftige Menschen und die pflegenden Angehörigen bedeutet dies eine tiefgreifende Lebensumstellung, mit der unter Umständen eine neue Rollenverteilung einhergeht. Ein Sohn kann zur Vaterfigur seines Vaters werden, weil dieser zunehmend an Fähigkeiten verliert. Beide sollten sich absolut sicher sein, dass sie mit der Entscheidung einverstanden und bereit sind, die neuen Rollen einzunehmen.

    Als Pflegender sollten Sie sich im Klaren darüber sein, dass das Pflegen eines Angehörigen zu Hause die Lebensplanung grundlegend verändern sowie selbst gute zwischenmenschliche Beziehungen belasten kann. Das trifft sowohl auf die Beziehung zum Pflegebedürftigen zu als auch auf die Beziehung zu anderen Personen im Haushalt, wie Partnern oder Kindern. Andererseits bedeutet das Sorgen für einen geliebten Menschen auch eine ganz neue Form von Nähe, Zuneigung und unwiederbringlichen gemeinsamen Momenten.

    Häusliche Pflege und Beruf – geht das?

    Viele pflegende Angehörige sind berufstätig. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Den einen ermöglicht der Job eine für sie wichtige Selbstverwirklichung oder er hält soziale Kontakte aufrecht. Andere sind finanziell auf ihr Einkommen angewiesen. In jedem Fall kann es eine große Belastung darstellen, sowohl für den Beruf als auch für die Pflege genügend Zeit und Kraft aufzuwenden.

    Wie Sie es schaffen, beiden Bereichen gerecht zu werden, ist abhängig von Ihrer individuellen Situation. Neben gesetzlichen Regelungen unterstützen Unternehmen pflegende Angestellte in unterschiedlichem Ausmaß. Aus diesem Grund ist es ratsam, die Pflegesituation mit dem Arbeitgeber ausführlich zu besprechen und eine langfristige Lösung zu finden, die beide Parteien zufriedenstellt. Auch Flexibilität der Arbeitszeiten kann entlastend sein, ebenso wie ein mögliches Arbeiten von zu Hause aus.

    Es gibt folgende gesetzliche Regelungen zur Freistellung, die Sie als Angehöriger in Anspruch nehmen können.

    Spontane Freistellung im Notfall

    Tritt eine akute Pflegesituation ein, müssen Angehörige oft schnell reagieren. Aus diesem Grund haben Beschäftigte in Krisensituationen das Recht, ihrer Arbeit bis zu zehn Arbeitstage fernzubleiben. Diese Zeit ist vorgesehen, um die Versorgung des Pflegebedürftigen sicherzustellen und die Pflege des Angehörigen zu organisieren. Es besteht für den Arbeitgeber aus dem Pflegezeitgesetz keine Pflicht zur Lohnfortzahlung. Es sei denn, eine solche Verpflichtung ergibt sich aus anderen gesetzlichen Vorschriften oder Vereinbarungen – beispielsweise einem Tarifvertrag, einem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung. Ist der Arbeitgeber nicht zur Lohnfortzahlung verpflichtet, können Beschäftigte während dieses Zeitraums Pflegeunterstützungsgeld erhalten.

    Eine pflegende Angehörige sitzt am Küchentisch und schreibt in ihr Notizbuch.
    Das Führen von Listen und Verschriftlichen von Aufgaben kann dabei helfen, den Tag besser einzuteilen und bestmöglich zu nutzen.

    © iStock / AndreyPopov

    Pflegezeit nach dem Pflegezeitgesetz

    Beschäftigte, die ihre Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen möchten, haben Anspruch auf eine Freistellung von der Arbeitsleistung für bis zu sechs Monate. Diese Freistellung können Sie am Stück oder in Form einer Arbeitszeitreduzierung beanspruchen. Das ermöglicht es Ihnen, Ihre Berufsausübung an den individuellen Pflegebedarf anzupassen – mit der Sicherheit eines Kündigungsschutzes und Fortbestand von Versicherungen. Unternehmen mit weniger als 15 Beschäftigten sind jedoch nicht verpflichtet, pflegende Arbeitnehmer freizustellen.

