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Wie gesund ist unser Wasser?

Eine Frau füllt sich Leitungswasser aus dem Hahn in ein Glas ein

© iStock / dusanpetkovic

Lesezeit: 8 MinutenAktualisiert: 28.06.2021

Einhundertfünfundzwanzig Liter – so viel Trinkwasser wurde 2019 pro Einwohner in Deutschland verbraucht. Doch kann man das Wasser aus dem Hahn eigentlich bedenkenlos trinken? Ist gekauftes Mineralwasser nicht besser? Wie es um die Qualität unseres Trinkwassers steht und wie gesund es ist, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    So kommt das Trinkwasser aus dem Meer in die Wohnung

    Die Trinkwasserversorgung in Deutschland blickt auf eine über hundertsiebzigjährige Geschichte zurück, im Jahr 1848 erhielten die Hamburger die erste moderne Wasserversorgung. Sie liegt im Kompetenzbereich der Städte und Gemeinden. Gewonnen wird das Wasser aus dem Hahn zu 70 Prozent aus Grund- und Quellwasser. Die restlichen 30 Prozent stammen aus Flusswasser, Talsperren oder künstlich angereichertem Grundwasser. Dabei gibt es regionale Unterschiede. Bayerns Trinkwasser stammt zum Beispiel zu drei Vierteln aus Grundwasser, in Nordrhein-Westfalen nur zu etwas über der Hälfte.

    Die Gewinnung von Trinkwasser unterliegt dabei einem ständigen Kreislauf: Verschmutztes Wasser wird nach der Reinigung im Klärwerk einem Fluss zugeführt, dabei gelangt es über die Bodenpassage und durch die Aufbereitung im Wasserwerk wieder als Trinkwasser in unsere Wohnungen. Zu 36 Prozent wird es für die Körperpflege (Baden, Duschen) verwendet, ein Viertel geht durch die Toilettenspülung. Rund 125 Liter Wasser verbrauchte jeder Deutsche so im Durchschnitt im Jahr 2019 pro Tag.

    Gefahr aus der Wasserleitung: Wie Arzneimittel, Nitrat, Blei und Uran unser Grundwasser verunreinigen können

    Das Trinkwasser aus zentralen Wasserversorgungsanlagen besitzt in Deutschland laut Umweltbundesamt eine durchweg sehr gute Qualität. Es unterliegt einer ständigen Überprüfung. Maßgebend ist dabei die Trinkwasserverordnung, die besagt, dass Trinkwasser rein und genusstauglich sein muss und weder Stoffe noch Krankheitserreger enthalten darf, die gesundheitsschädigend sein könnten.

    Trotzdem ist Wasser nicht steril. Da es aus natürlichen Gewässern wie Seen oder Flüssen gewonnen wird, enthält es natürlich vorkommende Mikroorganismen, die auch nach der Aufbereitung im Wasserwerk bestehen bleiben. Für die Gesundheit sind Mikroorganismen wie Algen, Einzeller oder Protozoen (sogenannte Urtiere) allerdings keine Gefahr.

    Für einen Liter Trinkwasser gelten laut Trinkwasserverordnung folgende Richtwerte:

    • Das Wasser darf nicht mehr als 0,01 Milligramm (mg) Blei, 2 mg Kupfer, 0,02 mg Nickel und 50 mg Nitrat enthalten.
    • Das Wasser darf von einem Pestizid nicht mehr als 0,1 Mikrogramm (µg) enthalten.
    • Die Gesamtkonzentration der Pestizide darf 0,5 µg nicht überschreiten.
    • Die Darmbakterien Escherichia coli, Enterokokken oder coliforme Bakterien dürfen in 100 ml Wasser nicht vorkommen.
    • Bei 22 °C dürfen nicht mehr als 20 koloniebildende Einheiten auftreten.

    Wie gefährlich sind Bleirohre?

    Bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts galt Blei als gebräuchliches Material für Trinkwasserleitungen in Gebäuden. Auch die sogenannten Hausanschlussleitungen unter der Straße wurden damals aus Blei angefertigt. Noch heute gibt es Altbauten, in denen Bleileitungen zu finden sind – mit Ausnahme von Süddeutschland, wo man schon seit Ende des 19. Jahrhunderts darauf verzichtet. Grundsätzlich gilt für Deutschland: Häuser, die nach 1973 gebaut wurden, besitzen keine Bleirohre mehr.

    Warum ist Blei so gefährlich? Das Schwermetall wirkt als Nerven- und Blutgift. Es reichert sich im Körper an und wirkt besonders bei Säuglingen, Kleinkindern und schwangere Frauen gesundheitsschädigend. Aus diesem Grund sind Gebäudeeigentümer und Wasserversorger dazu verpflichtet, entsprechende Rohre zu tauschen, sobald ein Grenzwert im Trinkwasser überschritten wird. Wer sich nicht sicher ist, ob sein Trinkwasser aus Bleirohren kommt, kann dies vom Gesundheitsamt oder dem jeweiligen Wasserversorgungsunternehmen überprüfen lassen.

    Wie kommt es zu erhöhten Nitratwerten?

    Um ihre Felder möglichst effizient zu bewirtschaften und damit Getreide, Obst oder Gemüse gut wächst, düngen Landwirte ihre Felder mit Nährstoffen. Fressfeinde und Schädlinge halten Bauern mit chemischen Abwehrstoffen in Schach. Oft werden dem Boden allerdings mehr Nährstoffe als nötig zugeführt. Das ist vor allem in nordwestdeutschen Viehzuchtgebieten und dem Voralpenland der Fall. Die Felder dort werden überdüngt.

    Die Folgen der Überdüngung sind heute die Hauptursache für die Nitratbelastung des Grundwassers. Nitrat gehört damit zu einer der stärksten Umweltbelastungen. Wer befürchtet, zu hohe Nitratwerte im Grundwasser zu haben, sollte das jeweilige Wasserwerk kontaktieren. Hier bekommen Sie eine exakte Auflistung für die Nitratwerte in Ihrem Trinkwasser. Laut Trinkwasserverordnung dürfen pro Liter nicht mehr als 50 mg Nitrat enthalten sein.

    Wie kommen Arzneimittel ins Trinkwasser?

    Pflanzenschutzmittel und Medikamente gehören zu unserem Leben dazu, und sie hinterlassen Spuren, vor allem im Grundwasser. Das Problem: Manche Stoffe (zum Beispiel Schmerz- und Rheumamittel wie Diclofenac oder das Röntgenkontrastmittel Iopromid) sind im Wasser gut löslich und verbleiben deshalb besonders lange dort. Aber auch unbenutzte Tabletten und flüssige Arzneimittel, die über die Toilette oder Spüle entsorgt wurden, sind ein Problem für das Grundwasser. Moderne Messgeräte können diese Stoffe allerdings mittlerweile zuverlässig aufspüren.

    Wieso ist unser Wasser radioaktiv?

    Die wenigsten Menschen wissen, dass auch das Trinkwasser radioaktiv sein kann. Der Grund dafür liegt in den Gewässern. Sie enthalten in manchen Regionen gesundheitsschädigende Radionuklide. In manchen Wasserversorgungsgebieten ist die natürliche radionuklide Belastung, dazu gehören Uran, Radium oder Radon, besonders hoch. In einer Studie untersuchte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) fast 600 Trinkwässer aus ganz Deutschland auf diese Radionuklide. Das Ergebnis: Unser Trinkwasser liefert durchschnittlich 0,009 mSv (Millisievert) pro Jahr. Zum Vergleich: Die gesamte natürliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt durchschnittlich 2,1 Millisievert im Jahr. Das sind in der Gesamtbelastung also nur etwa 0,2 Prozent und bedeutet, dass fast nirgendwo ernsthafte Gefahren bestehen.

    Gemäß Trinkwasserverordnung muss der Wasserversorger das Wasser auch auf natürliche Radioakitvität hin ständig untersuchen. Denn gerade Uran ist besonders gesundheitsschädlich für die Nieren und deshalb vor allem für Nierenpatienten, aber auch für Säuglinge. Aus diesem Grund gibt es einen Grenzwert für Uran in der Trinkwasserverordnung. Seit 2006 liegt dieser Wert laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei 2 μg/l Uran.

