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Was hilft gegen Muskelkater?

Mann hat Muskelkater in der Schulter nach zu intensivem Training.

© iStock / Anut21ng

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 25.05.2021

Das Training war anstrengend und hat Spaß gemacht, doch am nächsten Tag meldet sich der Muskelkater. Wie entstehen die Schmerzen in den Muskeln, was hilft und wie können Sie Muskelkater verhindern? Antworten und Tipps.

Inhalte im Überblick

    Was ist ein Muskelkater?

    Muskelkater ist eine typische Erscheinung nach ungewohnten Bewegungen oder ungewöhnlich intensiven Trainingseinheiten. Besonders ärgerlich ist der Muskelkater für all diejenigen, die sich gerade nach längerer Zeit endlich wieder zum Sport aufgerafft haben. Das Ergebnis an den darauffolgenden Tagen: Mehr oder weniger starke Schmerzen, die mit Bewegungseinschränkungen verbunden sein können. Mediziner sprechen übrigens eher von Muskelschmerzen als von Muskelkater – der Begriff ist auf eine volkstümliche Abwandlung des Wortes Katarrh zurückzuführen, was Entzündung heißt. Früher nahm man an, dass Entzündungen die Schmerzen auslösen.

    Muskelkater ist nicht nur unangenehm, er ist aus medizinischer Sicht sogar vergleichbar mit winzigen Rissen und Verletzungen. Was verursacht eigentlich einen Muskelkater? Wie lässt er sich verhindern? Ist er gar förderlich beim intensiven Training?

    Wie entsteht ein Muskelkater und wie lange dauert er an?

    Muskelkater ist das Resultat einer Überbelastung der Muskulatur. Das kann passieren, wenn das letzte intensive Training dieser Art schon etliche Wochen zurückliegt. Aber auch neue, ungewohnte Bewegungen können ihn auslösen. Wann die Belastungsgrenze der Muskeln erreicht ist, ist individuell unterschiedlich, da sie vom persönlichen Trainingszustand abhängt. Nach Angaben von Sportmedizinern rufen besonders Bewegungen, bei denen der Muskel gegen seinen Widerstand gedehnt wird, die für einen Muskelkater typischen Schmerzen aus.

    Beispiele sind das Bergablaufen, ungewohnt ruckartige Abbremsbewegungen oder auch beim Krafttraining das Absenken eines Gewichts, das vorher über dem Kopf gehalten wurde. Es kommt zu einer sogenannten exzentrischen Muskelbewegung. Dabei wirkt auf den Muskel eine deutlich höhere Last, als wenn er sich zusammenzieht, also kontrahiert. Es ist laut der Experten vor allem die Kombination aus Anspannung und Dehnung, die für die Muskelfasern extrem belastend wirkt.

    Bei einem Muskelkater schwellen die Muskeln an, werden hart, kraftlos und zum Teil auch druckempfindlich. Sportler bemerken bei Gelenken, die indirekt beteiligt sind, eine Einschränkung im Bewegungsradius. Nach einem bis drei Tagen erreichen die Schmerzen ihren Höhepunkt. Etwa eine Woche lang dauert der Muskelkater.

    Was genau passiert bei einem Muskelkater im Körper?

    Muskelfasern sind in besonderen Strukturen eingebettet. Sie werden als sogenannte Z-Scheiben bezeichnet und sind mit dem Bindegewebe vergleichbar. Sie schützen die Muskulatur und eigentlich sind sie es, die bei einem Muskelkater geschädigt werden. Es entstehen Risse, sogenannte Mikrotraumen. Dabei brechen, vereinfacht gesagt, winzige Stücke des Muskels ab und bewegen sich anschließend frei im Gewebe. Die Folge: Der Stoffwechsel gerät durcheinander, und es fließt Wasser ein. Sichtbar wird dies in Form eines anschwellenden Muskels. Diese Veränderungen ergeben sich erst etliche Stunden nach der eigentlichen Belastung.

    Der menschliche Körper ist in der Lage, auf diese kleinen Verletzungen zu reagieren und sie selbstständig zu reparieren. Sogenannte Fresszellen sammeln die Bruchstücke auf, verdauen sie, setzen dabei Entzündungsstoffe frei und bauen wieder neue Muskelstrukturen auf. Die medizinische Forschung geht dem Muskelkater erst seit den 1980er-Jahren auf den Grund. Die Wissenschaftler sind sich einig in der These, dass hauptsächlich Mikrotraumen als erste Ursache für die Schmerzen gelten.

    Sportmediziner unterscheiden zwischen einem Muskelkater, der in der Regel erst einige Stunden oder Tage nach der Belastung auftritt, und sogenannten Ermüdungsschmerzen. Diese machen sich in der Regel schon während des Sports bemerkbar und sind zum Beispiel typisch bei Marathonläufern, die sich extremen Dauerbelastungen aussetzen. Die Energiereserven der Muskeln werden dabei komplett aufgebraucht und der Stoffwechsel schafft es nicht, sie in adäquater Zeit wieder aufzufüllen. Die Abläufe innerhalb der Muskulatur sind bei Ermüdungsschmerzen und Muskelkater mehr oder weniger gleich.

    Ist ein Muskelkater gut oder schlecht?