    Familienpflegezeit nach dem Familienpflegezeitgesetz

    In manchen Fällen müssen Beschäftigte ihre Arbeitszeit über einen längeren Zeitraum hinweg reduzieren, um die häusliche Pflege eines Angehörigen sicherstellen zu können. Dann besteht die Möglichkeit einer Familienpflegezeit von bis zu 24 Monaten. Während dieser Zeit muss die wöchentliche Arbeitszeit mindestens 15 Stunden betragen. Diese 15 Stunden müssen nicht wöchentlich gleich bleiben: Auch ein Durchschnitt von mindestens 15 Wochenstunden flexibel auf das Jahr verteilt, ist möglich. Achtung: Der Anspruch auf die Familienpflegezeit besteht nicht bei Arbeitgebern, die 25 oder weniger Beschäftigte haben. Außerdem werden Gehalt oder Lohn aufgestockt, allerdings als Vorschuss. Das bedeutet, wenn Sie beispielsweise von 20 auf 16 Stunden reduzieren, bekommen Sie 18 weiterhin ausbezahlt. Diese 18 werden weiterbezahlt, wenn Sie wieder 20 arbeiten, bis der Vorschuss ausgeglichen ist.

    Stress in der häuslichen Pflege: Achten Sie auf Warnsignale

    Menschen nehmen Stress unterschiedlich stark wahr. Er kann sich auf verschiedenste Weise äußern. Die Pflege eines Angehörigen stellt eine herausfordernde Situation dar, die bei Pflegenden Stress auslösen kann. Bei manchen äußert sich dieser in Form von körperlichen Symptomen wie Schlafstörungen, Kopf- oder Rückenschmerzen, Magenbeschwerden oder häufigen Erkältungen. Andere neigen dazu, sich sozial zurückzuziehen und Ärger oder Traurigkeit zu empfinden. Achten Sie als pflegender Angehöriger auch auf sich selbst. Wenn die täglichen Leistungen zu immer größeren Geduldsproben werden, kann das zu Ungehaltenheit oder Lieblosigkeit führen. Das ist für Sie selbst belastend, kann Ihre Gesundheit gefährden und beeinträchtigt auch die Beziehung zu Ihrem Angehörigen.

    Die Pflege eines Angehörigen – mit einem unterstützenden Arbeitgeber oder in Pflegezeit – bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe, die ohne regelmäßige Entlastung auf Dauer nicht möglich ist. Personen aus Ihrem direkten Umfeld nehmen nicht zwangsläufig wahr, wann Sie überfordert sind. Scheuen Sie sich nicht, nach Hilfe zu fragen, wenn Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Gereiztheit Oberhand gewinnen. Können vielleicht andere Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder ambulante Pflegekräfte Sie unterstützen? Bereits ab Pflegegrad 2 besteht ein Anspruch auf ambulante Sachleistungen, die die Pflegekasse übernimmt. Diese Sachleistungen können Sie mit dem Bezug von Pflegegeld kombinieren. Letzteres wird anteilig weniger, je nachdem, wie hoch der Wert der ambulanten Sachleistungen ist.

    Nehmen Sie Unterstützung wahr – sie steht Ihnen zu

    Die AOK-Pflegeberatung unterstützt dabei, den Alltag mit pflegebedürftigen Angehörigen neu zu organisieren und Pflegende zu entlasten. So bleiben betroffene Familien auch in schwierigen Zeiten nicht allein.

    Überdenken Sie Ihr Zeitmanagement

    Die Pflege eines Angehörigen nimmt im Alltag viel Zeit in Anspruch – zusätzlich zu all den Aufgaben, die ohnehin anfallen, wie die Haushaltsführung oder der Einkauf. Daher ist es sinnvoll, sich seine Zeit gut und überlegt einzuteilen. Beachten Sie, dass das Leben mit einer pflegebedürftigen Person viele unerwartete Dinge mit sich bringt. Wer Stress vermeiden möchte, verplant aus diesem Grund möglichst nur 60 Prozent der für die Pflege verfügbaren Zeit. Somit verbleiben 40 Prozent, um auf mögliche Überraschungen zu reagieren. Umso besser, wenn ein Tag ohne Überraschungen vergeht und Sie etwas Zeit nur für sich übrighaben, um zur Ruhe zu kommen.

    Folgende Tipps helfen Ihnen, den Tag bestmöglich zu planen:

    • Listen Sie Ihre Aufgaben auf – so vergessen Sie nichts.
    • Schätzen Sie ab, wie viel Zeit Sie benötigen, um die einzelnen Aufgaben auszuführen.
    • Planen Sie Pufferzeiten ein, damit eventuelle Verzögerungen den Tagesablauf nicht durcheinanderbringen und kein Stress entsteht.
    • Entscheiden Sie über Prioritäten: Müssen Sie eine Aufgabe heute erledigen? Und: Müssen Sie die Aufgabe erledigt oder können Sie sie an jemanden abgeben?
    • Kontrollieren Sie Ihren Plan, bevor Sie mit den Aufgaben starten.

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