    Ein Mann trinkt stilles Wasser aus einem Glas
    Trinkwasser besitzt in Deutschland laut Umweltbundesamt eine durchweg sehr gute Qualität

    Mineralwasser vs. Leitungswasser

    Ob Wasser mit oder ohne Sprudel besser schmeckt, ist zunächst einmal reine Geschmackssache. Gesund ist beides.

    Verbraucherzentralen und auch das Umweltbundesamt berufen sich dabei auf die Trinkwasserverordnung, denn es gibt sicherlich kaum ein Lebensmittel, das so intensiv überprüft wird. Sofern keine Blei- oder frisch verlegten Kupferrohre im Haus sind, können Sie Leitungswasser problemlos trinken. Hinzu kommt, dass Leitungswasser, vor allem wenn es frisch und kühl aus dem Hahn kommt, nicht nur gut schmeckt sondern auch ökologisch sinnvoll ist. Die Klimabelastung durch Mineralwasser ist 600-mal höher als bei aufbereitetem Wasser aus der Leitung. Außerdem ist dieses Wasser fast hundertmal günstiger als Mineralwasser aus Flaschen. Und: Sie müssen keine Kiste tragen, Leitungswasser wird frei Haus geliefert.

    Wer Wasser lieber etwas sprudeliger mag, kann sich einen Trinkwassersprudler zulegen. Bei diesen Geräten wird mithilfe einer Patrone Leitungswasser mit Kohlensäure versetzt. Weil bereits häufig eine hohe Bakterienzahl (Untersuchungen der Universität Freiburg und Mainz) in frischem, selbst aufgesprudeltem Wasser nachgewiesen wurde, sollten Sie folgendes beachten:

    • Verwenden Sie Glasflaschen, die in der Spülmaschine gereinigt werden können.
    • Zerkratzte, beschädigte Flaschen sollten sofort ausgetauscht werden, weil Keime sich in Kratzern festsetzen können.
    • Achten Sie darauf, dass Gerät und Flasche während der Benutzung trocken sind – Keime lieben Feuchtigkeit.

    Darf ich meinem Baby bedenkenlos Leitungswasser geben?

    Eine Verunreinigung des Wassers kann nie vollkommen ausgeschlossen werden. Sie kann zum Beispiel durch Bakterien am und im Wasserhahn, Verunreinigungen des Hausbrunnens oder frisch verlegte Kupferrohre entstehen. Daher ist es sinnvoll, Trinkwasser für die Milchzubereitung von Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten zuerst abzukochen.

    Vor allem nitratreiches Wasser kann für empfindliche Menschen oder Säuglinge gefährlich sein. Aus Nitrat entsteht im Körper Nitrit. Das blockiert den roten Blutfarbstoff, der daraufhin keinen Sauerstoff mehr transportieren kann. Bei Säuglingen ist diese Blockade besonders gefährlich, vor allem bei Babys mit einer Magen-Darm-Infektion.

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    Wie sinnvoll ist ein Wasserfilter?

    Das Fazit der Verbraucherzentrale: „Der Einsatz von Filtern für Leitungswasser ist in der Regel nicht notwendig, da Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz prinzipiell schadstoffarm und gut überwacht ist. Auch Kleinkinder und Kranke brauchen kein gefiltertes Wasser. Die Werbung für Trinkwasserfilter suggeriert oft, dass unser Leitungswasser mit Schadstoffen belastet ist. Diese Aussagen sind jedoch völlig übertrieben.“

    Auch aus hygienischer Sicht ist von dem Gebrauch von Wasserfiltern oder speziellen Wasserbehandlern abzuraten. Trinkwasser kann schnell verkeimen, wenn es zu lange in einem Behälter steht bzw. mit einem alten Filter in Kontakt kommt.

    Laut Verbraucherzentrale sind lediglich sogenannte mechanische Partikelfilter sinnvoll. Diese werden im Haus direkt hinter der Wasserzählanlage montiert und sind bereits seit 2012 vorgeschrieben.