    In der Regel repariert der Körper die Schädigung. Die Risse verheilen in den meisten Fällen, und die Muskulatur ist nach dem Muskelkater praktisch wieder wie neu. Lediglich bei größeren Muskelverletzungen, wie Muskelfaserrissen oder Zerrungen, kann es unter Umständen Spätfolgen geben. Diese äußern sich beispielsweise in Form eines Leistungsverlustes, weil das Gewebe vernarbt. Da Narbengewebe nicht so dehnbar ist wie gesundes Muskelgewebe, verliert der Muskel an Elastizität. Diese Folgen spüren allerdings eher Profi- als Hobbysportler.

    Zu der Wirkung eines Muskelkaters gibt es unterschiedliche Auffassungen. Manche Sportmediziner sehen in einem Muskelkater mehr als ein bloßes Wiederherstellen der ursprünglichen Strukturen. Sie vermuten einen positiven Effekt, weil der Körper die Muskeln bei der Reparatur auf die neuen Anforderungen ausrichten kann. Es gibt aber auch gegenteilige Meinungen, die davon ausgehen, dass ein Muskelkater keinen Effekt auf die Leistungssteigerung hat. Fest steht: Regelmäßiges Training, verbunden mit angemessenen Pausen, ist der beste Weg für einen guten Muskelaufbau.

    Frau liegt auf dem Sofa und hat Muskelkater im Bein.
    Bei einem starken Muskelkater empfehlen Mediziner Ruhe und Erholung.

    Was tun gegen starken Muskelkater?

    Sportmediziner empfehlen bei starkem Muskelkater vor allem Ruhe und Schonung. Am ersten Tag ist es eventuell hilfreich, den Muskel etwas zu kühlen, um die Schwellung nicht zu stark werden zu lassen. Später kann Wärme helfen, die verkrampfte Muskulatur zu lockern. Die Schmerzen durch die beschädigten Strukturen verringern sich durch diese Maßnahmen allerdings nicht. Vermeiden sollten Sie vor allem hohe Belastungen und Anstrengungen. Studien haben gezeigt, dass leichte, kurze Bewegungen mit wenig Kraft, in der Phase der Erholung sinnvoll sein können, weil sie die Krafterholung beschleunigen.

    Aus dem Spitzensport kennt man Bilder von Sportlern, die in Eiswasser steigen. Sportmediziner haben allerdings herausgefunden, dass eine Kältetherapie innerhalb der ersten Stunden nach der Belastung keine Wirkung erzielt. Gleiches gilt für eine Infrarotbestrahlung, Massage oder hyperbare Sauerstofftherapie. Laut den Experten können Massagen bei einer akuten Verletzung sogar schädlich sein. Allerdings gibt es auch Studien, denen zu Folge sich das kalte Wasser positiv auf einen Muskelkater auswirkte, weil die Teilnehmer niedrige Ermüdungswerte zeigten und eine bessere körperliche Erholung spürten.

    Magnesium verringert den Muskelkater

    Magnesium setzt der Körper unter anderem für die Entspannung der Muskeln ein. Die Einnahme über Nahrungsergänzungspräparate trägt daher durchaus dazu bei, mögliche Beschwerden zu senken. Das haben Studien gezeigt. Das Magnesium sollte dabei möglichst schon im Vorfeld der körperlichen Belastung eingenommen werden.

    Helfen Antioxidantien gegen Muskelkater?

    Anders sieht es mit sogenannten Antioxidantien aus. Sie stecken in Obst und Gemüse und sind ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen und gesunden Ernährung. Viele Sportler nehmen sie zudem in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich, um Muskelkater zu verhindern oder die Symptome zu lindern. Dabei werden die Antioxidantien isoliert und konzentriert aufgenommen. Eine Wirkung auf den Muskelkater ist allerdings nicht bewiesen. Einige Studien zum Einsatz von Antioxidantien zur Vorbeugung oder Verringerung von Muskelkater ergaben, dass der Unterschied mit und ohne hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel eher klein war.

    Wie lässt sich ein Muskelkater vorbeugen?

    Einem Muskelkater können Sie am besten vorbeugen, indem Sie das Training sanft beginnen und nur langsam steigern. Das fällt allerdings vielen Menschen schwer, vor allem, wenn sie nach einer Sportpause hoch motiviert wieder einsteigen möchten. Hier helfen nur klare Trainingspläne mit kurzen Einheiten und geringer Belastung. Dabei ist es wichtig zu wissen: Einen Muskelkater können auch sportlich Aktive bekommen, wenn sie Bewegungen ausführen, die für sie ungewohnt sind. Entscheidend ist der Trainingszustand der jeweiligen Muskelgruppen. So sollten Sie beispielsweise an neuen Trainingsgeräten im Fitnessstudio eher mit einer geringen Belastung beginnen. Nach Tagen, an denen Sie sportlich aktiv waren, sollten Sie Ihren Muskeln einen Tag Pause gönnen.

    Dehnübungen können einen Muskelkater übrigens nicht verhindern. Das Gleiche gilt für ein Aufwärmprogramm. Wichtig ist es trotzdem. Denn zum einen senkt es das Verletzungsrisiko und zum anderen fördert es die Durchblutung der Muskeln. Dadurch kann der Muskelkater zumindest etwas geringer ausfallen.

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