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So einfach kann man Mikroplastik reduzieren

Frau achtet beim Kauf von Duschgel auf Mikroplastik.

© iStock / vgajic

Lesezeit: 7 MinutenAktualisiert: 03.03.2021

Mikroplastik ist überall – in der Erde, im Wasser und in der Luft. Die Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von unter fünf Millimetern sind so klein, dass man sie kaum sehen kann. Zugleich sind sie biologisch nicht abbaubar. Allein in Deutschland belaufen sich die Emissionen auf etwa 330 000 Tonnen pro Jahr, das entspricht etwa vier Kilo pro Kopf.

Inhalte im Überblick

    Wie Mikroplastik überhaupt entsteht und warum es Menschen schaden kann

    Enthalten ist Mikroplastik zum Beispiel in Peelings, Duschgels oder Shampoos und auch in dekorativer Kosmetik. Die kleinen Kügelchen werden verwendet, um Hautreste besser zu entfernen und den Reinigungseffekt der Haut zu erhöhenverbessern. In Cremes und kosmetischen Produkten wie Lippenstiften wird Mikroplastik als Bindemittel verwendet, um die Konsistenz zu verbessern.

    Es kommt auch in Kleidung vor, etwa als synthetische Faser wie Polyester, das sich mit jedem Waschgang herauslöst. Außerdem entsteht es beim Zerfall von größeren Kunststoffprodukten wie Flaschen oder Tüten sowie beim Abrieb von Autoreifen.

    Ins Wasser gelangt es über die Kanalisation erst in Kläranlagen, die es momentan noch nicht komplett aussieben können, dann in die Flüsse und schließlich ins Meer. Bis zum vollständigen Abbau können je nach Beschaffenheit des Kunststoffs bis zu 2000 Jahre vergehen.

    Risiken, die von Mikroplastik ausgehen, sind noch weitgehend unerforscht

    Laut einer aktuellen Studie des World Wildlife Fund (WWF) nehmen Menschen weltweit durchschnittlich bis zu fünf Gramm Mikroplastik pro Woche über die Atmung in Form von Staub, Trinkwasser und Kosmetikartikeln auf. Das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte. Welche Auswirkungen es auf unsere Gesundheit hat, ist noch weitgehend unerforscht.

    Ungesund ist es auf jeden Fall dann, wenn dem Plastik weitere Stoffe zugesetzt werden, wie zum Beispiel Bisphenol A (BPA). Erst im Januar 2017 hat die Europäische Union (EU) es wegen seiner schädlichen Wirkung auf das Hormonsystem in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen. Doch in der Beschichtung von Konserven- und Getränkedosen und vielen anderen Kunststoffprodukten ist BPA noch immer enthalten.

    Erstmals hat 2020 der US-Wissenschaftler Rolf Halden von der Arizona State University Mikroplastik in menschlichen Organen, zum Beispiel in der Leber, nachgewiesen. Die Frage, ob die Partikel für den Menschen gesundheitsgefährdend sind, konnte aber auch er nicht beantworten. Die Plastikteilchen können allerdings wie ein Magnet auf Schadstoffe reagieren und Pestizide und andere Umweltgifte an sich binden.

    Pärchen auf der Suche nach Duschgel ohne Mikroplastik.

    © iStock / zoranm

    Was plant die Europäische Union und was kann jeder einzelne tun?

    Die EU plant aus Gründen der Risikominimierung, die Verwendung von Mikrokunststoffen ab dem Jahr 2022 zu beschränken. Für Hautärzte wie Dr. Susanne Saha ist diese Maßnahme sinnvoll. Die Leiterin des Arbeitskreises „Mikro- und Makroplastik in der Dermatologie“ beim Berufsverband der Deutschen Dermatologen stellt in ihrer Karlsruher Gemeinschaftspraxis immer mehr Hautirritationen fest, die durch kosmetische Produkte verursacht wurden.

    „Bisher gibt es keine Langzeitstudien über die Schädlichkeit von Mikroplastik in Kosmetikprodukten. Es ist aber denkbar, dass im Magen-Darm-Bereich Mikroplastikeinlagerungen zu Tumoren führen könnten“, so Dr. Saha. Um Mikroplastik zu vermeiden, könnte deshalb jeder Folgendes tun:

    • Bei Kurzstrecken auf das Auto verzichten und zu Fuß gehen.
    • Den Kauf von synthetischer Kleidung aus Polyester, Polyamid, Polyacryl, Nylon oder Mikrofaser reduzieren und Produkten aus zertifizierter Baumwolle den Vorzug geben. 
    • Spezielle Beutel, die den Faserabrieb auffangen, eignen sich ideal zum Waschen synthetischer Kleidungsstücke. 
    • Ein verlässliches Siegel für plastikfreie Kosmetik ist „zertifizierte Naturkosmetik“. Diese Produkte sind frei von Mikroplastik und enthalten stattdessen pflanzliche Inhaltsstoffe, die umwelt- und ressourcenschonend hergestellt werden. 
    • Müll- und Plastikkonsum herunterfahren und zum Beispiel in Unverpackt-Läden einkaufen. 
    • Kleidung, Dekoware oder Kosmetik mit Glitzeranteil vermeiden.

    Digitale Helfer, um Mikroplastik zu vermeiden

    Mit der kostenfreien App „CodeCheck“ lässt sich beim Einkauf ermitteln, ob Produkte Mikroplastik enthalten. Einfach den Barcode von Lebensmitteln oder Kosmetikartikeln einscannen – schon zeigt die App, welche Inhaltsstoffe sich darin verstecken. 

    Auch der Einkaufsratgeber des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) listet Kosmetik auf, die Mikroplastik und andere Kunststoffe enthält: von Zahncreme über Gesichtspflege bis zu Nagellack.

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