    Hart oder weich: Wie wichtig ist die Wasserhärte?

    Weiches Wasser bedeutet für viele Menschen, dass weniger Waschmittel und Seife verbraucht wird und auch hässliche Kalkflecken, zum Beispiel am Wasserkocher oder an den Badarmaturen, nicht mehr vorkommen. Hartes Wasser verbinden viele hingegen mit zerstörten Heizstäben und defekten Waschmaschinen.

    Richtig ist: Unter der Wasserhärte versteht man nur den Gehalt an Kalzium (Ca) und Magnesium (Mg) im Wasser. Beides sind natürliche Bestandteile der Ernährung und des Körpers, aus diesem Grund ist hartes Wasser auch keinesfalls gesundheitsschädlich. Entscheidend ist die gute Qualität des Wassers.

    Wer wissen möchte, welche Art von Wasser durch seine Leitungen fließt, kann sich an den Wasserversorger wenden. Der gibt Auskunft über den Härtebereich (weich, mittel, hart), der auf den jeweiligen Haushalt zutrifft.

    Laut Verbraucherzentrale gelten folgende Werte:

    • Von weichem Wasser spricht man bei 0 bis 7 Grad deutscher Härte (dH) Härtebereich I (0 bis 1,3 Millimol Calciumoxid pro Liter).
    • Von hartem Wasser spricht man bei 14 bis 21 Grad dH -Härtebereich III (2,5 bis 3,8 Millimol Calciumoxid pro Liter).

    Tipps zum Trinkwasser-Schutz

    Um mit der Ressource Wasser in Zukunft verantwortungsbewusster umzugehen, haben das Umweltbundesamt und auch die Verbraucherzentrale einige Tipps. So schützen Sie heimisches Trinkwasser:

    • Dosieren Sie Waschmittel immer abhängig vom Härtegrad des Trinkwassers, welches hart, mittel oder weich sein kann. Bei weichem Wasser benötigen Sie weniger Waschmittel als bei hartem. Über Ihren Wasserversorger erfahren Sie den Härtegrad!
    • Sprechen Sie Ihren Vermieter an, wenn Sie glauben, dass in Ihrer Wohnung Bleirohre sind. Falls ja, sollten diese so schnell wie möglich ausgetauscht werden. Für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder ist Wasser aus Bleirohren immer ungeeignet.
    • Schutz vor Legionellen: Sorgen Sie dafür, dass das Wasser im gesamten Leitungssystem immer eine Temperatur von 55 °C hat, um Legionellenwachstum zu verhindern. Mehrfamilienhäuser mit einer Zentralen Warmwasseranlage sollten stets überprüft werden, der Vermieter muss den Mieter darüber informieren.
    • Auch Wasser hat ein Verfallsdatum, verwenden Sie deshalb kein abgestandenes Wasser für die Lebensmittelzubereitung. Es könnten sich unerwünschte Inhaltsstoffe vom Installationsmaterial angereichert haben. Abgestandenes Wasser kann man allerdings perfekt für Blumen oder zum Putzen verwenden.
    • Trinken Sie nur frisches und kaltes Wasser aus dem Wasserhahn. Lassen Sie das Wasser kurz laufen. Sobald es kalt ist, besitzt es die optimale Qualität.
    • Befüllen Sie auch Ihre Töpfe oder Kannen nicht mit warmem sondern immer mit kaltem Wasser. So können Sie sicher sein, dass das Wasser nicht zu lange im Warmwassersystem stand.
    • Toilette und Spüle sind keine Abfalleimer: Arzneimittel gehören ebenso wenig in den Abfluss wie Farbreste, Chemikalien oder andere Schadstoffe. Geben Sie Medikamente bei der Apotheke ab und Chemikalien bei einem Recyclinghof.
    • Verzichten Sie auf desinfizierende Reinigungsmittel, sie belasten das Abwasser. Kippen Sie Putzwasser nicht in den Gully, denn der ist nur an die Regenwasserkanalisation angeschlossen.

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